Zum dritten Mal kam Anfang Juni die an den Themen Bodenfruchtbarkeit und -aufbau interessierte Community zusammen, nach Deutschland und Österreich erstmals in der Schweiz. Auf dem Berner Hausberg Gurten – bestens für solche Events ausgestattet und mit hinreißender Kulisse – versammelten sich Tausende Landwirte, Berater und Wissenschaftler und tauschten sich zu den Themen Konservierende Landwirtschaft, Begrünungssysteme, Humusmanagement und Wirtschaftlichkeit aus. Flankiert von zwei Tagen mit Betriebsexkursionen, boten die Messetage an Ausstellerständen, in Fachvorträgen und Workshops jede Menge Informationsaustausch. Organisiert wurde die Veranstaltung wieder von den drei deutschsprachigen Verbänden Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung e. V. (Deutschland), Boden. Leben (Österreich) und Swiss No-Till (Schweiz).
Es gibt nur eine Lösung
Ein sehr spannender Vortrag im Programm war der des renommierten Schweizer Bodenökologen Hanspeter Liniger. Beschäftigt im Zentrum für Entwicklung und Umwelt der Uni Bern, hatte er im Laufe seines Arbeitslebens Gelegenheit, Erfahrungen im In- und Ausland zu sammeln. Gemeinsam mit Kollegen drehte er einen auf Youtube nachzuschauenden, unbedingt sehenswerten Film: „Heiße Erde ist nicht cool“, der mit der Frage beginnt, was wohl an einem warmen Sommertag heißer sei, eine Asphaltstraße oder unbedeckter Ackerboden. Mancher wird die Antwort schon vermuten: Es ist der Ackerboden, denn er erwärmt sich in der Sonne auf bis zu 70 °C und ist damit bis zu 10 Grad wärmer als Asphalt. Jener leitet die Hitze nach unten, Boden mit seinen vielen luftgefüllten Poren kann sie dagegen nicht ableiten. Was genau das für Bodenlebewesen bedeutet, ist leider zu wenig erforscht, klar ist aber der Zusammenhang zwischen gestörtem Bodenleben und der Aggregatstabilität.
Deutlich zu erkennen sei das an Böden unter Wald und Dauergrünland, die seien stabil, die gepflügten dagegen nicht. Um das zu veranschaulichen, haben Liniger und seine Kollegen den auch in Workshops präsentierten Slake-Test entwickelt, der die Aggregatstabilität verschiedener Böden einfacher und genauer bestimmt als über die Messung der organischen Substanz. Solche aggregatstabilen Böden, erklärt Liniger, seien nur auf einem Wege zu erreichen: durch Bodenbedeckung. „Ich hab keinen einzigen unbedeckten Boden gefunden, der gesund war. Ich hab wirklich überall gesucht, aber es gibt nur eine Lösung: Bedeckung!“
Zudem verdunste ein nackter Boden viel Wasser, was den Referenten zum nächsten Thema leitete: „Wir reden von Wasserknappheit, aber leisten uns Verluste. Unnötige Verdunstung etwa oder Erosion.“ Der bedeckte Boden verhindere nicht nur Verdunstung über die pflanzliche Evapotranspiration hinaus, er senke auch die Lufttemperatur an der Oberfläche: „Temperaturunterschiede schaffen Tau, Wasser setzt sich ab und ergänzt den Wasserkreislauf! In unserer relativ ozeanfernen Region kommt die Hälfte des Wassers nicht aus dem Meer, sondern über kleinere Mikrokreisläufe aus der Region. Das ist auch das Problem großer zusammenhängender Ackerflächen. Sind sie baumlos und zeitweise mit nackten Böden, dann verlieren sie Wasser und die kleinen Kreisläufe gehen kaputt. Dann regnet es weniger.“ Der oben beschriebene Slake-Test, ergänzt Liniger noch, befindet sich aktuell noch in der Entwicklungsphase. Er hofft, dass er im übernächsten Jahr in den Verkauf gehen wird.
Wasserqualität und Pflanzenschutz
Ebenfalls mit dem Thema Wasser, allerdings in einem anderen Zusammenhang, beschäftigte sich in seinem Workshop der österreichische Landwirt Hans Gnauer. Er hat gemeinsam mit weiteren Mitstreitern über Jahre den Zusammenhang zwischen Wasserhärte und pH-Wert und der Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln untersucht und gab sein Wissen zur Optimierung des Spritzwassers nun in dicht umlagerten Workshops weiter.
„Warum muss denn die Wasserqualität stimmen?“, fragt er zu Beginn und gab gleich die Antwort: „Schaut euch doch das Verhältnis Wirkstoff zu Wasser an! Es ist doch klar, dass Stoffe mit Aufwandmengen von wenigen Gramm je Liter die beste Wasserqualität brauchen. Und wenn ich die Wirksamkeit sichern und eventuell Aufwandmengen senken will, dann muss ich darauf achten.“
Im weiteren Verlauf demonstrierte er, wie die durch CaCO3 hervorgerufene Carbonathärte, bestimmt mit Teststreifen aus der Aquaristikabteilung des Baumarktes, durch Zugabe von Citronensäure zu neutralisieren sei. Achtgeben solle man darauf, dass nicht alle Pflanzenschutzmittel eine solche neutrale Carbonathärte brauchen und zudem der pH-Wert, der Löslichkeit und Abbauverhalten beeinflusst, eventuell anschließend auch korrigiert werden müsse. Bei Insektiziden ist der Ziel-pH 5, bei Wuchsstoffen dagegen darf er nicht zu tief sinken. Sulfonylharnstoffe brauchen einen pH von 8. Ist der pH also durch die Neutralisation der Carbonathärte zu stark gesunken, hebt Gnauer ihn mit Borethanylamin (Bor-Blattdünger) wieder an. Er empfiehlt aber dringend, vor der Ausbringung etwa mit einer Rückenspritze auf einer kleinen Fläche zu überprüfen, dass die Sulfonylharnstoffe nun nicht phytotoxisch wirken. In diesem Fall ist die Aufwandmenge anzupassen.
Bor bezeichnet Gnauer auch als Hilfsmittel, um die Wirksamkeit von Glyphosat zu steigern. Regt der Nährstoff doch den Stoffwechsel der Zielpflanze kurzzeitig an, das Glyphosat „rutscht mit und wirkt besser“, beschreibt der Landwirt. Wird der pH-Wert durch die Borzugabe zu hoch, muss er aber mit Citronensäure wieder abgesenkt werden, denn Glyphosat brauche einen pH von 5! Seine Vorgehensweise: Nach der Wasserenthärtung Zugabe von 1 kg B/100 l und mit wenig Wasser bei optimalen Bedingungen fahren. Dies sei neben der Wasserenthärtung der zweite Grundsatz: Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln immer zum bestmöglichen Zeitpunkt, was Wetter, UV-Strahlung und Luftfeuchtigkeit anbelangt.
Der Beitrag ist in der Fachzeitschrift Getreidemagazin # 7 im Juli 2026 im DLG-Verlag erschienen. Sie können ihn hier vollständig als pdf lesen.