DLG-Kolloquium 2026: Hält die Agrar- und Ernährungswirtschaft Bedrohungslagen stand?
Programm jetzt online – Hybride Bedrohungslagen: Expertinnen und Experten analysieren Risiko und Krisenvorsorge vom Anbau bis ins Supermarktregal – Eigenstabilität des Systems durch Engpässe bei Pflanzenschutz-Wirkstoffen gefährdet – Mehr Informationen: DLG-Kolloquium 2026
Das DLG-Kolloquium 2026 am Dienstag, 8. Dezember, in Berlin prüft, wie belastbar die Agrar- und Ernährungswirtschaft gegenüber Cyberattacken, Sabotage und anderen Angriffen auf die kritische Infrastruktur ist. Fünf Expertinnen und Experten aus Verteidigung, Krisenberatung, Lebensmittelhandel, Agribusiness sowie ein Wirtschaftsvertreter aus der Landwirtschaft in der Ukraine präsentieren dazu Lagebilder, Analysen und Erfahrungsberichte. Ziel ist, konkrete Handlungsansätze für Praktiker aus der Landwirtschaft, Teilnehmende aus Agribusiness, Ernährungsindustrie, Lebensmitteleinzelhandel Behörden und Institutionen zu identifizieren und so zur Stärkung der Resilienz des Agrar- und Ernährungssystems beizutragen. Informationen zum DLG-Kolloquium sowie Möglichkeiten zur Anmeldung finden Sie unter http://www.dlg.org/events/dlg-kolloquium-2026.
Wie verwundbar digitale Infrastrukturen sind, zeigte sich erst Ende Oktober 2026 deutlich: Mit zwei kritischen Sicherheitslücken in der weitverbreiteten Skriptsprache PHP ließen sich Webserver ohne Anmeldung mit Schadcode angreifen. Zahlreiche Hochschulen, Behörden und Institutionen auf der ganzen Welt nahmen ihre Websites vorsorglich vom Netz. Kurz zuvor, in der ersten Oktoberhälfte 2026, tauten Hacker in Frankreich die Kühlräume Hunderter Filialen namhafter Supermarktketten ab, große Mengen an Lebensmitteln mussten vernichtet werden. Auch in Deutschland zeigen Vorfälle die Verwundbarkeit vernetzter Infrastrukturen: Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Südwesten waren Anfang Januar 2026 rund 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen bis zu vier Tage ohne Strom.
Lagebild: Wie kritisch ist die Bedrohung?
Angesichts der zunehmend verschärften Gefahrensituation analysieren Expertinnen und Experten auf dem DLG-Kolloquium 2026 die aktuelle Lage. Zudem werden den Teilnehmenden der Veranstaltung Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie ihr Unternehmen krisenfest machen können.
Gleich zu Beginn des Kolloquiums ordnet der Vortrag der Bundeswehr (Landeskommando Berlin) „Hybride Angriffe, Sabotage, Desinformation: Wie ist die Bedrohungslage Deutschlands zu beurteilen?“ die aktuelle Gefährdung kritischer Infrastruktur ein. Dabei werden auch die Aufgaben der Akteure der Land- und Lebensmittelwirtschaft im Ernstfall thematisiert. Der Vortrag wird auf den Operationsplan Deutschland eingehen, der die militärischen Anteile der Landes- und Bündnisverteidigung mit zivilen Unterstützungsleistungen zusammenführt.
Stellschrauben für Krisenresilienz
Wie Unternehmen selbst krisenfester werden können, zeigt anschließend Lena Meinders, Geschäftsführerin der AFC Risk & Crisis Consult. Unter dem Titel „Krisenfähigkeit der Agrar- und Ernährungswirtschaft stärken: Risiken erkennen, Resilienz aufbauen“ erläutert sie, wie Risiken frühzeitig erkannt und Resilienz im eigenen Betrieb aufgebaut werden kann. Im Fokus stehen die Vorbereitung von Lebensmittelherstellern auf Krisenvorfälle und der Umgang mit Störungen.
Versorgung der Bevölkerung im Ernstfall
Welche Rolle der Lebensmitteleinzelhandel bei der Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall spielt, erklärt Axel Haentjes, Syndikusrechtsanwalt beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVLH). Sein Vortrag „Von der Lieferkette bis ins Regal: Krisenvorsorge im Lebensmitteleinzelhandel“ zeigt, was der Handel zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung braucht, welche Anforderungen er an Lebensmittelhersteller stellt und welche Wirkung rechtliche Vorgaben in dem Kontext entfalten. Dazu gehört die KRITIS-Verordnung, die festlegt, welche Betreiber als kritische Infrastruktur gelten und welche Schutzpflichten diese im Einzelfall erfüllen müssen. Auch der Einsatz von KI zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit ist dabei Thema.
Arbeiten unter Kriegsbedingungen: Der Blick in die Ukraine
Was es bedeutet, in einer echten Kriegs- und Krisensituation zu produzieren, zeigt der Blick in die Ukraine. Björn Stendel, Geschäftsführer des Agrarhandelsunternehmens LLC GETREIDE AG Ukraine, berichtet aus dem Alltag landwirtschaftlicher Betriebe. Er steht als Vertreter des Getreidehandels mit vielen Landwirtinnen und Landwirten in Kontakt und wird schildern, wie diese im Krieg und trotz Engpässen bei Diesel, Betriebsmitteln und Ersatzteilen die Produktion aufrechterhalten. Zudem thematisiert er, welche Folgen Angriffe auf Exportwege sowie Schwierigkeiten bei Transport und Lagerung für die Landwirtschaft haben.
Gesundes System Voraussetzung für Beständigkeit
Ein Versorgungssystem, das im Krisenfall Ernährung sichern soll, muss zudem aus sich heraus resilient sein. Dr. Susanne Kuebbeler, Bayer CropScience, macht in ihrem Vortrag „Schleppende Zulassung, lange Verfahren: Wie sicher ist Europas Versorgung mit Pflanzenschutzmitteln?“ deutlich, warum wirksamer Pflanzenschutz dafür eine tragende Säule ist. Sie analysiert, wie die aktuelle europäische Zulassungspraxis zu Engpässen bei Pflanzenschutzmitteln führt: Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der einen Umgang mit einem dynamischen Schaderregerspektrum erfordert, ist diese Frage von zentraler Bedeutung. Zudem wird die Expertin Lösungsansätze aufzeigen, wie sich Engpässe künftig vermeiden lassen.
Eckdaten zur Veranstaltung:
Ort: Hotel Aquino, Tagungszentrum Katholische Akademie, Hannoversche Str. 5 b, 10115 Berlin
Zeit: Dienstag, 8. Dezember 2026, 09:30–16:30 Uhr
Programm und Anmeldung unter: https://www.dlg.org/events/dlg-kolloquium-2026
Für Journalistinnen und Journalisten ist die Teilnahme am Kolloquium kostenfrei. Bitte wählen Sie bei der Anmeldung die Option „Presse“.
Bildmaterial zu redaktionellen Zwecken frei verwendbar. ©DLG
DLG26_Kolloqium_KeyVisual_©DLG.jpgPM2_DLG_Kolloquium26_Programm_final.pdf