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Isofluran-Narkosegerät Anestacia

DLG-GÜTEZEICHEN "Gesamtprüfung"

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Das Prüfzeichen

Ein Prüfzeichen „DLG-ANERKANNT GESAMTPRUFUNG“ wird für landtechnische Produkte verliehen, die eine umfassende Gebrauchswertprüfung der DLG nach unabhängigen und anerkannten Bewertungskriterien erfolgreich absolviert haben. In dieser Prüfung werden neutral alle aus Sicht des Praktikers wesentlichen Merkmale eines Produkts bewertet. Die Prüfung umfasst Untersuchungen auf Prüfstanden und unter verschiedenen Einsatzbedingungen, zusätzlich muss sich der Prüfgegenstand bei der praktischen Erprobung im Einsatzbetrieb bewahren. Die Prüf­bedingungen und -verfahren wie auch die Bewertung der Prüfungsergebnisse werden von einer unabhängigen Prüfungskommission in einem Prüfrahmen festgelegt und laufend den anerkannten Regeln der Technik sowie den wissenschaft­lichen und landwirtschaftlichen Erkenntnissen und Erfordernissen angepasst. Die erfolg­reiche Prüfung schließt mit der Veröffent­lichung eines Prüfberichtes sowie der Vergabe des Prüfzeichens ab, das fünf Jahre ab dem Vergabedatum gültig ist.

Zur Erlangung des Prüfzeichens wurden technische Messungen, Einsatzuntersuchungen einschließlich Verhaltensbeobachtungen in drei Praxisbetrieben durchgeführt. Grundlage für die Prüfung war das DLG-Prüfverfahren für Narkosegeräte für die Ferkelkastration, Stand Dezember 2019, sowie Erweiterungen, die 2020 abgestimmt wurden.

Beurteilung – kurz gefasst

Das Isofluran-Narkosegerät Anestacia

Im vorliegenden Test wurde das Narkosegerät Anestacia der Firma GDO Precision Technology GmbH auf seine Funktionalität im Labor und im praktischen Einsatz untersucht. Das Gerät wurde dabei nach Herstellervorgaben betrieben, ein Tierarzt und ein Firmenvertreter begleiteten die Untersuchungen in den beiden Praxisbetrieben. In den Betrieben wurden die tiergerechte Gestaltung der drei bzw. vier Narkosestationen und die Betäubungstiefe bei der eingestellten Betäubungsdauer begutachtet, Isofluranverbrauch und Sättigungskurve des Abluftfilters bestimmt und Hygieneaspekte im Rahmen der Reinigung und Desinfektion untersucht. In einem der Betriebe wurden zudem Arbeitsplatzmessungen für Isofluran durch Eurofins, ein akkreditiertes und DGUV-gelistetes Messinstitut, durchgeführt. Im Labor wurde die Isofluran-Konzentration an den Narkosestationen bei verschiedenen Temperaturen gemessen, die Überwachungsfunktionen des Gerätes und seine Manipulationssicherheit überprüft sowie die Arbeitssicherheit und das Hygienic Design des Gerätes durch das Sachverständigenbüro Ahlendorf, Kempen, begutachtet.

Die Ferkel werden bei 70 Sekunden Narkoseeinleitung zuzüglich weiteren 15 Sekunden fortgesetzter Narkosedauer ausreichend tief betäubt, vereinzelte Abwehrreaktionen unter der Kastration sind vorwiegend zu spätem Operationsbeginn geschuldet. Die Labormessungen belegen einen schnellen Anstieg der Isoflurankonzentration an den Masken, die über die Betäubungszeit konstant gehalten wird. Die Isoflurankonzentration bleibt bei gleichzeitigem Betrieb aller Masken unter dem eingestellten Wert. Bei tiefen Temperaturen wirkt sich dies besonders stark aus, sodass von einem Betrieb des Gerätes ohne Temperaturkompensation unter +15 °C abgeraten wird. Dem Arbeitsschutz wird eine große Bedeutung beigemessen, weshalb das gasführende System sehr gut gekapselt ist und unter Verwendung von Doppelmasken überschüssiges Isofluran in zwei parallele Aktivkohlefilter abgeführt wird, aber auch etwaige Isofluranverluste beim Einlegen und Herausnehmen der Ferkel minimiert werden. Die beiden Abluftfilter müssen zeitgleich gewechselt werden, bei paralleler Sättigung verlängert sich aber das Wechselintervall auf circa 1000 Kastrationen. Der im DLG-Prüfrahmen festgelegte Arbeitsplatzgrenzwert von 15 mg/m³ Stallluft wird sicher eingehalten. Der Isofluranbedarf lag in den Praxisversuchen je kas­triertem Ferkel durchschnittlich bei 0,61 ml/Ferkel bei 70 Sekunden, mit Verlängerung auf 85 Sekunden bei 0,69 ml/Ferkel.

Tabelle 1: Ergebnisse im Überblick

PrüfmerkmalPrüfergebnisBewertung*

Technische Kriterien

 
Narkosegaskreislauf  
Konstanz der Narkose-gas­konzentrationbei 21 °C 10-15 sec bis Erreichen konstanter Konzentration von 5,1 % Iso­fluran (eine Station in Betrieb), bzw. 4,3 % Isofluran (alle Stationen in Betrieb), leichte Abweichungen ­zwischen den Narkosestationeno
 bei 30 °C Abweichung gegenüber den 21 °C-Werten < 5 %o
 bei 5 °C ohne Temperaturkompensation > 10 %(– –) 1)
IsofluranbedarfØ 0,69 ml/Ferkel bei 70+15 Sekunden Anflutungk.B.
Restgasabsaugunglineare Zunahme des Filtergewichts, Abweichungen < 5 %+
Umweltrelevanz  
Narkosegasverlustesehr geringe Verluste an den Masken und hinter dem Abluftfilter, geringe ­Verluste im Verdampfergehäuse messbark.B.
Abluftfilterung2 Aktivkohlefilter ohne sensorische Sättigungsüberwachung; Abwärtszähler: Warnung Filterwechsel abh. von tatsächlichen Dosierdauer spätestens nach 950 Narkosen, Sperrung des Gerätes nach +50 Narkosen+
Arbeitsplatzsicherheit  
Isofluran-Arbeitsplatzkonzentration

Grenzwert von 15 mg/m³ wird eingehalten;
< 1 mg/m³ an den arbeitenden Personen

k.B.
Arbeitssicherheitüberprüft durch Fachkraft für Arbeitssicherheit; Betriebsanleitung mit sprachlichen Mängeln, Gefahrenkennzeichnung vorhandenk.B.
Geräuschentwicklungmax. Schallleistungspegel 88 dB(A),
max. Schalldruckpegel am Bedienerohr 71 dB(A),
leiserer Kompressor optional erhältlich
k.B.
Hygiene  
Reinigung und DesinfektionDemontage der Ferkelhalter und Masken: einfach, werkzeuglos;    
Entfernung des Kompressors und der Abluftfilter; Reinigung der Operationseinheit (Hauptmodul) mit Schwamm und Schlauch
unter Verwendung üblicher Reinigungsmittel empfohlen, HD-Reinigung des Unterbaues und der Kleinkomponenten möglich
+
Hygienic DesignKapselung aller kritischen Bauteile, glatte Edelstahloberflächen mit gerundeten Kanten;
sehr guter Reinigungserfolg bei ordnungsgemäßer Reinigung
++
Energiebedarf  
 durchschnittlich 0,76 Wh/Kastrationk.B.
Betriebssicherheit  
Überwachungsfunktionen
des Gerätes
alle geforderten Anzeigen vorhanden; Isofluranfüllstand, Isofluranstrom, Druck­luft
und Absaugung sensorisch überwacht, Abluftfilter mit Abwärtszähler
k.B.
Betriebsstörungenkeine während der Labor- und Praxisversuchek.B.
Handhabung  
 bedienerfreundlich; Geräteanzeigen gut sichtbar;
Sichtkontrolle Isofluran­füllstand und Kastrationszähler seitlich am Gerät
+
Wartung und Kalibrierung  
 Serviceintervall 2 Jahreo
Schutz vor Manipulationen  
 Gesamtzähler für durchgeführte Narkosen und Narkosegaskonzentration nicht veränderbar;
per Webbrowser auslesbare, detaillierte Aufzeichnung jeder einzelnen Kastration
k.B.
   

Tierbezogene Kriterien

 
Tiergerechtheit  
Gestaltung und Dimensionierung
der Ferkelhalter
universelle Größe; kleine Ferkel kippen häufig zur Seite;
relativ steil stehende Ferkelschale aus Edelstahl mit seitlichen Zähnen als variable Halter
für die Fixiergummis, nach vorne enger werdende Auflagefläche mit seitlich leicht hochgezogenen Kanten
o
Passgenauigkeit der Narkosemaskenuniverselle Größe, gute Passform; Doppelmaske mit flexibler innerer Wand und Außenwand aus Edelstahl+
 Achtung:
Bei Stromausfall keine Luftzufuhr (kein Notventil)
– schnelle Entnahme der Ferkel notwendig!
o
Narkosetiefeausreichend tiefo
Tierverhalten  
– beim EinlegenStressreaktion durch Lautäußerung und Abwehrbewegungen bei ca. 97 % der Ferkel vorhandenk.B.
– unter der Kastrationca. 9 % leichte Abwehrbewegungen, v.a. bei verzögertem Kastrationsbeginnk.B.
Tiergesundheit  
Verletzungenbei zu straffem Spannen der Fixiergummis Beeinträchtigung
der Blutzirkulation in den Hintergliedmaßen
k.B.
narkosebedinge Tierverlustewährend der Praxisversuche keinek.B.

 * Bewertungsbereich: + + / + /o / – / – – (o = Standard, k.B. = keine Bewertung)
1)  Ein Betrieb unter +10°C ohne zusätzliche Verdampferheizung wird vom Hersteller nicht empfohlen.

Das Produkt

Beschreibung und Technische Daten

Beim Anestacia handelt es sich um ein Isofluran-Narkosegerät, das entweder mit drei oder mit vier Narkosestationen ausgestattet ist und zur kurzzeitigen Betäubung und Kastration männlicher Saugferkel bis zu einem Alter von sieben Tagen bestimmt ist. Das im Verdampfer erzeugte Narkosegasgemisch wird aktiv und mit konstantem Volumenstrom an die Narkosemasken herangeführt. Zur Erzeugung des notwendigen Drucks wird ein Kompressor verwendet.

Das Gerät verfügt über eine Restgasabsaugung an der Rückseite der doppelwandigen Narkosemasken („Doppelmasken“), die überschüssiges Narkosegasgemisch in zwei parallele Aktivkohlefilter abführt.

Tabelle 2: Technische Daten: Messwerte und Herstellerangaben

Anestacia, mit …3 Narkosestationen4 Narkosestationen
Länge ohne Zubehör900 mm1050 mm
Tiefe550 mm550 mm
Gesamthöhe1350 mm1350 mm
Arbeitshöhe * 1150 mm; optional: 1050-1250 mm in 5 cm-Schritten 
Gewicht inkl. Standardzubehör*124,3 kg148,9 kg
Verdampfervolumen300 ml300 ml
Zulässige Umgebungstemperatur beim Betrieb+10 bis +40 °C (ohne Temperaturkompensation)
bis -5 °C mit Temperaturkompensation
 
Stromanschluss230 V-Stecker, Ein-/Aus-Schalter vorhanden 
ZusatzausstattungVerdampferheizung (Temperaturkompensation),
photoelektrischer Sensor zur Sättigungsdetektion der Abluftfilter, Arbeitshöhenverstellung, leiserer Kompressor, Ferkelkiste mit Halterung
 

* gemessen 

Gewährleistung

Der Hersteller weist zwei Jahre Gewährleistung für das Isofluran-Narkosegerät Anestacia aus.

Entsorgung und Recycling

Der Hersteller nimmt das Isofluran-Narkosegerät Anestacia zur Entsorgung zurück und führt die Wertstoffe dem Recycling zu. Ein Recyclingkonzept für die Aktivkohlefilter gibt es bislang nicht. Allerdings können die Filter an den Hersteller Zeosys zurückgesandt werden.

Die Methode

Tiergerechte Gestaltung

Auch wenn vor allem die Maßnahmen vor der Kastration entscheidend für das Stresslevel der Ferkel sind, trägt auch die Gestaltung der Narkosestationen und das Handling beim Einlegen der Ferkel dazu bei. Das Stresslevel der Tiere wiederum beeinflusst die Narkosetiefe und damit das Schlafverhalten: durch den erhöhten Cortisolspiegel und die eher flache Atmung unter Stress wird Isofluran schlechter aufgenommen – die Ferkel schlafen weniger tief. 

Eine gute Passgenauigkeit der Narkosemasken sorgt dafür, dass das anflutende Isofluran auch wirklich vollständig am Tier ankommt. In den beiden Praxisbetrieben wurden daher an jeweils 100 Ferkeln Abwehrreaktionen während des Einlegens in die Narkosestationen erhoben und die Narkosetiefe anhand des Zwischenklauenreflextestes und Abwehrreaktionen unter der Kastration beurteilt.

Konstanz der Narkosegaskonzentration

Gemäß der Anleitung des für die Ferkelkastration zu verwendenden Isoflurans der Firma Baxter soll der Anteil Isofluran im Narkosegasgemisch etwa 5 % betragen. Um eine sichere Betäubung der Ferkel unabhängig von der Entfernung der Narkosemasken zum Verdampfer und von der Umgebungstemperatur zu gewährleisten, soll die an den Masken anflutende Isoflurankonzentration möglichst nahe an den empfohlenen 5 % sein und konstant bleiben.

In einem Laborversuch wurde daher unter Verwendung eines VAMOS Gasmonitors der Firma Dräger überprüft, wie sich die Isoflurankonzentration an den Narkosemasken über die eingestellte Narkosedauer über jeweils zehn Narkosen hinweg und unabhängig davon, ob eine oder alle Masken in Betrieb waren, verhält. Die Messungen wurden bei drei Temperaturen, und zwar bei +5, +21 und +30 °C in einer begehbaren Klimakammer durchgeführt. Desweiteren wurde für jede Temperatur der Verlauf der Narkosegasanflutung vom Auslösen bis zur Beendigung des Gasflusses aufgezeichnet, wenn eine Maske bzw. alle Masken in Betrieb waren. 

Funktionalität der Restgasabsaugung 

Überschüssiges und ausgeatmetes Isofluran muss zum Schutz der Anwender und der Umwelt in einem Aktivkohlefilter aufgefangen werden. Um zu prüfen, ob dies unter Praxisbedingungen gelingt, wurde während eines mehrstündigen Praxiseinsatzes die Gewichtszunahme der beiden Aktivkohlefilter in Intervallen gemessen und statistisch auf Linearität ausgewertet.

Potenzielle Verluste z. B. am Aktivkohlefilter wurden im Rahmen der Arbeitsplatzmessungen erfasst und ebenfalls zur Bewertung herangezogen. 

Isofluran-Arbeitsplatzkonzentration 

Im Hinblick auf potenziell gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen von Isofluran muss die Sicherheit der mit der Kastration unter Isoflurannarkose betrauten Personen gewährleistet sein. Im Rahmen einer genormten Arbeitsplatzmessung, wie sie z. B. auch in Operationssälen von Krankenhäusern durchgeführt wird, wurden in einem Praxisbetrieb durch die Eurofins GmbH, Münster, als dafür akkreditierter und DGUV-gelisteter Messstelle die Isoflurankonzentrationen während der Kastration an den arbeitenden Personen gemessen. Die an einer Pumpe angeschlossenen Proberöhrchen wurden im Schulterbereich des Kastrateurs und einer zuarbeitenden Person, vornehmlich des mit dem Transport der Ferkel befassten Mitarbeiters befestigt. Gemessen wurde über einen Arbeitszeitraum von mindestens zwei Stunden im Abferkelabteil. Die Proberöhrchen wurden anschließend in einem chemischen Labor auf ihren Isoflurangehalt analysiert und die Werte auf die Messdauer und das Raumvolumen des Abferkelabteils im Testbetrieb umgelegt. Die resultierenden Werte durften den durch den DLG-Prüfrahmen vorgegebenen Wert von 15 mg/m³ Raumluft nicht überschreiten. 

Arbeitssicherheit

Die Arbeitssicherheit einschließlich der elektrischen Sicherheit des Narkosegerätes wurde durch Sicherheitsexperten des Sachverständigenbüros Klaus Ahlendorf, Kempen, begutachtet. Dabei wurden auch die Angaben in der Betriebsanleitung überprüft. Die Hinweise zum Umgang mit Isofluran – in der Betriebsanleitung und auf dem Gerät selbst – wurden dabei besonders berücksichtigt. Für eine DLG-Anerkennung muss das Gerät frei von Sicherheitsmängeln sein.

Zusätzlich wurden im Rahmen der Sicherheitsbegutachtung in einer Klasse 1 Schallmesskabine der Schallleistungspegel, der die Geräuschabstrahlung in alle Raumrichtungen angibt, und der Schalldruckpegel am Bedienerohr zur Einordnung der Geräuschentwicklung des Narkosegerätes gemessen. Die angegebenen Werte sind die während des Betriebs maximal auftretenden Lärmemissionen, z. B. bei laufendem Kompressor.

Narkosetiefe

Abgesehen vom Stresslevel der Ferkel beeinflussen eine schnelle, gut dosierte und konstante Narkosegaszuführung sowie eine gute Passgenauigkeit der Narkosemasken die Narkosetiefe. Erwünscht sind eine schnelle Anflutung des Narkosegases in der geforderten Konzentration bei einer ausreichend langen Narkosedauer, die eine ausreichend lange Betäubungsphase für eine Kastration unter Schmerzausschaltung gewährleisten. Gut an die unterschiedlichen Größen von zwei bis sieben Tage alten Ferkeln angepasste, die Schnauzen eng umschließende Narkosemasken sind erforderlich, damit die Tiere das zudosierte Isofluran auch wirklich einatmen und keine Verluste entstehen.

In den beiden Praxisbetrieben wurden deswegen an jeweils 100 Ferkeln auftretende Schmerzreaktionen in Form von Lautäußerungen und Abwehrbewegungen insbesondere der Vorderbeine als Indizien für eine nicht ausreichende Narkosetiefe bei der eingestellten Narkosedauer erhoben. Eine Bewusstseinsausschaltung, die durch negativen Reflextest indiziert ist, war Voraussetzung für jede Kastration. Aufgrund der im Juni 2020 beschlossenen Zusatzforderung, die Narkose nach der Einleitungsphase für mindestens weitere 15 Sekunden aufrechtzuerhalten, wurden die veränderten Einstellungen in einem weiteren Praxisbetrieb nochmals überprüft.

Reinigungsgerechte Gestaltung

Eine gute Hygiene spielt in einem sensiblen Anwendungsbereich wie der Kastration über Gruppen und Würfe hinweg eine wichtige Rolle. Daher ist es wichtig, dass das Narkosegerät während und nach dem Kastrationstag leicht und effizient gereinigt werden kann, um eine Keimübertragung zu minimieren. Der Materialauswahl, aber auch der Oberflächengestaltung kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Genauso wichtig ist ein weitgehend geschlossener Aufbau mit wenigen, für die Reinigung und Desinfektion einfach abzubauenden Elementen.

Vor und nach einer Reinigung und Desinfektion des Narkosegerätes gemäß Herstellervorgaben wurden mikrobiologische Abstrichproben aus einer Narkosemaske, einer Ferkelschale, um den Verdampfer und unterhalb des Abluftfilters genommen und auf schweinespezifische Krankheitserreger und die Gesamtkeimzahl analysiert.

Handhabung und Betriebssicherheit

Während jeweils ein bis zwei mehrstündigen Kastrationstagen auf zwei Ferkelerzeugerbetrieben, die vorab in das Isofluran-Narkosegerät eingewiesen worden waren, wurden die damit arbeitenden Personen und der Arbeitsablauf im Allgemeinen beobachtet. Zusätzlich wurden die Personen nach ihrem Eindruck während der Arbeit mit dem Narkosegerät befragt.

Insgesamt wurden während des praktischen Einsatzes 900 Kastrationen mit dem Anestacia durchgeführt, davon 560 mit der Variante mit drei Narkosestationen und 340 mit der Variante mit vier Narkosestationen.

Die Testergebnisse im Detail

TIERBEZOGENE KRITERIEN

Aspekte der Tiergerechtheit


Gestaltung und Dimensionierung der Ferkelhalter und Masken

Die Ferkelhalter des Anestacia bestehen aus Edelstahl und haben eine universelle Größe. Die Kanten sind seitlich leicht hochgezogen und am Rand nach außen gebogen, wobei die Ränder beidseitig so gezahnt sind, dass die Fixiergummis sicher eingehakt werden können. Die Schalen stehen mit einem Winkel von 45 Grad vergleichsweise steil. Sie verjüngen sich in Richtung der Narkosemasken und bieten den Tieren mit Ausnahme sehr kleiner Ferkel guten Halt. Kleine Ferkel kippen häufig zu einer Seite und müssen dann zur Kastration in der Position korrigiert werden. Die offene Schalenform ist für Ferkelgrößen bis zum siebten Lebenstag ausgelegt und beengt die Tiere nicht.

Die Ferkel werden durch Gummibänder fixiert, die flexibel je nach Ferkelgröße seitlich an den Schalen eingehakt werden können. Bei unregelmäßigen Würfen empfiehlt sich die Verwendung zweier in unterschiedlicher Höhe angebrachter Gummibänder. Beim Einspannen der Ferkel ist darauf zu achten, dass die Fixiergummis nicht zu straff gespannt werden, um die Blutzirkulation im Bereich der Hintergliedmaßen nicht zu behindern.

Die doppelwandigen, rund geformten Narkose­masken aus Gummi sind einheitlich groß. Die äußere Wand ist aus Edelstahl starr gefertigt, die innere Wand ist flexibel. Eine Aussparung vorne an der äußeren Wand erleichtert die Kontrolle, ob die Ferkelschnauze korrekt in der inneren Maske sitzt. Deren Gummi wurde so verstärkt, dass ein Umknicken nur noch sehr selten vorkommt. Der Narkosegasfluss wird beim Einführen der Ferkelschnauze in die Maske durch Passieren einer Lichtschranke, zur Sicherheit leicht zeitverzögert (2 Sekunden) aus­gelöst.

Im Anestacia werden die Ferkel kopfüber in die vergleichsweise steilen Stationen gelegt. Da die Masken vorne am Gerät liegen, zeigen die Ferkelrüssel zum Bediener hin. Durch ihr Eigenwicht fixieren sich die Tiere selbst in den gut anliegenden Masken. Das Greifen und Einlegen der Ferkel in die Narkosestationen verursacht kaum vermeidbaren Stress für die Tiere. Während der Tierbeobachtungen beim Einlegen zeigten 97 % der Ferkel Abwehrreaktionen in Form von Abwehrbewegungen und Lautäußerungen.

Erzielte Narkosetiefe

Neben der guten Passgenauigkeit der Masken, die eine verlustfreie Isofluranzufuhr sicherstellen sollen, sind ein gut eingestelltes Gasführungssystem und eine ausreichende Narkosedauer für eine sichere und tiefe Betäubung der Ferkel ausschlaggebend.

Im Anestacia ist eine Narkoseeinleitungsdauer von 70 Sekunden eingestellt. Der Zähler neben den Stationen startet bei 85 Sekunden, dabei leuchtet eine blaue Leuchtanzeige („Iso – Warten“). Nach 70 Sekunden, bei Zählerstand 15, leuchtet zusätzlich eine grüne Leuchtanzueige(„Kastration“) auf, die für 30 Sekunden Kastrationsbereitschaft anzeigt. Während der blauen bzw. grünen Leuchtphase ist es möglich, die Narkosedauer per Knopfdruck einmalig – für alle Stationen – um 30 Sekunden zu verlängern, zum Beispiel nach positivem Reflextest oder bei Verzögerung des Kastrationsbeginns. Beim Erlöschen der grünen Leuchte sollte die Kastration beendet sein. In den Tierbeobachtungen zeigten 100 % der Ferkel nach Ablauf der Narkoseeinleitung keinen Reflex mehr.

Abwehrreaktionen unter der Kastration waren in den Praxisversuchen an durchschnittlich 9 % der Ferkel zu beobachten. Teilweise waren diese einem verzögerten Kastrationsbeginn zuzuordnen. Da die Sensi­tivität für Isofluran ähnlich wie beim Menschen auch bei Tieren unterschiedlich ist und die Betäubungstiefe auch stark durch Managementmaßnahmen rund um die Kastration beeinflusst wird, können die Werte in anderen Betrieben abweichen.

TECHNISCHE KRITERIEN

Narkosegaskreislauf


Konstanz der Narkosegaskonzentration

In den Labormessungen zeigte das Anestacia einen schnellen Anstieg der Isoflurankonzentration an den Masken mit gleichbleibender Konzentration nach Erreichen des Maximums. Das Gerät erreicht abhängig von der Umgebungstemperatur bei einer am Verdampfer eingestellten Isoflurankonzentration von 5,0 % eine Konzentration von 4,9 bis 5,3 % im Narkosegasgemisch, wenn nur eine Station aktiviert ist und von 3,7 bis 4,3 %, wenn alle Stationen aktiviert sind. Die Aufnahmekapazität der Luft für Isofluran ist temperaturabhängig und steigt mit der Temperatur an. Da das Narkosegerät in der Standardausführung nicht mit einer Temperaturkompensation (Heizung am Verdampfer) ausgestattet ist, ist ein Betrieb unter Außenklimabedingungen – insbesondere unter +10 °C – nicht anzuraten. Die Isoflurankonzentration bleibt unabhängig von der Anzahl der aktivierten Narkosestationen und zeitlich über aufeinanderfolgende Narkosen hinweg stabil.

Die Zeit für die Narkoseeinleitung beträgt 70 Sekunden. Danach werden weitere 15 Sekunden Narkosegasgemisch dosiert, damit eine tiefe Betäubung auch unter der Kastration gewährleistet bleibt. Bei Stromausfall kann begrenzt Luft über die Absaugseite gezogen werden, ein Notventil gibt es nicht. Daher müssen die Ferkel schnell aus den Narkosestationen entnommen werden.

Isofluranverbrauch und Restgasabsaugung

Die Wiegungen des während der Kastration verbrauchten Isoflurans in den Praxisbetrieben ergaben einen Isofluranverbrauch von durchschnittlich 0,88 g bzw. 0,61 ml pro Ferkel bei 75 Sekunden Isoflurananflutung. Nach Erhöhung der Narkosedauer auf insgesamt 85 Sekunden (70 plus 15 Sekunden) wurde ein Isofluranverbrauch von durchschnittlich 1,0 g bzw. 0,69 ml gemessen. Diese Werte gelten für beide Gerätevarianten. Betriebsindividuelle Schwankungen sind beispielsweise durch notwendige Narkoseverlängerungen dennoch möglich.

Die Gewichtszunahme der beiden Aktivkohlefilter betrug in der Summe beider Filter durchschnittlich 0,70 g pro Ferkel und nach Verlängerung der Isoflurananflutung 0,79 g pro Ferkel. Beide Filter werden parallel und gleichmäßig gesättigt, die Abweichungen betragen weniger als 5 %.

Es ist davon auszugehen, dass die relative Luft­feuchte im Stall das Filtergewicht beeinflusst. Den Messungen zufolge erreichen die im Neuzustand etwa 900 g wiegenden Aktivkohlefilter ihre Sättigungsgrenze bei etwa 1.180 g und mussten gemeinsam nach 800 Kastrationen gewechselt werden.
Der Hersteller ließ im Prüfungsverlauf das Füllgewicht an Aktivkohle auf 400 g (900 bis 1.300 g) anpassen und gibt nun einen Filterwechsel für beide Filter gleichzeitig nach 1000 Kastrationen vor. Der Wechsel wird vom Gerät dynamisch anhand der tatsächlich registrierten Narkosedauern inklusive Verlängerungen berechnet und kann entsprechend abweichen. Ein rechnerischer Kapazitätspuffer von > 10 Kastra­tionen ist berücksichtigt.

Umweltrelevanz


Narkosegasverluste

Im Rahmen der Arbeitsplatzmessungen wurden auch Messungen an potentiell verlustanfälligen Stellen des Narkosegerätes durchgeführt. 

Das Gerät ist gut gekapselt, das gasführende System dicht und die Doppel-Narkosemasken begrenzen Emissionen beim Einlegen und Entnehmen der Ferkel. Auch die Aktivkohlefilter halten Isofluran zuverlässig zurück. 
Die Emissionen an verlustgefährdeten Stellen des Gerätes lagen bei den Messungen durch Eurofins unter 1 mg/m³ am Ausgang der Narkosemasken, bei 11 mg/m³ im Verdampfergehäuse und unter 1 mg/m³ hinter den Aktivkohlefiltern.

Abluftfilterung

Die beiden Aktivkohlefilter des Anestacia müssen wie beschrieben nach spätestens 1000 Kastrationen gemeinsam gewechselt werden. 50 Kastrationen vor Erreichen der errechneten Sättigungsgrenze erscheint die Anzeige „Filter fast voll“ im seitlichen Display und ein Warnton ertönt. Nach weiteren 50 Kastrationen ohne Filterwechsel schaltet das Gerät automatisch in den Sperrmodus (Anzeige „Filter voll“) und ein akustisches Signal ertönt. Laufende Narkosen bzw. Kastra­tionen können dann zwar noch zu Ende geführt werden, ein neuer­liches Auslösen des Isofluranflusses ist jedoch nicht mehr möglich. Der Filterwechsel muss seitlich am Gerät quittiert werden und wird digital aufgezeichnet.

Das Anestacia ist standardmäßig nicht mit einem Sensor zur Überwachung der Filtersättigung ausgerüstet. Um die Anwendersicherheit dennoch so weit wie möglich zu gewährleisten, sind Maßnahmen getroffen, die ein versehentliches Einsetzen eines gesättigten Filters verhindern sollen. So sind die Kappen neuer Filter mit einer Klebebanderole versiegelt, die vor dem Einsetzen mechanisch entfernt werden muss. Auf einem beschriftbaren Etikett sollen das Wechseldatum und der zugehörige Stand des Kastrationszählers notiert werden. Eine einfache Waage wird zu diesem Zweck mit dem Narkosegerät mitgeliefert. 

Optional bietet der Hersteller einen photoelektrischen Sensor zur Detektion der Sättigungsgrenze an den Aktivkohlefiltern an, dessen Funktion jedoch nicht geprüft wurde.

Arbeitsplatzsicherheit

Isofluran-Arbeitsplatzkonzentration

Die Messungen durch Eurofins fanden am Vormittag des 13. März 2020 in einem Praxisbetrieb in Beckum statt. Die Außentemperatur betrug etwa 9 °C, die Temperatur im Abferkelabteil lag bei 21 °C. Die Lüftungsanlage lief im Automatikbetrieb bei einer Lüftungsrate von etwa 100 m³ pro Sau und Stunde.

Die Messungen ergaben sehr niedrige Arbeits­platzkonzentrationen an den arbeitenden Personen (Kastrateur und Helfer) von unter 1 mg/m³. Damit hält das Anestacia den geforderten Grenzwert von maximal 15 mg Isofluran pro m³ Raumvolumen sicher ein.

Da die Messergebnisse sich nur auf eine betriebliche Situation beziehen, können sie nur als Orientierungswerte gelten. Betriebsindividuelle Abweichungen sind abhängig von den jeweiligen stallklimatischen Bedingungen zu erwarten.

Arbeitssicherheit

Bei der Begutachtung durch zwei Arbeitssicherheitsexperten des Sachverständigenbüros Ahlendorf, wurden keine gravierenden Mängel am Anestacia festgestellt. Die Betriebsanleitung muss bei der Funktionsbeschreibung noch detaillierter werden und weist sprachliche Mängel aufgrund der Übersetzung vom Holländischen ins Deutsche auf. Eine Risiko­beurteilung und eine gültige CE-Erklärung liegen für beide Gerätevarianten vor.

Geräuschentwicklung

Die Geräuschmessungen in der Schallmesskabine des DLG-Testzentrums ergaben einen Schallleistungspegel von maximal 88 dB(A) und einen Schalldruckpegel am Bedienerohr von maximal 71 dB(A). Der Schallleistungspegel wird vornehmlich durch den verwendeten Kompressor bestimmt. Der Hersteller bietet optional einen leiseren Kompressor an.

Hygiene

Reinigung und Desinfektion

Für die Reinigung des Anestacia muss nach dem Abschalten der Kompressor vom Gerät getrennt und entfernt werden, ebenso müssen die beiden Abluftschläuche von den Aktivkohlefiltern abgezogen und die Filter entfernt werden. Dann werden die Narkosemasken einschließlich des Anbaurahmens werkzeuglos entfernt und in die Einzelteile zerlegt.

Die Reinigung des Hauptmoduls mit Verdampfer und Elektronik erfolgt mit einem Schwamm unter Verwendung stallüblicher Reinigungsmittel. Zum Abspülen kann ein Wasserschlauch, jedoch kein Hochdruckreiniger verwendet werden. Zwei Ablassventile sorgen für ein Ablaufen des Reinigungswassers aus den Absaugrohren.

Die Ferkelhalter und Doppelmasken werden separat in einem Eimer mit Reinigungswasser gereinigt, können jedoch auch mit dem Hochdruckreiniger oder in der Spülmaschine gesäubert werden.

Für die Reinigung und Desinfektion werden ungefähr 20 Minuten benötigt.

Mikrobiologische Proben vor und nach Reinigung und Desinfektion zeigten, dass eine gute Reinigungswirkung erzielt werden kann. Zwar konnten nach der R&D keine schweinespezifischen Erreger mehr nachgewiesen werden, aber an schwer zu reinigenden Stellen bleiben dennoch Restkeime zurück, die einen überbetrieblichen Einsatz nicht unbedingt empfehlenswert machen.

 

Hygienic Design

Das Anestacia ist nahezu vollständig aus Edelstahl gefertigt.

Die Oberflächen sind glatt und die Kanten abgerundet, sodass Flüssigkeiten gut ablaufen können. Dennoch gibt es schwierig zu reinigende Stellen mit Toträumen wie rund um den Verdampfer. Aufgrund der notwendigen Zugänglichkeit kann dieser Bereich nicht völlig geschlossen werden und stellt damit ein potentielles Keimreservoir dar.

Externe Komponenten wie Kompressor und Aktivkohlefilter können ebenfalls nur sehr eingeschränkt gereinigt werden.

Energiebedarf

Der während der Praxismessungen ermittelte Energiebedarf des Anestacia ist sehr gering, er lag bei durchschnittlich 0,76 Wh je Kastration. Anders ausgedrückt können etwa 1350 Kastrationen je Kilowattstunde durchgeführt werden.

Handhabung

Das Anestacia ist ein kompaktes und sehr stabiles Gerät. Mit einer Länge von 90 bzw. 105 cm und einer Breite von 55 cm passt es längs auch in schmalere Gänge, wobei dann der Bediener zum Kastrieren häufig in der Abferkelbucht steht. Da das Gerät nur einseitig bedienbar ist, muss es am Ende des Stallgangs gedreht werden. Aufgrund der Länge muss dazu entweder eine Abferkelbucht geöffnet werden oder das Gerät muss zurück in den Zentralgang geschoben und dort gedreht werden. Durch die vier Gelenkrollen und die Seitengriffe lässt sich das Anestacia gut, aber aufgrund seines Gewichts mit etwas Kraftaufwand schieben. In der Standardausstattung einschließlich der für den Betrieb relevanten Komponenten ist es mit 124,3 bzw. 148,9 kg vergleichsweise schwer.

Die Arbeitshöhe des Anestacia lässt sich durch Gummiblöcke um jeweils 5 cm nahezu unbegrenzt erhöhen, die Erhöhungen sind optional erhältlich.

Die Arbeitshöhe beträgt standardmäßig ohne Erhöhung 115 cm. Da die Ferkel mit dem Operationsbereich nah am Bediener liegen, ist eine gerade Arbeitshaltung möglich, jedoch müssen die Arme bei der Kastration selbst leicht gestreckt werden. Wird bei schmalen Gängen aus der Bucht heraus gearbeitet, stützt sich der Bediener normalerweise zusätzlich mit den Knien an der Buchtenwand ab, was auf Dauer den Rücken belastet.

Das Einlegen der Ferkel ist beim Anestacia recht einfach und wird von den Bedienern als angenehm empfunden. Durch ihr Eigengewicht gleiten die Ferkel an den Edelstahlschalen entlang leicht in die Masken und schließen diese dicht ab. Während eine Hand das Ferkel an den Hinterbeinen weiter festhält, greift die andere den Fixiergummi und spannt das Ferkel damit ein. Der Vorgang ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, da die Hände dabei überkreuzt werden müssen.

Gut im Blickfeld des Bedieners liegen die gut sichtbaren, mit großen Zahlen versehenen Anzeigen und Kontrollleuchten für die Narkosedauer bzw. die Kastrationsbereitschaft neben den einzelnen Narkosestationen. Da sowohl der Kastrationszähler als auch Warnmeldungen im Display seitlich links am Gerät, und damit außerhalb des Blickfelds, angezeigt werden, sorgen Alarmtöne (Piepen) dafür, dass Handlungsbedarf nicht unbemerkt bleibt. Auf der Oberfläche des Hauptmoduls ist ausreichend Ablagefläche z.B. für Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel vorhanden. Drei Skalpellhalter (einseitig bei der Variante mit drei, beidseitig bei der Variante mit vier Narkosestationen) sorgen für ausreichend Platz und Desinfek­tionszeit der Klingen zwischen den Kastrationen.

Die Inbetriebnahme des Gerätes erfolgt durch Einstecken des Netzsteckers in eine bauseits abgesicherte Steckdose. Ohne Temperaturkompensation benötigt das Anestacia keine Aufheizzeit und ist nach wenigen Sekunden betriebsbereit. Ist das Gerät nicht mit der optionalen Kabeltrommel ausgestattet, muss betriebsseitig ein Verlängerungskabel bereitgestellt werden, wenn das Gerät während der Kastration durch das Abferkelabteil bewegt werden soll.

Das Ein- bzw. Nachfüllen von Isofluran in den Verdampfer ist ein emissionsträchtiger Moment beim Betrieb des Narkosegerätes, deshalb sollte das Gerät dazu in den Zentralgang oder einen gut gelüfteten Raum geschoben werden. Bedingt durch den „Rüssel“-Fülladapter verbleibt ein ganz kleiner Rest Isofluran in der Isofluranflasche. Bei der Entleerung muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass der Adapter um 180 Grad gedreht in die untere Entleerungsöffnung am Verdampfer eingeführt wird.

Betriebssicherheit

Überwachungsfunktionen des Gerätes

Die an jedem Narkosegerät erforderlichen Überwachungsfunktionen sind beim Anestacia wie in der Tabelle 3 beschrieben vorhanden.
Desweiteren werden folgende Funktionen überwacht und angezeigt

  • Volumenstrom des Narkosegasgemisches: Meldung „Luftstrom falsch“ und Alarm bei zu geringem Durchfluss
  • Druckluft: Meldung „Kein Luftdruck anwesend“ und Alarm bei zu geringem Druck
  • Absaugdruck: Meldung „Absaugung nicht angeschlossen“ bei zu niedrigem Druck

Betriebsstörungen

Sowohl während der Labormessungen als auch während der Messungen in drei Ferkelerzeugerbetrieben traten keine technischen Störungen am Anestacia auf. Aufgrund der Messergebnisse der ersten Arbeitsplatzmessungen wurden jedoch der Verdampfer und das gasführende System grundlegend überarbeitet.

Aufgrund der begrenzten Prüfungsdauer kann eine Langzeitprognose zur Betriebssicherheit des Gerätes nicht abgegeben werden.

Wartung und Service

Spätestens alle zwei Jahre muss das Anestacia durch den Herstellerservice gewartet werden. Dieser wird als mobiler Service flächendeckend in Deutschland eingerichtet und soll eine kurze Reaktionszeit auch bei akuten Problemen gewährleisten. Alternativ kann das Gerät an den Hersteller in Deutschland eingesandt werden. Im Rahmen des Herstellerservices wird der Verdampfer auf ordnungsgemäße Funktion überprüft, die Isoflurankonzentration an den Narkosestationen wird gemessen. Der Verdampfer wird erstmals nach zwei Jahren, danach jährlich nachkalibriert. Desweiteren werden im Rahmen des Services Dichtungen und Schläuche am Narkose­gerät überprüft.

Daneben gibt es Wartungsarbeiten, die der Bediener erledigen muss. Dazu gehören die regelmäßige Überprüfung aller Schläuche, insbesondere des gasführenden Systems, und die arbeitstägliche Reinigung des Narkosegerätes. Daneben muss alle drei Monate der Luftfilter am Kompressor gereinigt bzw. ausgetauscht werden.

Schutz vor Manipulationen

Um dauerhaft eine sichere Betäubung zu gewährleisten, darf an den Narkosegeräten die Narkosegaskonzentration nicht veränderbar sein. Am Anestacia ist der Verdampfer eingehaust und auch bei Abnahme der Gehäuseabdeckung an den relevanten Stellen unzugänglich.

Desweiteren muss das Narkosegerät die durchgeführten Kastrationen registrieren und mit Datumsstempel unveränderbar und auslesbar aufzeichnen. Dies soll auch Behörden gegenüber als Nachweis dienen, dass die Betäubungen tatsächlich durchgeführt wurden.

Das Anestacia zeichnet die Kastrationen bzw. Betäubungen einzeln und detailliert auf, jedoch nicht vor Ablauf der 70 Sekunden Narkoseeinleitung. Neben der tatsächlichen Narkosedauer werden die Narkosestation und die Verweildauer in der Station, Datum und Uhrzeit aufgezeichnet. Zusätzlich wird die Gesamtzahl der mit dem Gerät durchgeführten Kastrationen und jeder Filterwechsel gespeichert. Eine Manipulation ist weder am Gerät noch über den Webbrowser möglich. Die Verbindung zum Gerät wird über das geräteeigene WLAN aufgebaut. Durch Eingabe der IP-Adresse in den Browser des Mobilgerätes gelangt man zum Login, bei dem sich bis zu acht User – auch verschiedener Betriebe – registrieren können. Der Naviga­tionspfad ist nicht selbst­erklärend, sodass die An­wendung ein wenig Übung erfordert. Neben einer Abfrage des Gerätespeichers können die Daten als csv-Datei per Email versandt und zum Beispiel in Excel eingelesen werden. Die Speicherkapazität reicht für 50.000 Kastrationen und damit normalerweise für eine Dauer von ≥ 3 Jahren.

Tabelle 3: Minimal erforderliche Überwachungsfunktionen

Anzeige Betriebsbereitschaft/Betriebsstörung

Textanzeige im Display

Anzeige Narkosedauer je StationAbwärtszähler und zwei Leuchten neben Narkosemaske – blau „Isofluran an“ während 85 sec Isofluranfluss und grün „Kastrieren“ ab Zähler 15 sec für 30 sec – in dieser Zeit kann die Narkoseverlängerung per Knopfdruck ausgelöst werden (max. Narkosedauer 120 sec)
Anzeige Anzahl kastrierter Ferkel, digitale SpeicherungTages- und Gesamtkastrationszähler, Anzeige am seitlichen Display
Kontrolle/Anzeige Nachfüllen von Isofluran

sensorische Füllstandsüberwachung; Textanzeige „Verdampfer fast leer“ am seitlichen Display und Warnton

Kontrolle/Anzeige Wechsel AktivkohlefilterTextanzeige „Filter voll“ am seitlichen Display und Warnton

Fazit

In dem vorliegenden Test wurde das Isofluran-Narkosegerät Anestacia auf seine Funktionalität sowie im Hinblick auf Tierschutz-, Arbeitsschutz- und Umweltschutzaspekte untersucht. Dazu wurden Labormessungen zum gasführenden System und zur Arbeitssicherheit durchgeführt. Desweiteren wurde das Gerät mit drei Narkosestationen in zwei Praxisbetrieben und das Gerät mit vier Narkosestationen in einem weiteren Praxisbetrieb eingesetzt und begutachtet. Im Fokus standen dabei das Verhalten der Ferkel bis zur und während der Betäubung und Kastration, aber auch die Ermittlung funktionaler und ökonomischer Parameter. In zwei Betrieben wurden zusätzlich genormte Isofluran-Arbeitsplatzmessungen durch Eurofins, ein DGUV-gelistetes und akkreditiertes Messinstitut durchgeführt.

Das Gerät erfüllt die Anforderungen des DLG-Prüfverfahrens für Narkosegeräte für die Ferkelkastration,
Stand 2019 mit Erweiterungen 2020.

Anmelder und Prüfungsdurchführung

Hersteller/Anmelder

GDO GmbH,
Hindenburgstraße 51,
D-77830 Bühlertal

Kontakt:
Telefon +49 (0) 7223 8306655
anestacia@gdo-gmbh.de
www.anestacia-narkose.de

Prüfungsdurchführung

DLG TestService GmbH, Standort Groß-Umstadt
Die Prüfungen werden im Auftrag des DLG e.V. durchgeführt.

DLG-Prüfverfahren
Narkosegeräte für die Ferkelkastration
(Stand Dezember 2019, mit Erweiterungen 2020)

Prüfungskommission

  • Dr. Sophie Gumbert, Klinik für Schweine,
    Ludwig-Maximilian-Universität München
  • Dr. Jürgen Harlizius, Landwirtschaftskammer
    Nordrhein-Westfalen, Tiergesundheitsdienste
  • Prof. Dr. Wilfried Hopp,
    Veterinärdienst Kreis Soest
  • Dr. Frederik Löwenstein,
    Landesanstalt für Schweinezucht Boxberg

Fachbereich
Landwirtschaft

Bereichsleiter
Dr. Ulrich Rubenschuh

Prüfingenieurin
Dipl.-Ing. agr. Susanne Gäckler*
 

* Berichterstatter

Kontakt

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