Junge DLG Team Triesdorf auf Sommer-Exkursion in Mitteleuropa

Vier Tage – vier Länder – acht Betriebe – 2.000 Kilometer

Vom 11. bis 14. Juni 2026 war das Team Triesdorf der Jungen DLG in Mitteleuropa auf Exkursion. Mit insgesamt 43 Studierenden aus den Bereichen Landwirtschaft und Agrartechnik startete die Gruppe Donnerstagnacht in Richtung Österreich.

Tag 1 – Pöttinger und Gut Hardegg 

Der erste Programmpunkt führte die Gruppe zu Pöttinger, einem weltweit agierenden Familienunternehmen der Landtechnik mit Hauptsitz in Grieskirchen, Österreich. Das Unternehmen ist auf Grünlandtechnik, Bodenbearbeitung und Sämaschinen spezialisiert. Am Standort Grieskirchen liegt der Schwerpunkt auf der Produktion von Grünlandtechnik; Forschung und Entwicklung spielen dort ebenfalls eine zentrale Rolle. Die Gruppe erhielt einen Einblick in die Unternehmensgeschichte sowie in die Fertigung von Mähwerken, Schwadern und Ladewagen. Nach dem Mittagessen bei Pöttinger ging es weiter zum Gut Hardegg im niederösterreichischen Weinviertel. Der Familienbetrieb, der bereits in der zehnten Generation geführt wird, vereint konventionellen Ackerbau, Weinbau, Forstwirtschaft sowie Schweinemast und -zucht unter einem Dach. Im Mittelpunkt steht eine Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur, die Förderung der Biodiversität und die aktive Landschaftspflege. Familie Hardegg engagiert sich mit konkreten Maßnahmen zum Schutz von Wildtieren, Vögeln und Insekten: Renaturierungsprojekte wie sogenannte „Beetle Banks", Streuobstwiesen, künstlich angelegte Wasserstellen und regelmäßig aufgestellte Wildfutterbehälter zeugen von diesem Ansatz. Nach einer Führung durch den ackerbaulichen Betriebszweig rundete ein Besuch des Weinguts den Tag ab – inklusive Besichtigung des Weinkellers und einer Verkostung der Hausweine. Den Abend ließen die Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer bei bestem Wetter in der Brünner Altstadt ausklingen.

Tag 2 – Horsch-Agrovation 

Am Freitag führte die Route von Brünn nach Kněžmost in Tschechien. Dort stand ein Besuch bei Horsch-Agrovation auf dem Programm – einem Betrieb der Familie Horsch, der unabhängig vom gleichnamigen Landmaschinenhersteller agiert. Nach einem gemeinsamen Mittagessen erhielt die Gruppe einen theoretischen und praktischen Einblick in die Betriebsphilosophie des Unternehmens, das insgesamt 789 verschiedene Verpächter hat. Ursprünglich setzte der Betrieb vollständig auf Controlled Traffic Farming (CTF), bis sich zeigte, dass die gleichmäßige Strohverteilung zu unebenen Oberflächen und Flächenverlusten führte. Seitdem erfolgt die Bodenbearbeitung stets im Winkel zur Fahrgasse, die weiterhin als Spritzspur dient. Obwohl der Betrieb eigenständig wirtschaftet, fungiert er zugleich als Testbetrieb für Maschinen und Anbaugeräte von Horsch. In der Bodenbearbeitung wird bewusst variiert und werden neue Ansätze erprobt. Zu den langfristigen Zielen zählt unter anderem, den Arbeitskräftebedarf auf vier Arbeitsstunden pro Hektar zu senken und die Getreidesilos so zu automatisieren, dass für das Beladen der Lkw nur noch eine Person erforderlich ist. Hintergrund dieser Effizienzbestrebungen ist die regional hohe Lohnkostenbelastung: Während der tschechische Mindestlohn bei etwa 5,50 Euro liegt, beträgt er in der Region rund 15,50 Euro – bedingt durch die Nähe eines Škoda-Werks. Im Anschluss reiste die Gruppe weiter in die polnische Stadt Breslau (Wrocław).

Tag 3 – Gutsverwaltung Schönfelder Hochland und Schloss Wackerbarth 

Am Samstagmorgen setzte die Gruppe die Route Richtung Deutschland fort. Vor den Toren Dresdens stand eine Führung über die Gutsverwaltung Schönfelder Hochland auf dem Programm. Der Betrieb ist eine ehemals genossenschaftlich geführte Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), die nach der Wiedervereinigung privatisiert wurde. Heute bewirtschaften fünf Mitarbeitende rund 1.650 Hektar Ackerland und 500 Hektar Grünland in extensiver Bewirtschaftung. Ergänzt wird dies durch eine Herde von 100 Mutterkühen und Absetzern sowie eine 1,5-Megawatt-Biogasanlage, die mittlerweile teilweise außer Betrieb ist und flexibilisiert wurde. Im Gespräch wurden verschiedene Perspektiven für die Weiternutzung der Anlage erörtert – von einer möglichen Automatisierung bis hin zur Gaseinspeisung ins Netz, die jedoch mit erheblichem Investitionsbedarf verbunden wäre. Eine besondere Herausforderung stellt dabei der Umstand dar, dass die Biogasanlage die einzige im Landkreis Dresden ist und damit immer wieder auf administrative Hürden stößt. Nach der Betriebsführung verbrachte die Gruppe den Nachmittag auf einem zeitgleich stattfindenden Hoffest, bevor es weiter nach Radebeul zum Erlebnisweingut Schloss Wackerbarth ging. Eine einstündige Führung vermittelte fundiertes Wissen über Sekt- und Weinherstellung unter den Bedingungen des sächsischen „Cold Climate". Besonders eindrucksvoll war die Parallele zum Ackerbau: Auch im Weinbau entscheiden Standortfaktoren wie Sonneneinstrahlung und Bodenstruktur über die Sortenwahl, allerdings mit noch unmittelbarerem Einfluss auf das Geschmacksprofil im Glas. In der Erntezeit von August bis Ende November werden die Trauben von Hand verlesen und zu Fuß transportiert, bevor sie zu Wein verarbeitet werden. Den Abschluss bildete eine Verkostung zweier Weißweine und eines Sekts. Der Abend wurde individuell in Dresden gestaltet.

Das Junge DLG Hochschulteam Triesdorf zu Besuch auf Gut Hardegg, einem Familienbetrieb mit Ackerbau, Weinbau, Forstwirtschaft sowie Schweinemast und -zucht. Fotos: DLG
Führung durch das Weingut Schloss Wackerbarth in Radebeul/Sachsen.
Teilnahme des Hochschulteam Junge DLG Triesdorf am Sommerfest der Gutsverwaltung Schönfelder Hochland vor den Toren Dresdens.

Tag 4 – Martin Beck und Milchwirtschaft Dehles 

Der letzte Exkursionstag begann früh morgens mit der Fahrt nach Hohenmölsen. Dort begrüßte die Gruppe Martin Beck, der von seiner Existenzgründung nach der Wiedervereinigung berichtete. Neben 1.500 Hektar konventionellem Ackerbau kultiviert Beck auf Schlägen von zwei bis vier Hektar Erdbeeren im Direktvertrieb. Das dreijährige Anbauprogramm beginnt mit der Pflanzung im März, gefolgt von einem Entwicklungsjahr, bevor die Flächen zwei Jahre lang für das Selbstpflücken genutzt werden. Die Saison erstreckt sich von Mitte Mai bis Juli. Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb ist neben einer gut erschlossenen Fläche auch die Infrastruktur vor Ort: ein genehmigter Brunnen zur Bewässerung, ein Stromanschluss auf dem Feld sowie eine Einzäunung zum Schutz vor Diebstahl. Der Besuch endete auf eindrucksvolle Weise: Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer durfte eine Schale Erdbeeren selbst pflücken und mitnehmen. Der zweite Programmpunkt des Tages war die Milchwirtschaft Dehles, eine aktive Genossenschaft im Vogtland. Auf 602 Anteile kommen insgesamt 96 Anteilhaber, von denen 17 aktiv im Betrieb tätig sind. Eine Besonderheit ist die Regelung, dass ausschließlich aktive Mitglieder in den Gremien sitzen dürfen – eine Maßnahme, die praxisnahe und nicht rein renditeorientierte Entscheidungen fördert. Der Betrieb verteilt sich auf vier Hauptstandorte; am besuchten Standort werden 1.100 Holstein-Milchkühe mit einer Durchschnittsleistung von 12.500 Litern gehalten. Ergänzt wird dies durch Ackerbau und eine betriebseigene Kantine, die von insgesamt 45 Mitarbeitenden betreut werden. Der Betriebsleiter führte die Gruppe durch die Anlage und erläuterte die Funktionsweise, Vor- und Nachteile der genossenschaftlichen Betriebsform. Der Vergleich mit dem privatisierten Betrieb Martin Beck bot wertvolle Einblicke in die unterschiedlichen Wirtschaftsweisen. Den krönenden Abschluss der Exkursion bildete eine Führung durch die Bayreuther Bierkatakomben, in der die Geschichte der Bierbrauerei und der Biergartenkultur lebendig wurde. Ein anschließendes Burgerbuffet im zugehörigen Restaurant bot den Rahmen, den letzten Abend der Reise bei angeregten Gesprächen ausklingen zu lassen.

Fazit 

Vier Tage, vier Länder, acht Betriebe und rund 2.000 Kilometer – die Sommerexkursion 2026 des Teams Triesdorf der Jungen DLG bot eine einzigartige Mischung aus landwirtschaftlicher Praxis, unternehmerischen Einblicken und kulturellen Erfahrungen. Jeder besuchte Betrieb verdeutlichte auf seine Weise, wie vielfältig und innovativ die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Mitteleuropa aufgestellt ist. Als Dankeschön erhielt jeder Betrieb einen Geschenkkorb mit regionalen Spezialitäten aus Triesdorf: Schnaps, Rapsöl, Apfelchips sowie einen Weißwein aus Mittelfranken und fränkische Kartoffelchips von „Grischberli". Auch in diesem Jahr wurde die Gemeinschaft im Bus gepflegt: Neue Freundschaften entstanden, Musik erklang, und die Stunden auf der langen Fahrt vergingen wie im Flug.

Beim Besuch des Ackerbau- und Sonderkulturbetriebs Martin Beck in Hohenmölsen/Sachsen-Anhalt durfte das Junge DLG Hochschulteam Triesdorf selbst Erdbeeren pflücken und direkt im Anschluss verkosten.
Text und Fotos: 

Junge DLG Team Triesdorf

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