DLG: Herr Dr. Mayer, in diesem Jahr durfte die DLG-Veranstaltung Land.Technik für Profis bei Ihnen im Fendt Forum in Marktoberdorf zu Gast sein. Welche Gedanken kommen Ihnen als erstes, wenn Sie sich näher mit dem Leitthema „Moderne Landtechnik für mehr Effizienz im Pflanzenbau“ auseinandersetzen?
Dr. Josef Mayer: Zuallererst möchte ich betonen: Innovation darf kein Selbstzweck sein, also nicht nur um der Innovation Willen stattfinden! Unsere Kunden erwarten Lösungen, die ihnen helfen, mehr mit weniger zu erreichen: weniger Betriebsmittel- und Kraftstoffeinsatz, weniger Zeitaufwand – und dabei gleichzeitig höhere Erträge und stabilere Prozesse.
Effizienz entsteht heute nicht mehr nur durch leistungsstarke Maschinen, sondern vor allem durch intelligente, vernetzte Systeme. Dazu zählen Sensorik, Automatisierung, Datenintegration sowie intelligente Assistenzfunktionen. Für echte Effizienz braucht es Verlässlichkeit und Praxistauglichkeit. Am Ende zählt auf dem Feld, dass moderne Technik robust, intuitiv bedienbar und in unterschiedlichsten Einsatzbedingungen zuverlässig ist.
Welchen Stellenwert hat der Effizienz-Begriff im Hause Fendt?
Effizienz hat für uns einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb lassen wir unsere Maschinen regelmäßig testen, zum Beispiel durch die DLG. Zuletzt haben wir den Fendt 728 Vario auf dem Rollenprüfstand des DLG-Testzentrums in Groß-Umstadt im PowerMix prüfen lassen. Dieser Traktor erreichte sehr gute Ergebnisse beim Kraftstoffverbrauch: 242 g/kWh Dieselverbrauch im Feld, plus 24,2 g/kWh AdBlue und 332 g/kWh im Straßentransport bei 40 km/h. Das sind 16 g/kWh weniger als der nächstbeste Wettbewerber. Ein hervorragendes Ergebnis.
Der Fendt 620 Vario setzt diese Maßstäbe fort: Er erreichte im PowerMix 245 g/kWh Dieselverbrauch im Feld. Nur 309 g/kWh im Straßentransport bei 40 km/h, das ist ein neuer Klassenbestwert und liegt ganze 40 g/kWh unter dem bisherigen Rekordwert. Natürlich spielt Effizienz auch in anderen Bereichen bei Fendt eine große Rolle: Dazu gehören Weiterentwicklungen beim Antriebssystem VarioDrive ebenso wie bei Gespannen zum Beispiel durch TIM, in der Futtererntetechnik oder im Pflanzenschutz.
Sicher befinden sich die Rahmenbedingungen im Wandel, seit der Mensch das Feld bestellt. Was zeichnet den gegenwärtigen Wandel Ihrer Meinung nach aus – wo liegen die besonderen Herausforderungen und Chancen?
Dazu sind sicherlich an erster Stelle der Personalmangel im Allgemeinen und der Fachkräftemangel im Besonderen zu nennen. Weitere Faktoren sind die wachsende Weltbevölkerung und die unsichere Weltwirtschaftslage. In der fortschreitenden Digitalisierung und der damit einhergehenden Automatisierung sehe ich große Chancen, um die bestehenden Herausforderungen zu lösen. Hier haben wir kürzlich die Prototypen Fendt Xaver GT, also einen autonomen Feldroboter, in Kombination mit dem KI gestützten Reihenführungssystem RowPilot für Hackgeräte auf der Agritechnica vorgestellt.
In der fortschreitenden Digitalisierung und damit einhergehenden Automatisierung sehe ich große Chancen, um die bestehenden Herausforderungen - wie die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung - zu lösen.
Zur Person:
Dr. Josef Mayer studierte Maschinenbau als Diplomstudiengang an der Technischen Universität München mit den Schwerpunkten Antriebstechnik und Systematische Produktentwicklung. Anschließend promovierte er an der TUM. Im November 2014 kam er als Teamleiter für den Bereich „Versuch Antriebstechnik“ zu Fendt, seit April 2018 leitet er den Fachbereich Fahrzeugversuch und Musterbau. Hierzu gehören die Fertigung von Prototypbauteilen, die Erprobung von Prototypfahrzeugen auf Prüfständen und auch die Felderprobung von Traktoren und Software. Im Jahr 2023 übernahm er die Leitung für die Fendt Getriebeentwicklung sowie die Führung des Moduls Drivetrain im AGCO Konzern. Neben der Weiterentwicklung des Variogetriebes fiel damit auch die markenübergreifende, globale Definition von Strategien zu Getrieben, Vorderachsen und Zapfwellen auf Konzernebene in seinen Verantwortungsbereich. Seit dem 1. April 2025 hat Mayer als Vice President und Geschäftsführer Forschung und Entwicklung die Leitung des gesamten Entwicklungsbereiches für Fendt übernommen.
Welche alternativen Energieträger und Antriebe schätzen Sie als besonders zukunftsträchtig ein – und warum?
Jeder Landtechnik-Hersteller verfolgt unterschiedliche Ansätze im Bereich alternative Kraftstoffe (Biomethan, Rapsöl, etc.). So heterogen die Ansätze, so unterschiedlich stellt sich auch die Machbarkeit und Umsetzung in der Realität dar. Wir arbeiten schon länger an technischen Lösungen, damit Landwirte ihren CO2-Fußabdruck reduzieren können. Für das Thema alternative Antriebe bzw. Kraftstoffe verfolgt Fendt drei Ansätze. Die Strategie heißt „Fendt Clean Energy“:
Fendt e100 V Vario & Fendt e100 Vario
Im unteren Leistungsbereich von rund 100 PS bieten wir in diesem Jahr den Landwirtinnen und Landwirten zwei E-Schlepper an: Fendt e107 V Vario & den Fendt e100 Vario.
Helios - Wasserstoff
Im Mittleren Leistungsbereich 200 – 250 PS haben wir den Einsatz von Wasserstoff mit unserem Fendt Helios im Projekt H2Agrar über einige Jahre getestet. Wir konnten Einsatzzeiten von fünf bis acht Stunden erreichen, abhängig vom Leistungsbedarf des Anbaugerätes und des Arbeitseinsatzes. Dieses Projekt hat aber auch gezeigt, die Wasserstoff-Infrastruktur ist für die Leistung und die Nutzung auf dem Land noch nicht ausgelegt und die Kosten für Brennstoffzellen sind aktuell zu hoch für den praktischen Einsatz.
e-fuels/HVO
Im Leistungsbereich über 200 PS sehen wir aktuell nur e-Fuels oder HVO (hydriertes Pflanzenöl) als alternative Kraftstoffquelle. Gerade unsere CORE Motoren sind in ihrer Energieeffizienz wesentlich besser. Das zeigen ja auch die PowerMix Testergebnisse. Für den nachhaltigen Betrieb sind bei Fendt alle neuen Traktorbaureihen vom Fendt 200 V Vario bis zum Fendt 1052 Vario für den Betrieb mit synthetischen Kraftstoffen nach DIN EN 15940 freigegeben.
Was sind im Bereich der Effizienzsteigerung in der praktischen Anwendung die wichtigsten Neuerungen aus Ihrer Sicht? Und: Kann Effizienz immer weiter gesteigert werden, oder gibt es ein „Ende der Fahnenstange“?
Inzwischen sind wir in der Entwicklung so weit, dass nicht länger die einzelnen Funktionen smarter werden, sondern der gesamte Arbeitsablauf: Die Anwendungen werden präziser und lassen sich mit konstanter Qualität durchführen.
Das angesprochene Ende der Fahnenstange muss man aus meiner Sicht zweigeteilt betrachten: Mechanisch und physikalisch gibt es das sicherlich; bei Verbrennungsmotoren, bei Reibungsverlusten oder bei der Zugkraftübertragung werden die Potenziale kleiner. Systemisch und digital sehe ich weiter große Chancen. Gesamtsystemoptimierungen auf der Maschine bieten hohe Potenziale und wir fangen in der Anwendung weitere Automatisierungen bis hin zur Autonomie gerade erst an: vollautomatisierte Funktionen, vorausschauende Planung und Optimierung, datenbasierte Prozessführung – all das hat gerade erst begonnen und bietet noch viele Möglichkeiten. Bei integrierten, intelligenten Systemen ist das Potenzial für Effizienzsteigerung weiterhin vorhanden. Hier können wir Landwirte weiter entlasten. Auf dem Feld müssen Landwirte so viele Faktoren gleichzeitig im Blick haben, da helfen automatisierte Prozesse und nutzerfreundliche Assistenzsysteme, die einfach zu bedienen sind, deutlich weiter. Genau daran arbeiten wir weiter.