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Autoren:

  • Dr. Klaus Damme, Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügel, Staatsgut Kitzingen
  • Dr. Manfred Golze, Leisnig, ehem. LfULG
  • Dr. Ruben Schreiter, Zentrum für angewandte Forschung und Technologie e.V., HTW Dresden

mit Unterstützung des DLG-Ausschusses Geflügel

Vorkommen und Bedeutung

Nach Charles Darwin stammen unsere Haustaubenrassen ausschließlich von der Felsentaube (Columba livia) ab. Die Domestikation dürfte in Vorderasien auf dem Gebiet des heutigen Iraks und Syrien, sowie wahrscheinlich in Indien 3.000-5.000 Jahre v. Chr., erfolgt sein. 

Der gute Orientierungssinn und die Fluggeschwindigkeit von Brieftauben spielte bis zum 1. Weltkrieg eine durchaus wichtige Rolle in der Nachrichtenübermittlung. Die Vielfalt im Exterieur und die Schönheit von Tauben faszinierte die Hobbyhalter auf der ganzen Welt. 

So entstanden allein in Deutschland 340 Taubenrassen. Der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e.V. (BDRG) hat in seinem Abschlussbericht zur Zuchttierbestandserfassung (2019) 37.849 Taubenzuchten mit 352.181 Zuchttauben ausgewiesen. Das Fleisch der Tauben wurde zwar auch im Altertum z. B. von den Römern geschätzt, eine gezielte Fleischproduktion mit speziellen Masttauben hat aber erst im 20. Jhd. in den USA, Belgien, Frankreich, England, Italien und Ungarn stattgefunden.

Viele der großen Zuchtfarmen (mit 30.000-40.000 Zuchtpaaren) in den USA und Europa haben inzwischen aus wirtschaftlichen Gründen ihre Arbeit eingestellt. In Deutschland gibt es derzeit keinen Fleischtauben-Haupterwerbsbetrieb, wohl aber viele Hobbyzüchter, bei denen die Zuchttier- und Fleischtaubenvermarktung durchaus einen ökonomischen Hintergrund hat.

Haltung

Fleischtauben werden i.d.R. in Stallabteilen mit 20-100 Zuchtpaaren mit Außenvolieren gehalten. Jedem Zuchtpaar wird eine Nistzelle mit zwei Nestern und Anflugstange in einem Regalsystem zugewiesen. Diese Nistzellen erlauben die gleichzeitige Brut (17-18 Tage) und Aufzucht (ca. 5 Wochen) von Jungtieren. 

Der oft nachlässige Nestbau kann durch Nistschalen oder eingestreute Werkzeugkästen und Strohangebot in Raufen unterstützt werden. Wichtig ist, dass die brütenden Elterntiere nicht durch die nach Futter bettelnden Jungtiere gestört werden. Dazu baut man entweder Trennwände zwischen den Nestern innerhalb der Nistzelle auf oder nutzt verschiedene Ebenen für das Gelege und die Nachzucht. Die Besatzdichte sollte 2 Paare/qm Stall nicht überschreiten. Als Einstreu im Stall dienen hitzebehandelte Weichholzhobelspäne, Hanfstreu oder Sand. Aus hygienischen Gründen kann man aber die Tiere im Stall auch ohne Einstreu auf perforierten Böden mit Unterflurentmistung halten. Beleuchtungsprogramme (Langtag >14 Std. Licht) im Herbst und Winter, sowie eine zusätzliche Heizmöglichkeit in der kalten Jahreszeit erhöhen die Anzahl aufgezogener Jungtiere. 

In der Außenvoliere sollte mehrmals wöchentlich eine Bademöglichkeit angeboten werden. Gritsteinchen (2-3 mm Korngröße) oder ein grober gewaschener Flussand müssen für die mechanische Zerkleinerung des Körnerfutters im Muskelmagen immer zur Verfügung stehen.
Wichtig ist die regelmäßige Reinigung und wenn möglich Desinfektion der Nistzellen, um die Vermehrung von Endoparasiten (Kokzidien, Spul-/Haarwürmer) zu reduzieren und Infektionskrankheiten, wie z. B. Salmonellosen, Trichomonaden oder Atemwegserkrankungen zu vermeiden. 

Fütterung

Haustauben fressen in freier Natur vorrangig Körner, teils aber auch Insekten. Sie bevorzugen kleinkörnige Leguminosen und Getreidearten, wie Hirse, Milo, Dari, Cardisaat, Wicken, Erbsen, Weizen und Mais, aber auch energiereiche Ölsaaten wie Sojabohnen, Raps, Sonnenblumenkerne, Leinsamen oder Hanfsaat werden nicht verschmäht. Spelzenreicher Hafer, Roggen und Gerste werden weniger gerne aufgenommen. Diese Körnercocktails werden von der Futtermittelindustrie in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen für Rassetauben und den Brieftaubensport angeboten.

Für die Fleischerzeugung sind sie zu teuer. Die Bayerische Landesanstalt hat sehr gute Mastergebnisse mit einer 3-Komponentenmischung aus heimischen Mais, Erbsen und Weizen erzielt. Bei einer Cafeteria-Fütterung über ein Jahr konnten die Tauben die Einzelfuttermittel frei wählen. Dabei hat sich herausgestellt, dass von Mai bis November 44 % Erbsen, 36 % Mais und 20 % Weizen, im Winter (Dez.-April) 38 % Erbsen, 42 % Mais und 20 % Weizen gefressen wurden. Tauben sind also in der Lage ihre Nährstoffaufnahme dem  Bedarf anzupassen. In der Hauptreproduktionszeit (Frühsommer) und Mauser (im Herbst) wird mehr Eiweiß (Erbsen) benötigt, in der kalten Jahreszeit mehr Energie (Mais). Die fehlenden Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine werden durch das permanente freie Angebot von Jodsalz, Austernschalen, Mineralfutter für Geflügel und pelletiertes Broiler-Endmastfutter abgedeckt. 

Die Wasserversorgung der Tauben wird mittels Stülptränken oder Automatik-Rundtränken sichergestellt. Nippeltränken sind für Tauben ungeeignet, da die Tiere beim Trinken den Schnabel ins Wasser eintauchen können müssen. 

Leistung

Um Schlachtkörper mit einem Schlachtgewicht von ca. 350-450 g im Alter von fünf Wochen zu erzeugen eignen sich mittelschwere Rassetauben, wie z. B. Strasser, Luchstauben, Coburger Lerchen und Mittelhäuser, deren Reproduktionsleistung heute aber nicht immer zufriedenstellend ist. Bei den gewerblichen Fleischtauben-Spezialisten in den USA, Frankreich, Italien oder Ungarn haben sich Carneau, Texaner, Nutzking oder Hubbeltauben in Reinzucht bzw. Kreuzungen dieser Ausgangsrassen (z. B. Hybriden von Grimaud Freres wie Mirthys, Mimas und Titan) durchgesetzt.

Masttauben sind die einzigen „Nesthocker“ unter den wirtschaftlich nutzbaren Sondergeflügelarten. Die Nachkommenzahl ist daher durch folgende Reproduktionsparameter limitiert:

  • Geschlechtsverhältnis m/w = 1:1
  • 2 Eier/Gelege
  • Zwischengelege Abstand 35-40 Tage
  • Nackte und blinde Jungtiere, die vom Elternpaar gehudert und die ersten 10 Tage mit Kropfmilch gefüttert werden müssen
  • Nutzungsdauer der Zuchttiere ca. 5 Jahre

Die mögliche Anzahl abgesetzter Jungtiere beträgt daher nicht mehr als 10-15 Masttäubchen/Zuchtpaar und Jahr. Die Jungtauben werden direkt aus den Nistzellen nach der Aufzucht durch die Eltern entnommen und geschlachtet. 

Ökonomie

Für eine Kostenanalyse und Gewinnkalkulation wurden die in Tabelle 2 aufgelisteten Leistungen und Preise unterstellt.

Tab. 1: Leistung von Fleischtauben

(je Zuchtpaar und Jahr)
MerkmalEinheitLeistung
NutzungsdauerJahre5
EizahlSt.18-22
Aufgezogenes JungtierSt.10-15
Schlachtgewicht/Jungtierg400-450
Futterkg54
Futterverwertungkg Futter/ 
kg Jungtaube9-10,8 

Tab. 2: Kostenanalyse und Gewinnkalkulation

 

Kosten/LeistungEinheit
Jungtiererlös15 €/kg
Schlachtgewicht400 g (10 St./Paar u. J.)
Futter54 kg/Paar u.J. (30 €/dt)
BestandsergänzungAlle 5 Jahre (30 €/Paar)
Pacht Altgebäude250 €/Jahr für 50 qm
Schlageinrichtung30 €/Paar
Schlachtkosten1 €/Jungtier

Das Betriebseinkommen, von dem noch die Fremdlöhne und der eigene Arbeitsaufwand entlohnt werden müssen, lag bei dieser Kalkulation bei 9,25 € je Zuchtpaar und Jahr. Unterstellt man einen täglichen Betreuungsaufwand von 1 Akh/100 Zuchtpaaren einschließlich Niststellenreinigung, periodischer Entmistung und Desinfektion des Schlages etc., so errechnet sich eine Stunden­entlohnung von 2,53 €. Erst ab 20-25 € je kg Schlachtgewicht wird eine akzeptable Entlohnung von 8-10 €/AKh erzielt. Dies sind allerdings Preise die derzeit nur auf dem Viktualienmarkt für frische Fleischtäubchen gezahlt werden. Wirtschaftlich interessant wird die Fleischtaubenproduktion, wenn zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf von Zuchtpaaren (30-40 €/Paar) generiert werden können. 

Tab. 3: Betriebseinkommen in der Fleischtaubenerzeugung

Marktleistung (€/Paar und Jahr)60,00
Futter16,20
Elterntiere6,00
Tierarzt/Medikamente/Desinfektion5,00
Heizung/Strom/Wasser5,00
Sonstiges2,00
Schlachtung10,00
Variable Kosten €/Tier44,20
  
DB €/Paar u. Jahr15,80
DB/m² Stall (€)31,60
Pacht Altgebäude2,5
Einrichtung: 10 % AfA, Zins: 5 %/2; Unterhalt 1 %4,05
Festkosten €/Paar u. Jahr6,55
  
Betriebseinkommen/Paar u. Jahr9,25 €

Literatur:

  • BDRG (2019): Zuchttierbestandserfassung – Abschlussbericht 2019. Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e.V. Polykopie BDRG 15.10.2019.
  • Damme K. (1999): Texaner und Hubbel im Mastvergleich. DGS MAGAZIN 48/41-43.
  • Damme K. (2004): Tauben sind sich selbst der beste Ernährungsberater. DGS MAGAZIN 10/44-46.  
  • Damme K (2007) Zucht und Selektion von Wirtschaftstauben Teil 1. DGS MAGAZIN 27/24-29. Teil 2: DGS MAGAZIN 31/31-33.
  • Levi W.M. (1974): The Pigeon. Printed by The R.L. Bryan Company, Columbis, S. C. ISBN 0-910876-01-0.
  • Royer B. (1990): Elevage du pigeon de chair. Les Editions du point Veterinaire 25, rue Bourgelat, 94700 Maisons-Alfort. ISBN 2-86326-072-3.

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