DLG-Wintertagung 2026: Die KI als Werkzeug begreifen
DLG-Wintertagung 2025 am 24. und 25. Februar im Convention Center der Messe Hannover – Leitthema „KI – Produktivitätsturbo für den Betrieb“ – Lebensmittelbranche in diesem Jahr besonders stark vertreten
Die DLG-Wintertagung 2026 mit dem Leitthema „KI – Produktivitätsturbo für den Betrieb“ lockte rund 920 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Hannover. Am zweiten Veranstaltungstag, Mittwoch, dem 25. Februar, bot das Fachprogramm mit 22 Impulsforen – sechs davon mit lebensmittelwirtschaftlichem Schwerpunkt – vielfältige Diskussionsgrundlagen, wie die Zukunft entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette, auch mithilfe von KI, im Sinne des DLG-Leitbilds der nachhaltigen Produktivitätssteigerung gestaltet werden kann. Deutlich wurde, dass Kommunikation und Vernetzung innerhalb der Betriebe, aber auch zwischen allen beteiligten Akteuren, nach wie vor eine zentrale Rolle spielt. Ein klares Fazit der DLG-Wintertagung war, dass KI bestimmte Prozesse in den Unternehmen und Betrieben erleichtern und teilweise sogar übernehmen kann; allerdings ist die Technologie dabei eher als effizientes Werkzeug, denn als vollwertiges „Team-Mitglied“ zu betrachten und einzusetzen: Die Regie führt immer noch der Mensch mit seinem Fachwissen.
Kann die Künstliche Intelligenz ganze Bereiche auf dem Betrieb selbstständig übernehmen – oder langfristig sogar den Betriebsleiter vollständig ersetzen? Das wurde im Quick-Impuls „KI als Betriebsleiter – Realität oder Illusion?“ des DLG-Ausschusses Betriebsführung intensiv diskutiert. DLG-Vorständin Anna Catharina Voges führte in das Thema ein und hielt fest: „KI kann für alle Betriebe entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette hilfreich sein, um Prozesse zu planen und Szenarien zu berechnen, beziehungsweise einen Entscheidungsprozess vorzubereiten.“ Doch sie als Betriebsleiterin mache auch aus, so Voges, dass sie mutige sowie strategische Entscheidungen treffe, „und Eigenschaften wie Mut oder Risikobereitschaft besitzt die KI nicht.“ Ihr Fazit: „Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter müssen heute individuell die Frage beantworten, wie KI sie am besten unterstützen kann, um so langfristig effizienter werden zu können.“ Im Anschluss diskutierten Felix Hollmann, Vorsitzender der Jungen DLG, und Ulrich Wagner, CEO bei der Wimex Group, zu Voges‘ Eingangsplädoyer. Wagner hob hervor: „Wir müssen unsere Mitarbeitenden im Umgang mit KI schulen und sie allen zugänglich machen, die bereit sind, mitzudenken.“ Hollmann ergänzte: „Wer Prozesse auf seinem Betrieb erkennt, hat die Chance, sie mithilfe der KI als Tool effizienter zu gestalten. Für Tierbestandsmeldungen, Antragskontrolle und Kommunikation mit Ämtern funktioniert das heute schon sehr gut.“
Betriebsdaten gehören den Landwirten
Die Land- und Lebensmittelwirtschaft ist gegenüber anderen Branchen in Sachen Digitalisierung Vorreiter. Rund 90 Prozent der Betriebe nutzen digitale Technologien. Auf landwirtschaftlichen Betrieben bliebe der Zugang zu den eigenen Daten jedoch oft ungeklärt und eingeschränkt, eröffnete Friederike Wilde-Detmering von Reed Smith LLP den Quick-Impuls „Daten teilen mit Mehrwert: EU Data Act als Chance für den landwirtschaftlichen Betrieb“ vom DLG-Ausschuss für Digitalisierung, Arbeitswirtschaft & Prozesstechnik. Sie führte aus, dass die Rechte und Pflichten an den Daten grundsätzlich geklärt werden müssten. Ein wichtiger Schritt, um Rechtssicherheit zu bekommen, sei der Data Act der EU als Teil der EU-Datenstrategie. Dieser trat im September 2025 in Kraft. „Die Daten gehören Ihnen“, versicherte Wilde-Detmering, die selbst über Jahre ihrer Kindheit auf einem Bauernhof aufwuchs. Die Daten, die Traktoren, Mähdrescher und Sensoren sammeln, und über die Reed Smith Partner Christian Leuthner einen genauen Überblick gab, stünden Landwirten kostenlos und in einem Format, das sie weiterverwenden können, zu. Für die reibungslose Bereitstellung der Daten ist davon auszugehen, dass bestehende und neue Standards genutzt und entwickelt werden, führten die Experten aus. Leuthner erläuterte weiter, dass die Betriebsleiter selbst entscheiden könnten, wem sie Daten zur Verfügung stellen. Dies können der Berater, die Werkstatt oder ein Softwareanbieter sein. Der Experte für rechtliche Fragen der IT-Sicherheit machte deutlich, dass Hersteller und andere Dateninhaber dafür technische Schnittstellen bereitstellen und Datenschutz sowie Datensicherheit gewährleisten müssen.
Künstliche Intelligenz hat Potenzial, die Effizienz im Öko-Ackerbau deutlich zu steigern. So zeigen Entwicklungen aus der Praxis, das KI zuverlässig Unkräuter im Öko-Ackerbau erkennt und Hackmaschinen steuert. Dies bedeutet Entlastung von bisheriger Handarbeit und einen deutlichen Zuwachs an Schlagkraft, da Bio-Landwirte Beikräuter zum Zeitpunkt der größten Wirkung bekämpfen können. Diese Aspekte wurden im Impulsforum „KI im Ökolandbau – Booster für Erträge und Produktivität?“ des DLG-Ausschusses Ökolandbau angesprochen. Deutlich geringer ist die Rolle der KI für Entscheidungsfindungen: Zwar kann KI Betriebsleiter bei der Erfassung und Aufbereitung betrieblicher Daten unterstützen, bei Auswertung und Interpretation von Auswertungen bleibt die Expertise von Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern weiterhin unverzichtbar.
Ernährung umfasst mehr als Lebensmittel
Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft, wie beeinflussen Krisen unsere Ernährung? Das waren die Kernfragen des Quick-Impulses „Future Food – Was steht 2050 auf unserem Speiseplan?“. Anhand einschlägiger soziologischer Studien zeigte Dr. Silke Lichtenstein, Geschäftsführerin der Dr. Rainer Wild Stiftung, dass Ernährung mittlerweile zum psycho-sozialen Zweckmittel geworden ist, das in Zeiten weltpolitischer Umbrüche und zahlreicher Herausforderungen eine Möglichkeit der emotionalen Kompensation darstellt. „In unserem Essverhalten spiegeln sich gesellschaftliche Verhandlungsprozesse wider, Fragen nach der Zukunft der Tierhaltung beispielsweise werden oftmals hoch emotional diskutiert“, erläuterte Lichtenstein. Spezifische Ernährungstrends können in solchen Diskurses Orientierung bieten – etwa, indem sie der Überforderung begegnen, die viele Verbraucher im Anblick divergierender Ernährungsempfehlungen und einem breiten Markt an Alternativprodukten verspüren. Veranstaltet wurde das Forum vom DLG-Ausschuss New Feed & Food.
Herausforderungen der hohen Haltungsformstufen
Dr. Jörg Bauer machte in seiner Einführung zum Impulsforum „Wertschöpfungskette Schweinefleisch: Wie viel Strukturwandel verträgt Deutschland?“ auf die aktuellen Herausforderungen der Branche aufmerksam. Dazu gehören die Debatte um ein Frischfleischangebot ausschließlich aus Haltungsstufe 3 und höher – zum einen, wie viel davon der Markt in den kommenden Jahren noch aufnehmen könne, und zum anderen, wie sich das ganze Schwein aus höheren Haltungsformen in die Vermarktung integrieren lasse. Man befinde sich angesichts der immer stärker räumlich konzentrierten Schlachtmöglichkeiten und Übernahme von Verarbeitungsbetrieben durch Konzerne in einer „Wurstkrise“, für die die Branche ebenfalls eine Lösung brauche. Mit ihm diskutierten Roland van Asten, der als Schweinehalter gemeinsam mit seinen Geschwistern Standorte in den Niederlanden sowie in Thüringen betreibt, Julia Exler vom mittelständischen Schlachtunternehmen Brand Qualitätsfleisch und schließlich Dr. Caroline Weyers vom Kompetenzzentrum Landwirtschaft der Rewe Group im Forum der DLG-Ausschüsse Schwein und Fleisch. Van Asten zeigte sich trotz aller gegenwärtigen Wiederstände optimistisch: „Wir glauben fest daran, dass Ferkelerzeugung und Sauenhaltung in Deutschland zukunftsfähig ist. Dafür appellieren wir an den LEH und die Initiative Tierwohl (ITW), auch im Bereich der Ferkelerzeugung beziehungsweise im Sauenstall eine Nämlichkeit zu schaffen.“ Auch Exler zeigte sich positiv: „Wir als mittelständischer Betrieb setzen auf nachhaltige Haltungsformen bei den Schweinen, also Haltungsstufe 3 und aufwärts. Unseren Partnern bieten wir feste Verträge und damit planbare Kosten und verlässliche Erlöse.“ Weyers‘ Rat lautete: „Wenn die betriebliche Situation es zulässt, suchen Sie sich einen festen Vertragspartner und entwickeln Sie den Betrieb gemeinsam weiter.“
Von der Milch bis zum Pflanzendrink
Um die Weiterentwicklung eines Marktes drehte es sich auch im Impulsforum „Die Milch macht’s! Aber wer macht die Milch? Technologien und Zukunft alternativer Milchprodukte“, das den Bogen von Land- zu Lebensmittelwirtschaft schlug. Veranstaltet wurde das Forum von den DLG-Ausschüssen Milch und Milchproduktion und Rinderhaltung. Pflanzendrinks sind als Milchalternative für viele Verbraucher nicht mehr wegzudenken, das Spektrum reicht mittlerweile von Produkten auf Nuss- oder Getreidebasis bis zu Alternativen aus Hülsenfrüchten. Den Herstellungsprozess dieser Produkte – die Präzisionsfermentation – erklärte Prof. Dr. Marius Henkel, Professor für Cellular Agriculture an der Technischen Universität München. Milchviehhalter und Unternehmer Markus Zott brachte darauf aufbauend die Erzeugersicht ein und stellte sein Unternehmen ‚Bayernglück‘ vor, das regional produzierten Haferdrink herstellt, für den der Milchviehhalter selbst im großen Stil Hafer anbaut.
Die DLG-Ausschüsse Lebensmittelverpackung in der Supply Chain, Robotik und Digitalisierung in der Lebensmittelherstellung sowie Getränke haben das Thema „Mehrweg-Management und Digitalisierung“ erörtert. Folgende Experten steuerten dazu ihr Know-how bei: Willy Schmidt von Pro Mehrweg, Peter Hofsteller von Device Insight GmbH, Leo Bartevyan, Digitale Fabrik, sowie Dr. Klemens van Betteray, CSB-System SE Die Experten aus Wissenschaft und Praxis gingen der Fragestellung nach, wie sich Mehrweg-Management im Getränkebereich unter den zunehmend ambitionierten europäischen Nachhaltigkeitsvorgaben neu denken lässt. Eines wurde deutlich: Digitalisierung wird dabei zum entscheidenden Motor: Mit einer vernetzten Supply Chain und Methoden wie dem digitalen Zwilling werden Transparenz und effizientere Abläufe geschaffen. Wichtig dabei: Eine gute Vernetzung der verschiedenen Prozesse und Daten.
Weizenqualität: Angepasste Sorten und flexiblere Rezepturen
Die Qualität des Weizens insbesondere der Proteingehalt wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Gleichzeitig verlangt die Lebensmittelindustrie hoch standardisierte Mehle von den Mühlen, um effiziente Backprozesse zu erreichen. Die Regeln der Düngeverordnung sowie der Klimawandel verursachen in den vergangenen Jahren zu erheblichen Schwankungen bei den Qualitätsparametern von Weizen wie Proteingehalt und Sedimentationswert, schilderte Melanie Ruhrländer, Detmolder Institut für Getreide- und Fettanalytik (DIGeFa) beim Impulsforum: „Getreidequalität verstehen – Impulse für Landwirtschaft, Verarbeitung und Zukunft“. Doch nicht nur die Düngeverordnung und die damit verbundenen Einschränkungen bei der Stickstoffdüngung beeinflussen den Proteingehalt. Die Forscherin hält auch den Zeitpunkt der Stickstoffdüngung für einen der entscheidenden Faktoren für die Backqualität ebenso wie die späte Stickstoffgabe zur Kornfüllungsphase. Hinzu komme der langfristige Temperaturanstieg und der zunehmende Anteil der Hitzetage. Außerdem gebe es längere Trockenperioden und Starkregen, die sich positiv oder negativ auf die Weizenqualität auswirkten. Die Weizenqualität wird volatiler werden, so die Einschätzung der Expertin. Daher bleibe es eine Aufgabe der Wertschöpfungskette, mit diesen Schwankungen umzugehen. Die Zukunft liege daher in der Züchtung von integrierten Sorten, die Ertrag, Qualität und Klimaanpassung vereinen. Der Rohproteingehalt alleine reicht für die Backqualität nicht aus, lautet das Fazit. „Wir brauchen mehr Flexibilität in der Rezeptur“, so die Auffassung der Diskutanten aus der Lebensmittelwirtschaft. Um dies zu erreichen, seien weitere Forschung notwendig, um die Wertschöpfungskette zu stabilisieren und das Ertrags und Qualitätsniveau halten zu können. Veranstaltet wurde das Forum von den DLG-Ausschüssen Back- und Süßwaren sowie alkoholische Getränke.
Wie sich Wirkstoffverluste bei Beizen auf die Gesundheit des Saatguts und somit letztlich auch auf die Getreideerträge auswirken, stand im Mittelpunkt beim Impulsforum „Saatgutgesundheit im Fokus: Pathogene, Beizung und Managementstrategien für die Zukunft“ des DLG-Ausschusses für Pflanzenzüchtung, Sortenwesen, Saatgut. Dieses Thema beleuchteten der Ausschussvorsitzende Franz Beutl, Geschäftsführer I.G. Pflanzenzucht GmbH, Dr. Holger Klink, Institut für Phytopathologie der Universität Kiel, und Dr. Jochen Prochnow, Technisches Kulturenmanagement Fungizide, BASF. Wie essenziell Beizen für die Saatgutgesundheit sind, analysierte Dr. Holger Klink in seinem Vortrag: Beizen würden sowohl samenbürtige als auch bodenbürtige Krankheitserreger sehr effizient bekämpfen, betonte der Experte. Entsprechend problematisch sei der aktuell zu beobachtende Rückgang an Wirkstoffen in der EU, zum Beispiel das drohende Verbot von Fludioxonil. Dieser Wirkstoff ist laut Klink Bestandteil von rund 80 Prozent der Getreidebeizen in der EU. Für samenbürtige Krankenheiten wie Flugbrand in Weizen und Gerste gäbe es bei einem Verbot keinen ausreichenden Schutz mehr. Alternative Behandlungen durch biologische oder elektronische Beizen oder Saatgutbürsten sind aus Sicht des Experten kein gleichwertiger Ersatz: Flugbrände befallen das Saatgut direkt am Embryo und werden durch alternative Maßnahmen daher nicht effektiv erreicht. Nach Einschätzung der Diskutanten ist dies eine problematische Entwicklung, da zunehmend Wirkstoffe wegfallen und in der EU häufiger auf 120 Tage beschränkte Notfallzulassungen ausgesprochen werden, die nicht genügend Planungssicherheit eröffnen. Die Entwicklung neuer Wirkstoffe in der Industrie biete keine kurzfristige Lösung: Sie koste im Schnitt zwischen 250 und 300 Mio. Euro pro Wirkstoff, erläuterte Dr. Jochen Prochnow, zudem vergingen von der Entwicklung eines Wirkstoffs bis zum marktfähigen Produkt im Schnitt 12 bis 15 Jahre.
Modell: Handelbare Nutzungsrechte für Pflanzenschutz
Im Workshop „Handelbare Nutzungsrechte im Pflanzenschutz: Ein Zukunftsmodell für mehr Effizienz im Umweltschutz?“ des DLG-Ausschusses Pflanzenschutz hatten sich Berater und Landwirte zum Austausch zusammengefunden. Dr. Marcel Dehler vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft stellte das Konzept der handelbaren Nutzungsrechte vor.. Darin werden Möglichkeiten für Ackerbaubetriebe aufgezeigt, um eine Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und der damit verbunden Risiken zum Schutz der Biodiversität zu erzielen. Um im Wettbewerb zu bestehen und zu wirtschaften, können sich es Landwirte im Regelfall nicht leisten, freiwillig auf Produktionssysteme umzuschwenken, die Mindererträge oder Kostensteigerungen verursachen. Die Politik sollte deshalb die Rahmenbedingungen für alle Betriebe so verändern, dass die Anpassung der Produktionssysteme betriebswirtschaftlich rentabel wird, führte Dehler aus Dehler betonte sein Anliegen, die Idee des Konzepts mit Experten verschiedener Fachrichtungen zu diskutieren und Anregungen aufzunehmen. Hierzu bot der Workshop eine Gelegenheit. Der Workshop hat deutlich gemacht, dass es eine Fülle an Gestaltungsoptionen gibt. Dazu gehören u.a. Fragen wie: Nach welchem Prinzip sollten die handelbaren Nutzungsrechte konkret an die Betriebe verteilt werden? Wie ist mit Grünland- oder ökologisch wirtschaftenden Ackerbaubetrieben umzugehen und müssten nicht auch regionale Gegebenheiten bei der Verteilung von Nutzungsrechten berücksichtigt werden? Nicht zuletzt hat die Diskussion auch gezeigt, dass BetriebsleiterInnen weiterhin ausreichende Handlungsfreiräume benötigen, um der kurzfristig und der Situation entsprechend auf Schaderreger und Witterung reagieren zu können. Ziel ist es, die Folgen der Umsetzung eines solchen Konzepts möglichst umfassend abzuschätzen.
Programm-Schwerpunkte zum UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft
Der Frauenanteil in der landwirtschaftlichen Ausbildung beträgt 50 Prozent, ihr Anteil in Führungspositionen ist deutlich geringer. Auch beim Thema Hofnachfolge ist in der Landwirtschaft in Deutschland noch Luft nach oben: Im Jahr 2020 planten nach Informationen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft rund 18 Prozent der Betriebe hierzulande eine weibliche, 82 Prozent eine männliche Nachfolge. Was diese Zahlen zeigen: Die Branche verschenkt Potenzial. Das Impulsforum „Qualifiziert, motiviert, ausgebremst? – was (mehr) Frauen in Führungspositionen bewegt“ ging den Gründen dafür nach und diskutierte, wie mehr Frauen in Führungspositionen gelangen können. Mit dabei waren folgende Expertinnen: Dr. Zazie von Davier, Thünen Institut für Betriebswirtschaft, Mara Walz, Inhaberin, Weingut Walz, Katrin Beberhold, Vorstandsvorsitzende, Agrargenossenschaft Burgscheidungen, Friederike Schulze, Beraterin, entra Hof Schlamann, sowie Arlette Ostermeyer-Wiethaup (stellv. Vorsitzende DLG-Ausschuss Entwicklung ländlicher Räume), Inhaberin Landwirtschaftsbetrieb Ostermeyer. Veranstaltet wurde der Quick-Impuls vom DLG-Ausschuss Entwicklung ländlicher Räume.
Das Thema der Wintertagung „KI – Produktivitätsturbo für den Betrieb“ greift auf, welche Potenziale die neue Technologie für die Land- und Lebensmittelwirtschaft bereithält. Gleichzeitig hat mit dem KI-Zeitalter ein großer gesamtgesellschaftlicher Umbruch begonnen. Dieser Umbruch, so die momentan vorherrschende Einschätzung, wird auch Tätigkeitsprofile in der Landwirtschaft, im Agribusiness sowie in der Lebensmittelwirtschaft grundlegend verändern. Welche Fähigkeiten Menschen künftig benötigen, um erfolgreich zu bleiben, war Thema Impulsforums der DLG-Community Female Agri Fellows mit dem Titel „Zukunftskompetenzen verstehen und nutzen: Ihr Schlüssel zum Erfolg in Zeiten von KI“. Die Beraterinnen Livia Martins und Marielen Winter von Cebra Talent haben die Teilnehmenden in dem Workshop dazu ermutigt, über ihre Stärken, Leidenschaften und Wünsche zu reflektieren. Für Winter und Martin eine Grundvoraussetzung, um im KI-Zeitalter erfolgreich zu sein. Denn: „Die meisten Zukunftskompetenzen sind menschlich“, betonte Livia Martins. Resilienz, Flexibilität und Agilität, soziale Kompetenz oder Kreatives Denken und Originalität sind bei den Zukunftskompetenzen nämlich ganz vorne mit dabei.
Junge DLG: Mut und Umsetzungswille helfen bei Zukunftsgestaltung
Den wachsenden Herausforderungen, mit denen sich Landwirte durch Aspekte wie Bürokratie und fehlende Planungssicherheit konfrontiert sehen, steht der mindestens genauso große Innovationsgeist der Branche gegenüber: Das wurde im Impulsforum „Zukunft sichern – aber wie? Impulse für alternative Einkommensquellen“ des Arbeitskreises Junge DLG deutlich. Im intensiven Gruppenaustausch wurden Ideen für alternative Geschäftsmodelle diskutiert – von der Kooperation mit Kommunen beim Wohnungsbau bis zur pädagogischen Arbeit mit beeinträchtigten Personen direkt auf dem Betrieb. Künstliche Intelligenz kann bei der Strukturierung und Umsetzung solcher Projektideen unterstützen und Pläne kritisch überprüfen, war ein Aspekt der Diskussion. Durch alle Altersgruppen im Plenum hinweg wurde klar: Keine Idee ist zu verrückt, wenn der Mut und der Wille zur Umsetzung da ist.
Neue Projektideen und Pläne zu hinterfragen, wird auch vor dem Hintergrund der Betriebsübernahme wichtig: Im Impulsforum „Unternehmensnachfolge im Fokus: Recht, Steuern, Betriebswirtschaft“ des DLG-Ausschusses für Wirtschaftsberatung und Rechnungswesen hielt Dr. Frederick Volckens einen Vortrag über die drei Ebenen – die familiäre, die betriebliche und die vermögenswirksame – eines Betriebes, die im Falle einer Übergabe bzw. Übernahme wichtig werden. Er verdeutlichte, dass eine offene Aussprache mit allen Beteiligten der Kern dieses Vorhabens sei: „Dieses Gespräch steht am Anfang, nicht am Ende des Hofübergabeprozesses. Meiner Erfahrung nach scheitert eine Übergabe nur sehr selten an zu geringen Gestaltungsmöglichkeiten.“ Die Beteiligten müssten eine Betriebsübergabe als eine langfristige Projektphase verstehen, nicht als einen kurzfristigen Termin, riet Volckens. Dr. Herrman Spils ad Wilken ergänzte in diesem Zusammenhang steuerliche wie rechtliche Hintergründe und wies insbesondere darauf hin, bei einer geplanten Übergabe rechtzeitige Umschichtungen von Vermögen vorzunehmen, denn „unvorhergesehene Umstände, wie der Tod, kommen immer unerwartet und lassen sich nicht planen.“
Forst- und Landwirtschaft zusammen gedacht
Das Nature Restauration Law oder auch die EU Wiederherstellungsverordnung und deren Umsetzung bewegen die Land- und Forstwirtschaft sowie den Naturschutz. Viele Frage sind noch offen und es gilt, die Interessen aller Akteure zu berücksichtigen. Aufklärung hilft und war wesentliches Ziel des Impulsforums „Nature Restoration Law: Bedeutung und Chancen für die Land- und Forstwirtschaft“ des Bereiches Forschung und Innovation und des Projekts „Kombi“. Neben zwei Vorträgen zum Einstieg ins Thema war vor allem die anschließende Paneldiskussion mit Akteuren des Naturschutzes und der Land- bzw. Forstwirtschaft intensiv. Fazit war, dass es augenblicklich gilt – neben einem merklichen Aufklärungsbedarf – auch die WVO in ihren „Unklarheiten und Zielkonflikten“ konstruktiv auszugestalten. Eine wirksame Beteiligung aller Interessensgruppen ist deshalb wesentlicher Bestandteil für die kommenden Monate. Nur wenn Fragen zu Umsetzung, Finanzierung, Eigentumsinteressen und Rechtssicherheit sowie Handlungskonzepte klar vorliegen und diskutiert sind, hat die Zielsetzung der EU-WVO eine Chance realistisch umgesetzt zu werden.
Agroforst-Systeme in Deutschland sind erst vor ein paar Jahren in den Blickwinkel der Land- und Forstwirtschaft gerückt. Aus diesem Grund wollte der Quick-Impuls „Agroforst-Systeme – Aktuelles, Praktisches und Potenziale“ vom DLG-Ausschuss Forstwirtschaft daher grundsätzlich über die damit verbundenen Chancen aufklären. Mit zwei Vorträgen zu den Rahmenbedingungen und der ertragsseitigen Betrachtung von Agroforst von Wolfram Kudlich, Geschäftsführer von Wald21, und Michelle Breezmann vom Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V., konnte aufgezeigt werden, dass das Konzept mit nennenswerten Vorteilen für die Landwirtschaft verbunden ist. Stimmen die Rahmenbedingungen und schafft der Betrieb die Herausforderung einer fundierten Ausgestaltung der Ziele und Bewirtschaftungsvarianten, so sind ökologische wie ökonomische Vorteile mit Agroforst-Systemen möglich. Das interdisziplinär gedachte Forum zeigte auch, wie land- und forstwirtschaftliches Know-how in dieser Bewirtschaftungsform zu verbinden sind. „Agroforst-Systeme bieten neben Wind- und Erosionsschutz, Tierwohl, Klimaschutz und mehr Biodiversität eine Vielzahl von teilweise erheblichen Ertragspotentialen mit Deckungsbeiträgen oft weit oberhalb jener, wie man sie aus dem Marktfruchtanbau kennt“, so Wolfram Kudlich von Wald21.
Mehr Informationen zur DLG-Wintertagung 2026 unter dem Leitthema „KI – Produktivitätsturbo für den Betrieb“ sowie zu weiteren Impulsforen finden Sie hier: https://www.dlg.org/events/dlg-wintertagung-2026
Fotos: DLG©
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