Neue DLG-Merkblätter: Wegweiser durch die Bildungslandschaft der deutschen Geflügelbranche
Zwei neue Merkblätter veröffentlicht – Umfassender Überblick über Qualifizierungswege in der deutschen Geflügelbranche – für Auszubildende, Studierende, Betriebe sowie Beratungs- und Bildungseinrichtungen und alle Interessierten – kostenlos online abrufbar
Die Geflügelwirtschaft zählt zu den dynamischsten Zweigen der deutschen Landwirtschaft: Mit einem Produktionswert von rund 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2025 erwirtschaftet sie etwa 17 Prozent der gesamten tierischen Veredelung. Hähnchenschlachtungen, Eiererzeugung und die zugehörigen Wertschöpfungsketten wachsen kontinuierlich – und damit der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Hier jedoch klafft eine Lücke: Ende 2024 befanden sich bundesweit 42 Personen in der Ausbildung zur Tierwirtin oder zum Tierwirt mit Fachrichtung Geflügelhaltung. Jährlich würden jedoch schätzungsweise 150 bis 180 Tierwirte sowie 30 bis 40 Meisterinnen und Meister oder Studienabsolventinnen und -absolventen mit Geflügelschwerpunkt benötigt. Ein Überblick über die bestehenden Qualifizierungswege ist unerlässlich, um dieser Lücke entgegenzuwirken. Hier setzen die beiden neuen DLG-Merkblätter 508 und 509 an. Ergänzend dazu schildert Stefanie Kümmel, Fachlehrerin am Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügelhaltung der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen, im DLG-Interview ihre Sicht auf Anforderungen an die Ausbildung und die Gewinnung von Nachwuchskräften.
„Wir arbeiten mit Lebewesen, und dementsprechend müssen sowohl das Personal im Stall als auch die Betriebsleiterin beziehungsweise Betriebsleiter eine fundierte Ausbildung haben. Sie oder er muss wissen, was bei auftretenden Problemen zu tun ist und diese schon an den kleinsten Hinweisen erkennen können“, betont Stefanie Kümmel, Fachlehrerin am Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügelhaltung der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen. Sie war an der Erarbeitung der Merkblätter beteiligt und erklärt: „Die Betreuungsperson muss fachkundig und sachkundig sein, um ein optimales Ergebnis zu erzielen und dabei das maximale Tierwohl zu erreichen. Die Geflügelbranche wächst weltweit, aber das Tierwohl hat nirgendwo einen so hohen Stellenwert wie in Deutschland.“ Kümmel weist außerdem darauf hin: „Dafür muss eine Tierbetreuerin oder ein Tierbetreuer natürlich wissen: Was ist Tierwohl? Was brauchen die Tiere? Und wie erfülle ich ihre Bedürfnisse?“ Wichtig sei dabei auch das Thema Nachhaltigkeit und das Verständnis dafür, wie ein Arbeiten im Einklang mit der Umwelt gelingen kann: „Das reicht von der Gülleausbringung auf dem Feld bis hin zu einer längeren Nutzungsdauer der Legehenne“, so Kümmel.
Das ausführliche Interview lesen Sie hier
Vertiefende Informationen zur Ausbildung in der Geflügelwirtschaft finden Sie in den Merkblättern zum Thema:
Merkblatt 508: Von der Ausbildung bis zum Hochschulabschluss
Das DLG-Merkblatt 508 „Bildungswege in der deutschen Geflügelbranche – Teil 1: Duale Berufsausbildung, Meisterfortbildung und Studium“ stellt die formalen Qualifizierungswege vor. Es beschreibt detailliert die dreijährige duale Ausbildung zum Tierwirt mit der Fachrichtung Geflügelhaltung sowie die Ausbildung zum Landwirt mit dem Schwerpunkt Geflügel. Neben Ausbildungsinhalten, Vergütung, Prüfungsformaten und Quereinstiegsmöglichkeiten enthält das Merkblatt eine bundesweite Übersicht der zuständigen Stellen in allen 16 Bundesländern. Darüber hinaus informiert das Merkblatt über die Fortbildung zum Tierwirtschaftsmeister in der Fachrichtung Geflügelhaltung – eine anspruchsvolle Qualifikation, die auf Herdenmanagement, Betriebsführung und Mitarbeiterverantwortung vorbereitet. Ergänzt wird der Überblick durch eine Darstellung der Studienangebote an deutschen Hochschulen, darunter die bundesweit einzigartige Vertiefungsrichtung „Angewandte Geflügelwissenschaften" (StanGe) an der Hochschule Osnabrück.
Merkblatt 509: Sachkunde, Seminare und berufsbegleitende Weiterbildung
Das DLG-Merkblatt 509 „Bildungswege in der deutschen Geflügelbranche – Teil 2: Sachkundekurse und weiterführende Qualifizierungsangebote“ widmet sich den freiwilligen und gesetzlich vorgeschriebenen Weiterbildungsmöglichkeiten für bereits tätige Fachkräfte. Es erläutert die relevanten Sachkundelehrgänge – etwa zur Masthühnerhaltung, zur Schlachtung von Hausgeflügel, zur Straußenhaltung sowie zum Tiertransport – und nennt aktuelle Schulungsorte. Zusätzlich stellt das Merkblatt das breite Angebot an Tagungen, Seminaren und Online-Formaten der Ländereinrichtungen wie auch der DLG vor und beleuchtet das berufsbegleitende Kursangebot der Osnabrücker Poultry Academy (OPA), darunter den Zertifikatskurs „Poultry Professional“.
Praxisnah und gemeinschaftlich erarbeitet
Beide Merkblätter wurden unter Mitwirkung des DLG-Ausschusses Geflügel von einem breiten Autorenkreis aus Bildung, Beratung und Wissenschaft erarbeitet – darunter Expertinnen und Experten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), der Hochschule Osnabrück, der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Die DLG-Merkblätter 508 und 509 stehen ab sofort kostenlos zum Download bereit: hier. Für weitere Informationen steht Susanne Gäckler vom DLG-Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel unter Tel.: +49 69 24788-381 bzw. per Mail unter s.gaeckler@DLG.org gerne zur Verfügung.
Bildnachweis: Moorgut Kartzfehn©
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