DLG e.V. - DLG-Merkblatt 418 - N-/P-reduzierte Fütterungsverfahren bei Schweinen

Leitfaden zur nachvollziehbaren Umsetzung stark N-/P-reduzierter Fütterungsverfahren bei Schweinen

DLG-Merkblatt 418

Die möglichst effektive Nutzung der verfügbaren Ressourcen stellt eine unserer derzeit größten Herausforderungen in der Schweinehaltung dar. In der Nutztierhaltung stehen dabei die Bewertung der Eiweiß- und Phosphorversorgung sowie die Ausscheidungen an Stickstoff und Phosphor über die tierischen Exkremente im Focus der Arbeiten. Die Saldierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere wird in der Broschüre "Arbeiten der DLG, Band 199, Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere, 2014" ausführlich beschrieben. Für die wichtigsten Produktions- und Fütterungsverfahren werden dabei die Nährstoffausscheidungen modellhaft kalkuliert und dargestellt. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Verfahren enthält das aktualisierte Merkblatt auf Basis der Weiterentwicklungen in der Schweinehaltung Ergänzungen zu den Verfahren "Sauenhaltung mit 31 und 34 aufgezogenen Ferkeln je Sau und Jahr", "Schweinemast mit 1.050 g Tageszunahmen" und "Ebermast mit 950 g Tageszunahmen". Zusätzlich ist bei allen bisherigen und neuen Fütterungsverfahren zu den "stark Stickstoff- und Phosphorreduzierten" ein "sehr stark Stickstoff- und Phosphorreduziertes" Fütterungsverfahren hinzugekommen. Das Merkblatt ermöglicht Anwendern und Beratern die korrekte Einschätzung und Plausibilisierung der Nährstoffausscheidungen aus der Tierhaltung im Einzelbetrieb.

Autoren:

Eine Information des DLG-Arbeitskreises Futter und Fütterung

Erarbeitet von

  • Dr. Gerhard Stalljohann, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Dr. Stephan Schneider, LfL Bayern
  • Prof. Dr. Hubert Spiekers, LfL Bayern
  • Dr. Detlef Kampf, DLG e.V.

unter Mitwirkung von

  • Dr. Onno Burfeind, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
  • Sybille Patzelt, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Klemens Kuhlmann, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Andrea Meyer, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
  • Dr. Manfred Weber, Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau, Sachsen-Anhalt
  • Georg Riewenherm, Deutscher Verband Tiernahrung
  • Alexandra Grimm, Deutscher Raiffeisen Verband

Alle Informationen und Hinweise ohne jede Gewähr und Haftung

Herausgeber: DLG e. V.
Fachzentrum Landwirtschaft
Eschborner Landstraße 122, 60489 Frankfurt am Main

3. komplett überarbeitete Auflage, Stand: 10/2018

Foto: countrypixel/fotolia.com

1. Einleitung

Die Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere ist in der Broschüre „Arbeiten der DLG, Band 199, Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere, 2. Auflage 2014“ (nachfolgend DLG-Broschüre) beschrieben. Für die wichtigsten Produktions- und Fütterungsverfahren wurden dabei modellhaft die Nährstoffausscheidungen kalkuliert und dargestellt. Zusätzlich zu den im DLG Band 199 (so oben eingeführt) beschriebenen Verfahren wurde dieses Merkblatt auf Basis der Weiterentwicklungen in der Schweinehaltung um folgende Verfahren ergänzt: Sauenhaltung mit 31 und 34 aufgezogenen Ferkeln je Sau und Jahr, Schweinemast mit 1.050 g und Ebermast mit 950 g Tageszunahmen (TZ). Für alle bisherigen und neuen Fütterungsverfahren ist neben der stark Stickstoff (N)- und Phosphor (P)-reduzierten eine sehr stark N-/P-reduzierte Fütterung hinzugekommen. Das Merkblatt ermöglicht Anwendern und Beratern die Nährstoffausscheidungen aus der Tierhaltung einzuschätzen und zu plausibilisieren.

2. Vorgehensweise beim Erstellen eines Nährstoffsaldos

Produktionsverfahren, Leistungsniveau und Bezugsgrößen werden nachfolgend definiert.

Berechnungsmodell:

Nährstoffaufnahme über Futter  –  Nährstoffansatz im Produkt  =  Nährstoffausscheidung

Gleichungen:

Nährstoffaufnahme über Futter (g) = Futtermenge (kg) x Gehalt im Futter (g/kg)

Nährstoffansatz im Produkt (g) = Zuwachs an Lebendmasse (kg) x Gehalt im Produkt (g/kg)

Nährstoffausscheidung (g) = Nährstoffaufnahme (g) über Futter – Nährstoffansatz (g) im Produkt

2.1 Nährstoffaufnahme über Futter

Für die Berechnung der Nährstoffaufnahme müssen die Futteraufnahmen (Tabelle 1) und die Nährstoffgehalte der Mischungen in den einzelnen Fütterungsabschnitten (Tabelle 2) bekannt sein.

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Tabelle 1: Tabelle 1: Unterstellte Futteraufnahmen bei einer mittleren täglichen Zunahme von 850 g und einer stark bzw. sehr stark N-/P-reduzierten Fütterung von Mastschweinen [In Anlehnung an DLG Band 199, Tabelle 2.17, S. 74]

Fütterungsphase Lebendmasse, kg Futteraufnahme, kg
1 28 – 40 24,3
2 > 40 – 65 59,9
3 > 65 – 90 69,7
4 > 90 – 118 97,5
gesamt 28 – 118 251,4

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Tabelle 2: Unterstellte Nährstoffgehalte im Futter bei einer stark bzw. sehr stark N-/P-reduzierten Fütterung von Schweinen (je kg Futter, 88 % TM) [In Ergänzung zu DLG Band 199, Tabelle 2.1, S. 55 bzw. 2.14, S. 71]

Gehalte an...
bei...
Rohprotein,
g/kg
Stickstoff
g/kg
Phosphor,
g/kg
Kalium
g/kg
Umsetzbare
Energie
(ME) MJ/kg
stark N-/P-reduziert
Sauen, laktierend 165 26,4 5,0 8,5 13,0
Sauen, tragend 135 21,6 4,3 8,0 12,2
FAZ I bis 15 kg LM 180 28,8 5,3 9,0 13,8
FAZ II ab 15 kg LM 175 28,0 5,0 8,5 13,4
Mast 28 – 40 kg LM 175 28,0 4,7 8,0 13,2
Mast > 40 – 65 kg LM 165 26,4 4,5 8,0 13,2
Mast > 65 – 90 kg LM 155 24,8 4,2 7,5 13,0
Mast > 90 – 118 kg LM 140 22,4 4,2 7,0 13,0
sehr stark N-/P-reduziert
Sauen, laktierend 160 25,6 4,8 8,0 13,0
Sauen, tragend 130 20,8 4,1 7,5 12,2
FAZ I bis 15 kg LM 175 28,0 5,1 8,5 13,8
FAZ II ab 15 kg LM 170 27,2 4,8 8,0 13,4
Mast 28 – 40 kg LM 165 26,4 4,4 7,5 13,2
Mast > 40 – 65 kg LM 155 24,8 4,2 7,5 13,2
Mast > 65 – 90 kg LM 140 22,4 4,0 7,0 13,0
Mast > 90 – 118 kg LM 135 21,6 4,0 6,5 13,0

Berechnungsbeispiel Schweinemast:
Annahmen: Das Leistungsniveau beträgt 850 g tägliche Zunahmen im Abschnitt von 28 bis 118 kg Lebendmasse (LM) in der Variante „stark N-/P-reduziert“. Die Mast verläuft in vier Abschnitten und gehört zur Kategorie der 3-Phasen-Mast mit Vormast.
Bei der Umsetzung stark N-/P-reduzierter Fütterungsverfahren empfiehlt sich ein gezieltes Fütterungsmanagement nebst Futtercontrolling.

Die Nährstoffaufnahme über das Futter ergibt sich durch die Multiplikation von Futtermenge (kg) und Gehalt im Futter (g/kg).

Nährstoffaufnahme (g) über Futter = Futtermenge (kg) x Gehalt im Futter (g/kg)

Die angesetzten Nährstoffaufnahmen sind in Tabelle 3 aufgeführt.

Tabelle 3: Unterstellte Nährstoffaufnahmen über das Futter bei einer stark und sehr stark N-/P-reduzierten Fütterung von Mastschweinen

Lebendmasse Futtermasse
(kg/Phase)
3-Phasenmast mit Vormast
stark N-/P-reduziert
3-Phasenmast mit Vormast
sehr stark N-/P-reduziert
Stickstoff, g Phosphor, g Stickstoff, g Phosphor, g
28–40 kg LM 24,3 680 114 642 107
> 40–65 kg LM 59,9 1.581 270 1.485 252
> 65–90 kg LM 69,7 1.729 293 1.561 279
> 90–118 kg LM 97,5 2.184 410 2.106 390
28–118 kg LM 251,4 6.174 1.087 5.794 1.028

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2.2 Nährstoffansatz im Produkt

Nährstoffansatz im Produkt (g) = Zuwachs an Lebendmasse (kg) x Gehalt im Produkt (g/kg)

90 kg Zuwachs x 25,6 g N/kg Zuwachs = 2.304 g Stickstoff
90 kg Zuwachs x 5,1 g P/kg Zuwachs = 459 g Phosphor
Die 90 kg Zuwachs ergeben sich aus der Differenz zwischen Mastend- und Mastanfangsgewicht (118 kg – 28 kg LM).

2.3 Nährstoffausscheidung

Nährstoffausscheidung (g) = Nährstoffaufnahme (g) über Futter – Nährstoffansatz (g) im Produkt

In Tabelle 4 sind die Nährstoffausscheidungen bei stark und sehr stark N-/P-reduzierten Fütterungsverfahren am Beispiel der Schweinemast dargestellt.

Tabelle 4: Nährstoffausscheidungen (g) je Mastschwein sowie je Platz und kg Zuwachs bei einer stark und sehr stark N-/P-reduzierten Fütterung

Lebendmasse 3-Phasenmast mit Vormast
stark N-/P-reduziert
3-Phasenmast mit Vormast
sehr stark N-/P-reduziert
Stickstoff, g Phosphor, g Stickstoff, g Phosphor, g
Aufnahme je Mastschwein 6.174 1.087 5.794 1.028
Ansatz je Mastschwein 2.304 459 2.304 459
Ausscheidungen
je Mastschwein 28 – 118 kg LM 3.870 628 3.490
je Platz x 2,73 Durchgänge 10.565 1.714 9.528
je kg Zuwachs 43,0 7,0 38,8 6,3

3. Typische Fütterungsverfahren bei Schweinen

Um die Fütterungsverfahren in schweinehaltenden Betrieben möglichst umfassend mit Standardzahlen zum N- und P-Anfall zu beschreiben, wurden für die Produktionsverfahren Ferkelerzeugung, spezialisierte Ferkelaufzucht und Schweinemast jeweils die Verfahren Universalfütterung, N-/P-reduzierte sowie stark N-/P-reduzierte Phasenfütterung, für die Ebermast die Verfahren Universalfütterung und N-/P-reduzierte Fütterung auf Basis der derzeit üblichen Nährstoffgehalte und Tierleistungen berechnet (siehe DLG Band 199). Im vorliegenden Merkblatt sind nur die stark bzw. sehr stark N-/P-reduzierten Fütterungsverfahren aufgeführt, da diese eine „plausible“ Dokumentation bei der Umsetzung erfordern. In den Tabellen 5 und 6 sind die stark bzw. sehr stark N-/P-reduzierten Fütterungsverfahren sowie die resultierenden Nährstoffausscheidungen für Sauen und Ferkel bzw. für die Mastschweine inklusive der Jungebermast aufgeführt.

Der Einsatzumfang einer sehr stark N-/P-reduzierten Fütterung wird vor allem bei Ferkeln und Mastschweinen aufgrund verschärfter Umweltauflagen zunehmen.
Festzuhalten bleibt, dass stärker N-/P-reduzierte Fütterungsverfahren bei Sauen, Ferkeln und Mastschweinen einem vermeidbaren Luxuskonsum der Tiere entgegen wirken. Es ist dennoch darauf zu beachten, dass der Bedarf an Aminosäuren und verdaulichem Phosphor in jedem Wachstums- bzw. Leistungsabschnitt gedeckt wird, da ansonsten gesundheitliche Schäden und Leistungseinbußen zu befürchten sind. Ferner trägt dies zur weiteren Steigerung der Futtereffizienz in der Schweinehaltung bei. Sicherheitszuschläge durch weiteres Vorhalten von Protein und Phosphor zusätzlich zu den bereits in den Versorgungsempfehlungen enthaltenen Zuschlägen sind ausdrücklich nicht nötig. Um eine derartige Fütterungsstrategie erfolgreich und nachhaltig für Tier und Umwelt zu erreichen, sind mehrere Maßnahmen erforderlich. In der nachfolgenden Übersicht sind einige wichtige dargestellt (Übersicht 1), wobei an dieser Stelle keine weitere Kommentierung erfolgen soll. Eine wiederkehrende Auffrischung des Wissenstandes zu diesen Maßnahmen sollte aus den aktuellen DLG-Schriften sowie Veröffentlichungen in der Fachpresse und mit dem Besuch von Fachvorträgen und Fachseminaren erfolgen.

Tabelle 5: Stark und sehr stark N-/P-reduzierte Fütterungsverfahren und resultierende Nährstoffausscheidungen in der Sauenhaltung und Ferkelaufzucht

Tabelle 6: Stark und sehr stark N-/P-reduzierte Fütterungsverfahren und resultierende Nährstoffausscheidungen in der Schweinemast

Übersicht 1: Empfohlene Maßnahmen zur Umsetzung stark und sehr stark N/P-reduzierter Fütterungsverfahren

Fütterung nach Bedarf
→ Regelmäßige Leistungskontrollen
→ Beachtung aktueller Versorgungsempfehlungen
Futteruntersuchungen und –optimierungen
→ standardmäßige Untersuchung von selbst erzeugten und Zukaufskomponenten
Futtercontrolling
→ Vergleich von Futterberechnung und Futteranalyse
→ Abgleich der tatsächlich verbrauchten Futtermengen und Leistungsdaten
Futter- und Fütterungshygiene
→ Anwendung aller Maßnahmen für eine gute Futterhygiene vom Feld bis zum Trog
Optimale Futteraufbereitung
→ Kontrolle von Vermahlung, Homogenität etc.
Bei Einsatz von Nebenprodukten
→ Kontrolle auf Nährstoffschwankungen, Trockensubstanz und Hygiene
Optimale Wasserversorgung
→ Kontrolle der Technik und der Verbräuche, Wasseranalysen
Funktionssichere Fütterungstechnik
→ Regelmäßige Kontrolle und Wartung
Fütterungstechnik richtig einstellen
→ Futteraufnahme überprüfen, Futterverluste minimieren

4. Nachvollziehbare Dokumentation

Betriebe, die ein stark bzw. sehr stark N-/P-reduziertes Fütterungsverfahren nach Maßgaben des DLG Bandes 199 oder ein Fütterungsverfahren auf betriebsindividuellen Daten nachvollziehbar und verständlich darstellen möchten, finden nachfolgend Hinweise zu den bereitzustellenden Daten bzw. Dokumenten.
Zur Darstellung des einzelbetrieblichen Nährstoffmanagements ist eine nachvollziehbare Dokumentation notwendig. Dies ist beim alljährlich anzufertigenden Nährstoffvergleich Voraussetzung für die richtige Einordnung des Betriebes (Leistungsklasse, Fütterungsverfahren).
Zudem werden gerade bei stark und sehr stark N-/P-reduzierten Fütterungsverfahren auf Basis von Standardzahlen oder betriebsindividuellen Zahlen behördliche Kontrollen nach Düngeverordnung erleichtert.

4.1 Unterlagen für eine nachvollziehbare Dokumentation

Geeignete Unterlagen sind:

  • Leistungsüberprüfungen (Ringauswertungen, …)
  • Lieferscheine bzw. Rechnungen (Ferkel-/Mastschweineabrechnungen, Futtermittellieferscheine, …)
  • Futterberechnungen
  • Futtercontrolling-Ergebnisse
  • Untersuchungsergebnisse der LUFA oder von anderen akkreditierten Futtermittellaboren
  • Kalkulationen zu den Nährstoffausscheidungen
  • Beratungsprotokolle

4.2 Einordnung für eine nachvollziehbare Dokumentation

In den Tabellen 7 und 8 sind die einzuhaltenden mittleren Rohprotein- und Phosphorgehalte und die Dokumentationsunterlagen aufgeführt. In der Sauen- und Ferkelhaltung ist die Einordnung vom Grundsatz her recht einfach, da im Regelfall für jedes Leistungsstadium getrennte Futtermischungen eingesetzt werden. Diese Futtermischungen (Laktationsfutter, Tragefutter, Ferkelaufzuchtfutter I und II) können mittels DLG Band 199, Tabelle 2.1, S. 55, in das verwendete Fütterungsverfahren eingeordnet werden.

Danach kann beispielsweise von einer stark N-/P-reduzierten Fütterung in der Sauenhaltung ausgegangen werden, wenn das Sauen-Laktationsfutter nicht mehr als 16,5 % Rohprotein und 0,50 % Phosphor und das Sauen-Tragefutter nicht mehr als 13,5 % Rohprotein und 0,43 % Phosphor aufweist (Tabelle 2).

In der Ferkelaufzucht kann eine stark N-/P-reduzierte Fütterung angenommen werden, wenn das Ferkelaufzuchtfutter bis 15 kg Lebendmasse nicht mehr als 18 % Rohprotein und 0,53 % Phosphor und das Ferkelaufzuchtfutter ab 15 kg Lebendmasse nicht mehr als 17,5 % Rohprotein und 0,50 % Phosphor aufweist (Tabelle 2)..

In der Schweinemast ist die Einordnung etwas aufwändiger, weil Mastphasen und Futterzusammensetzung nicht immer genau den Vorgaben der von der DLG beschriebenen Verfahren entsprechen. Werden ausschließlich zugekaufte Alleinfutter mit Angabe des Einsatzzeitpunktes verwendet, so können anhand der Lieferscheine die Fütterungsverfahren abgeleitet werden (Tabelle 8).

Von einer stark N-/P-reduzierten Fütterung in der Mastschweinehaltung bei einer durchschnittlichen täglichen Zunahme von 850 g und mehr kann ausgegangen werden, wenn das Futter folgende Werte aufweist:

  • Vormastfutter ab 28 kg LM ≤ 17,5 % Rohprotein sowie ≤ 0,47/0,44% Phosphor
  • Anfangsmastfutter ab 40 kg LM ≤ 16,5 % Rohprotein sowie ≤ 0,45/0,42% Phosphor
  • Mittel-/Endmastfutter ab 65 kg LM ≤ 15,5 % Rohprotein sowie ≤ 0,42/0,40% Phosphor
  • Endmastfutter ab 90 kg LM ≤ 14,0 % Rohprotein sowie ≤ 0,42/0,40% Phosphor

Zur Einordnung und Überprüfung der im Betrieb vorliegenden Fütterungsstrategie können zusätzlich diese mittleren Rohprotein- sowie Phosphorgehalte aus allen Futterrationen herangezogen werden. Aus den Daten des DLG Bands 199, Tabellen 2.14 bis 2.18, ergeben sich die entsprechenden Anforderungen an die mittleren Rohprotein- und Phosphorgehalte der Futter (siehe auch Tabelle 2).

Tabelle 7: Einzuhaltende mittlere Rohprotein- und Phosphorgehalte und Dokumentationsunterlagen für den Nachweis von stark und sehr stark N-/P-reduzierter Fütterung bei Sauen in Abhängigkeit von den aufgezogenen Ferkeln je Sau und Jahr und dem Verkaufsgewicht der Ferkel

Tabelle 8: Einzuhaltende mittlere Rohprotein- und Phosphorgehalte und Dokumentationsunterlagen für den Nachweis bei stark und sehr stark N-/P-reduzierter Fütterung bei Mastschweinen

Da die Nährstoffaufnahme wie weiter oben erwähnt entscheidend ist, sind in Tabelle 9 die Futterverbräuche für verschiedene Mastabschnitte exemplarisch aufgeführt. Aus Futterdeklaration bzw. Futterberechnung und zugehörigen Futterphasen des Betriebes kann das gewogene Mittel der relevanten Futterinhaltsstoffe berechnet werden. Eine solche Berechnung ist immer dann erforderlich, wenn von den im DLG Band 199 vorgegebenen Nährstoffgehalten der Futtermittel und Mastphasen abgewichen wird.

Tabelle 9: Verbrauchte Futtermengen in den einzelnen Fütterungsabschnitten [Quelle: DLG Band 199, Tabelle 2.15 – 2.18, S. 72 und 75]

Zuordnung zu einem Zunahmeniveau

Um die Zuordnung zu einem von der DLG vorgegebenen Zunahmeniveau (700, 750, 850 oder 950 g Tageszunahmen ) möglichst genau vornehmen zu können, kann abweichend von einer Zuordnung in 100 g Schritten (siehe DLG Band 199, S. 104) auf eine Zuordnung in 50 g Schritten zurückgegriffen werden, soweit die tatsächlichen Leistungen über dem Mittel von 2 Klassen der DLG liegen (> 800 bzw. > 900 g TZ). Dann können 50 % der Schweine oder Mastplätze mit den DLG-Vorgaben für die N-, und P-Ausscheidungen für die geringere Tageszunahmeklasse (z. B. 750 g TZ) und 50 % der Schweine oder Mastplätze mit den DLG-Vorgaben für die höhere TZ-Klasse (z. B. 850 g TZ) zur Ermittlung der N-, und P-Ausscheidungen in der Mast verrechnet werden. Zur Berechnung der durchschnittlichen Protein- und Phosphorgehalte in der Schweinemast und in der Ferkelaufzucht stehen neben anderen Programmen auch ein Excel-Tool der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und ein Programm der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (Zifo2) zur Verfügung (siehe Literatur).

5. Betriebsindividuelle Stallsalden

Bei Fütterungsverfahren, die in ihren Gehalten sowie den verbrauchten Futtermengen unterhalb einer sehr stark N-/P-reduzierten Fütterung liegen, ist ein betriebsindividueller Nährstoffvergleich auf Grundlage von betriebsindividuellen Stallsalden möglich. Dazu ist kein Nachweis der Leistungsklasse erforderlich, da eine Input/Output-Betrachtung auf Stallebene erfolgt. Allerdings ist hierfür eine fachkundige Beratung notwendig und zu empfehlen.
Dies ist eine Möglichkeit z. B. für Betriebe, die durch spezielle Nebenprodukte oder spezielle Futteraufbereitungen, wie z. B. fermentierte Futtermittel, höhere Futterverdaulichkeiten bzw. -aufwände je kg Zuwachs erreichen und deshalb mit geringeren Brutto-Nährstoffgehalten auch zu geringeren Nährstoffausscheidungen gelangen.
Die Grundsätze für die Ermittlung der Nährstoffausscheidungen bleiben dabei die gleichen – es werden aus den betrieblichen Aufzeichnungen und aus der Buchführung die tatsächlich vorliegenden Daten zur Fütterung und zu den Tierleistungen herangezogen.

6. Literatur

DLG (2014): Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere, Arbeiten der DLG, Band 199, 2 Auflage 2014, DLG-Verlag, Frankfurt am Main

DLG (2014): DLG- Futterwerttabellen Schweine, 7. Auflage 2014, DLG-Verlag, Frankfurt am Main

LfL (2016): Zifo2, Zielwert-Futteroptimierung

LWK NRW (2016): Exceltool, s. u. möglichen Adressen zur Verlinkung:
    https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierproduktion/schweinehaltung/fuetterung/rechner-n-p-reduktion.htm

Alternativ kann diese Kurzadresse aufgerufen werden: goo.gl/muRrDr

Außerdem ist das Tool im Download-Bereich der LWK NRW verfügbar:
https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/download/index.htm#tierhaltung

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Kontakt

DLG e.V. • Michael Biallowons • Tel.: +49(0)69/24 788-209 m.biallowons(at)DLG.org