Trends in der Haltungs- und Fütterungstechnik für Milchvieh

EuroTier 2026

Auf dem Bild sieht man den Kopf eines Kalbs das aus einem schwarzen Eimer frisst.
Foto: DLG

Landwirtschaft und Tierhaltung stehen im Spannungsfeld von Gesellschaft, Politik, Umwelt und Ernährung. Die Anforderungen an landwirtschaftliche Betriebe sind vielfältig und umfassen unter anderem Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz, Lebensmittelqualität und Wirtschaftlichkeit. Komplexe rechtliche Rahmenbedingungen und langwierige Genehmigungsverfahren können betriebliche Entwicklungen sowie die Motivation für anstehende Investitionen und Anpassungen erschweren. 

Technische, züchterische und organisatorische Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte haben die Milchviehhaltung deutlich geprägt. Ihre Bewertung fällt nicht in allen Bereichen eindeutig positiv aus. Viele Entwicklungen und Fortschritte können jedoch als Grundlage für weitere Verbesserungen dienen, insbesondere dann, wenn ihre Auswirkungen auf Tiergesundheit, Umwelt, Arbeitswirtschaft und Wirtschaftlichkeit untersucht, geprüft und bestätigt wurden. Darüber hinaus ist zudem sicher, dass der Bedarf an sicheren, qualitativ hochwertigen und vielfältigen Lebensmitteln bestehen bleibt. Daraus ergeben sich weiterhin Chancen, die Produktion ressourceneffizienter, tiergerechter und zukunftsfähig zu gestalten.

Strukturwandel und Ressourceneffizienz

In eingen Regionen Europas sind die Rinder- und Milchkuhbestände in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt zurückgegangen. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Milchleistung je Kuh weiter gestiegen. Diese Entwicklung ist unter anderem auf Zuchtfortschritte, verbesserte Fütterung, optimiertes Herdenmanagement sowie Fortschritte bei Hygiene und Tiergesundheit zurückzuführen. Der Rückgang der Tierzahlen führt nicht automatisch zu einer proportionalen Verringerung der mit der Milchproduktion verbundenen negativen Umweltwirkungen. 

Entscheidend sind dabei unter anderem das Leistungsniveau und die Fütterung, aber auch das Wirtschaftsdüngermanagement, der Energieeinsatz und vor allem das Haltungs- oder das Produktionssystem. Vor diesem Hintergrund sollten die Ställe, die emittierenden Laufflächen sowie die Lagerstätten für Wirtschaftsdünger so geplant und betrieben werden, dass mehrere Ziele mit Blick auf eine nachhaltige Milchviehhaltung miteinander vereinbar sind. So sollten Luft, Wasser und Boden geschützt und Nährstoffe effizient genutzt werden. Der Energie- und Ressourcenverbrauch sollte entsprechend begrenzt werden.

Gemeinsam formulierte Ziele und Transparenz können zur gesellschaftlichen Nachvollziehbarkeit landwirtschaftlicher Produktion beitragen. Ob sie die Akzeptanz oder Nachfrage tatsächlich erhöhen, hängt jedoch von der Glaubwürdigkeit, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit der Informationen ab. Betriebe, Qualitätssysteme und Vermarktungspartner sollten daher Produktionsbedingungen und Qualitätsanforderungen möglichst eng an der guten fachlichen Praxis ausrichten und nachvollziehbar darstellen.

Der Milchviehstall der Zukunft

Bei der Planung neuer Milchviehställe stehen neben der möglichen Bestandsgröße zunehmend die Arbeitswirtschaft, der Tierkomfort, aber auch die notwendigen Aspekte zur Emissionsreduzierung im Fokus. Digitalisierung, Automatisierung und Robotik können Routinearbeiten erleichtern, Arbeitsabläufe standardisieren und relevante Daten für das Herdenmanagement bereitstellen und sind somit wesentlicher Bestandteil der Planungsgrundlage.

In der Diskussion zum zukunftsorientierten Haltungskonzept bietet der klassische Liegeboxenlaufstall auch heute noch grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine tier- und umweltgerechte sowie zunehmend automatisierte Milchviehhaltung. Je Kuh eine Liegebox und eine an das Management angepasste Anzahl an Liegeboxen im Transitbereich sollten zusammen mit den ausreichend dimensionierten Abkalbe- und Krankenbuchten die Grundlage für eine gute Tierhaltung bieten. Das Melken wird von Melkrobotern übernommen.

Sowohl Hochboxen als auch Tiefboxen können bei fachgerechter Gestaltung und Pflege tiergerechte Lösungen darstellen. Die Ergebnisse für Liegeverhalten, Sauberkeit, Verletzungsrisiko und Arbeitsaufwand hängen stark von den Liegeflächen, den Einstreumaterialien sowie dem Boxenmanagement ab. Die Maße von Liegeboxen müssen an der sich ändernden Größe der Milchkühe und ihr Bewegungsverhalten angepasst werden. Eine Liegeboxenlänge von 3,00 Metern und eine Breite um 1,25 Meter werden heute für Neubauten empfohlen. Entsprechend werden Nackenriegel auf 1,30 Meter Höhe und die Bugschwelle auf 1,90 Meter Liegelänge montiert. 

Das Bild zeigt einen weißen mann mit grauen Haaren und schwarzer Weste, der eine graue Kuhl an der Leine führt.
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Laufflächen und neue Konzepte im Wirtschaftsdüngermanagement

Spaltenböden oder planbefestigte Laufflächen sind in der Milchviehhaltung weit verbreitet. Beide Systeme haben spezifische Vor- und Nachteile. Spaltenböden können die Entmistung erleichtern, stehen aber hinsichtlich Klauengesundheit, Trittsicherheit und Verschmutzung immer wieder in der Kritik. Planbefestigte Flächen ermöglichen flexible Ausführungen, erfordern aber eine zuverlässige und häufige Entmistung der gesamten Laufgangfläche. 

Elastische Bodenbeläge können auf allen Laufflächen die Trittsicherheit verbessern. Studien zeigen positive Effekte auf Bewegungsverhalten und Klauengesundheit. Die Ergebnisse sind jedoch von der Oberflächenstruktur, der Feuchtigkeit sowie der Reinigungsfähigkeit abhängig. 

Die Sauberkeit der Laufflächen ist für Klauengesundheit, Hygiene und Tierkomfort, aber auch zur Reduzierung der Umweltwirkungen relevant. Spalten- und Laufflächenroboter können im Gegensatz zu stationären Schiebern nahezu 100 Prozent der Laufflächen reinigen. In Verbindung mit einer entsprechenden Häufigkeit der Reinigungsgänge reduzieren sie die Verschmutzung von Klauen und Gliedmaßen und schaffen einen sauberen und trockenen Laufbereich, der auch die Emissionen verringern kann.

Emissionen treten bei allen aktuellen Laufgangkonzepten auf. Bauliche Lösungen, in denen Kot und Harn beziehungsweise fest und flüssig stärker differenziert betrachtet werden, rücken immer mehr in den Fokus. Ob Kuhtoilette zur Uringewinnung oder Unterflurschieber, die fest und flüssig trennen – es gibt viele interessante Ansätze, um Umweltwirkungen zu reduzieren und zu optimieren. Dabei spielt auch eine konsequente und intelligente Weiterentwicklung des Wirtschaftsdüngermanagements aus Sicht des Nährstoffschutzes und der Emissionsminderung eine wesentliche Rolle. Vor diesem Hintergrund werden neue Verfahren zur Trennung und Sammlung beziehungsweise Erfassung und Verwendung von Kot und Harn zurzeit diskutiert. Durch eine getrennte Erfassung können die positiven Eigenschaften der Teilströme wie beispielsweise Kot und Harn spezifisch zur Energiegewinnung oder Düngung genutzt und ihre separate Lagerung, Transport oder Nutzung erleichtert werden. 

Fressplatzgestaltung und Tierkomfort

Die Gestaltung und Dimensionierung des Fressbereichs beeinflusst Futteraufnahme, Sozialverhalten und die Arbeitsabläufe im Stall. Moderne Selbstfanggitter mit einer Fressplatzbreite von 75 Zentimetern sind weiterhin weit verbreitet. Auch flexible Systeme oder Palisaden aus Kunststoff positionieren die Kühe am Futtertisch und können durch die Flexibilität Vorteile bieten. Aufgrund ihrer Bauweise sollten sie aber geprüft werden, wie stabil und haltbar sie sind. Erhöhte Fressstände fördern die Ruhe bei der Futteraufnahme und können durch die Positionierungsbügel die Verschmutzungen durch Kot in diesem Bereich minimieren und somit auch die Emissionsfläche im Stall reduzieren.

Wasserangebot und Tränketechnik

Milchkühe müssen jederzeit Zugang zu ausreichend sauberem Wasser haben. Der Bedarf hängt unter anderem von Milchleistung, Trockenmasseaufnahme, Futterration, Umgebungstemperatur und dem Gesundheitsstatus ab. Neben der Wasserqualität sind Durchflussleistung, Erreichbarkeit, Anzahl und Anordnung der Tränken entscheidend.

Die erforderliche Tränkenzahl sollte anhand der Tierzahl, Gruppengröße, Tränkenleistung, Platzierung und erwarteten Spitzenaufnahme geplant werden. Die bekannte Formel „Tierzahl geteilt durch 20 + 1“ ist nach wie vor die Grundlage für die Berechnung der Anzahl von Tränkestellen in einem Milchviehstall. Für 80 Kühe sind demnach fünf Tränkestellen vorzuhalten. Die Wasserqualität und die Tränkehygiene sollten regelmäßig kontrolliert werden. Tränkebecken und Leitungen müssen leicht zu reinigen sein und so gestaltet werden, dass Verschmutzungen und Biofilmbildung möglichst vermieden werden.

Da Kühe das Wasser überwiegend durch Saugen beziehungsweise Ansaugen von einer freien Wasseroberfläche aufnehmen, ermöglichen großvolumige Beckentränken ihnen eine hohe und vor allem tiergerechte Wasseraufnahme. Ventiltränken sichern hingegen durch den hohen Zufluss und Durchfluss die Wassertemperatur sowie die Sauberkeit der Tränke und die Qualität des Wassers. Vor diesem Hintergrund sollten beide Tränketypen installiert werden.

Stallklima: Hitzestress als zunehmende Herausforderung

Offene beziehungsweise außenklimaorientierte Stallkonzepte sind in der Milchviehhaltung verbreitet. Ihre Eignung hängt von Standort, Gebäudeausrichtung, Windverhältnissen, Luftvolumen, Öffnungsflächen, Tierzahl und Management ab. Niedrige Wintertemperaturen sind für gesunde erwachsene Rinder häufig weniger problematisch als hohe Temperaturen, sofern Zugluft, Nässe und unzureichende Liegebereiche vermieden werden. 

Mit zunehmenden Hitzeperioden wird es immer wichtiger, Hitzestress zu vermeiden. Hitzebelastung kann Futteraufnahme, Milchleistung, Fruchtbarkeit, Verhalten und Gesundheit beeinträchtigen. Ausmaß und Folgen hängen unter anderem von Temperatur, relativer Luftfeuchtigkeit, Luftgeschwindigkeit, Sonneneinstrahlung sowie dem Leistungsniveau der Kühe ab.

Für die Kühlung lassen sich vereinfacht drei Grundprinzipien nennen: Schatten, Luftbewegung und Wasser. Diese Prinzipien müssen standort- und tierbezogen kombiniert werden. Schatten reduziert die direkte Strahlungsbelastung. Luftbewegung verbessert die konvektive Wärmeabgabe. Wasser kann über Verdunstungskühlung wirken, sofern ausreichende Luftbewegung und geeignete hygienische Bedingungen vorhanden sind. 

Das Bild ziegt eine weiße Kuh mit schwarzen Punkten die Heu frisst.
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Klimasteuerung und Kühlung

Eine tiergerechte Klimatisierung erfordert die gemeinsame Betrachtung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftgeschwindigkeit, Luftqualität und Tierverhalten. Offene Trauf- und Firstbereiche können die natürliche Lüftung unterstützen. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von Wind, Gebäudegeometrie und Standort sowie der Öffnungsfläche ab. 

Sensoren können Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftgeschwindigkeit oder weitere Parameter erfassen. Sie ersetzen aber nicht die fachliche Kontrolle. Messwerte müssen korrekt interpretiert und die Systeme regelmäßig überprüft werden.

Bei Hitzeperioden kommen insbesondere folgende Maßnahmen infrage:

  • Beschattung,
  • Verbesserung der natürlichen Lüftung,
  • Ventilatoren,
  • gezielte Luftbewegung im Tierbereich,
  • Benetzung der Tiere mit Wasser,
  • gegebenenfalls adiabatische Kühlung der Zuluft (Nutzung von Verdunstungskälte).

Direkte Wasserbenetzung kann bei ausreichender Luftbewegung wirksam sein. Eine hohe Luftfeuchtigkeit ohne ausreichende Verdunstung kann die Wärmeabgabe dagegen beeinträchtigen. Die eingesetzte Wassertechnik muss generell immer hygienisch, betriebssicher und so ausgeführt sein, dass keine zusätzlichen Risiken für Tiere oder Gebäude entstehen. Nicht fachgerecht geplante Eigenbaulösungen können deshalb problematisch sein!

Ventilatoren sollten auf Stallgeometrie, Tierbereich und Luftführung abgestimmt werden. Eine bedarfsgerechte Steuerung kann Energie sparen und die Kühlwirkung an die Situation anpassen. Ob eine sensorbasierte Regelung Vorteile bietet, hängt von Sensorqualität, Regelstrategie und der Wartung ab. 

Automatisierung und Robotik in der Arbeitswirtschaft

Der Arbeitszeitbedarf in Milchviehbetrieben hängt stark von Herdengröße, Haltungssystem, Melktechnik, Fütterung, Entmistung, Weidegang, Eigenmechanisierung, Arbeitsorganisation und Dokumentationsaufwand ab. Während in Anbindeställen zwischen 80 und 100 Arbeitsstunden je Kuh investiert wurde, konnte der Arbeitszeitaufwand in Liegeboxenlaufställen mit Melkstand auf 40 bis 50 Stunden und durch den Einsatz von Robotern für das Melken, Füttern und für die Laufflächenreinigung auf unter 30 Stunden je Kuh und Jahr reduziert werden. Insbesondere muss zwischen Arbeitszeit je Kuh, Arbeitskraft, Betrieb und Kilogramm Milch unterschieden werden. Zu berücksichtigen ist dabei aber die Tatsache, dass die Automatisierung zwar den direkten Arbeitszeitbedarf an der Kuh reduziert, aber gleichzeitig den Wartungs-, Kontroll- und Managementaufwand im Technikbereich erhöht. 

Das Bild zeigt mehrer weiß - braune Kühe die von einem Mann in einem schwarzen Pullover gestreichelt werden
Foto: DLG

Robotik und sensorbasierte Überwachung

Automatisierte Systeme können Melken, Füttern, Futteranschieben, Reinigung und Datenerfassung unterstützen. Sie führen definierte Abläufe wiederholbar aus. Die Prozessqualität hängt jedoch von Installation, Wartung, Softwareeinstellungen, Tierakzeptanz und der regelmäßigen Kontrolle durch den Milchviehhalter ab.

Die Robotik ersetzt nicht das Herdenmanagement. Verantwortliche Personen müssen Tiere weiterhin regelmäßig beobachten, technische Störungen erkennen, Daten plausibilisieren und bei Gesundheitsproblemen handeln. Sensoren können Veränderungen bei Aktivität, Wiederkauverhalten, Futteraufnahme oder Milchparametern frühzeitig anzeigen. Ihre diagnostische Aussagekraft ist aber nicht für jedes Krankheitsbild gleich und erfordert somit eine fachkundige Bewertung durch den Milchviehhalter. 

Fazit 

Moderne Stallkonzepte, optimierte Funktionsbereiche, Klimasteuerung, Digitalisierung und Robotik bieten Entwicklungsmöglichkeiten. Sie führen nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit. Entscheidend sind die konkrete Planung, die betriebliche Umsetzung, der Energie- und Ressourcenbedarf, die Nutzungsdauer der Technik sowie die Auswirkungen auf Tiere, Umwelt und Wirtschaftlichkeit.

Eine nachhaltige Milchproduktion ist grundsätzlich möglich, muss aber standort- und systembezogen bewertet werden. Nachhaltigkeit umfasst dabei mehrere Dimensionen:

  • ​Tiergesundheit und Tierwohl,
  • Umwelt- und Klimawirkungen,
  • Nährstoff- und Ressourceneffizienz,
  • Wirtschaftlichkeit,
  • Arbeitsqualität,
  • gesellschaftliche Nachvollziehbarkeit.

Die Verantwortung verteilt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette. Landwirtschaft, Beratung, Forschung, Politik, Verarbeitung, Handel und Verbraucherinnen und Verbraucher beeinflussen gemeinsam die Rahmenbedingungen. Eine wirtschaftlich tragfähige Produktion setzt voraus, dass höhere Anforderungen angemessen berücksichtigt und Leistungen für Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz nachvollziehbar vergütet werden.

Für Milchviehhalter ist die EuroTier 2026 in Hannover besonders interessant, weil die Messe Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Milchproduktion zeigt – von Zucht, Fütterung und Haltung über Melk- und Kühltechnik bis hin zur Kälberhaltung. So können Betriebsleiter konkrete Ideen für mehr Effizienz, Tiergesundheit und Zukunftssicherheit mit nach Hause nehmen und sich direkt mit Herstellern, Experten und Berufskollegen austauschen.

Fotos können beim Autor angefragt werden.


Autor: Andreas Pelzer, Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

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