Umfrage DLG-PraxisMonitor Drilltechnik
Kaufentscheidende Faktoren, Zufriedenheit und Trends -
Worauf Praxisbetriebe heute setzen
Die Auswertung der Onlineumfrage „DLG-PraxisMonitor Drilltechnik“ konnte zeigen, worauf Betriebsleiter bei der Auswahl ihrer Drilltechnik wert legen, wie zufrieden sie mit der Technik sind und welche Verbesserungen sie sich wünschen. Nachfolgend werden die Ergebnisse dargestellt und ein fachliches Fazit gezogen.
Autoren
- Prof. Dr. Till Meinel, TH Köln
- Dr. Ulrich Rubenschuh, DLG e.V.
Da die letzte Umfrage zur Sätechnik des DLG-Fachzentrums für Landwirtschaft und Lebensmittel bereits einige Jahre zurückliegt, wurde im Sommer 2025 eine erneute Onlineumfrage gestartet. Auch hier wurde abgefragt, was den Betriebsleitern bei der Drilltechnik wichtig ist, wie zufrieden sie mit der eingesetzten Technik sind und wo sie noch Verbesserungsbedarf sehen. Was hat sich in den letzten 10 Jahren geändert und wo lassen sich Parallelen in den Aussagen der Teilnehmer feststellen?
An der aktuellen Umfrage nahmen insgesamt 273 Betriebe teil, die in Summe über 100.000 ha Fläche bewirtschaften. Den Fragebogen vollständig beantwortet haben 187 Teilnehmende, welche eine Fläche von gut 80.000 ha repräsentieren. Auf deren Angaben basieren die nachfolgend zusammengefassten Ergebnisse der Umfrage.
Teilnehmende Betriebe: Große Bandbreite hinsichtlich Fläche und Schlaggröße
Flächen, Böden und Niederschläge
Die Bandbreite der teilnehmenden Betriebe ist groß: Sowohl Klein- als auch Großbetriebe waren vertreten. Die bewirtschaftete Fläche der Betriebe erstreckt sich von 9 ha bis 10.000 ha. Auch die Schlaggrößen variieren von kleiner 5 ha bis größer 25 ha.
Gut die Hälfte der Betriebe wirtschaftet auf vorwiegend mittleren Böden. Der Rest der Betriebe verteilt sich gleichmäßig auf vorwiegend schwere und vorwiegend leichte Böden. Zu je ca. einem Drittel treten auf den Betrieben Flächen in Hanglage, erosionsgefährdete oder steinreiche Böden auf.
Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei den teilnehmenden Betrieben vorwiegend zwischen 500 mm und 700 mm. Es haben aber auch Betriebe mit weniger als 400 mm (3 %) und mehr als 800 mm (11 %) jährlicher Niederschlagsmenge teilgenommen.
Gut 15 % der teilnehmenden Betriebe setzen Zusatzbewässerung ein. Vor allem beim Anbau von Sonderkulturen und auch beim Kartoffelanbau wird häufiger bewässert.
Anbauschwerpunkte
Hier waren Mehrfachantworten möglich. Bei den Anbauschwerpunkten zeigt sich das übliche Bild mit einem hohen Weizenanteil gefolgt von Gerste und Raps.
40 % der Betriebe haben Hackfrüchte als Anbauschwerpunkt, davon 25 % nur Zuckerrübe, 7 % nur Kartoffel und 3 % sowohl Zuckerrübe als auch Kartoffel.
Rund 30 % der Betriebe geben auch Körnermais und Körnerleguminosen als Anbauschwerpunkte an und rund 5 % der teilnehmenden Betriebe bauen Sonderkulturen und Gemüse.
Mechanisierung: Überwiegend eigene Maschinen
Der überwiegende Teil führt die Saat selbst durch (97 %). Wenige Betriebe beauftragen daneben auch noch einen Lohnunternehmer (7 %).
Die Eigenmechanisierung mit Drilltechnik ist hoch. Nur ca. 5 % der Betriebe benutzen Drilltechnik vom Maschinenring. In erster Linie sind dies die „kleineren“ Betriebe (< 100ha), die auf Technik vom Maschinenring zugreifen.
Die Mehrheit der teilnehmenden Betriebe benutzt Drillkombinationen (80 %). Immerhin 13 % haben sowohl eine Drille ohne Bodenbearbeitungsgerät als auch eine Drillkombination.
Fast 30 % der teilnehmenden Betriebe wenden auch ein Direktsaatverfahren an. Die Hälfte davon verwendet beides, also sowohl Direktsaattechnik als auch konventionelle Drilltechnik.
Direktsaatverfahren werden seltener auf schweren Böden als auf mittleren und leichten Böden angewendet. Welche Gründe bei der Entscheidung zur Direktsaat Einfluss genommen haben, kann aus den Antworten nicht eindeutig geschlussfolgert werden.
Die Welt der Drilltechnik ist bunt. Sowohl bei den Drillmaschinen als auch bei den Bodenbearbeitungsgeräten in Drillkombinationen werden Geräte von vielen Herstellern eingesetzt. In der Umfrage liegt bei den Drillmaschinen Amazone vor Lemken, Horsch und Väderstad. Dieses Ergebnis ist mit jenem aus der DLG-PraxisMonitor-Umfrage vor 10 Jahren vergleichbar. Unter den Umfrageteilnehmenden haben die Hersteller ihre Marktanteile also gehalten.
Ähnlich sind in der Umfrage die Marktanteile bei den Bodenbearbeitungsgeräten in Drillkombinationen verteilt. Diese haben sich im Vergleich zu 2016 aber leicht verschoben. Amazone liegt hier nun auf Platz 1 vor Lemken.
„Mehrfarbige“ Drillkombinationen von zwei verschiedenen Herstellern werden nur von rd. 15 % der Betriebe eingesetzt und sind meist älteren Baujahres (vor 2010). Den Herstellern ist es also in jüngerer Zeit gelungen, ihre Drillkombinationen aus einer Hand zu verkaufen.
Auch die Welt der Direktsaatmaschinen ist bunt: Für diese Form der Aussaat wird die Technik von einer Vielzahl an nationalen und internationalen Herstellern eingesetzt. Die Marktanteile sind bisher nicht so prägnant aufgeteilt wie bei der konventionellen Drilltechnik. In der Umfrage führt Horsch vor Amazone und Köckerling die Riege an.
Über alle Betriebsgrößen sind vor allem Maschinen mit einer Arbeitsbreite von 3 m und 6 m im Einsatz. Bei den konventionellen Drillmaschinen sind Maschinen mit 3 m Arbeitsbreite mit rund 60 % am beliebtesten und liegen noch vor den 6 m-Maschinen (20 %), während bei der Direktsaattechnik mit jeweils 40 % beide Arbeitsbreiten zu gleichen Anteilen auf den Betrieben vertreten sind. Im Vergleich mit den Ergebnissen aus der Umfrage von 2016 haben sich die Anteile von 3 m- Maschinen (70 %) zugunsten der 6 m- Maschinen (11 %) leicht verschoben. Die großen Arbeitsbreiten von 8 m und darüber finden sich nur auf Betrieben mit mehr als 1.000 ha Ackerfläche.
Die gegenwärtig eingesetzte Drilltechnik auf den Betrieben ist vergleichsweise neu: In konventionelle Anbaugeräte investierte mehr als ein Drittel der Teilnehmenden in den letzten fünf Jahren und mehr als die Hälfte der Teilnehmenden in den letzten 10 Jahren. Die höchste Anzahl an Investitionen in Direktsaattechnik erfolgte unter den Umfrageteilnehmenden in den letzten fünf Jahren. Es sind jedoch auch noch Maschinen in Betrieb, die vor der Jahrtausendwende angeschafft wurden.
Kriterien für die Kaufentscheidung: Arbeitsqualität an erster Stelle
Unverändert wichtig sind den Betrieben die Kriterien der Arbeitsqualität, nämlich die Dosiergenauigkeit (95 %), die Einhaltung der Ablagetiefe (92 %), die Gleichmäßigkeit der Querverteilung (90 %) und die Wiederbedeckung (90 %). Daran hat sich in den letzten Jahren nichts geändert.
Eine große Bedeutung für die Kaufentscheidung haben ebenfalls alle Kriterien, die das Risiko von Ausfallzeiten reduzieren, wie zum Beispiel die Gesamtverarbeitung der Maschine oder die Verschleißanfälligkeit. Wenn Probleme auftreten, ist es den Teilnehmenden wichtig, dass sich diese schnell beheben lassen und Verschleißteile einfach ausgetauscht werden können.
Beim Kauf waren für mehr als zwei Drittel der Betriebe – neben den Anschaffungskosten – in erster Linie die Verfügbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit des Herstellerservices sowie die Beschaffungsmöglichkeiten und Lieferzeiten von Ersatzteilen wichtig. Die Marke spielte hingegen nur eine nachgeordnete Rolle.
Auch die Mulchsaateignung und die Kombinierbarkeit mit Bodenbearbeitungsgeräten waren von entscheidender Bedeutung. Die Einzelkornsaattauglichkeit für Getreide war nur wenigen Teilnehmenden wichtig. Hier herrscht derzeit noch eine gewisse Zurückhaltung auf den Betrieben.
Wichtig war den Befragten hingegen ein weites Einstellspektrum für die Aussaatmenge und die Möglichkeit zur Einstellung der Ablagetiefe, also die Realisierbarkeit der klassischen, pflanzenbaulichen Möglichkeiten zur Anpassung an die Standortbedingungen.
Die ISOBUS-Fähigkeit nahm bei der Kaufentscheidung noch keine vordergründige Rolle ein. Dies deckt sich mit den Umfrageergebnissen aus 2016. Die Möglichkeit für eine teilflächenspezifische Anpassung der Ausbringmengen war nicht einmal für ein Drittel der Teilnehmenden beim Kauf der Drillmaschine entscheidend. Tendenziell hatten eher die größeren Betriebe sowie jene mit großen Schlägen ein Interesse an Maschinen, die ISOBUS-fähig sind und eine teilflächenspezifische Anpassung der Aussaatstärke ermöglichen.
Bei der Bedienung ist es den Teilnehmenden wichtig, dass die Bedienelemente gut zugänglich sind, am besten gepaart mit einer Maschineneinstellung von einem zentralen Punkt aus sowie einer intuitiven und einfachen Menüführung beim Bedienterminal.
Auch das einfache Befüllen des Vorratsbehälters sowie eine geringe Wartungsintensität und eine gute Zugänglichkeit zu den Wartungsstellen stehen auf der Wunschliste der Kaufinteressentinnen und -Interessenten weit oben.
Informationsquellen: Erfahrungsberichte bleiben weit oben
Als Informationsquelle werden vor allem die Felderprobung, Erfahrungsberichte von Berufskollegen und Maschinenvorführungen als wichtig angesehen. Dem folgen Ausstellungen sowie Prüfberichte und Artikel in Fachzeitschriften. Auch die herstellerunabhängige Beratung wird gern in Anspruch genommen.
Die Kaufentscheidungen werden also nicht in erster Linie über die Auslobungen in den Werbemedien, z.B. der Homepage des Anbieters oder Prospekte, getroffen. Diese Quellen sind aber wichtig und werden vornehmlich für eine erste Orientierung über das Angebot und die verfügbare Technik genutzt.
Obwohl modern und auch zunehmend intensiv mit Informationen bespielt, nehmen Internetforen und Social-Media-Kanäle nach den Umfrageergebnissen noch keinen ausgeprägten Einfluss auf die Kaufentscheidungen.
Zufriedenheit mit der Technik: Grundsätzlich gut
Insgesamt sind die Umfrageteilnehmer mit ihrer Drilltechnik recht zufrieden.
Nicht unerwartet wünschen sich die teilnehmenden Betriebe geringere Anschaffungskosten sowie niedrigere Verschleiß- und Ersatzteilpreise. Bezüglich der Nähe zum Händler sowie der Reaktionsgeschwindigkeit vom Service-Dienstleister sind die Teilnehmenden weniger zufrieden. Hier zeigt sich die Entwicklung aus den vergangenen Jahren: Das Netz an Händlern und Werkstätten ist weitmaschiger geworden.
Hinsichtlich der ISOBUS-Fähigkeit und den Lösungen für eine teilflächenspezifische Anpassung der Aussaatstärke nimmt die Zufriedenheit der Teilnehmenden ebenfalls ab. Auch zwischen neueren (Baujahr 2015 bis 2020) und älteren Maschinen (Baujahr 2020 bis 2025) zeigt sich hinsichtlich der Zufriedenheit kein wesentlicher Unterschied..
Im Vergleich zu den anderen, die Arbeitsqualität beschreibenden Kriterien (Dosiergenauigkeit und Gleichmäßigkeit der Querverteilung) fallen die Einhaltung der Ablagetiefe, die Rückverfestigung und die Wiederbedeckung in der Kundenzufriedenheit etwas ab. Das Baujahr der Drilltechnik hat hierbei keinen offensichtlichen Einfluss.
Eine auffällig negativere Bewertung erfährt bei der Umfrage die Restmengenentleerung. Hier sind nicht einmal zwei Drittel der Befragten zufrieden. Eine leichte Tendenz ist feststellbar, dass die Zufriedenheit bei neueren Maschinen etwas zunimmt.
Die Maschinengewichte bewerten viele Umfrageteilnehmer als zu hoch und in der Arbeitsqualität bei Hangeignung wird ebenfalls Verbesserungsbedarf gesehen.
Mit der Zugänglichkeit zu den Bedienelementen und zu den Wartungsstellen sind vergleichsweise viele Anwenderinnen und Anwender weniger zufrieden. Hier haben einige Hersteller auch schon mit der Einrichtung von zentralen Punkten für die Maschineneinstellungen reagiert, wobei auch für solche „Einstellzentralen“ Verbesserungspotenzial zu bestehen scheint.
Die Vollständigkeit und Verständlichkeit der Bedienungsanleitung wird von rund drei Viertel der Teilnehmenden als in Ordnung eingestuft. Die Bedienung über das Maschinenterminal erreicht diese hohe Zufriedenheit nicht ganz, etwa 70 % der Befragten bewerten diese als einfach und intuitiv. Das ist zwar tendenziell bei Maschinen mit Baujahr ab 2015 besser geworden, aber auch bei neuen Maschinen mit Baujahr von 2020 bis 2025 gibt es hier offensichtlich noch Verbesserungsbedarf. Die Bedienerfreundlichkeit muss in den Entwicklungsabteilungen der Hersteller also auch weiterhin im Fokus stehen.
Unser Fazit
Die Aussaat wird vornehmlich von den Betrieben selbst mit eigener Technik durchgeführt. Regelmäßig investieren die Betriebe in neue Drilltechnik und legen dabei besonders großen Wert auf die Arbeitsqualität und die Zuverlässigkeit.
Das Interesse an Direktsaat nimmt zu, aber es besteht kein Dogma für oder gegen die konventionelle Drillsaat. Direktsaat wird vermehrt eingesetzt, wenn es die Bedingungen erfordern und oft existieren beide Technologien auf einem Betrieb.
In der Verteilung der Arbeitsbreite sind seit der letzten Umfrage 2016 keine großen Veränderungen erkennbar. Die 3 m-Maschinen haben noch immer die weiteste Verbreitung, auch wenn der Anteil an Maschinen mit einer Arbeitsbreite von 6 m in den letzten 10 Jahren zugenommen hat.
Die Zufriedenheit mit der Technik ist vergleichsweise groß. Verbesserungspotenziale liegen vor allem in der Bedienerfreundlichkeit. Hier arbeiten die Entwicklungsabteilungen der Hersteller bereits mit Hochdruck an den notwendigen Verbesserungen. Elektronische Features stehen noch nicht an einer der oberen Stellen auf den Wunschlisten. Die Verfügbarkeit von Service und Ersatzteilen nimmt hier eine wichtigere Rolle ein.
Vor dem Kauf neuer Drilltechnik informieren sich die Betriebe vor allem über die klassischen Kanäle wie Felderprobung, Maschinenvorführungen und Ausstellungen. Das hat sich auch im Oktober 2025 durchgeführten DLG-PraxisSpot Drilltechnik beim Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrum (IPZ) in Bernburg gezeigt. Die Veranstaltung war mit über 250 Teilnehmern sehr gut besucht und im Programm wurde neben der konventionellen Drilltechnik auch die Direktsaat – sowohl in Vorträgen als auch in Vorführungen – intensiv behandelt.
Nach wie vor wichtig ist auch die Erfahrung und Meinung der Kollegen. Die „Farbentreue“ nimmt ab, ein Wechsel des Herstellers und eine Öffnung für neue Anbieter wird verstärkt in Betracht gezogen. Dies gilt vor allem bei weniger etablierter Technik wie die der Direktsaat. Kombinationen aus einer Hand sind im Trend und die Anbieter reagieren mit ihrem Sortiment darauf.
Die Hersteller sollten auch in Zukunft ihren Fokus auf Weiterentwicklungen und Verbesserungen legen, denn die Betriebe investieren regelmäßig in neue Drilltechnik. Dass die Hersteller hier nicht untätig sind, hat sich auf der AGRITECHNICA 2025 gezeigt. Hier wurden wieder viele Neuheiten vorgestellt und die Besucher konnten sich sowohl bei den Herstellern, als auch über Diskussionsrunden und Vorträge und im Rahmen des DLG-Fachprogramms, zum Beispiel beim Trendmonitor Sätechnik (zum Video ) umfassend informieren.