EnergyDecentral 2026: Agri-PV - Wie Landwirte mit Solarmodulen Flächen doppelt nutzen

10. bis 13. November 2026 – Ausstellungs- und Fachprogramm mit fachspezifischen Informationsangeboten zu den Kernthemen der nachhaltigen Energieproduktion – Thema im Fokus: Agri-PV – DLG-Spotlight „DLG-Solaroffensive + Energie vom Betrieb“

Auf der EnergyDecentral, Leitmesse für dezentrale Energieversorgung, die vom 10. bis 13. November 2026 parallel zur EuroTier in Hannover stattfindet, zeigen Hersteller verschiedene Agri-PV-Technologien, die Stromerzeugung und Lebensmittelproduktion auf derselben Fläche vereinen. Aktuelle Forschungsergebnisse belegen, dass die landwirtschaftlichen Erträge dabei kaum sinken – bei bestimmten Kulturen sogar steigen. Weitere Schwerpunkte der Messe sind die Themen: Biogas, Festbrennstoffe und Motoranlagen (BHKW).

Das Umweltbundesamt sieht die Kombination aus Photovoltaik und Landwirtschaft als geeigneten Ansatz, den geplanten Solarausbau auf Freiflächen zu realisieren, ohne Nutzungskonflikte zu verschärfen. Immer mehr Landwirte erkennen darin eine zweite Einnahmequelle: Sie produzieren auf derselben Fläche Lebensmittel und Strom, wobei die Landwirtschaft im Vordergrund steht und die Stromernte die Flächeneffizienz erhöht.

Drei Technologien für unterschiedliche Anforderungen

Derzeit kommen drei gängige Agri-PV-Systeme zum Einsatz, die sich jeweils für unterschiedliche landwirtschaftliche Nutzungen eignen. Trackersysteme führen die Module dem Lauf der Sonne nach und lassen sich gut mit Ackerbau kombinieren, sofern die Reihenabstände auf die breitesten eingesetzten Maschinen abgestimmt werden. Vertikal aufgeständerte Module eignen sich ebenfalls für Acker- und Grünlandflächen. Da sie sich nicht gegenseitig verschatten dürfen, ergeben sich ohnehin ausreichende Abstände für die Bewirtschaftung. Zusätzlich können sie als Weidezaun dienen. Die dritte Variante, die solare Überdachung, ersetzt im Obst-, Beeren- und Weinbau die bisher üblichen Folienüberdachungen. Sie schützt empfindliche Kulturen vor Hagel, Starkregen und Spätfrost – und ist dabei deutlich haltbarer als Folie, die nach jedem Sturm kontrolliert und häufig ausgetauscht werden muss.

C3-Pflanzen profitieren von der Teilverschattung

Entscheidend für den Erfolg einer Agri-PV-Anlage ist die Wahl der für die jeweilige Kultur passenden Technologie. Untersuchungen zeigen, dass C3-Pflanzen wie Winterweizen deutlich besser mit der Teilverschattung durch Solarmodule zurechtkommen als C4-Pflanzen wie Hirse. Das ist pflanzenphysiologisch plausibel: Bei C3-Pflanzen sinkt die Photosyntheseleistung ohnehin bei Hitze und Trockenheit, sodass moderate Verschattung eher entlastet als schadet. Eine österreichische Studie bestätigt diesen Zusammenhang. Winterweizen entwickelte sich zwischen Tracker-Modulreihen sogar besser, je enger die Reihen standen. Die Hirse hingegen wuchs ohne Module am besten und reagierte mit zunehmender Verschattung mit geringerem Wachstum.

Vergleichbare Ergebnisse lieferte ein Praxisversuch am Standort Bedburg im Rheinland. Dort erreichte der Winterweizen zwischen den Modulreihen Erträge auf dem Niveau der Referenzfläche ohne Solaranlage. Die Qualität war sogar leicht besser – insbesondere beim Proteingehalt. Das Getreide konnte zu Backmehl und für Brauereien weiterverarbeitet werden, statt als Tierfutter zu enden.

Besseres Mikroklima unter den Modulen

Zu diesen Ergebnissen tragen auch die mikroklimatischen Effekte der Module bei. Die Temperaturen im Modulfeld lagen im Schnitt rund ein Grad unter denen der Referenzfläche, an besonders heißen Tagen sogar bis zu drei Grad niedriger. Auch der Wasserhaushalt profitiert: Unter den Trackern verdunstete deutlich weniger Wasser, sodass der Boden selbst nach sechswöchigen Trockenperioden noch feucht blieb, während die ungeschützte Referenzfläche bereits ausgetrocknet war.

Im Weinbau normalisieren die Module die durch den Klimawandel verlängerten Vegetationsperioden. Sie verzögern die Reifung um einige Tage und verhindern so, dass das Mostgewicht zu schnell ansteigt und die für deutsche Weine typische Restsäure verloren geht. Bei Beerenobst ersetzen semitransparente Module mit rund 50 Prozent Lichtdurchlässigkeit die herkömmlichen Schutzfolien und bieten gleichzeitig Frostschutz im Frühjahr.

Den gesamten Fachtext gibt es hier zum Nachlesen: https://www.energy-decentral.com/de/news/agri-pv-flaechen-doppelt-nutzen

Agri-PV im Fokus der EnergyDecentral 2026

Auf der EnergyDecentral können sich Landwirte über die verschiedenen Agri-PV-Systeme informieren und mit Herstellern die passende Technologie für ihren Betrieb finden. Hier finden Besucherinnen und Besucher unter anderem das DLG-Spotlight „DLG-Solaroffensive + Energie vom Betrieb“. Das Spotlight zeigt, wie landwirtschaftliche Betriebe mit Agri-PV, Batteriespeichern und Biogas zu tragenden Säulen der regionalen Energieversorgung werden. Im Fokus steht die Integration dieser Technologien in die Infrastruktur sowie das Aufzeigen neuer Potenziale für zusätzliches Geschäft und mehr Autarkie – ein zukunftsweisendes, integriertes Zukunftsmodell mit hoher Wirtschaftlichkeit und Flexibilität. Weitere Informationen zum Fachprogramm finden Sie hier: https://www.energy-decentral.com/de/programm

Foto: DLG

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