Exportchancen für Qualitätsprodukte  „Made in Germany“ 

Unterwegs mit Bundesagrarminister Alois Rainer auf seiner Reise nach Japan und China

Den Export von Agrarprodukten hat Bundesagrarminister Alois Rainer zur Chefsache erklärt. Nach Reisen in die USA und Südafrika führte er Mitte Juni Gespräche zu Handelsfragen sowie zu Exporten mit seinen Amtskollegen in Japan und China. Diese bilden die Grundlage für Regionalisierungsabkommen, um den Export von Fleisch, Käse, Wein, Getreide und Landtechnik „Made in Germany“ wieder zu ermöglichen. Eine hochrangige Wirtschaftsdelegation aus der Agrar- und Lebensmittelbranche begleitete den Bundesminister. 

Erste Station war Tokio. Japan ist nach China Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner in Asien. China ist als weltweit größter Lebensmittelmarkt von herausragender Bedeutung für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft. In Tokio führte Rainer Gespräche mit Landwirtschaftsminister Norikazu Suzuki, um den Export deutscher Lebensmittel wie Schweine- und Rindfleisch sowie Käse, Wein, Getreide und Landtechnik wieder zu ermöglichen. Japan weist beim Reis eine Überversorgung auf, ist insgesamt jedoch stark auf Importe angewiesen: Bei rund 130 Millionen Einwohnern liegt der Selbstversorgungsgrad bei etwa 38 Prozent, während er in Deutschland über 80 Prozent beträgt. Das zeigt das Potenzial des japanischen Marktes für deutsche Produkte. 

Die japanischen Verbraucher stellen hohe Ansprüche an Lebensmittel – hier kann Deutschland mit seinen Premiumprodukten punkten, betonte Rainer. Mit seinem japanischen Amtskollegen unterzeichnete er eine Protokollerklärung. Darin sichert Japan zu, mehr Rotwein aus Deutschland einzuführen. Im Gegenzug sollen künftig mehr Sake und Reis nach Deutschland importiert werden. Zudem verständigten sich beide Seiten darauf, die technischen Gespräche zur Regionalisierung im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) fortzusetzen. Seit Monaten arbeiten Experten des Bundesagrarministeriums (BMLEH) eng mit den japanischen Behörden zusammen, um die Anforderungen für den Export von wärmebehandeltem Schweinefleisch zu erfüllen. Ein Ziel bleibt ein Regionalisierungsabkommen, das die Einfuhr von Schweinefleisch aus ASP-freien Regionen Deutschlands ermöglicht. Japan ist auf Agrarimporte angewiesen und an den Produkten interessiert, erklärte Rainer gegenüber Vertretern von Importverbänden für Käse, Wurst und Wein. 

Um die Bekanntheit deutscher Agrarprodukte weiter zu steigern, will Rainer die Präsenz auf Food-Messen und Landwirtschaftsausstellungen in Japan ausbauen. Zugleich lobte er die intensive Arbeit seiner Mitarbeiter im Ministerium, die die Gespräche fachlich vorbereitet und begleitet haben. Geopolitische Spannungen, belastete Lieferketten, unsichere Märkte und der Klimawandel stellen nach Ansicht beider Minister zentrale Herausforderungen dar. Grundlage für den bilateralen Handel bleibt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan aus dem Jahr 2019. Neben politischen Gesprächen besuchte Rainer auch ein Start-up, das Proteine aus Algen im Rahmen der Blauen Bioökonomie produziert. 

Japan: Vorbild für Krisenvorsorge 

Einen weiteren Schwerpunkt auf seiner Reise in Japan bildete die Ernährungssicherheit. Naturkatastrophen oder Angriffe auf kritische Infrastruktur können zu Versorgungsengpässen führen. Rainer will die Krisenvorsorge in Deutschland daher ausbauen und informierte sich im Hafen von Yokohama über das japanische Notfallmanagement. Dort besichtigte er das private Lagerhaltungsunternehmen Kamigumi. In Japan lagern staatliche Reisreserven von rund 1 Mio. t bei einem Jahresverbrauch von etwa 7 Mio. t. Aufgrund geringerer Haltbarkeit werden jährlich etwa 100.000 t polierter Reis ausgelagert und an soziale Einrichtungen verteilt.

 Auf Basis dieser Erfahrungen prüft das Bundesagrarministerium, die bestehenden Notfallreserven zu erweitern. Ergänzend zu Getreide, Reis, Hülsenfrüchten und Kondensmilch sollen künftig auch haltbare, sofort verzehrbare Lebensmittel vorgehalten werden. Denkbar sind Konserven oder fertige Mahlzeiten, die auch ohne Stromversorgung zubereitet werden können. Für Lagerung und Logistik sieht Rainer vor allem die Lebensmittelindustrie und den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in der Verantwortung. Neue staatliche Lager sollen nicht aufgebaut werden. Für den Start sind Investitionen von 20 bis 30 Mio. Euro vorgesehen; eine endgültige Mittelzusage steht noch aus. 

Fortschritte im Chinageschäft 

In China konnte Rainer einen Besuch im Zoll- und Agrarministerium abstatten. Ein wichtiges Signal, da die Regierung auch schnell Termine absagt. Im Mittelpunkt der Gespräche in Peking stand die Anerkennung der Regionalisierung im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest  (ASP) – ein entscheidender Schritt zur Wiederaufnahme von Exporten aus nicht betroffenen Regionen Deutschlands. „Wir haben einen konkreten Fahrplan zur Regionalisierung bei ASP, Maul- und Klauenseuche sowie Geflügelpest vereinbart“, erklärte Rainer. Der chinesische Landwirtschaftsminister Zhu kündigte an, kurzfristig Inspekteure nach Deutschland zu entsenden, um sich vor Ort ein Bild von den Bekämpfungsmaßnahmen in den ASP-Regionen zu machen. Dieses Monitoring sowie die technischen Gespräche zu veterinärrechtlichen Standards gelten als Voraussetzung für ein Abkommen. Rainer zeigte sich zuversichtlich, dass eine Vereinbarung noch in diesem Jahr unterzeichnet werden könnte. 

Vertreter der deutschen Fleischwirtschaft bewerteten die Ergebnisse der Reise positiv. Sie habe wichtige Impulse für die Wiederaufnahme des Schweinefleischexports gesetzt, erklärte Steffen Reiter vom Verband der Fleischindustrie. Nach Angaben der Branche gibt es bei Hühnerfüßen große Absatzchancen in China. Noch wichtiger wäre allerdings ein Regionalisierungsabkommen für Schweinefleisch. Wenn wir hier Fortschritte erzielen, hätte das erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für die deutsche Schweinewirtschaft. In China besteht eine große Nachfrage nach Schweinefüßen, -köpfen oder -ohren – alles Teile, die in Deutschland keinen Absatz finden. Nach den Worten von Delegationsmitglied Clemens Tönnies erhöht sich die Wertschöpfung eines Schweines mit dem Verkauf dieser Nebenprodukte um 5,00 bis 7,00 €. 

Deutsch-Chinesisches Agrarzentrum in Peking

Bei aller Freude über die Vereinbarungen, dämpfte Bundesminister Rainer abschließend zu hohe Erwartungen: Niemand könne erwarten, dass unmittelbar nach solchen Gesprächen bereits unterschriebene Abkommen vorliegen oder volle Auftragsbücher entstehen. Entscheidend sei nun, die vereinbarten Schritte konsequent weiterzuverfolgen. Eine wichtige Etappe dabei war auch das Abkommen über die Fortführung des Deutsch-Chinesischen Agrarzentrums (DCZ) um weitere drei Jahre in Peking. Diese Kooperation ist einzigartig in der EU. Die Arbeit im DCZ soll auf eine neue Grundlage gestellt und künftig stärker auf wirtschaftliche Kooperation sowie Handels- und Marktzugangsfragen ausgerichtet werden.

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Wirtschaftsdelegation mit Vertretern des deutschen und chinesischen Landwirtschaftsministerium zum Ausbau der deutsch-chinesischen Kooperation in Peking. Foto: BMLEH
Bundesminister Alois Rainer (l.) im Gespräch mit seinem japanischen Amtskollegen Norikazu Suzuki in Tokio. Foto: BMLEH
Bundesagrarminister Alois Rainer informiert sich beim Besuch eines japanischen Reislagers über die Notfallvorsorge. Foto: da
Bundesminister Alois Rainer und die chinesische Zollministerin Sun Meijun am Verhandlungstisch. Foto: BMLEH
Bundesminister Alois Rainer (l.) und sein chinesischer Amtskollege Zhang Zhu, Minister für Landwirtschaft und Ländliche Angelegenheiten, unterzeichnen ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit im Rahmen des Deutsch-Chinesischen Agrarzentrums
Bundesminister Alois Rainer (r.) informiert sich beim Besuch der „Microalgae Lab“ der Chitose Group in Yokohama über den Aufbau einer großskaligen Mikroalgenwirtschaft. foto: BMLEH