Potenziale für den Proteinmarkt

PIONEER Clusterveranstaltung zeigt Wege zu Akzeptanz, Skalierung und Marktreife alternativer Proteinquellen – Expertinnen und Experten diskutierten über „Verbraucherakzeptanz und Märkte“

Was sind aktuell die größten Herausforderungen und Chancen alternativer Proteinquellen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Agrar- und Ernährungssektor? Die PIONEER‑Clusterveranstaltung zeigte, wo Forschung, Finanzierung, Marktzugang, Verbraucherakzeptanz und politische Rahmenbedingungen ansetzen müssen, um tragfähige Konzepte und wirksame Maßnahmen voranzubringen.

Alternative Proteinquellen umfassen alle nicht-tierischen Proteinlieferanten. Pflanzliche Proteine gehören ebenso dazu wie Insekten, Algen, Pilz- und Fermentationsproteine sowie zellkulturbasierte Ansätze. Sie stoßen bei Konsumenten auf grundsätzliches Interesse: Insbesondere Flexitarierinnen und Flexitarier, die rund 40 % der deutschen Bevölkerung ausmachen, zeigen Offenheit für neue Produkte und den Wunsch, den tierischen Konsum zu reduzieren. Geschmack und Preis bleiben die entscheidenden Faktoren für Akzeptanz. In Deutschland zeigt sich ein differenziertes Marktbild: Während der Plant‑based Markt insgesamt stabil ist und Milchalternativen wachsen, stagnieren Fleischalternativen und einzelne Segmente wie Käse‑ und Fischalternativen verlieren an Dynamik.

Technologische Einordnung

Pflanzenbasierte Produkte stehen vor allem vor Kostenherausforderungen. Fermentationsbasierte Ansätze gelten als vielversprechend, sind jedoch stark von Infrastruktur, Skalierung und regulatorischen Rahmenbedingungen abhängig. Zellkultivierte Produkte befinden sich weiterhin in einem frühen Entwicklungs- und Zulassungsstadium. International sind einige Produkte bereits am Markt, was das grundsätzliche Marktpotenzial unterstreicht.

 Finanzierung, Forschung und Innovation

Die erwartete Investitionsdynamik hat sich bislang nicht voll entfaltet. Es besteht eine Diskrepanz zwischen Venture‑Capital‑Logiken und den tatsächlichen Bedarfen der Unternehmen, insbesondere in kapitalintensiven Entwicklungsphasen. Gefordert ist langfristiges, „geduldiges“ Kapital sowie eine verlässliche Anschlussfinanzierung. Gleichzeitig sind öffentliche Fördervolumina zuletzt rückläufig, der Wissens‑ und Technologietransfer aus der Forschung gehemmt und die Förderlandschaft für Akteure schwer überschaubar. Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld; führend sind u. a. Großbritannien, Dänemark und die Niederlande.

„Damit alternative Proteine vom Forschungsprojekt zum marktfähigen Produkt werden, braucht es eine praxisnahe Produktentwicklung und Begleitung von der Forschung bis zur Pilotierung. Nur dann überzeugen am Ende Geschmack und Anwendbarkeit,“ so Carola K. Herbst, stellvertretende Geschäftsführerin des DLG-Fachzentrums Landwirtschaft und Lebensmittel (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft).

Politische und strukturelle Hebel

Alternative Proteinquellen gelten als Multiproblemlöser mit Relevanz für Klimaschutz, Biotechnologie und industrielle Wertschöpfung. Das Feld entwickelt sich jedoch nicht automatisch. Politisch notwendig sind höhere und besser koordinierte Förderinstrumente, Kompetenzcluster als sichtbare Anlaufstellen, innovationsfreundliche Regulierungen (z. B. Novel‑Food‑Sandboxes, Reallabore) sowie eine breite Proteinstrategie, die auch die Humanernährung einbezieht. Der Staat kann zudem als aktiver Marktgestalter auftreten, etwa über öffentliche Beschaffung und Gemeinschaftsverpflegung.

Zentrale Hürden

Als wesentliche Hemmnisse wurden mangelndes Vertrauen der Kapitalgeber, bürokratische und regulatorische Unsicherheiten, fehlende Beratungsstrukturen und die weiterhin begrenzte Verbraucherakzeptanz identifiziert. Diese Faktoren bremsen Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und erschweren es jungen Unternehmen, alternative Proteinlösungen in den Markt zu bringen.

 Bezug zum PIONEER‑Projekt

Genau hier setzt PIONEER an: Es bringt Akteure aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um strukturelle Hürden sichtbar zu machen, Wissen zu bündeln und tragfähige Marktperspektiven zu entwickeln. Die Clusterveranstaltung zeigte, wie wichtig koordinierte Prozesse, transparente Rahmenbedingungen und ein gemeinsames Verständnis von Innovationspfaden sind, um das volle Potenzial alternativer Proteinquellen zu heben.

 Fazit

Der Erfolg alternativer Proteinquellen erfordert koordiniertes Handeln: transparente Märkte, starken Wissenstransfer, verlässliche Finanzierungsstrukturen und politisch gestaltete Rahmenbedingungen. Einzelmaßnahmen reichen nicht aus, gefragt sind vernetzte Akteure, gemeinsame Strategien und ein konsequenter Fokus auf Akzeptanz, Skalierung und Marktreife. PIONEER ist dabei ein zentraler Motor, der Orientierung schafft, Dialog fördert und den Weg zu zukunftsfähigen Lösungen ebnet.

 Über PIONEER

Für die Durchführung der Vernetzungs- und Transfermaßnahme „PIONEER“ wurde die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.), die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAWH) und die Food-Processing Initiative e.V. (FPI) durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) beauftragt. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).

  

Weitere Infos zu PIONEER: www.pioneer-netzwerk.de

 Weitere Infos zum Innovationsprogramm des BMLEH: www.innovationsprogramm.de

 Weitere Infos zum Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft: www.proteine-der-zukunft.de

 

Ansprechpartner PIONEER: 

Marvin Anker: Telefon: +49 (0)69 24788-333 oder via Mail pioneer(at)dlg.org.


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