Abschlussbericht über die Fortbildungsmaßnahme „Kanu-Guide“

Vom 23. bis 26. April 2025 nahm ich an der Zertifizierung zum Kanu-Guide & Skill-Kurs ACA (2er Kanadier) der CVJM-Hochschule, Institut für Erlebnispädagogik, teil.

Da ich Erlebnispädagogik so gut wie immer draußen in der Natur durchführe, bietet sich u. a. „Kanu fahren“ als gute Übung an für Kommunikation und Kooperation in einem Team: Die Personen im Boot werden „zwangsläufig“ zu einem Team. Funktionieren Absprachen/ Rollenverteilungen/ Zielsetzungen/ … nicht, funktioniert es auch mit dem Kanufahren nicht. Das Kanufahren dient als Kooperationsübung mit einer ordentlichen Portion „Echtheitscharakter“. 

In 2024 war ich bereits zweimal mit Schüler-Gruppen auf der Donau unterwegs.

Letztes Jahr hatte ich wieder einige Erlebnispädagogik-Veranstaltungen (Neckar, Donau, Zielfinger Seen und Max-Eyth-See) und auch dieses Jahr folgen weitere. Um für diese Aktivitäten ausreichend Sicherheit bieten und im Notfall schnell und sicher auf dem Wasser reagieren zu können, habe ich die Zertifizierung zum Kanu-Guide absolviert.

Thorsten Möß, 2022 Preisträger des Internationalen DLG-Preises (heute: Young Talents Award)

Praxiseinheiten: Training in stehenden und fließenden Gewässern

Bei der Zertifizierung waren wir zunächst zwei Tage auf dem Schluchsee. Dort haben wir die Basics gelernt: Welche Kleidung und welches Equipment ist für welche Aktivitäten notwendig/ sinnvoll und wie ist das Equipment richtig anzuwenden (Neoprenanzüge, Trockenanzüge, Schuhwerk, Schwimmwesten, Cowtail, Wurfsack etc.), welche Betreuungsschlüssel sind sinnvoll beim Begleiten von Gruppen, wie bestimmt man die ideale Paddellänge, wie ist ein Kanadier aufgebaut, welche Unterschiede gibt es und wie wirken sich diese auf dem Wasser aus, u. v. m.

Auf dem See haben wir die wichtigsten Paddelschläge und Manöver eingeübt. Das Setting der Ausbildung mit nur 12 Teilnehmer*innen (6 Kanus) und drei Trainer*innen ermöglichte es mir, wirklich an meiner Fahrtechnik zu schleifen. Darüber hinaus wurden auf dem See Bergungstechniken (T-Bergung und Side-by-Side Bergung) geübt. Außerdem haben wir selbst verschiedene „Gruppenübungen/ Spiele“ mit den Kanus im See gemacht, um diese auch mit Gruppen durchführen zu können, um Fahrtechniken auf dem Wasser spielerisch einzuüben.

Die folgenden zwei Tage verbrachten wir dann auf dem Rhein. Auf fließendem Gewässer lernten wir die wichtigsten Manöver, um als Trainer eine Gruppe gut auf einem Fluss anleiten zu können. Dazu zählten z. B. das Erkennen von Kehrwasser sowie das Ein- und Ausfahren des Kehrwassers (eignet sich gut zum Warten auf einem Fluss, da dort keine Strömung Flussabwärts herrscht). Hierbei ist Winkel, Geschwindigkeit und Kantung des Kanus essenziell. Außerdem übten wir sehr ausgiebig die sogenannte „Seilfähre“, also das Queren eines Flusses flussaufwärts, wobei man die Strömung des Flusses effektiv durch angepassten Winkel und Kantung nutzt, um ohne viel Kraftaufwand und ohne weit flussabwärts getrieben zu werden, diese Strömung queren kann (dieses Manöver eignet sich gut, um in brenzligen Situationen schnell andere Kanus/Teilnehmern erreichen zu können). Weitere Manöver waren der C- und S-Turn. Beim Einüben auf einer „Welle zu surfen“ lernte ich z. B. beim Anfahren der Welle, dass es effektiver ist, die Frequenz der Paddelschläge zu erhöhen, als die Paddelschläge mit mehr Kraft auszuführen. Außerdem bekam ich im Manövrieren in der Strömung, auf dem Weg zur Welle und im Halten auf der Welle ein gutes Gespür, wie sich das Kanu in Stromschnellen verhält. 

Generell bekam ich mit der Zeit auch ein gutes Gefühl dafür, „das Wasser zu lesen“, also schon grob vorherzusehen, wie sich das Kanu wohl verhalten wird, wenn man in eine Stromschnelle z. B. für eine Seilfähre einfährt und welcher Winkel notwendig sein wird, um diese gut auszuführen.

Theorieeinheit: Planung von Touren

Am letzten Tag hatten wir außerdem noch eine Theorieeinheit zur Planung von (mehrtägigen) Kanutouren. Dabei lernten wir Faustregeln, wie, dass man maximal fünf „Paddelstunden“ pro Tag einkalkulieren sollte, dass man je nach Strömung, Wind und Können einer Gruppe mit ca. 3 - 6 km/h Geschwindigkeit rechnen kann, was es bzgl. Infrastruktur, Naturschutzgebiete, Wehre, … zu beachten gibt, welche Apps sich für die Planung der Tour eignen, … Am letzten Tag übten wir auch noch die Rettung von Personen mit dem Wurfsack. Außerdem konnten wir, falls ein Kanu von uns kenterte, die Bergungstechniken nochmal auf fließendem Gewässer üben. Das kam meines Erachtens aber leider etwas zu kurz, was aber wohl mit dem eher niedrigeren Pegel und dadurch weniger wilden Wasser zusammenhing. 

Außerdem hatten wir die Möglichkeit, uns immer mal wieder auch in einem Solo-Wildwasser-Kanadier auszuprobieren, was durchaus sinnvoll ist, da man sich als Trainer oft auf mehrere Kanus aufteilt (einer fährt der Gruppe voraus, einer hinter der Gruppe her).Noch auf dem Schluchsee konnte ich z. B. in einem Solo-Kanadier auch eine T-Bergung allein üben, was ich sehr hilfreich fand.

Es wurde keine Prüfung im klassischen Sinne abgelegt. Jede Person musste alle Bergungstechniken erfolgreich durchführen sowie eine Rettung mit dem Wurfsack absolvieren. Sonst war es im Ermessen der Trainer, uns als Teilnehmende auf Verbesserungspotential bei den erlernten Techniken (Paddelschläge, Manöver, …) hinzuweisen und diese gezielt zu trainieren. 

Fazit: Neue Fähigkeiten geben Sicherheit

Für meine weitere Tätigkeit im erlebnispädagogischen Bereich, fühle ich mich nun durch das Absolvieren der Ausbildung auf jeden Fall sicherer. Allein das ich einmal das Anwenden eines Wurfsackes realitätsnah durchführen konnte, hilft mir, im Notfall dafür ein besseres Gefühl zu haben und vorbereitet zu sein. 

Bei den zwei Teamveranstaltungen, die ich dieses Frühjahr schon durchführen konnte, durfte ich bereits merken, wie mir der Kurs zum einen Sicherheit, aber auch ein effektives Vorankommen auf dem Wasser gebracht hat. Neben allem Lernen hat es aber auch einfach sehr viel Spaß gemacht, sodass ich für nächstes Jahr eine weitere Kanu-Guide Ausbildung plane, dann aber im Solokanadier und mit noch etwas wilderem Wasser,  um eine noch bessere Routine und Sicherheit zu erlangen, auch wenn man als Trainer allein im Kanu sitzt.