PotatoEurope und SugarBeet Expo 2026 erfolgreich gestartet: Innovation trifft Praxis auf dem Feld
Internationaler Branchentreff vom 9. bis 10. September 2026 bei Springe (Hannover) – rund 300 Aussteller und etwa 12.000 Fachbesucher erwartet – Premiere für die parallel stattfindende SugarBeet Expo – Maschinenvorführungen, Versuchsfelder und Fachprogramm im Fokus – www.potatoeurope.de – www.sugarbeet-expo.de
Die PotatoEurope 2026 und die erstmals ausgerichtete SugarBeet Expo haben am 9. September auf dem Rittergut Gestorf 1 bei Springe bei Hannover ihre Tore geöffnet. Das Messe-Duo bringt die internationale Kartoffel- und Zuckerrübenbranche zusammen und verbindet Innovationen, Wissenstransfer sowie praxisnahe Technikdemonstrationen auf dem Feld. Im Mittelpunkt stehen Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Züchtung, Pflanzgut und Betriebsmitteln über Digitalisierung und Landtechnik bis hin zu Ernte, Logistik und Verarbeitung. Rund 300 Aussteller werden noch bis Donnerstag, den 10. September, ihre Lösungen und Innovationen für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau präsentieren.
Der erste Messetag zeigte eindrucksvoll, wie eng Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in der Praxis miteinander verbunden sind. Fachbesucherinnen und Fachbesucher konnten aktuelle Maschinen und Verfahren unter realen Bedingungen erleben, Versuchsfelder mit neuen Sorten und Anbaulösungen besichtigen und sich auf der DLG-Expert Stage über zentrale Zukunftsthemen informieren. Ergänzend rückten die DLG-Spotlights Digital Farming, Agrarlogistik und Biokartoffeln konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze für einen effizienten, ressourcenschonenden Pflanzenbau in den Mittelpunkt.
Eröffnungsreden thematisieren Herausforderungen und Lösungen für die Branche
PotatoEurope und SugarBeet Expo fallen in eine Zeit, in der sich der Hackfruchtanbau mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sieht: Der Klimawandel sorgt für häufigere Extremwetterlagen wie die Dürre im Sommer 2026, die regional deutliche Ertragseinbußen für den hiesigen Kartoffel- und Zuckerrübenanbau brachte. Hinzu kommen Preisschwankungen auf den globalen, durch geopolitische Spannungen beeinflussten Märkten.
Diese Herausforderungen und effektive Antworten darauf stellte DLG-Präsident Hubertus Paetow in seiner Rede zur Eröffnung der Freiluftmessen in den Mittelpunkt. Nach seinen Darstellungen ist eine zentrale Aufgabe für die Hackfruchtbranche, ihre Produktionssysteme an sich verändernde klimatische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen anzupassen; damit beide Kulturen sowohl im innerbetrieblichen als auch im internationalen Wettbewerb bestehen und in Zukunft einkommenswirksam bleiben können: Zuckerrübe und Kartoffel seien für leistungsfähige Ackerbausysteme und die Sicherung der Ernährung von hoher Bedeutung: Beide Kulturen zusammen erwirtschafteten rund 16 Prozent des Umsatzes der deutschen Pflanzenproduktion. Von jeher seien Kartoffel und Rübe bedeutsame Energielieferanten in Deutschland und Europa und würden somit erheblich zur Ernährungssicherung beitragen. Zugleich stünden die Betriebe vor wachsenden Herausforderungen durch Klimawandel, Schaderreger wie die Schilf-Glasflügelzikade, der ein zunehmend begrenztes Wirkstoffspektrum bei Pflanzenschutz gegenüberstünde.
Olaf Feuerborn, Präsident der UNIKA (Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft e. V.) als ideeller Partner der PotatoEurope, wies ebenfalls auf die herausragende Bedeutung der Kartoffel für die Ernährungssicherung hin. Aufgrund ihres hohen Ertragspotenzials sei sie eine besonders effiziente Kultur: Je Flächeneinheit könne ein Vielfaches der Erntemenge von Getreide erzielt werden. Feuerborn betonte zudem, dass die Wertschöpfungskette Kartoffel angesichts des Klimawandels und in der Folge in Deutschland und Europa neuen Schadinsekten auf eine den Herausforderungen angemessene Wirkstoffpalette im Pflanzenschutz angewiesen sei. Nach Ansicht Feuerborns lassen sich die anstehenden Aufgaben nur im Schulterschluss der gesamten Wertschöpfungskette lösen. Für Kartoffel und Zuckerrübe müssten gemeinsam neue Ansätze entwickelt und in die Praxis gebracht werden. Gefragt seien Innovationen aus Züchtung, Technik, Forschung und Verarbeitung ebenso wie ein intensiver Erfahrungsaustausch zwischen den Beteiligten.
Auch Dr. Stefan Streng, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) als ideeller Partner der SugarBeet Expo, verwies in seiner Begrüßungsansprache auf die agronomischen Herausforderungen im Zuckerrübenanbau. Mit dem SBR- und Stolbur-Komplex sei der Hackfruchtanbau mit einer Krankheit konfrontiert, die viel Ertrag koste und deren Eindämmung neue Antworten und einen engen Schulterschluss innerhalb der Branche erfordert. Die Premiere der SugarBeet Expo biete die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Zuckerrübenwirtschaft in einem neuen Veranstaltungsformat sichtbar zu machen und gemeinsam mit der Kartoffelbranche Lösungen für die Zukunft zu diskutieren, so Streng. Der WVZ-Vorsitzende wendet sich klar gegen die mögliche Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund des ohnehin schwierigen Marktumfeldes: Zucker gehört in einer ausgewogenen Ernährung dazu.
Künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Kartoffel- und Zuckerrübenanbau
Im Fachprogramm zu PotatoEurope und SugarBeet Expo wurden während der Messetage aktuell drängende Themen für die Wertschöpfungsketten Kartoffel und Zucker diskutiert und analysiert. Unter der Überschrift „Pflanzkartoffeln selektieren mit KI - Was können wir?“ legten Matthias Hempe, FarmBlick GmbH und Martin Rave, Europlant Innovation GmbH & Co. KG, dar, was die Selektion auf beispielsweise Krankheiten mithilfe Künstlicher Intelligenz leisten kann. Voraussetzung für leistungsfähige Anwendungen sei eine umfangreiche und verlässliche Datengrundlage, betonten die Experten. Drohnenaufnahmen könnten dabei helfen, gesunde und auffällige Pflanzen auf den Versuchsflächen zu erfassen und räumlich zuzuordnen. Werden diese Informationen gemeinsam gesammelt und ausgewertet, entstehe schrittweise eine Datenbank, auf deren Basis Algorithmen für die automatische Pflanzenselektion entwickelt und verbessert werden können. Für das Training einer KI, die erkrankte Pflanzen sicher erkennen soll, seien mehrere Tausend Bilder erforderlich. Jede korrekt als krank erfasste und bestätigte Pflanze erweitere den Datensatz und trage dazu bei, die Genauigkeit des Algorithmus weiter zu erhöhen. Was aus den Ausführungen klar wurde: Ein wirklich effizienter und zielführender Umgang mit KI erfordere Geduld, kontinuierliche Datensammlung und eine systematische Rückkopplung zwischen Anwendung und Auswertung.
Dem Thema „Reduzierung des CO2-Fußabdrucks im Rübenanbau“ widmeten sich Expertinnen und Experten der Nordzucker AG sowie Yara. Was deutlich wurde: Die Dekarbonisierung der Produktion von Nahrungsmitteln und Erzeugnissen wie eben der Zuckerrübe betrifft die gesamte Wertschöpfungskette. Wollen große Unternehmen der Ernährungsindustrie oder des Lebensmittelhandels ihre Produktion dekarbonisieren, sind sie dafür auf Daten zu Treibhausgasemissionen ihrer Vorlieferanten angewiesen. Im Schulterschluss entlang der Kette lassen sich am besten wirklich wirksame Reduktionsschritte umsetzen. Ein großer Hebel zur Senkung der CO2-Emissionen im Anbau von Zuckerrüben liege beim Ausbringen von Düngemitteln und somit dem Einsatz von grünen Düngern. Bei deren Herstellung wiederum kommt vermehrt erneuerbare Energie zum Einsatz. Eine weitere Stellschraube: Landmaschinen statt mit fossilem Treibstoff mit HVO, also Diesel aus biogenen Reststoffen wie zum Beispiel gebrauchten Speiseölen zu betanken.
Der Einsatz opto-elektronischer Sortiertechnik gewinnt angesichts des Fachkräftemangels und steigender Qualitätsanforderungen an Bedeutung. Das wurde in dem Beitrag „Opto-elektronisches Sortieren – Die Zukunft der Kartoffelaufbereitung“ von Felix Rodewald, technischer Sachbearbeiter bei der Versuchsstation Dethlingen deutlich. Die automatisierten Systeme reduzieren den manuellen Personaleinsatz, sichern die Qualität wirksam dadurch, dass sie ohne menschliche Ermüdungserscheinungen arbeiten können und steigern dadurch perspektivisch die Effizienz in den Aufbereitungsprozessen. Die Experten unterschieden drei Einsatzfelder bzw. Maschinentypen: Beimengentrenner entfernen Steine und andere Fremdkörper mit Auswurffingern und erreichen Durchsätze von bis zu 100 Tonnen pro Stunde. Qualitätsverleser erkennen unter anderem Drahtwurmbefall, Beschädigungen und Schwarzfleckigkeit. Größenfraktionierer vermessen die Knollen mithilfe mehrerer Kameras und 3-D-Technik nach Form, Volumen und Größe; auch eine Gewichtssortierung über Volumen- und Dichtebestimmung ist möglich. Die Arbeitsweise der Systeme kurz zusammengefasst: Sensoren und Kameras erfassen die Knollen; die Daten werden ausgewertet und darauf basierend die unterschiedlichen Arbeitsschritte umgesetzt. Was Betriebe und Unternehmen bei der Einführung solcher Systeme im Blick haben müssten: Keine Maschine funktioniere nach dem Prinzip „Plug and Play“. Gerade zu Anfang erfordere die Einstellung und Implementierung viel Zeit und verlagere sich zunächst von der Aushilfskraft, die sonst manuell sortiert und verliest, auf den Betriebsleiter.
Exklusivpartner beider Messen ist das Land Niedersachsen. Ideeller Partner und Initiator der PotatoEurope 2026 ist die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft e. V. (UNIKA), Regionalpartner ist die Golden Geest-Kartoffeln Erzeugergesellschaft mbH. Ideeller Partner der SugarBeet Expo ist die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e. V. (WVZ), Regionalpartner ist die Nordzucker AG. Exklusiver Schlepperpartner der Veranstaltung ist Case IH.
Fotos: DLG
PM_PotatoEurope_2026_Tag 1.pdfDie PotatoEurope hat heute Ihre Tore eröffnet..jpg
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Teil des Programms sind die Maschinenvorführungen.jpg
Im Gelände sind rund 300 Aussteller vertreten.jpg
In diesem Jahr findet die PotatoEurope erstmals mit der SugarBeet Expo statt.jpg
Dr. Stefan Streng, WVZ.jpg