Deutsch-Ukrainisches Unternehmerforum 2026 stärkt Agrar- und Ernährungswirtschaft beider Länder

DLG vernetzt Unternehmer aus Land- und Lebensmittelwirtschaft in der Ukraine und Deutschland – Dialog-Veranstaltung im Rahmen des Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialogs (APD Ukraine) – Milchwirtschaft, Dezentrale Energieversorgung und Finanzierungskonzepte im Fokus für Kooperationen

Unter dem Leitthema „Resilienz stärken – Zusammenarbeit gestalten“ fand am 19. Mai bei der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) in Frankfurt am Main das Deutsch-Ukrainische Unternehmerforum 2026 statt. Die Veranstaltung brachte ukrainische und deutsche Unternehmerinnen und Unternehmer, Verbandsvertreter, internationale Finanzierungsexperten und Akteure aus der Politik in den Austausch. Organisiert wurde das Unternehmerforum von der DLG in Zusammenarbeit mit dem Branchenverband Ukrainian Agri Council im Rahmen des APD Ukraine. Ziel war, wirtschaftliche Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette Agrar und Ernährung zu initiieren und zu stärken – und etwaige Vorurteile hinsichtlich eines EU-Beitritts der Ukraine in beiden Ländern durch persönliche Begegnung und Wissensaustausch zu entkräften. 

„In der Ukraine gibt es einen sehr leistungsfähigen Agrarsektor. Und das trotz Krieg und Bedrohung. Die Ukraine kann ein Kraftzentrum der Landwirtschaft in der EU werden“, betonte DLG-Präsident Hubertus Paetow in seinem Grußwort zur Eröffnung der Veranstaltung. Zu einer EU-Integration der Ukraine gebe es keine Alternative – und sie müsse schnell erfolgen, fügte der DLG-Präsident hinzu. Das Deutsch-Ukrainische Unternehmerforum 2026 wurde im Rahmen des APD Ukraine erstmalig von der DLG mit Unterstützung des Ukrainian Agri Council organisiert. Die DLG brachte ihre internationale Netzwerkkompetenz und ihr agrar- und ernährungswirtschaftliches Fachwissen gezielt in das Veranstaltungsformat ein, um Wirtschaftsvertreter beider Länder auf Augenhöhe miteinander zu verbinden.

Der APD unterstützt die Ukraine seit 2006 bei der Modernisierung ihres Agrarsektors und begleitet das Land bei der Vorbereitung auf einen EU-Beitritt. Gefördert und beauftragt vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), wird der APD Ukraine in seiner neuen Projektphase seit Beginn des Jahres 2026 durch ein Konsortium durchgeführt, dem unter anderem die DLG Markets GmbH als Veranstalter von internationalen Messen, Events und Kooperationsprojekten angehört. APD-Projektleiterin Dr. Olga Trofimtseva, ehemalige ukrainische Landwirtschaftsministerin, unterstrich zum Auftakt des Deutsch-Ukrainischen Unternehmerforums 2026 die praktische Dimension der Zusammenarbeit: „Wir unterstützen den ukrainischen Landwirtschaftssektor ganz konkret auf der Arbeitsebene bei seinen Vorbereitungen für einen EU-Beitritt. Die ukrainische Land- und Lebensmittelwirtschaft ist ein Musterbeispiel für einen resilienten und flexiblen Sektor, der zu wirksamem Krisenmanagement fähig ist: Wir betreiben weiter innovative Landwirtschaft – trotz des anhaltenden, brutalen Krieges.“ 

Wissen teilen, Vorurteile abbauen – gemeinsam im EU-Markt agieren

Hauptziel des Deutsch-Ukrainischen Unternehmerforums 2026 war die Förderung konkreter Investitionen und wirtschaftlicher Kooperationen zwischen beiden Ländern. Zusätzlich stand im Fokus, durch den Wissensaustausch das Bewusstsein für die Stärken des jeweils anderen zu schärfen: Die Ukraine brachte in dem Zusammenhang Beispiele für Resilienz, Krisenmanagement und dezentrale Innovationskraft in den Dialog – Know-how, das auch die deutsche Agrar- und Ernährungsbranche bereichern kann. Deutschland wiederum brachte Verarbeitungstiefe, sowie Erfahrung in Agrarfinanzierung und im Umgang mit EU-Regulierung in den Austausch. Große Einigkeit zeigten die Teilnehmenden in einem Punkt: Der konkrete Austausch von Branchenteilnehmern beider Länder mit Investoren und maßgeblichen Institutionen bildet eine wichtige Grundlage dafür, die Integration der ukrainischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft in die EU praxisorientiert zum Wohle aller Beteiligten voranzubringen.

Milchwirtschaft, erneuerbare Energien und Finanzierung: Beispiele aus der Praxis

Das Forum verdeutlichte anhand von Praxisbeispielen aus der Wirtschaft, wie die Ukraine unter schwersten Bedingungen Innovationskraft beweist – und welche wechselseitigen Lernpotenziale sich für beide Märkte ergeben.

Drei Sektoren standen im Fokus:

Milchwirtschaft: Andriy Dykun, Präsident des Ukrainian Agri Council, zeigte: Zehn der 24 Regionen der Ukraine sind direkt vom seit Februar 2022 andauernden russischen Angriffskrieg betroffen – Regionen, die 42 Prozent der ukrainischen Milchproduktion verantworten. Trotz Schäden von mehr als 8,7 Milliarden US-Dollar ist die Ukraine weiterhin Netto-Exporteur von Milchprodukten. Kees Huizinga, CEO der Kischenzi Dairy Farm, stellte sein Unternehmen vor, das sich auch im Kriegszustand weiter zu einem modernen Ausbildungszentrum für die gesamte ukrainische Branche entwickelt hat – mit mehr als 1.000 geschulten Fachkräften.

Erneuerbare Energien: Oleksandr Chumak von Michurina+ zeigte, wie sein 3.300-Hektar-Betrieb durch ein eigenes Smart-Microgrid – 410 kWp Photovoltaik kombiniert mit Batteriespeicher – vollständige Energieautarkie erreicht hat. Dieses Energiekonzept sei zunächst eine Reaktion auf kriegsbedingte Stromausfälle gewesen, verdeutlichte der Unternehmer. Die Energiekosten seien aber seit dessen Einführung um das Fünffache gesunken. Georgii Geletukha (Bioenergieverband der Ukraine - UABIO) ergänzte: Die Ukraine verfüge über das höchste Biomethan-Potenzial aller europäischen Länder (bis zu 21,8 Milliarden Kubikmeter pro Jahr). 2025 wurde erstmals ukrainisches Biomethan nach Deutschland exportiert.

Finanzierung: Dr. Holger Kray von der Weltbank präsentierte das ARISE-Programm: Mehr als 13.300 Agrarbetriebe weltweit wurden durch das Programm mit zinsgünstigen Krediten unterstützt, 12,8 Millionen Hektar Anbaufläche erreicht und privates Kapital von 4 Milliarden US-Dollar mobilisiert. Caspar von Alvensleben von der Landwirtschaftlichen Rentenbank stellte das deutsche Förderbank-Modell als mögliche Blaupause für den Aufbau ähnlicher Finanzierungsstrukturen in der Ukraine vor.


Bild 1: Ein EU-Beitritt der Ukraine eröffnet große Chancen für den Agrarmarkt. ©Dušan Cvetanović auf Pixabay 

Bild 2: Andryi Dykun (Ukrainian Agricultural Council), Prinz Michael zu Salm-Salm (Salm Salm und Partner GmbH) und DLG-Präsident Hubertus Paetow diskutieren wirtschaftliche Chancen durch einen EU-Beitritt der Ukraine. ©DLG / S.Pionke 

Bild 3: Das Netzwerken und der direkte Austausch standen im Mittelpunkt beim Deutsch-Ukrainischen Unternehmerforum 2026. Hier zu sehen: Dr. Olga Trofimtseva, APD-Projektleiterin und ehemalige ukrainische Landwirtschaftsministerin, im Gespräch mit einem Wirtschaftsvertreter. ©DLG /S.Pionke

20260519_DUF_DLG©DLG_S_Pionke (9).jpeg
20260519_DUF_DLG©DLG_S_Pionke (2).jpeg
20260529_DUF_©Dušan Cvetanović auf Pixabay (2).jpg
PM_APD_Ukraine_DUF_20260527_Final.pdf