DLG-Unternehmertage 2026: Stresstest als Chance für Tierhaltung, Ackerbau und Vermarktung
DLG-Unternehmertage 2026 am 1. und 2. September im Vogel Convention Center in Würzburg – Leitthema „Betriebsführung im Stresstest – Mengen. Preise. Strategien.“ – Betriebsleiter ist entscheidender Stellhebel für den Betriebserfolg – Management-Kompetenzen nutzen, um Betrieb sicher aufzustellen – Impulse für Ackerbau, Tierhaltung und Betriebseinstieg – KI richtig anwenden lernen
Die DLG-Unternehmertage 2026 in Würzburg legten am Mittwoch, dem 2. September, den Fokus auf unternehmerische Kompetenz als entscheidenden Faktor für den Erfolg und die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe. Hubertus Paetow, Präsident der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft), ermutigte die Teilnehmenden dazu, die eigenen Unternehmen angesichts der aktuell schwierigen Marktlage einem Stresstest zu unterziehen, Schwachstellen in den betrieblichen Prozessen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Das Veranstaltungsprogramm griff diesen Impuls in konkreten, fachlichen Empfehlungen und Analysen für den betrieblichen Alltag für die 329 Teilnehmenden auf: Keynote-Speaker Philipp Stubbe, Beraterin Dr. Veronika Drexl und Analyst Steffen Bach gingen dazu auf wichtige Management-Kompetenzen als Erfolgsfaktoren für den landwirtschaftlichen Betrieb ein, unter anderem eine konsequente Orientierung an betriebswirtschaftlichen Zielen wie der Vollkostendeckung, und gaben die aktuelle Vermarktungsempfehlung, Getreide auf dem gegenwärtig hohen Preisniveau kontinuierlich ab Herbst zu verkaufen. Auch zu unterschiedlichen Herausforderungen oder Stresstest-Komponenten in Ackerbau, Tierhaltung, Lebensmittelwirtschaft und Unternehmensführung boten die DLG-Unternehmertage Orientierung: Im Themenbereich Tierhaltung ging es darum, wie sich Seuchengeschehen als Betriebsrisiko einordnen und bewältigen lassen. Im Forum Lebensmittel wurde die Bedeutung gut durchdachter Wertschöpfungsketten für eine erfolgreiche Vermarktung alternativer Proteinquellen hervorgehoben. Im Impulsforum Ackerbau standen das Für und Wider der Direktsaat als Konzept für mehr ackerbauliche Stressresilienz im Mittelpunkt. Die Junge DLG diskutierte schließlich mit Vertreterinnen und Vertretern aus Praxis, Beratung und Wirtschaft, wie Betriebe zwischen Finanzierung, Risiko und Strukturwandel handlungsfähig bleiben.
Passend zur Debatte im Dürresommer 2026 haben die DLG-Unternehmertage Impulse gesetzt, wie land- und lebensmittelwirtschaftliche Betriebsleiter durch Management-Kompetenz Krisen widerstehen und ihre Unternehmen stabil positionieren können. „Stresstest für die Betriebsführung heißt heute, das Zusammenspiel von Standort, Märkten und betrieblichen Gegebenheiten ehrlich zu beurteilen“, betonte DLG-Präsident Hubertus Paetow passend dazu in seiner Eröffnungsrede. Er sensibilisierte die Teilnehmenden dafür, ihre Unternehmen jetzt in und trotz der schwierigen Marktlage einem Stresstest zu unterziehen, um Schwachstellen in Betriebsführung und Produktionsabläufen zu identifizieren und rechtzeitig gegensteuern zu können. Die Keynote-Speaker im Plenum und die Fachreferentinnen und -referenten in den Impulsforen am Nachmittag flankierten diese Argumentation mit Beispielen und praktischen Impulsen. Keynote-Speaker und Marktanalyst Steffen Bach etwa riet dazu, Getreide ab Herbst kontinuierlich zu vermarkten, um das hohe Preisniveau an den Agrarmärkten bestmöglich zu nutzen. Berater Philipp Stubbe zeigte eindrücklich, wie wichtig der Betriebsleiter bzw. die Betriebsleiterin für den Erfolg ist: Deren Kompetenz sei für den Unternehmenserfolg viel bedeutsamer als Witterungsverhältnisse, Marktvolatilitäten oder politische Einflussnahme. Die auf Schweinehaltung spezialisierte Beraterin Dr. Veronika Drexl stimmte Stubbe zu und identifizierte zudem das Futter als wichtigen Hebel, um Kosten zu optimieren.
Impulsforen: Von Alternativen Proteinquellen bis Handelsbeziehungen
Ein Weg, das eigene Unternehmen resilient am Markt zu positionieren, besteht darin, Marktnischen zu identifizieren und diese gekonnt zu bespielen. Auch hier sind die Unternehmerinnen und Unternehmer gefordert, potenzielle Geschäftsfelder gründlich zu analysieren. Im Bereich alternative Proteine stellt sich die Lage differenziert dar: Erwartete Wirtschaftlichkeit und tatsächlicher Vermarktungserfolg reichen im Anbau von Leguminosen gegenwärtig weit auseinander. Dieses Fazit zieht Prof. Holger Buxel, Professor für Dienstleistungs- und Produktmarketing an der Fachhochschule Münster, der im Rahmen des Impulsforums „Alternative Proteinquellen – Perspektiven entlang der Wertschöpfungskette: Landwirtschaft, Markt und Konsum“ die Ergebnisse der DLG-Insights-Studie zu alternativen Proteinquellen vorstellte. In der schwierigen Absatz- und Vermarktungssituation sieht auch Stefan Beuermann von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) die Hauptbarriere für eine Ausweitung des Anbaus von Soja-, Ackerbohnen, Erbsen und Co. Dieser hänge in Deutschland noch immer stark vom Angebot an Förderprogrammen ab. Doch der Markt bietet künftig Perspektiven: Martin Miersch, Vorsitzender des Deutschen Sojaförderrings e.V., unterstrich die Notwendigkeit, sich trotz bislang überschaubarem Anbau bereits jetzt neben Toplieferant Kanada als Exporteur für Proteinpflanzen zu positionieren, da insbesondere die asiatische Nachfrage nach Lebensmittelsojabohnen stetig steigt.
Biosicherheit ist essenziell bei Tierseuchenprävention
Angestiegen ist auch die Anzahl der aktiven Tierseuchen in Deutschland. Daher ist das Thema Biosicherheit ein wichtiger Bestandteil eines Stresstests für Tierhalter – unter der Fragestellung: wie gut ist die aktuelle Betriebsorganisation für den Seuchenfall gewappnet. Etwa 20 Tierseuchen sind derzeit in Deutschland aktiv, darunter die Afrikanische Schweinepest (ASP), Rindertuberkulose, Vogelgrippe, Blauzungenkrankheit, Newcastle-Krankheit und der Nachweis des Shamonda-Virus. „Eine Situation wie diese hatten wir noch nie“, schilderte Referentin Carola Sauter-Louis vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf dem Impulsforum: „Tierseuchen – Prävention, Handel und ökonomische Risiken für Nutztierhalter” die Lage. Wichtige Erfolge wurden bei der Bekämpfung der ASP erzielt, auch wenn die Gefahr des Wiedereintrages weiterhin bestehe. Der Ausbruch von Tierseuchen kann zudem massive Handelssperren für tierische Produkte zur Folge haben. Umso wichtiger ist es, dass die Auswirkungen lokaler Tierseucheneinträge in Deutschland durch Regionalisierungsabkommen mit wichtigen Handelspartnern wie China abgefedert werden, wie das Beispiel ASP zeigt, sagte Simone Fuchs, Referentin für internationale Angelegenheiten beim Bundesverband Rind und Schwein (BRS). „Tierseuchenrisiko ist Unternehmensrisiko – ein Risiko, mit dem der Betrieb tagtäglich rechnen muss. Das ist bei vielen Betrieben noch nicht angekommen“, betonte Dr. Ursula Gerdes, Geschäftsführerin der Niedersächsischen Tierseuchenkasse. Jeder Betriebsleiter müsse sich die Frage stellen: „Wo kann der Erreger hinein in den Betrieb? Welche Barrieren habe ich und nutze ich diese? Wie gut kann ich meinen Betrieb abschirmen?“ Die Expertin rät den Teilnehmenden dazu, nicht nur eine Checkliste abzuhaken, sondern sich intensiv auch im Rahmen von Beratung mit konkreten Maßnahmen und deren Umsetzung zu beschäftigen. Dazu gehören beispielsweise die regelmäßige Schulung der Mitarbeitenden und das konsequente Vorleben der Biosicherheitsmaßnahmen durch die oder den verantwortlichen Tierbetreuer – wie der Schuh- und Kleidungswechsel vom Schwarz- zum Weißbereich.
Alternatives Aussaatverfahren betriebsindividuell betrachten
Die Stresstest-Themen für den Ackerbau sind unterdessen vielfältig: Klimafolgenanpassung ist ein wichtiges Thema. Damit verbunden ist der Erosionsschutz, die Hitzetoleranz der Bestände sowie der Umgang mit neuen Schädlingen, um einige Beispiele zu nennen. Intensiv diskutiert wurden alternative Anbauverfahren und ihr Beitrag zur Resilienz im Ackerbau beim Impulsforum „Weniger Intensität, mehr Sicherheit? Extensivierung im Stresstest“, bei dem Landwirt Anton Fuchs, Betriebsleiter bei Dörr Agrar, von den jüngsten Erfahrungen mit der Direktsaat berichtete – einem Aussaatverfahren, bei dem das Saatgut direkt in den unbearbeiteten Boden ausgebracht wird: „Es ist immer eine Managementfrage. Probleme mit Mäusen und Schnecken können wir mit angepasstem Management gut begegnen“, so Fuchs. Berater Karl-Heinz Mann von der LBB Ländliche Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft mbH gab zu bedenken: „Auch das Direktsaatverfahren ist sicherlich nicht für jeden Betrieb geeignet, da hierfür spezielle Anbaugeräte notwendig sind – und deren Anschaffung ist immer mit einer Investition, also zusätzlichen Maschinenkosten verbunden.“ Was den Berater außerdem skeptisch macht: „Bis heute hat mir kein Betrieb, der dieses Aussaatverfahren durchführt, seine Zahlen zeigen wollen – ich hatte demnach noch keine Gelegenheit, dieses Verfahren ökonomisch zu beurteilen.“
Die eigenen Zahlen kennen ist alternativlos
Ökonomie und finanzielle Handlungsfähigkeit in der Landwirtschaft beleuchtete auch das Impulsforum der Jungen DLG mit dem Titel „Ohne Moos nix los? Handlungsfähig bleiben zwischen Finanzierung, Risiko und Strukturwandel“. Ludwig Gehrig, LBB Ländliche Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft mbH, Nina Ahlers, Norddeutsche Landesbank – Nord LB, Stefan Brand, Landwirt, und Jasper Pleyer, Geschäftsführer beim Demeterhof Konrad GmbH & Co. KG, diskutierten unter der Moderation von Maria Heinrich, Arbeitskreis Junge DLG, Herausforderungen wie steigende Kosten, Klimarisiken und Strukturwandel. Strategien zur Finanzierung, Risikomanagement und Diversifizierung wurden vorgestellt, um landwirtschaftliche Betriebe zukunftsfähig zu gestalten. Der Fokus lag dabei auf praxisorientierten Lösungen für junge Landwirte: “Die eigene Reaktionsfähigkeit bestmöglich gestalten, indem ich meine Finanzierungsstruktur krisensicher aufstelle und vor allem meine eigenen Zahlen als Entscheidungsgrundlage kenne, ist dafür unerlässlich”, so Nina Ahlers Fazit. Am Ende herrschte unter den Diskutierenden zudem der Konsens: Wenn die Unternehmerin bzw. der Unternehmer hinter einer betrieblichen Entscheidung, beispielsweise für die Etablierung eines neuen Betriebszweiges oder Vermarktungskonzeptes stehen und sie zu ihrem individuellen Betriebskonzept passt, ist der Erfolg nahezu garantiert.
Workshops zu KI – zugeschnitten auf den Wissensstand
Zu „KI-Grundlagen: Nutzen, Prompten, Anwendungspotential“ referierte Henriette Hübsch, KI-Expertin im DLG-Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel. Der Workshop vermittelte praktische Anwendungen von KI-Systemen anhand von Large Language Modellen (LLMs) wie ChatGPT, Gemini oder Copilot. Die Referentin erläuterte anhand konkreter Beispiele, wie effektive Prompts erstellt, Datenschutzrisiken minimiert und KI-generierte Inhalte kritisch geprüft werden.
Andreas Lieke, Geschäftsführer LBB Ländliche Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft mbH sowie stellvertretender Vorsitzender DLG-Ausschuss für Wirtschaftsberatung und Rechnungswesen, untersuchte im Workshop für Fortgeschrittene die Rolle von KI in der Unternehmensführung, insbesondere im Agrarmanagement. Der Referent beleuchtete Ziele wie Zeitersparnis, verbesserte Entscheidungsfindung und Wissenszugänglichkeit und damit die zentrale Frage: Kann das nicht die KI machen? Er erklärte den Managementzyklus und wie KI diesen unterstützen kann, wobei der "Bullshit-Faktor" durch Kontext – also die Menge an Informationen, die ich der KI über meinen Betrieb bereitstelle - und mithilfe von Schnittstellen zu Buchführungsprogramm, Ackerschlagkartei oder Wetterdaten für eine reibungslose Datenintegration minimiert wird.
Der Unternehmensberater Christian Kötter von der LBB Ländliche Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft mbH unterschied im Workshop „KI für Fortgeschrittene: Anwendung von Agents zur Bürooptimierung“ zwischen Prompts, Skills und Agenten und hob deren jeweiliges Potenzial für Wissensmanagement und Prozessautomatisierung hervor. Die Präsentation zeigte praktische Anwendungen wie die automatische Verarbeitung von Stundenzetteln und die E-Mail-Priorisierung: Werden diese Arbeitsschritte durch die KI automatisiert erledigt, immer natürlich unter Wahrung des Datenschutzes, und vom Unternehmer oder der Unternehmerin nur noch abschließend geprüft, spart dies im Betriebsalltag viel Zeit.
Weiterführende Berichterstattung und Informationen zu den DLG-Unternehmertagen 2026:
- Aufzeichnungen der Vorträge im Plenum und der Impulsforen auf den DLG-Unternehmertagen 2026 in der Videothek nachschauen
- Das komplette Redemanuskript von Hubertus Paetow
- Pressemitteilung mit einem ausführlichen Bericht zur Eröffnungsveranstaltung Plenum
- Interview mit DLG-Präsident Hubertus Paetow anlässlich der DLG-Unternehmertage
- Podcast mit Keynote-Speaker Steffen Bach, Philipp Stubbe und Dr. Veronika Drexl
- Interview mit Berater Karl-Heinz Mann über Vor- und Nachteile des Direktsaatverfahrens
- Interview mit Carola Sauter-Louis zur Relevanz von Biosicherheit in der Tierhaltung
- Studie “DLG Insights: Alternativen Proteinquellen” und Interview dazu mit Stefan Beuermann
- Interview mit Andreas Lieke über den Einsatz von KI im Betrieb
Bildmaterial
Alle Bilder © DLG / Fotograf
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Diese Veranstaltung wurde im Rahmen der Kongressinitiative für die Bayerische Tourismuswirtschaft (Kongresse in Bayern – KiB) gefördert.
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