Deutsch-Ukrainischer Agrarpolitischer Dialog legt Arbeitsschwerpunkte für 2026 fest: Fokus auf GAP, Ländliche Räume und Wirtschaftlichen Dialog

Kick-off-Workshop und erste Sitzung der Projektsteuerungsgruppe in Kischinau (Moldau) – Arbeitsschwerpunkte für 2026 definiert: Annäherung ukrainischer Institutionen an EU-Standards, inklusiver Ansatz der Regionalentwicklung, Exportorientierung – Synergien zum APD Moldau nutzen

Die Arbeitsschwerpunkte für die neue Projektphase im Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialog (APD Ukraine) stehen fest: Erarbeitet und verabschiedet wurden sie im Rahmen eines Kick-off-Workshops und erster Sitzung der Projektsteuerungsgruppe (PSG) des APD Ukraine am 3. und 4. März in Kischinau (Moldau). An den Treffen nahmen Vertreter aus Politik und Wirtschaft beider Staaten teil. Folgende Themen bestimmen die Projektarbeit: Annäherung der ukrainischen Agrarpolitik an GAP-Standards, integrierte ländliche Entwicklung sowie Intensivierung des agrarwirtschaftlichen Dialogs beider Länder. Der APD Ukraine wird im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) durch die GFA Consulting Group GmbH umgesetzt. Das Durchführungskonsortium besteht aus der DLG Markets GmbH und Berlin Economics GmbH. Operativer Projektpartner in der Ukraine ist der Nationale Verband der landwirtschaftlichen Beratungsdienste „Dorada“. Begünstigte Institution ist das Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft der Ukraine.

Die intensiven Arbeitstreffen in der moldauischen Hauptstadt haben die wachsende Bedeutung des APD Ukraine im 20. Jahr seines Bestehens gezeigt. Das betonten die Teilnehmenden aus dem Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft der Ukraine, des Ausschusses für Agrar- und Bodenpolitik des ukrainischen Parlaments (Werchowna Rada), des BMLEH sowie Vertreter ukrainischer Branchenverbände.

Teilnehmende der Ukraine wiesen auf die „historische Doppelherausforderung“ hin, vor der die ukrainische Agrar- und Ernährungswirtschaft angesichts des russischen Angriffskrieges und des parallelen, aktiven EU‑Integrationsprozesses stehe. Diese historische Bewährungsprobe sei gekennzeichnet durch erschwerte Rahmenbedingungen für die Land- und Lebensmittelproduktion im Kriegszustand, etwa durch kontaminierte Agrarflächen oder Fachkräftemangel. Hinzu kommen umfassende operative Aufgaben im Zusammenhang der institutionellen Anpassungen für den EU‑Beitritt. Die enge fachliche Kooperation zwischen beiden Ländern bleibe umso entscheidender, um Reformen wirksam zu gestalten und ländliche Räume zu stärken, lautet daher das einhellige und übergreifende Fazit des Treffens.

Drei prioritäre Ergebnisbereiche definiert

Die PSG hat in seiner Auftaktsitzung die Arbeitsschwerpunkte für das Jahr 2026 festgelegt: Sie umfassen drei zentrale Themenfelder, die allesamt als Querschnittsaufgaben bearbeitet werden:

1. Annäherung der ukrainischen Agrarpolitik an die EU‑Agrarpolitik (GAP): 

  • Harmonisierung von politischen Prozessen, Standards und Institutionen,
  • Stärkung der Analyse‑ und Umsetzungskapazitäten für künftige GAP‑Instrumente,
  • Fachliche Unterstützung und Begleitung ukrainischer Institutionen bei der Entwicklung und Stärkung der institutionellen und administrativen Infrastruktur für die Implementierung der Instrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Einklang mit EU-Standards,
  • Einrichtung einer High‑Level‑Arbeitsgruppe mit thematischen Task Forces für prioritäre Reformprozesse zur Erarbeitung von konkreten institutionellen Anpassungen für einen möglichen EU-Beitritt.

2. Integrierte ländliche Entwicklung und Stärkung lokaler Akteure

Der APD begleitet die Ukraine zudem beim Aufbau einer integrierten nationalen Strategie für ländliche Entwicklung. Im Fokus stehen:

  • Unterstützung von Gemeinden und Hromadas bei der Stärkung lokaler Governance und institutioneller Kapazitäten im Kontext der EU-Integrationsreformen und der Annäherung an Instrumente der ländlichen Entwicklung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)
  • Weiterentwicklung von LEADER‑Ansätzen zur eigenständigen Regionalentwicklung Ländlicher Räume und lokalen Aktionsgruppen als klassischen Instrumenten der GAP.
  • Förderung der Beteiligung von Frauenorganisationen, jungen Landwirten und Kriegsveteranen an lokalen Governance-Strukturen und EU-Integrationsprozessen im Agrar- und ländlichen Entwicklungssektor

Ein weiterer Beschluss der PSG-Sitzung: Die Kooperation mit dem APD Moldau wird intensiviert, da Moldau im EU-Beitrittsprozess bei mehreren Anpassungs- und Integrationsleistungen bereits fortgeschritten ist.

3. Agrarwirtschaftlicher Dialog und Exportorientierung

Die Ukraine soll, so ein weiterer Projektmeilenstein für das laufende Jahr, stärker in agrarwirtschaftliche Wertschöpfungsketten Europas integriert werden. Prioritäre Bereiche sind unter anderem:

  • Pflanzenzucht und Pflanzenschutz,
  • Umsetzung der Tierwohlkonzepte,
  • dezentrale Wasser- und Energieversorgung und erneuerbare Energien,
  • Verarbeitung und Vermarktung,
  • Exportstrategie und Vorbereitung auf den EU‑Binnenmarkt.

Zur konkreten Stärkung des agrar- und ernährungswirtschaftlichen Dialogs auf beiden Seiten sind für Mai 2026 ein deutsch‑ukrainisches Agrarunternehmerforum sowie thematische Fachinformationsfahrten im Juni und November 2026 geplant.

Nachhaltige Stärkung der Zusammenarbeit in resilientem Netzwerk

„Die intensive Arbeit in der moldauischen Hauptstadt hat gezeigt, wie entscheidend fachliche und persönliche Verbindungen für unseren gemeinsamen Weg sind. Austausch, voneinander Lernen und das Knüpfen neuer Synergien standen dabei klar im Mittelpunkt. Gerade jetzt, da die Ukraine unter schwierigen Bedingungen wichtige EU‑Integrationsschritte geht, ist der Agrarpolitische Dialog unverzichtbar“, sagte Dr. Olga Trofimtseva, Projektleiterin des APD Ukraine, ehemalige Agrarministerin der Ukraine und international anerkannte Expertin für Agrarpolitik und EU-Integration.

„Die Gespräche in Chișinău haben deutlich gemacht, wie wichtig der Deutsch‑Ukrainische Agrarpolitische Dialog für die Weiterentwicklung des Agrarsektors in der Ukraine sowie für die Stärkung des deutschen und europäischen Agrarmarktes ist. Der APD Ukraine stärkt den bilateralen Austausch, unterstützt Reformprozesse und trägt entscheidend dazu bei, die Ukraine weiter an europäische Agrar- und Politikstandards heranzuführen“, betont Stephan Framke, Referent Technische Zusmamenarbeit/Unternationale Bioökonomie im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).

„Im Kontext des EU-Beitritts ist das Interesse an wirtschaftlich tragfähigen Lösungen für die Landwirtschaft der Ukraine sehr groß. Fragen zu Tierwohl, Pflanzenschutz, Energie- und Wasserversorgung oder dem Ausbau der Verarbeitungskapazitäten standen klar im Mittelpunkt – immer verbunden mit der praktischen Umsetzung auf den Betrieben. Als APD Ukraine verstehen wir uns nicht nur als agrarpolitische Dialogplattform, sondern auch als Motor für den Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen zwischen der Ukraine und ihren europäischen Partnern. Unsere Aufgabe ist es, diesen Austausch gezielt zu stärken und gemeinsam tragfähige Perspektiven für eine moderne, resilientere Agrar- und Ernährungswirtschaft zu entwickeln.““, unterstreicht Dr. Olga Hunger, Key‑Expertin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und EU‑Agrarmarkt im APD Ukraine.


Bildmaterial ist unter Angabe der Bildquelle zu redaktionellen Zwecken im Kontext der Pressemitteilung frei verwendbar: 

PM_APD_Ukraine_Gruppenbild_Kischinau_©APD_Ukraine:
Teilnehmende der Arbeitstreffen in Kischinau. 


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Gemeinsam wurden die Schwerpunkte für die Arbeit in der neuen Projektphase des APD Ukraine festgelegt. 


PM_APD_Ukraine_Unterzeichnung©BMLEH:

Bildunterzeile Foto „PM_APD_Ukraine Unterzeichnung“: Im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) im Januar wurde die Vereinbarung für den Start der siebten Projektphase des Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialogs unterzeichnet. Mit dabei: Anna Culca (GFA Consulting Group, 1.v.l.), Dr. Olga Hunger (DLG Markets GmbH, 2.v.l.), Projektleiterin Dr. Olga Trofimtseva (3.v.l.), Minister für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft der Ukraine Oleksii Sobolev (4.v.l.), Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (5.v.l.), Michael von Stackelberg (Berlin Economics GmbH, 6.v.l.), Frederik Tipp (DLG Markets GmbH, 3.v.r.) und Bernd Schwang (BMLEH, 1. v.r.)

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