EuroTier 2026: Trends in der Haltungs- und Fütterungstechnik für Schweine

Auch 2026 gibt die EuroTier als Weltleitmesse wieder Antworten zu den aktuellen Fragen der Haltungs- und Fütterungstechnik bei Schweinen. Damit wird dem Trend der global steigenden Nachfrage nach Schweinefleisch Rechnung getragen. Aber es gibt länderspezifische oder regionale Trends, die dieser Entwicklung entgegenlaufen. Bedingt durch deutliche Rückgänge beim Verzehr von Schweinefleisch, aber auch durch gesellschaftliche und damit politische Veränderungen ergeben sich in Deutschland entgegen der globalen Schweinefleischproduktion andere Herausforderungen, die bewältigt werden müssen.

Mehr denn je ist die Kostenführerschaft das wichtigste Kriterium, um im Markt zu bestehen. Allerdings ist das aktuelle Preisniveau selbst bei Kostenführerschaft nicht auskömmlich. In diesem Zusammenhang sind alle Beteiligten der Wertschöpfungskette gefragt, Maßnahmen zu treffen.

chweinemodell in einer Stalleinrichtung auf der EuroTier 2024.
© DLG

Digitalisierung in der Produktion

Auch in diesem Jahr haben eine Reihe von Ausstellern die angebotene Datenvernetzung der im Stall verbauten Techniken mit entsprechenden Verbesserungen versehen. Angefangen bei der Klimasteuerung mit einem Monitoringsystem zur Früherkennung von Atemwegserkrankungen, über die Fütterungstechnik mit Erfassung der Verbrauchsmengen bis hin zu einem optimierten Verkaufsmanagement in Verbindung mit einer Wiegeschleusentechnik oder Kamerasystemen ist bereits einiges reslisiert.

Von verschiedenen Ausstellern werden Weiterentwicklungen und zusätzliche Features angeboten, um die Produktionsprozesse abzubilden. Auch die Erfassung des Wasserverbrauches, die Steuerung der im Auslauf befindlichen Curtainsysteme, die Nutzung einer Hochdruckkühlung oder die Steuerung von automatisierten Einstreusystemen sind mit diesem Datenverbund möglich. Mithilfe von einfach gestalteten Bedienoberflächen in der Landessprache des Mitarbeiters wird die Bedienung intuitiv und benutzerfreundlich und kann die tägliche Arbeit erleichtern. Problematisch bleibt, aus der Vielzahl der Daten die relevanten, für eine optimierte Produktion entscheidenden Werte zu filtern. Hier setzt auch in der Schweinehaltung Künstliche Intelligenz (KI) an und gibt dem Landwirt Entscheidungsunterstützung.

Die herstellerübergreifende Datenvernetzung bleibt dabei weiterhin eine zentrale Aufgabe, um die Vorteile der Digitalisierung gänzlich zu nutzen.
 

Trends im Abferkelstall

Bei den unterschiedlichen Haltungssystemen des Abferkelstalles gibt es in Hannover eine Reihe von Weiterentwicklungen zu sehen. Dabei gibt es logische und gut durchdachte Evolutionen in Bewegungs- oder in Freilaufbuchten. Um Erdrückungsverluste zu mindern, ist die Temperaturstabilität der Ferkel ein wichtiger Einflussfaktor.

Die Firma WEDA Dammann & Westerkamp GmbH hat zusammen mit der Firma VetVise GmbH die smarte Abferkelbucht entwickelt. Mit einer kamerabasierten, KI-gestützten Tierwohlanalyse können nicht nur Erkenntnisse für das Management getroffen werden, sondern es wird auch eine adaptive und flexible Steuerung bestimmter Prozesse vorgenommen. Dazu zählt beispielsweise eine angepasste Fütterung. Die KI erkennt nahende Geburten anhand des Verhaltens der Sau in Echtzeit. Parallel wird das Personal informiert und der Fütterungsrechner angesteuert. Die Fütterung pausiert für eine definierten Zeitraum und startet danach automatisch die Futterkurve für beispielsweise ferkelführende Sauen mit einer optimierten Rezeptur.

Sollte während der Laktation das Saugferkel-Fütterungssystem übermäßig stark durch die Ferkel beansprucht werden, bekommt man auch hier automatisiert eine KI-gestützte Meldung als Warnung für eine eventuell schwache Milchleistung der Sau. Dies kann optisch über eine Lampe, eine entsprechende Meldung per App oder am Rechner passieren.

Des Weiteren erfasst die KI live die Liegepositionen der Ferkel. Liegen die Saugferkel gehäuft außerhalb des Nestes und dicht gedrängt, wird mit dem System ein thermischer Stress registriert. Die Temperatursteuerung (vorzugsweise Elektroheizung) passt daraufhin die Nestheizung automatisch an. Erstmals werden bei dieser Innovation visuelle Verhaltensdaten proaktiv zur Steuerung der „Hardware“ genutzt.

Bedingt durch die Vorgaben in Deutschland (Förderung beim Bundesprogramm zur Umbau der Tierhaltung – BUT) zur Schaffung einer weichen Liegefläche im Schulterbereich der Zuchtsau präsentieren mehrere Aussteller Entwicklungen auf dem Gebiet der Bodengestaltung. Überwiegend handelt es sich dabei um Gummimatten, die in die vorhandenen Rostsysteme integriert werden können.

Die Firma ATX Suisse GmbH hat mit dem „ATX AluXheat“ das Infrarot-Tierheizelement neu entwickelt. Während die bekannten Infrarot-Heizelemente primär auf eine Wärmeerzeugung ausgelegt sind, verbindet das neue Heizelement Energieeffizienz mit einem integrierten Brandschutzkonzept. Gewährleistet wird dies durch das vollständig geschlossene Aluminiumgehäuse, das die elektrischen Komponenten zuverlässig vor Feuchtigkeit, aggressiven Stallgasen und mechanischen Einwirkungen schützt. Gleichzeitig dient das Gehäuse als Sicherheitsbarriere und verhindert im Fall eines elektrischen Defekts die Entzündung brennbarer Materialien.

Parallel dazu werden Rostsystem mit höherem hygienischem Ansatz durch glatte, leicht zu reinigende Oberflächen oder die eigentliche Rostgestaltung vorgestellt.

Fachgespräch zu Stalltechnik auf einem Messestand der EuroTier 2024.
© DLG

Trends zur Haltungstechnik bei Schweinen

Weiterentwicklungen gibt es zudem bei automatischen Einstreusystemen zur besseren Strohverteilung in der Bucht. Auch bei Automaten für Beschäftigungsmaterial gibt es Fortentwicklungen, um die Beschäftigungszeit der Tiere zu verlängern.

Neben Verbesserungen und Arbeitshilfen bei der Stalleinrichtung steht dieses Jahr auch ein vollkommen automatisiertes Entmistungssystem im Mittelpunkt. Mit dem „Pig-Barn-Cleaner“ der Peter Prinzing GmbH wird ein komplett neuer Ansatz zum Reinigen von verschmutzten, planbefestigten Ausläufen in Schweineställen angeboten. Das innovative System erledigt die Entmistung selbstständig und verknüpft erstmals das tiergerechte Treiben der Schweine mit einer neu entwickelten, automatisierten Reinigungstechnik in einem programmgesteuerten Prozess.

Die zentrale Innovation dieser Lösung ist eine automatische Abtrennung der Tiere vom Arbeitsbereich. Dadurch können Verletzungen während der Reinigung sowohl beim Tier als auch bei dem Landwirt oder dessen Mitarbeitern wesentlich minimiert oder ausgeschlossen werden. Parallel dazu entfällt die körperlich belastende und zeitaufwendige manuelle Entmistung weitestgehend. Beim eigentlichen Reinigungsvorgang wird der Mist automatisch aufgenommen, abtransportiert und an einer definierten Stelle abgesetzt. Mithilfe einer benutzerfreundliche Steuerung können die Reinigungsabläufe beziehungsweise Auswahl der Buchten entsprechend programmiert werden. Im Rahmen von Versuchen wurde das System für eine lastabhängige Tierbewegung sowie ein präzises, lasergestütztes Messsystem zur Erfassung der Buchtenpositionen optimiert. Der innovative Ansatz des Systems ist klar erkenntlich, allerdings entscheiden letztlich die Investitions- und Betriebskosten über eine weitere Verbreitung des Systems.

In Tierwohlställen ist Stroh als Einstreumaterial unverzichtbar und automatische Einstreuanlagen sind Stand der Technik. Die dabei entstehende Staubbelastung wird bisher durch Absauganlagen oder das Einsprühen von Öl direkt in die Buchten reduziert.

Die Firma Schauer Agrotronic GmbH hat jetzt mit der „Strohmatic AERO Dust Control“ ein neuartiges Verfahren auf den Markt gebracht, das dem Entstehen von Staub im Transportvorgang weitgehend entgegenwirkt. Das Pflanzenöl wird direkt in die Förderleitung eingespritzt. Dies kann sowohl bei Fördersystemen mit Druckluft als auch in mechanischen Fördersystemen wie beispielsweise Rohrkettenförderern eingesetzt werden. Wichtig ist, die Dosierung des Pflanzenöls in Abhängigkeit der zu fördernden Menge Einstreu zu regulieren, um eine Verklebung oder einen hygienischen Nachteil im Rohrleitungssystem zu vermeiden. Das Öl benetzt keine Buchtenwände, Böden und andere Bereiche ohne Einstreu. Das innovative System stellt somit eine wesentliche Weiterentwicklung bisheriger Systeme dar.

Weiter im Fokus des Interesses steht – zumindest in vielen europäischen Ländern - die Mast unkupierter Tiere. Zur EuroTier wird ein KI-basiertes, automatisches Präzisions-Scanning von Ringelschwänzen vorgestellt. Beim Durchlaufen einer Sortierschleuse erfasst eine Kamera das Tier von oben. Die KI segmentiert das Bild und erkennt, ob ein intakter Ringelschwanz vorliegt oder ob Schwanznekrosen bzw. Anzeichen von Schwanzbeißen zu erkennen sind. Eine Besonderheit gegenüber anderen Systemen ist ein einzeltierbezogener Abgleich mit Alarmierungsoption. Möglich wird dies durch eine Verknüpfung der Daten mit der Ohrmarken-Erkennung (RFID/LF) des Tieres.

Durch die KI wird das aktuelle Bild des Schwanzes mit historischen Daten des Tieres abgeglichen. Bei Veränderungen (auch innerhalb eines Tages) wird eine Meldung mit der Buchten- und Tiernummer an den Landwirt gesendet und es besteht zudem die Möglichkeit, das Tier zu separieren. Da zwischenzeitlich einige Vermarkter Boni für Langschwanztiere bezahlen, ist es mit dem System zudem möglich, die Anzahl der gelieferten Langschwanztiere zu überprüfen. Dazu aggregiert das System die Daten kontinuierlich. Bereits vor dem Vermarktungstermin bekommt der Landwirt auf Knopfdruck die exakte Anzahl der Tiere mit intaktem Ringelschwanz für die Boni oder Beantragung von Tierwohlprämien mitgeteilt.
 

Automatisierte Konditionskontrolle und Haltungstechnik bei Sauen

Die Futterkondition der Sauen ist ein wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg eines Ferkelerzeugers. Dabei ist es nur wenig aussagekräftig, einzig das Gewicht der Sau zu ermitteln. Zielführender ist vielmehr die zusätzliche Messung der Rückenspeckdicke über die bekannten Verfahren oder Messtechniken. Hilfsweise kann über den Body-Condition-Score (BCS) eine Beurteilung vorgenommen werden. Je nach Auge des Betrachters ist diese Einschätzung eher subjektiv. Von verschiedenen Herstellern werden zur EuroTier weiterentwickelte automatisierte Konditionsbeurteilungen angeboten.

Komponenten einer Fütterungs- und Dosiertechnik für die Schweinehaltung auf der EuroTier 2024.
© DLG

Trends in der Fütterungstechnik

Bei Trockenfütterung waren bis auf Veränderungen in den Materialien die Innovationen in diesem Jahr etwas verhaltener. Die bereits länger bekannten Systeme, um verschiedene Futter in einem Fördersystem in unterschiedlichen Abteilen zu füttern, wurden weiterentwickelt.

Das von der Firma WEDA Dammann & Westerkamp GmbH vorgestellte Konzept einer neuen Generation von Anmischbehältern für Flüssigfütterungsanlagen behebt eine bislang vorhandene Schwachstelle bei der Pflege und beim Service der Anmischtanks. Wartungsarbeiten im Tank können mitunter sehr aufwendig und gefährlich sein. Der neu konstruierte Tank verfügt im unteren Segment des Anmischbehälters auf Bodenniveau über eine großzügig dimensionierte, druckstabile Wartungsluke. Damit wird dem Landwirt oder seinem Mitarbeiter ein direkter, ebenerdiger Zugriff auf den sensiblen Bodenbereich des Anmischtanks und die Lagereinheit des zentralen Rührwerkes ermöglicht. Parallel wurde das Bodenlager der Rührwerkswelle mechanisch völlig neu konstruiert, was Wartungsarbeiten erleichtert.

Parallel dazu wurde die konische Behälterform optimiert. Mithilfe des angepassten Rührwerks ergibt sich ein wesentlich verbessertes Fließverhalten und eine verbesserte Homogenität des Flüssigfutters. Die Futterkomponenten werden schneller homogenisiert und Ablagerungen an den Behälterwänden effektiv minimiert.

Der Landwirt oder seine Mitarbeiter müssen künftig für Reinigungs- und Wartungsarbeiten nicht mehr in den Behälter einsteigen. Damit werden erhebliche Gefahrenpotenziale in der Pflege reduziert. Insbesondere die ergonomischen Erleichterungen durch den Entfall schwerer Überkopf- oder/und Kletterarbeiten überzeugen in diesem Zusammenhang. Damit werden Ausfallzeiten der Fütterungsanlage bei Servicearbeiten auf ein Minimum reduziert, was die Versorgungsicherheit der Tiere garantiert.
 

Innovative Hygiene- und Reinigungstechnik

Basis für eine gute Tierleistungen ist auch das Unterbrechen von möglichen Infektionsketten. Die Firma MS Schippers stellt in diesem Jahr mit dem „MS Smart Cleaning Robot“ einen innovativen, wesentlich weiter entwickelten Waschroboter vor, der die notwendigen Phasen einer effizienten Reinigung vereint: chemisches Einweichen, Waschen und Desinfizieren. Mithilfe eines hochpräzisen 3D-LiDAR-Scanners erkennt die im Roboter verbaute Software autonom die Raumstrukturen und kann ohne eine zeitaufwendige Programmierung oder standardisierte Sensortechnik den Stall abfahren und reinigen. Die intelligente Software erkennt dabei auch die Unterschiede zwischen Gängen und Buchten. Über eine Fernbedienung ist der Roboter leicht manövrierbar. Zukünftig soll das System über Fotos und KI-unterstützte Verarbeitung auch verbliebene Schmutzflecken autonom erkennen können.

Durch den 5,50 m langen, ausfahrbaren Wascharm können auch tiefere Gruppenbuchten lückenlos und effizient gereinigt werden. Mithilfe einer angepassten Druckregulierung an der Reinigungsdüse kann die Intensität vollautomatisch angepasst werden, um selbst Stalldecken sicher zu reinigen.

Parallel dazu vereint der „MS Smart Cleaning Robot“ als erstes System die drei essenziellen Phasen einer optimierten Stallhygiene. Zunächst wird durch ein chemisches Einweichen das Abteil vorbereitet. Im Anschluss wird der Stall oder das Abteil mit Wasser gewaschen und kann zum Schluss mit dem gleichen Gerät auch desinfiziert werden. Diese 3-in-1-Funktion in einem autonom arbeitenden Roboter ist einzigartig und erlaubt damit eine effizientere Arbeitserledigung. Die harte körperliche Arbeit für den Landwirt oder Mitarbeiter wird minimiert und der direkte Umgang mit Aerosolen und Desinfektionsmitteln wird reduziert..

Andere Anbieter haben mithilfe von bedarfsabhängigen, frequenzgeregelten Hochdruck-Kaskadenanlagen gleichfalls eine Arbeitserleichterung bei der Stallhygiene im Angebot.
 

Fazit

Die EuroTier 2026 bietet als Weltleitmesse für die Tierhaltung viele Weiterentwicklungen und Verbesserungen bereits bestehender Haltungs- und Fütterungstechniken beim Schwein. Neue, zum Teil innovative Fortentwicklungen, aber auch viele kleine, jedoch gut gelöste Details auch beim Zubehör oder den Geräten für eine erfolgreichen Produktion lohnen einen Besuch in Hannover.


Autor: Wilfried Brede, Geschäftsführer STA-Serviceteam Alsfeld GmbH

 Zum Thema