Blick auf die noch kleinen Zuckerrüben, ob die Hacke-Bandspritz-Kombination die gewünschte Wirkung erzielt hat. Fotos: Koordinationsstelle Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau

Gelebter integrierter Pflanzenschutz 

Regionales Treffen Netzwerk Leitbetriebe im Nordosten

Das Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau traf sich vom 28. bis 29. April 2025 zum zweitägigen Regionalen Netzwerktreffen im landwirtschaftlichen Mecklenburg-Vorpommern. Unter dem Leitthema „Gelebter integrierter Pflanzenschutz“ kamen Vertreter aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Ministerien zusammen, um sich über innovative Lösungen im Ackerbau auszutauschen und voneinander zu lernen.

Der erste Tag begann auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Hubertus Paetow. Der Landwirt wirtschaftet unter herausfordernden Bedingungen: sandige Böden und geringe Niederschläge prägen den Standort. Im Fokus stand insbesondere die Hacke-Bandspritz-Kombination, die dank aktiver Anbaugerätelenkung auch vor dem Auflaufen der Reihen eingesetzt werden kann. Diskutiert wurde auch die Rolle neuer Züchtungen wie der Conviso-Rübe, die aus Sicht des integrierten Pflanzenschutzes neue Möglichkeiten eröffnet.

Pflanzenschutz im Spannungsfeld
Unter dem Titel „Pflanzenschutz im Spannungsfeld“ hielt Frau Dr. Bettina Klocke vom Julius Kühn-Institut (JKI) einen kurzen Impulsvortrag aus wissenschaftlicher Sicht. Als Expertin für Phytopathologie und Mykologie riet sie den Betriebsleitern, verstärkt auf die Toleranzen der angebauten Sorten zu achten. Gerade bei Mehltau würden häufig vorsorglich Pflanzenschutzmittel ausgebracht – selbst dann, wenn die Pflanze über eine hohe Toleranz verfügt, die damit ungenutzt bleibt. Für Frau Dr. Klocke gehören häufige Bonituren und Bestandssichtungen ganz klar ausgebaut, um integrierten Pflanzenschutz zu betreiben.

Digital gestützter Pflanzenschutz
Der zweite Tag führte die Teilnehmenden zur Dersekower Agrar GmbH & Co. KG von Carsten Stegelmann. Dort beeindruckte nicht nur der Maschinenpark, sondern auch die konsequente Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes. Mithilfe von Drohnen, digitalen Gelbschalen, regelmäßigen Nmin- und Humusproben sowie HRI (Harmonised Risk Indicator)-basierten Wirkstoffentscheidungen wird ein datenbasierter Ansatz verfolgt. Auf einer Rübenfläche wurden die eingesetzten Technologien praxisnah demonstriert.

Pflanzenschutzsteuer versus handelbare Nutzungsrechte
Unter dem Titel „Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft – Wege zur Reduktion und deren Implikation“ präsentierte Dr. Marcel Dehler vom Thünen-Institut verschiedene Indikatoren zur Messung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes. Dazu zählen Mengen-, Intensitäts- und Risikoindikatoren wie HRI oder PLI (Pesticide Load Indicator).  Außerdem erklärte er den Teilnehmenden „Möglichkeiten zur umweltpolitischen Steuerung und ihre Implikationen“. Seine Vorschläge, darunter eine Pflanzenschutzmittelsteuer und ein Lizenzmodell mit handelbaren Nutzungsrechten, sorgten für intensive Diskussionen unter den Leitbetrieben.

Unterschiede zum Ökolandbau
Zum Abschluss diskutierten neben den beiden konventionellen Betrieben, auch die Betriebsleiter von ökologischen Betrieben, Benedikt Ley und Lars Meinecke, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Pflanzenschutz. Unter der Moderation von Dr. Bettina Klocke und Dr. Marcel Dehler wurden Themen wie Sortenmischungen, gentechnische Züchtungen und Öffentlichkeitsarbeit aufgegriffen. Ein zentrales, konzeptübergreifendes Fazit lautete: Es braucht nicht nur technische Lösungen, sondern auch Vertrauen in die Arbeit der Landwirtschaft.

Das erweiterte Netzwerktreffen hat damit erneut gezeigt, wie wertvoll der persönliche Austausch und die Verbindung von Praxis und Wissenschaft sind.

Weitere Informationen zum Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau und unseren Betrieben.

Pflanzenschutz zwischen ökologisch und konventionell – miteinander reden, voneinander lernen: Benedikt Ley, Hubertus Paetow, Carsten Stegelmann und Lars Meinecke, moderiert von Dr. Marcel Dehler (Thünen Institut) und Dr. Bettina Klocke (JKI) (v.l.n.r.).
Technik zum Anfassen: Carsten Stegelmann (l.) gibt Einblicke in seinen Betriebsalltag.

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