Landwirte brauchen künftig mehr System als Einzelmaßnahme

Harald M. Kube, UPL Deutschland, zur steigenden Relevanz integrierter Pflanzenschutzlösungen

Einer schrumpfenden Verfügbarkeit an Wirkstoffen stehen stetig wachsende Herausforderungen durch Schädlinge oder Resistenzen gegenüber. Die UPL Deutschland GmbH setzt in dieser herausfordernden Marktlage mit ihrem ProNutiva-Konzept auf integrierte Pflanzenschutzlösungen. Seit Ende 2025 steht Harald M. Kube an der Spitze des Unternehmens. Im Interview spricht er über strategische Schwerpunkte im Pflanzenschutz und erklärt, warum die Kombination aus konventionellen und biologischen Pflanzenschutzmitteln aus seiner Sicht immer wichtiger wird.

Herr Kube, seit Ende 2025 sind Sie Geschäftsführer von UPL Deutschland. Wie ist Ihr Eindruck vom Unternehmen und wo verorten Sie es innerhalb der deutschen Agrarbranche? Wo sehen Sie Potenzial für die Weiterentwicklung?

Harald M. Kube: UPL wird in der Branche als Anbieter integrierter Lösungen mit einem breiten Portfolio wahrgenommen. Das ist aus meiner Sicht auch sehr treffend. Wir sind ein dynamisches Unternehmen, weil wir einerseits patentfreie Wirkstoffe relativ schnell unter unseren eigenen Marken verfügbar machen und zum anderen eigene Innovationen einführen. Außerdem bieten wir Lösungen in den Bereichen Vorratsschutz, Blattdünger, Biostimulantien und Keimhemmung an. Mit unserem ProNutiva-Konzept kombinieren wir konventionellen Pflanzenschutz mit biologischen Anwendungen und entwickeln so Lösungen, um den unterschiedlichen Herausforderungen in der Landwirtschaft begegnen zu können. 

Unser kompaktes Team ermöglicht es uns zudem, besonders enge Beziehungen zu unseren Handelspartnern und Kunden zu führen. Großes Potenzial sehe ich in einer noch engeren Verzahnung von Innovation, Praxisnähe und Partnerschaft.

Worauf legt UPL im Pflanzenschutzmittelgeschäft aktuell den Schwerpunkt?

Harald M. Kube: Der Schwerpunkt liegt derzeit vor allem bei Zuckerrübenherbiziden, außerdem in den Kulturen Kartoffel, Raps und Getreide. Mit etwa 10 Prozent Marktanteil ist das Geschäft mit biologischen Mittel noch im Wachsen begriffen. Die Basis bleibt daher für uns der klassische Pflanzenschutz, jedoch fortlaufend ergänzt durch biologische Lösungen. Darüber hinaus wollen wir unser Portfolio besonders im Bereich der Sonderkulturen wie Obst- und Weinbau erweitern.

Welche Lösungen können Sie Landwirten anbieten, um den Wegfall wichtiger Wirkstoffe zu kompensieren?

Harald M. Kube: Im Bereich der Fungizide setzen wir entsprechend unserer ProNutiva-Strategie auf die Ergänzung von Wirkmechanismen und auf eine Kombinationen aus klassischen Fungizid-Optionen mit biologischen Lösungen. Bei den Herbiziden arbeiten wir eng mit relevanten Partnern zusammen, um innovative Lösungen anbieten zu können. Dabei ist ist aus meiner Sicht entscheidend, dass Landwirte künftig stärker in Systemen denken und nicht ausschließlich einzelne Mittel einsetzen, sondern Wirkmechanismen sinnvoll kombinieren.

Wie stellt sich Ihnen die aktuelle Zulassungssituation dar? 

Harald M. Kube: Die Situation in der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln erfolgt weiterhin deutlich zu langsam und die Lage bleibt für uns als Hersteller anspruchsvoll. Konkrete Verbesserungen im Sinne einer spürbar einfacheren Zulassungs- oder Wiederzulassungsdauer sind aus der Praxis derzeit schwer pauschal zu bestätigen.

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Harald M. Kube steht seit mehr als einem halben Jahr an der Spitze von UPL Deutschland. Foto: UPL

"Es wird zunehmend darauf ankommen, biologische Ansätze mit bestehenden Wirkmechanismen zu kombinieren."

Zur Person

Harald M. Kube ist seit 1992 in der Agrarbranche tätig. Er bringt langjährige internationale Erfahrung mit, vor allem im Bereich Pflanzenschutz und Saatgut. Stationen seiner Laufbahn waren u. a. Bayer CropScience, BASF, Pioneer/Corteva und zuletzt FMC.
 

Über UPL

Die UPL Corporation Ltd. Ist ein weltweit führendes Unternehmen für Pflanzenschutz und biologische Lösungen. Mit seinem Einsatz an sieben Produktionsstätten in 37 Ländern und einem robusten Portfolio an ganzheitlichen Lösungen zielt UPL Corp darauf ab, Wachstum und Wohlstand für die Landwirtschaft zu schaffen. Als größte der Pure-Play-Plattformen der UPL-Gruppe trägt UPL Corp zu einem Jahresumsatz von rund 5,2 Mrd. US-Dollar bei.

UPL bietet mit ProNutiva eine Strategie aus konventionellen und biologischen Pflanzenschutzmitteln an. Welche Rolle spielt dieses Konzept für die Zukunft der Landwirtschaft?

Harald M. Kube: Die Idee hinter unserem ProNutiva-Konzept wird künftig eine größere Rolle spielen. Es wird zunehmend darauf ankommen, biologische Ansätze mit bestehenden Wirkmechanismen zu kombinieren – nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Zulassungssituation und des Wegfalls wichtiger Wirkstoffe. Unser Konzept ist zudem ein wichtiger Baustein im Resistenzmanagement. Genau darin sehen wir einen zentralen Beitrag für die Zukunft der Landwirtschaft.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Nachfrage nach integrierten Lösungen in den kommenden Jahren ein?

Harald M. Kube: Die Nachfrage nach integrierten Lösungen wird meiner Einschätzung nach weiter steigen. Betriebe stehen heute gleichzeitig unter Wirkstoffdruck ebenso wie unter wachsender Managementkomplexität. Das spricht klar für Ansätze, die nicht auf eine einzelne Maßnahme setzen, sondern auf ein System aus intelligentem Timing, Risikoabsicherung, Resistenzmanagement und der Reduktion des Wirkstoffeinsatzes durch Synergien.

Wir bei UPL setzen deshalb weiterhin auf die Strategie unseres ProNutiva-Konzepts und den Ausbau unseres Portfolios in allen relevanten Segmenten. Aktuell machen unsere eigenen Innovationen im globalen Geschäft etwa 20 Prozent aus. Langfristig streben wir in unserem Haus eine Innovationsrate von 50 Prozent und damit eine ausgewogene Gewichtung zwischen der Entwicklung innovativer Lösungen und der Vermarktung patentfrei verfügbarer Mittel unter unseren Marken an. 

Wie begegnet UPL den Herausforderungen beim Thema Resistenzen in den kommenden Jahren? 

Harald M. Kube: Die größten Herausforderungen in diesem Bereich sehen wir im Resistenzmanagement, bei behördlichen Auflagen, restriktiveren Anwendungsmöglichkeiten und vor allem beim Wegfall essentieller Wirkstoffe. Das beeinflusst direkt die Frage, wie eine nationale Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse gesichert werden kann. UPL begegnet dem Thema mit entsprechenden Anwendungsempfehlungen und der engen Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern, um dauerhaft auf Grundlage des neuesten Stands der Entwicklungen agieren zu können.

Das Interview führte Charlotte Lea Bromm, agrarticker.de.

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