Die DLG-Feldtage zählen zu den bedeutendsten Feldveranstaltungen der europäischen Landwirtschaft – und in diesem Jahr waren auch die Projekte BioMonitor4CAP (www.BioMonitor4CAP.eu) und KOMBI – Agrarnaturschutz wird kooperativ (www.kombi-agrar.de) mit einem gemeinsamen Stand im Juni in Bernburg vertreten. Drei Tage lang konnten Besucher erleben, wie modernes Biodiversitäts-Monitoring in der Praxis funktioniert – und warum es für die Landwirtschaft von morgen so wichtig ist.
Pop-up Talks: Wissenschaft trifft Praxis
Täglich um 10:30 Uhr fanden am Stand kurze, lebendige Pop-up Talks statt. In kompakter Form wurden die Grundideen hinter dem Biodiversitäts-Monitoring vorgestellt: Warum brauchen wir verlässliche Daten über die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft? Wie können Landwirtinnen und Landwirte davon profitieren? Und welche Rolle spielt die EU-Agrarpolitik (GAP) dabei? Die Talks stießen auf großes Interesse und regten angeregte Gespräche an.
Geführte Rundgänge: Vier Stationen – vier Indikatoren
Zweimal täglich – um 11:00 Uhr und um 16:00 Uhr – lud das Team zu geführten Rundgängen zum Thema „Biodiversitäts-Monitoring" ein. Entlang von vier Stationen wurden die zentralen Indikatoren des BioMonitor4CAP-Projekts vorgestellt und die eingesetzten Messmethoden anschaulich erklärt:
Station 1: Insekten
Insekten sind unverzichtbare Bestandteile unserer Agrarökosysteme: Sie bestäuben Pflanzen, tragen als Nützlinge zur natürlichen Regulation von Schadinsekten bei und sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel und Säugetiere. An dieser Station wurde gezeigt, wie Insektenvielfalt erfasst und bewertet wird.
Eingesetzte Methoden:
- Klassische Methoden (z. B. Kescherfang, Lichtfallen): Erfassen sichtbare Insekten, ermöglichen Artenbestimmung bis zur Ordnung/Familie – jedoch zeitaufwendig und nicht vollständig automatisierbar.
- KI-gestützte Bildanalyse: Automatisierte Auswertung von Insektenfallen-Bildern ermöglicht ein breiteres Erfassungsspektrum, benötigt aber noch strukturierte Daten zur Verbesserung der Modelle.
- AudioMoth & SongMiMeter: Akustische Erfassung von Insekten – ein innovativer Ansatz mit großem Potenzial für das Langzeit-Monitoring.
Schon gewusst? „Schädling/Schadinsekten" ist oft eine Kontextbezeichnung – Schaden entsteht meist erst bei hoher Dichte oder wenn natürliche Gegenspieler fehlen. Für stabile Agrarökosysteme zählt das Gleichgewicht aus Ressourcen, Schaderregern und Antagonisten.
Station 2: Vögel
Vögel des Agrarlands – wie Feldlerche, Kiebitz oder Rebhuhn – sind Bioindikatoren für den Zustand der Kulturlandschaft. Sie reagieren auf Veränderungen in Bewirtschaftung, Strukturangebot und Nahrungsverfügbarkeit und können als Proxy für fehlende Strukturen oder Insektenrückgang dienen.
Eingesetzte Methoden:
- Punktzählungen: Klassische Methode zur Erfassung von Vogelarten und -häufigkeiten im Feld.
- Automatisierte Audiorekorder (z. B. AudioMoth): Ermöglichen ein kontinuierliches, flächendeckendes Monitoring mit KI-gestützter Artenbestimmung (z. B. BirdNET).
Station 3: Boden
Boden ist weit mehr als ein Wachstumsmedium – er ist ein lebendes System. Seine biologischen Eigenschaften bestimmen, wie gut er Wasser speichern, Nährstoffe umsetzen und stabile Erträge ermöglichen kann. Im Mittelpunkt dieser Station stand die Bodenbiodiversität als Grundlage von Bodenfunktionen.
Vorgestellt wurden zwei sich ergänzende Messmethoden:
- Nematoden-Indizes: Nematoden reagieren sensibel auf Bewirtschaftungsänderungen und spiegeln Prozesse im Boden-Nahrungsnetz wider. Ihre Zusammensetzung liefert funktionelle Signale über den Zustand des Bodens.
- eDNA (Umwelt-DNA): Mithilfe von Metabarcoding können aus Bodenproben Bakterien, Pilze und Invertebraten gleichzeitig erfasst werden – und so ein umfassendes Bild der Bodenbiodiversität entstehen.
Station 4: Landschaft – und der Brückenschlag zu KOMBI
Die Landschaft ist der Rahmen, in dem alle anderen Indikatoren wirken. Strukturreiche Landschaften – mit Hecken, Feldrainen, Blühstreifen und Gewässern – sind Grundlage für Bestäubung, Erosionsschutz, Wasserregulation und Biodiversität.
An dieser Station wurde der Bogen zum Partnerprojekt KOMBI gespannt: Denn Maßnahmen für mehr Biodiversität in der Landschaft lassen sich am wirksamsten kooperativ umsetzen – wenn Landwirtinnen und Landwirte gemeinsam planen, abstimmen und handeln. KOMBI entwickelt und erprobt genau solche kooperativen Ansätze im Agrarnaturschutz.
Fazit
Die DLG-Feldtage 2026 haben eindrucksvoll gezeigt: Biodiversitäts-Monitoring ist keine abstrakte Wissenschaft, sondern ein praxisrelevantes Werkzeug für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. BioMonitor4CAP und KOMBI stehen für den Ansatz, Forschung und landwirtschaftliche Praxis eng zu verzahnen – für messbare Biodiversität, fundierte Entscheidungen und eine lebendige Agrarlandschaft.
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