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Ladewagen Fendt Tigo 90 XR D

DLG-ANERKANNT: "Funktion und Arbeitsqualität"

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Das Prüfzeichen

Ein Prüfzeichen „DLG-ANERKANNT in Einzelkriterien“ wird für landtechnische Produkte verliehen, die eine umfangsreduzierte Gebrauchswertprüfung der DLG nach unabhängigen und anerkannten Bewertungskriterien erfolgreich absolviert haben. Die Prüfung dient zur Herausstellung besonderer Innovationen und Schlüssel­kriterien des Prüfgegenstands. Der Test kann Kriterien aus dem DLG-Prüfrahmen für Gesamtprüfungen enthalten oder sich auf andere wertbestimmende Merkmale und Eigenschaften des Prüfgegenstandes fokussieren. Die Mindest­anforderungen, die Prüf­bedingungen und -verfahren sowie die Bewertungsgrundlagen der Prüfungsergebnisse werden in Abstimmung mit einer DLG-Expertengruppe festgelegt. Sie entsprechen den anerkannten Regeln der Technik sowie den wissenschaft­lichen und landwirtschaftlichen Erkenntnissen und Erfordernissen. Die erfolgreiche Prüfung schließt mit der Veröffent­lichung eines Prüfberichtes sowie der Vergabe des Prüf­zeichens ab, das fünf Jahre ab dem Vergabedatum gültig ist.

Die vorliegende Prüfung wurde mit dem Ladewagen Fendt Tigo 90 XR D durchgeführt. Geprüft wurde im DLG-Prüfmodul „Funktion und Arbeitsqualität“ aus dem DLG-Prüfrahmen für Ladewagen. Beim DLG-Prüf­modul „Funktion und Arbeitsqualität“ werden am Ladewagen bei zwei Arbeitsgeschwindig­keiten die folgenden Parameter bestimmt: Geladene Grasmasse, Durchsatz, Leistungsbedarf, Futterverdichtung im Laderaum, Aufnahmeverluste, Schmutzeintrag, Entladedauer und Entladerate. Zusätzlich wurde in der vorliegenden Prüfung der Kraftstoffverbrauch des Zugfahrzeuges sowie die Schnittlängenverteilung ermittelt. Andere Kriterien wurden nicht überprüft.

Beurteilung – kurz gefasst

Der Ladewagen Fendt Tigo 90 XR D konnte während der Prüfung bei den im DLG-Prüfrahmen festgesetzten Prüfkriterien überzeugen. Aufgrund der erzielten Ergebnisse wird dem Lade­wagen das Prüf­zeichen DLG-ANERKANNT für das Prüf­modul „Funktion und Arbeitsqualität“ verliehen.

Tabelle 1: Ergebnisse im Überblick

DLG-QualitätsprofilBewertung*
Funktion und Arbeitsqualität

 

Tabelle 2: Zusammenfassung der Ergebnisse

Prüfparameter Testergebnisse 
 bei maximal möglicher Geschwindigkeit
von 19 km/h während des Beladens
 bei einer Fahrgeschwindigkeit 
von 15 km/h während des Beladens
Geladene Grasmasse pro Wagenladung9,85 t Frischmasse
(bei einem TM-Gehalt von 38,6 %
entspricht das 3,8 t Trockenmasse)
 10,09 t Frischmasse
(bei einem TM-Gehalt von 47,3 % 
entspricht das 4,77 t Trockenmasse)
Durchsatz130 t/h FM 56,5 t/h FM
Gesamtleistungsbedarf beim Laden218 kW 124 kW
Zapfwellenleistungsbedarf beim Entladen (Antrieb der Dosierwalzen) 18,8 kW 
Zapfwellenleistungsbedarf im Leerlauf ohne Belastung 3,4 kW 
Kraftstoffverbrauch beim Laden0,44 l/t FM 0,65 l/t FM
 1,14 l/t TM 1,41 l/t TM
Futterverdichtung im Laderaum224 kg Frischmasse/m³ 229 kg Frischmasse/m³
Entladedauer für eine komplette Wagenladung und Entladerate in kg FM/s92 s
108 kg FM/s
 88 s
114 kg FM/s

Die Aufnahmeverluste sowie der Schmutzeintrag wurden bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h ermittelt.
Die Aufnahmeverluste betrugen 0,3 % (DLG-Bewertung*: sehr gering (++)), Schmutzeintrag wurde nicht festgestellt (DLG-Bewertung**: gering (+)). Somit wurde bei beiden Prüfparametern jeweils die bestmögliche DLG-Bewertung erzielt.

*    Schema zur Bewertung der Aufnahmeverluste: 0 % bis 0,75 % = sehr gering (++) / > 0,75 % bis 1,5 % = gering (+) / > 1,5 % bis 3,0 % = durchschnittlich (o) / > 3 % = hoch (–)
**    Schema zur Bewertung des Schmutzeintrages: 0 % bis 1,5 % = gering (+) / > 1,5 % bis 3,0 % = durchschnittlich (¡) / > 3 % = hoch (–)

Das Produkt

Beschreibung und Technische Daten

Der Ladewagen Fendt Tigo 90 XR D wird über die K80-Kupplung an den Traktor angehängt.  Die hydraulischen Komponenten wie die Pick-Up, die Stirnwand und der Kratzboden werden über Load Sensing versorgt. Wenn die hydraulische Messerschleifein­richtung FlexSharp (Bild 2) am Ladewagen verbaut ist, ist ein weiterer einzelner Hydraulikschlauch zur Ölversorgung vorhanden. 

Der Rotor sowie die drei Dosierwalzen werden über die Zapfwelle angetrieben. Der geprüfte Ladewagen war mit dem hydropneumatischen Tridem-Fahrwerk sowie mit einer Lade­raum­ab­deckung ausgestattet. Der Tigo 90 XR D kann vom selbstladenden Lade­wagen zum Häckselwagen umfunktioniert werden. Dafür ist die Kanalabdeckung über dem Rotor einzu­bauen. Rohrbügel oder Spannseile müssen nicht entfernt werden. Somit eignet sich der Tigo 90 XR D auch zum Transport von Hackschnitzeln und anderen Ladegütern. 

Pick-Up

Die hydraulisch angetriebene Pick-Up mit einer Breite von 2,20 Metern verfügt über sieben Zinkenreihen (Zinkenabstand: 54 mm) (Bild 3). Gemessen von Zinken zu Zinken beträgt die Rechbreite 1,99 Meter. Die Zinken laufen nicht in einer Kurvenbahn, was laut Hersteller zu einem ruhigeren Lauf, einem geringeren Verschleiß und einer saubereren Recharbeit führt. 

An der Aufnahme sind wartungsfreie Pendelkugel­lager verbaut. Die Pick-Up ist wartungsfrei und besitzt keine Schmierstellen. Durch die feuerverzinkten Bauteile ist die Pick-Up vor Witterungseinflüssen und korrosiven Gärsäften geschützt. Die Pick-Up ist mit Kunststoff-Ab­streifern anstelle von Streifblechen ausgestattet. Dadurch ist laut Hersteller im Vergleich zu einem Metallstreifblech die Reibung der Zinken geringer, was zu einem geringeren Verschleiß und zu einem ruhigeren Futterfluss beiträgt. Der Rollenniederhalter besteht aus einer Rolle. Mittig hinter der Pick-Up ist eine 85 cm breite Gummirolle angebracht. Sie schützt die Pick-Up gerade bei unebenen Bodenverhältnissen vor einem Einstechen der Zinken in den Boden. Somit wird laut Hersteller der Zinkenverschleiß reduziert und der Schmutz­eintrag ins aufgenommene Futter reduziert. 

Schneidwerk

Der Rotor hat einen Durchmesser von 800 mm. Die 45 Messer haben einen Abstand von 37 mm (theoretische Schnittlänge). Bei halbem Messersatz liegt die theoretische Schnittlänge bei 74 mm. Zur Veränderung der theoretischen Schnittlänge kann der halbe Messersatz vom Bediener durch die Betätigung eines Werkzeughebels ausgeschwenkt werden. Die Messer können via ISOBUS von der Kabine aus oder durch die Betätigung von Druckknöpfen an der linken Seite des Ladewagens aus der eigentlichen Arbeitsposition ausgefahren werden (zum Beispiel bei Blockaden).


Stirnwand

Der Fendt Tigo 90 XR D ist mit einer multifunktionalen Stirnwand ausgestattet (Bild 4). Diese hat einen Verfahr­winkel von 80° und erhöht somit das Lade­volumen um 6 m³ auf 44 m³. Die Stirnwand ist mit Druck­sensoren ausgestattet und wird durch zwei Hydraulikzylinder bewegt. Sie dient zugleich als Vorpresswand für die integrierte Lade- und Ablade­automatik VarioFill.

Lade- und Abladeautomatik VarioFill

Der Pressdruck des Futters im Laderaum kann vom Bediener stufenlos über das Terminal in der Kabine verstellt werden. Somit kann bei Silage ein vergleichsweise hoher Druck eingestellt werden, sodass möglichst viel Material auf einen Wagen geladen werden kann. Bei Heu kann ein vergleichsweise geringerer Druck am Terminal eingestellt werden, damit Bröckelverluste reduziert werden. Wird der vom Bediener vorgewählte Pressdruck in den Drucksensoren der Hydraulikzylinder in der Stirnwand erreicht, fährt der Kratzboden automatisch nach hinten. Dieser Prozess vollzieht sich so lange, bis Sensoren an der Rückwand erkennen, dass der Laderaum gefüllt ist. Anschließend schwenkt die Stirnwand automatisch nach vorne auf Stufe 1. Wenn der Druck in den Sensoren der Hydraulik­zylinder dann wiederum erreicht ist, verfährt sich die Stirnwand ein zweites Mal automatisch nach vorne bis zur endgültigen Stellung. Nun kann der Fahrer entscheiden, wie weit der Laderaum im vorderen Bereich der Stirnwand nach oben hin gefüllt werden soll.

Das Abladen kann ebenfalls im Automatikmodus erfolgen und wird vom Fahrer in der Kabine durch einen Knopfdruck ausgelöst. Beim Abladevorgang startet der Kratzboden und die Stirnwand unter stützt gleichzeitig den Futterstock nach hinten anzuschieben. Somit wird das Anfahrmoment der Kratzbodenketten verringert und der Kratzbodenantrieb sowie die Ketten werden geschont. Da die Stirnwand komplett nach hinten schwenkt, wird der letzte „Futterkeil“ aktiv in Richtung des Kratzbodens gefördert.

Kratzboden

Im vorderen Teil des Laderaums ist der Kratzboden um 250 mm abgesenkt. Der 3 mm starke Stahlboden ist feuerverzinkt und bietet somit Schutz vor korrosiven Gärsäften. Die vier Flachgliederketten haben eine Bruchlast von 60 Tonnen. Die Abladegeschwindigkeit ist in zehn Stufen einstellbar. Es steht ein Eilgang für schnelle und effiziente Entladung mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 m/min zur Verfügung. Der Kratzbodenantrieb erfolgt beidseitig durch jeweils einen 2-Stufen-Hydraulikmotor.

Dosierwalzen

Der Tigo kann optional entweder mit zwei oder mit drei Dosierwalzen ausgestattet werden. Der Fendt Tigo 90 XR D war im DLG-Test mit drei Dosierwalzen mit geschlossenem Profil ausgestattet. Für mehr Lade­volumen lassen sich die einzelnen Walzen einfach nach hinten heraus ausbauen. Serienmäßig ist die Tigo XR-Baureihe mit zwei LED-Rückfahrscheinwerfern und einem LED-Scheinwerfer im Laderaum ausgestattet. Optional sind zwei zusätz­liche LED-Seitenscheinwerfer erhältlich. 
Eine 60 km/h-Zulassung ist möglich.

Als Option steht für die Tigo-Baureihe auch eine TIM-Ausstattung zur Verfügung: Im Gespann mit einem TIM-fähigen Traktor wird die Geschwindigkeit des Traktors, je nach Schwadvolumen, aktiv angepasst.

Die Methode

DLG-Prüfmodul „Funktion und Arbeitsqualität“

In diesem Prüfmodul werden Ladewagen in Anlehnung an den entsprechenden DLG-Prüfrahmen im Feldtest unter Praxisbedingungen getestet. Die Prüfung wird in mindestens einer Futterart (Dauergrünland oder Ackergras) im ersten oder zweiten Schnitt durchgeführt. Die Grundeinstellung des Ladewagen und die Fahrgeschwindigkeit werden dabei an die jeweiligen Erntebedingungen vor Ort angepasst. Je Einstellvariante werden mindestens drei Wagen befüllt und am Silo entladen. Zur Dokumentation werden die Geländeeigenschaften und die beim Versuch herrschende Witterung beschrieben. Zudem wird der Trockenmassegehalt des Ernteguts ermittelt, die Schwadkennwerte (Schwadbreite,-höhe und -masse je laufendem Meter) bestimmt und die vorangegangenen Arbeitsprozesse (Mähen, ggf. Wenden, Schwaden) beschrieben.

Geladene Grasmasse und Durchsatz

Je Wagenladung wird die geladene Grasmasse mittels Fahrzeugwage ermittelt. Aus der Beladezeit und der Grasmasse wird der Durchsatz bestimmt.

Leistungsbedarf an der Zapfwelle

Der Leistungsbedarf an der Zapfwelle wird mit einer Zapfwellenmessnabe beim Beladen, beim Entladen und im Leerlauf ohne Belastung gemessen.

Futterverdichtung im Laderaum

Der Laderaum des Ladewagens wird vermessen und aus den Messwerten das Ladevolumen errechnet. Aus dem Ladevolumen und der geladenen Grasmasse wird die Futterverdichtung bestimmt.

Aufnahmeverluste

Das Schwad einer definierten Messstrecke wird mit dem Ladewagen aufgenommen. Mittels Fahrzeugwaage wird die Grasmasse im Laderaum ermittelt. Die auf der Fläche des ursprünglichen Schwades verbliebenen Futterpartikel werden anschließend zusammengerecht, ebenfalls vorwogen und mit der Ausgangsmasse im Schwad in Relation gesetzt. Die Aufnahmeverluste werden nach DLG-Schema bewertet.

Schmutzeintrag

Vor der Überfahrt mit dem Ladewagen werden Futterproben aus dem Schwad entnommen. Nach der Überfahrt mit dem Ladewagen werden an den korrespondierenden Stellen Futterproben aus dem Laderaum des Ladewagens entnommen. Alle Proben werden gekühlt zwischengelagert und in einem Labor auf ihre Rohaschegehalte analysiert. Zur Ermittlung des Schmutzeintrages werden die Rohaschegehalte vor und nach der Beladung gegenübergestellt und die Differenz nach DLG-Schema bewertet.

Entladedauer und Entladerate

Die Entladedauer wird mittels Stoppuhr über den gesamten Entladeprozess des Ladewagens am Silo er­mittelt. Aus der ermittelten Entladedauer und der im Laderaum enthaltenen Grasmasse wird die abgegebene Futtermenge pro Zeit errechnet. Aus der ermittelten Entladedauer und der im Laderaum enthaltenen Grasmasse wird die Entladerate in kg/s errechnet.

Kraftstoffverbrauch

In der vorliegenden Prüfung wurde zusätzlich der Kraftstoffverbrauch über den CAN-Bus des Traktors ­dokumentiert und anschließend ausgewertet.

Schnittlängenverteilung

In der vorliegenden Prüfung wurde zusätzlich die Schnittlängenverteilung ermittelt. Hierzu wird bei der Ent­ladung des Ladewagens am Silo aus jeder Wagenladung eine repräsentative Futterprobe entnommen und bis zur weiteren Verarbeitung kühl zwischengelagert. Zur Bestimmung der Feinanteile wird diese Probe mit dem DLG-Kaskadensieb gesiebt. Zur Bestimmung der erwünschten Längenanteile und Überlängen wird ein optisches Verfahren zur Bildauswertung angewendet.

Die Testergebnisse im Detail

Funktion und Arbeitsqualität

Die vorliegende Prüfung wurde Ende Juni 2022 auf Grünlandflächen in Sachsen-Anhalt im zweiten Schnitt durchgeführt. Im Vergleich zu den Vorjahren fiel der Ertrag auf den Versuchsflächen laut Aussagen des Betriebsleiters aufgrund ausgebliebener Niederschläge vergleichsweise gering aus. Während der Versuchsdurchführung herrschte vorwiegend Sonnenschein bei Temperaturen zwischen 22,6 und 28,1 °Celsius (Luftfeuchte: 29,5 bis 59,4 %).

Als Zugfahrzeug kam ein Fendt Vario 942 (Generation 6) zum Einsatz. Dieser war mit einem ISOBUS-fähigem Fendt One-Bedienterminal ausgestattet. Aufgrund des hohen Trockenmassegehaltes des Futters (zwischen 35,5 und 50,4 %) wurden die Bestände erst ca. eine Stunde vor der Futterbergung mit einem Krone Big M gemäht und anschließend mit einem Fendt Former 14055 (Generation 2) geschwadet. Das Zugfahrzeug des Fendt Former war mit einem Spurführungssystem ausgestattet, um möglichst gleichmäßige Schwade zu erzeugen. Die Schwadabstände lagen zwischen 18 und 24 Metern.

Während des Tests wurden mit dem Ladewagen zwei Versuchsvarianten mit jeweils drei Wagenladungen durchgeführt: In Versuchsvariante 1 wurde mit der maximal möglichen Fahrgeschwindigkeit geladen, welche im vorliegenden Test 19 km/h betrug, und in Versuchsvariante 2 wurde mit einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h geladen.

Geladene Grasmasse pro Wagenladung

Im Mittel über drei Wagenladungen betrugen die Zuladung bei maximaler Fahrgeschwindigkeit von 19 km/h 9,85 Tonnen Frischmasse und bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h 10,09 Tonnen Frischmasse. Das entspricht bei einem Trockenmassegehalt von 38,6 % bei Vmax bzw. 47,3 % bei 15 km/h 3,8 Tonnen bzw. 4,77 Tonnen Trockenmasse. Die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit beim Laden von 19 km/h auf 15 km/h erhöhte also die Lademenge der Frischmasse um 2,4 %.

Durchsatz

Bei maximaler Fahrgeschwindigkeit von 19 km/h betrug der Durchsatz 130 Tonnen Frisch­masse pro Stunde. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h betrug der Durchsatz 56,5 Tonnen Frischmasse pro Stunde. Der reduzierte Durchsatz bei 15 km/h ist maßgeblich durch die geringere Ladegeschwindigkeit und eine geringere Futtermasse im Schwad zurück­zuführen.

Leistungsbedarf

Der Gesamtleistungsbedarf betrug bei der Ladegeschwindigkeit von 19 km/h 218 kW und bei einer Ladegeschwindigkeit von 15 km/h 124 kW. Beim Entladen am Silo wurde ein Leistungsbedarf an der Zapfwelle von 18,8 kW und im Leerlauf ohne Belastung von 3,4 kW gemessen.

Spezifischer Kraftstoffverbrauch

Der spezifische Kraftstoffverbrauch bei einer Beladegeschwindigkeit von 19 km/h betrug 0,44 Liter pro Tonne Frischmasse bzw. 1,14 Liter pro Tonne Trockenmasse. Bei einer Beladegeschwindigkeit von 15 km/h betrug der Kraftstoffverbrauch 0,65 Liter pro Tonne Frischmasse bzw. 1,41 Liter pro Tonne Trockenmasse. Der höhere Kraftstoffverbrauch bei geringerer Fahrgeschwindigkeit wird in erster Linie durch den geringeren Durchsatz und eine nicht optimale Motorauslastung hervorgerufen.

Futterverdichtung in Laderaum

Das im Test bestimmte Ladevolumen des Tigo 90 XR D beträgt 44 m³. Bei der Ladegeschwindigkeit von 19 km/h wurde eine Futterverdichtung im Laderaum von 224 kg Frischmasse pro Kubikmeter ermittelt. Bei 15 km/h betrug die ermittelte Futterverdichtung 229 kg Frischmasse je Kubikmeter. Bei geringerer Fahrgeschwindigkeit wurde im Laderaum somit eine höhere Verdichtung erzielt.

Aufnahmeverluste

Im DLG-Test wurden Aufnahmeverluste von 0,3 % ermittelt, die nach dem DLG-Bewertungsschema als sehr gering eingestuft und mit sehr gut (++) bewertet werden.

Schmutzeintrag

In der DLG-Prüfung des Ladewagens Fendt Tigo 90 XR D wurde kein Schmutzeintrag ermittelt.

Entladedauer und Entladerate

Die Entladedauer wurde für beide Fahrgeschwindigkeiten ermittelt. Bei der maximalen Fahrgeschwindigkeit von 19 km/h betrug die Entladedauer am Silo 92 Sekunden (Entladerate: 108 kg FM/s). Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h betrug die Entladedauer am Silo 88 Sekunden (Entladerate: 114 kg FM/s).

Schnittlängenverteilung

Erwünschte Längenanteile: Zur Quantifizierung der erwünschten Schnittlängenanteile wurden die Ergebnisse vom optischen Prüfstand herangezogen (Tabelle 3). Die theoretische Schnittlänge beträgt beim Fendt Tigo 90 XR D 37 mm. Zur Quantifizierung der erwünschten Schnittlängenanteile wurde daher ausschließlich die Siebfraktion 25-50 mm betrachtet. Die Anteile dieser Fraktion betragen bei maximaler Fahrgeschwindigkeit 40 % sowie bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h 44 %.

Anteile an Überlängen: 

Zur Bewertung der Überlängen wurden ebenfalls die Ergebnisse vom optischen Prüfstand herangezogen (Tabelle 3). Die Anteile der Fraktionen 50-75 mm, 75-100 mm und >100 mm lagen unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit in Summe bei 25 %.

Feinanteile: 

Tabelle 4 zeigt die Ergebnisse aus der Siebanalyse mit dem DLG-Kaskadensieb, über welche die Feinanteilen < 4 mm ermittelt wurden. Die Feinanteile < 4 mm betrugen bei einer Fahrgeschwindigkeit von 19 km/h 12 % und bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h 18 %. Die höheren Feinanteile bei der niedrigeren Fahrgeschwindigkeit können durch die höheren Trockenmassegehalt beim Beladen zurückgeführt werden.

Tabelle 3: Ergebnisse aus der optischen Schnittgutanalyse zur Quantifizierung der erwünschten Längenanteile und Überlängen

Versuchsvariante< 25 mm25-50 mm50-75 mm75-100 mm> 100 mm
bei maximal möglicher Geschwindigkeit
von 19 km/h während des Beladens
Rest*40 %16 %5 %4 %
bei einer Fahrgeschwindigkeit von 
15 km/h während des Beladens
Rest*44 %17 %5 %3 %


Tabelle 4: Ergebnisse aus der Siebanalyse vom DLG-Kaskadensieb zur Quantifizierung der Feinanteile

Versuchsvariante< 4 mm4-8 mm8-16 mm16-30 mm> 30 mm
bei maximal möglicher Geschwindigkeit
von 19 km/h während des Beladens
12 %17 %25 %21 %Rest*
bei einer Fahrgeschwindigkeit von 
15 km/h während des Beladens
18 %16 %28 %15 %Rest*

*    Die in den Tabellen 3 und 4 als „Rest“ ausgewiesenen Anteile lassen sich mit dem entsprechenden Verfahren nicht ausreichend genau bestimmen.

Fazit

Der DLG-Test mit dem Fendt Tigo 90 XR D wurde Ende Juni 2022 auf Grünlandflächen in Sachsen-Anhalt im zweiten Schnitt durchgeführt.

Unter den vorliegenden Versuchsbedingungen konnte mit einer maximalen Beladegeschwindigkeit von 19 km/h gefahren werden. Die geladene Grasmenge pro Fuhre lag hier bei 9,85 Tonnen Frisch­masse bzw. 3,8 Tonnen Trockenmasse bei einem TM-Gehalt von 38,6 % und es wurde ein Durchsatz von 130 Tonnen Frischmasse pro Stunde erzielt. 

Der Gesamtleistungsbedarf beim Beladen betrug in dieser Versuchsvariante 218 kW. Für den spezifischen Kraftstoffverbrauch wurden 0,44 Liter pro Tonne Frischmasse bzw. 1,14 Liter je Tonne Trockenmasse er­rechnet. Die Entlade­dauer für eine komplette Wagen­ladung betrug im Mittel aus drei Fuhren 92 Sekunden (Entladerate: 108 kg FM/s).

Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h betrug die geladene Grasmenge pro Wagenladung 10,09 Tonnen Frischmasse bzw. 4,77 Tonnen Trocken­masse bei einem TM-Gehalt von 47,3 % und es wurde ein Durchsatz von 56,5 Tonnen Frisch­masse pro Stunde erzielt. Der Gesamtleistungs­bedarf beim Beladen betrug in dieser Versuchs­variante 124 kW. Für den spezifischen Kraftstoffverbrauch wurden  0,65 Liter pro Tonne Frischmasse bzw. 1,41 Liter je Tonne Trockenmasse errechnet. 
Die Entlade­dauer für eine komplette Wagen­ladung betrug im Mittel aus drei Fuhren 88 Sekunden (Entladerate: 114 kg FM/s).

Die Aufnahmeverluste sowie der Schmutzeintrag wurden bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h ermittelt. Die Aufnahmeverluste betrugen im vorliegenden DLG-Test 0,3 % (DLG-Bewertung: sehr gering (++)). Schmutzeintrag wurde nicht festgestellt (DLG-Bewertung: gering (+)).

Aufgrund der vorliegenden Er­gebnisse wird dem Ladewagen Fendt Tigo 90 XR D das Prüfzeichen DLG-ANERKANNT für das Prüfmodul „Funktion und Arbeitsqualität“ verliehen.

Hersteller und Prüfungsdurchführung

Hersteller und Anmelder

AGCO GmbH 
Johann-Georg-Fendt-Straße 4, 
87609 Marktoberdorf

Kontakt:
Telefon 08342/77-0,
Telefax 08342/77-220
info.fendt@agcocorp.com 

Prüfungsdurchführung

DLG TestService GmbH, Standort Groß-Umstadt
Die Prüfungen werden im Auftrag des
DLG e.V. durchgeführt.

Fachgebiet
Landwirtschaft

DLG-Prüfrahmen
DLG-Prüfrahmen für Ladewagen

Bereichsleiter
Dr. Ulrich Rubenschuh 

Prüfingenieur(e)
Dipl.-Ing. agr. Georg Horst Schuchmann*

*    Berichterstatter

Kontakt

DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel • DLG TestService GmbH Standort Groß-Umstadt • Max-Eyth-Weg 1 • 64823 Groß-Umstadt • Tel: +49(0)69/24 788-600 Fax: +49(0)69/24 788-690 • tech@DLG.org