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Autoren:

  • Dr. Klaus Damme, Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügel, Staatsgut Kitzingen
  • Dr. Manfred Golze, Leisnig, ehem. LfULG
  • Dr. Ruben Schreiter, Zentrum für angewandte Forschung und Technologie e.V., HTW Dresden

mit Unterstützung des DLG-Ausschusses Geflügel

Vorkommen und Bedeutung

Die Unterfamilie der Fasane (Phasianus colchicus) ist der Ordnung der Hühnervögel zugehörig. Bei der landwirtschaftlichen Haltung handelt es sich zumeist um Jagdfasane, die vermutlich als Kreuzung verschiedener Varianten (transkaukasischer, chinesischer Ring- oder Reis-, kirgisischer Ring-, japanischer Buntfasan) anzusehen sind (Gauly, 2002). 

In Deutschland werden Fasane nur in wenigen haupt- oder nebengewerblichen Betrieben gehalten. Diese betreiben i. d. R. ein geschlossenes System mit Elterntierhaltung, Kunstbrut und Aufzucht an einem Standort. Vermarktet werden Schlachttiere/-körper saisonal im Oktober bis Dezember und Tiere zum Auswildern für die Jagd oder in selteneren Fällen auch Bruteier und Küken. Zudem besitzen die ausgesprochen attraktiven Federn des Fasans eine Bedeutung als Hutschmuck.

Haltung

Als „minor species“ existieren auch für Fasane in Deutschland keine tierartspezifischen, rechtsverbindlichen Haltungsvorgaben.

Elterntiere zur saisonalen Reproduk­tion im April bis Juli werden in einem Geschlechterverhältnis von 1:7 bis 1:10 in Freiland- oder überdachten Volieren gehalten. Bei einem Platzangebot von 2,5 m2/Tier sind dabei stammweise Anpaarungen in Volieren ebenso möglich wie Großgruppen mit über 100 Tieren. Vorzugsweise werden die Elterntiergruppen bereits im Herbst, spätestens aber ein bis zwei Monate vor Legebeginn (April) zusammengeführt. Nester werden in Volierenhaltungen häufig nur mäßig durch die Hennen zur Eiablage genutzt. Eine regelmäßige Eiabnahme ist wichtig, um eine Verschmutzung der Bruteier und Eierpicken zu vermeiden. Entscheidende Faktoren der 24- bis 25-tägigen Kunstbrut werden in Tabelle 1 dargestellt.

Tab. 1: Brutparameter beim Fasan

PhaseTemperaturRel. LuftfeuchtigkeitWendung
Vorbrut
(1. - 18. Tag)
37,5 - 37,8 °C60 %5x bis 24x
je Tag
Schlupfbrut
(19. - 24. Tag)
37,0 - 37,5 °C80-90 % am
23./24. Tag
keine Wendung
ab 21. Tag

Gauly (2002) 

Die Kükenaufzucht erfolgt zumeist in Bodenhaltung in eingestreuten Kükenringen unter Elektro- oder Gasstrahlern, um dem hohen Wärmebedürfnis der Küken nachzukommen. Eintagsküken können mit Besatzdichten von bis zu 50 Tieren/m2 eingestallt werden, wobei das Platzangebot in den Folgewochen deutlich vergrößert werden muss (ab 4. LW max. 10 Tiere/m2). Eine Umstallung in eine mit Netzen überspannte Flugvoliere kann ab der sechsten Lebenswoche erfolgen, wenn die Jungtiere das Jugendgefieder ausgebildet haben und die Wetterbedingungen günstig erscheinen (warm und trocken). Die Flugvoliere zur Mast bis zur 16.-20. Lebenswoche wird dem hohen Platzbedarf sehr gut gerecht und muss genügend Deckungsmöglichkeiten (z. B. Sträucher, Mais, Topinambur) bieten. Bei extensiver Haltung werden je Mastfasan 4-5 m2 Flugvoliere angeboten. Praktiziert wird auch eine Bodenhaltung der Masttiere mit oder ohne vorgelagerter Außenvoliere mit Besatzdichten von 3-5 Tieren/m2. 

Zur Alimentation sind in der ersten Lebenswoche Stülptränken sowie Futter auf Kükenteller oder Eierhöcker geeignet. Daraufhin werden Futtertröge und Nippeltränken verwendet.

Problematisch zeigt sich zuweilen das Auftreten von Federpicken, Kannibalismus und panikartigen Fluchtreaktionen. Präventiv und als Gegenmaßnahmen haben sich dabei bewährt: Reduktion der Besatzdichte und/oder Lichtintensität, Angebot von Beschäftigungsmaterialien sowie das Strukturieren des Geheges z. B. mit Strohballen.  Abgerundete Stallecken und ausreichend hohe oder mit Netzen abgespannte Decken helfen Tierverluste der flüchtigen Fasane zu vermeiden.

Tab. 2: Anforderungen an das Stallklima

Alter/PhaseTemperatur (°C)Lichtintensität (Lux)
1. LW32 - 3520
2. LW3020
3. LW2810 - 15
4. LW2610 - 15
5. LW20 - 2410 - 15
ab 6. LW18 - 2010 - 15
Elterntiere20 - 24 (> 15)10 - 20

 Gauly (2002)

Fütterung

In der Aufzucht und Mast erfolgt eine Phasenfütterung, die insbesondere im Proteingehalt eine deutliche Absenkung mit zunehmendem Alter vorsieht. Nachdem in freier Natur vorrangig protein- und fettreiche Ameiseneier, Larven und Insekten verzehrt werden, ist der Nährstoffbedarf der Fasane analog zu Perlhuhn und Wachtel nach dem Schlupf sehr hoch. Für die ersten vier Lebenswochen werden 28 % Rohprotein im Alleinfutter empfohlen, was durch den Einsatz von Wild- und Ziergeflügelstarter oder Putenstarterfutter (P1) gedeckt wird. Anschließend werden in der Aufzuchtphase 2 (5.-8. LW) Putenmastfutter (P3) und in der Aufzuchtphase 3 (ab 9. LW) Putenendmastfutter (P5/P6) eingesetzt. Ein weniger intensives Futterprogramm kann durch Kükenfutter in Phase 2 und Junghennenfutter in Phase 3 realisiert werden. 

Zuchttiere besitzen außerhalb der Reproduktionsphase einen ausgesprochen geringen Leistungsbedarf und erhalten Junghennenfutter und Getreide (40-60 %, v. a. Hafer). In der Lege-/Brutsaison wird mit Legehennen- oder Legeputenfutter eine bedarfsorientierte Versorgung mit Energie, Aminosäuren und Calcium sichergestellt. 

Über alle Leistungsstadien haben sich das zusätzliche Verfüttern von Grünfutter und Möhren auch zu Beschäftigungszwecken sehr gut bewährt. Außerdem ist zu beachten, dass bestimmte Kokzidiostatika, die z. B. in Puten- und Broilermastfutter eingemischt sein können, nicht vertragen werden.

Leistung

Die Mast erfolgt bis zum Alter von 16-20 Lebenswochen, sodass ab Oktober die ersten Tiere geschlachtet werden können. Bei einer Futterverwertung von 6 kg Futter je kg Zunahme werden in 20 Aufzuchtwochen Endgewichte von 1.300-1.400 g beim Hahn und 950-1.050 g bei der Henne erzielt. Mit einem Schlachtgewicht von 750-1.200 g ist der Jungfasan ein sehr gut geeignetes Spezialgeflügel und eine Delikatesse für zwei Personen. In der Reproduktionsphase legen die Elterntierhennen von April bis Juli 50-70 Eier, womit von 30-35 geschlüpften Küken je Zuchthenne und Jahr auszugehen ist.

Ökonomie

In modellhaften Kalkulationen lässt sich in einem Betrieb, der einmal jährlich 1.000 Fasane im Altgebäude aufzieht (1.-6. LW) und in einer Flugvoliere mästet (7.-20. LW), ein Zusatzeinkommen von ca. 3.650 € erwirtschaften. Im Preis konkurriert der Fasan aus landwirtschaftlicher Freilandhaltung mit dem auf Niederwildjagden erlegten Jagdfasan, wenngleich sein Fleisch heller, zarter und nicht durch Bleischrote in Mitleidenschaft gezogen wurde. Preise über 13,50 €/kg Schlachtgewicht sind daher die Ausnahme. 

MerkmalEinheitLeistung
Futterverbrauchkg/Tier7
Körpergewichtg1.150
Schlachtgewichtg900
Brustanteil%30
Schenkelanteil%32

DLG (1998), Golze & Wehliz (2012) 

Mastfasane in Bodenhaltung und Flugvoliere

Die Entlohnung der hohen Arbeitszeit für die Bestandsbetreuung und Einsaat/Begrünung der Voliere (2 Akh/Tag im Mai-Dezember) beträgt unter den genannten Voraussetzungen unbefriedigende 7,50 €/AKh. Eine leichte Verbesserung der Erlössituation ist durch den zusätzlichen Lebendverkauf von Jungfasane an Jäger zum Auswildern möglich. Bei einer reinen Bodenhaltung können die recht hohen Kosten für die Flugvoliere eingespart werden.

Tab. 4: Betriebseinkommen der Fasanenmast

Kennzahlen Produktionsverfahren
Produktionsumfang: 1x jährlich 1.000 Tiere
Mastdauer (Wochen)18
Besatzdichte Stall 1.-6. LW (Tiere/m2)8
Platzangebot Flugvoliere ab 7. LW (m2/Tier)0,25
Lebendgewicht (g/Tier)1.150
Schlachtgewicht (g/Tier)900
Futterverbrauch (kg/Tier)7,00
Pacht Altgebäude ca. 125 m2 (€)500
Pacht Flugvoliere ca. 2.000 m2 (€)50
Investition für Einrichtung: Gasstrahler, Kükenring, Nippeltränke, Futtertrog, Futtersilo (€)3.000
Investition für Einfriedung und Übernetzung der Flugvoliere (€)5.000
Schlachtkosten (€/Tier)1,50
Erlös (€/Tier) bei 13,50 €/kg SG12,15
Futter bei 33 €/dt (€/Tier)2,31
Tiere incl. 10 % Verluste (€/Tier)1,93
Tierarzt/Medikamente/R+D (€/Tier)0,30
Heizung/Strom/Wasser (€/Tier)0,25
Sonstige Kosten (€/Tier)0,20
Schlachtung (€/Tier)2,00
variable Kosten (€/Tier)6,99
Deckungsbeitrag (€/Tier)5,16
Pacht Altgebäude & Flugvoliere (€/Tier)0,55
Einrichtung: 10 % AfA, Zins: 2 %/2; Unterhalt 1 % (€/Tier)0,96
Festkosten (€/Tier)1,51
Betriebseinkommen (€/Tier)3,65

Literatur:

  • Damme K. (2016): Wirtschaftlichkeit der Sondergeflügelhaltung. Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügelhaltung, Kitzingen.
  • Gauly, M. (1994): Landwirtschaftliche Fasanenhaltung. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. 
    ISBN 978-3-8001-4530-0.
  • Gauly, M. (2002): Fasanenhaltung in landwirtschaftlichen Betrieben. Lohmann Information 4, 1-4. 
  • Golze, M., Wehlitz, R. (2012): Spezialgeflügel – Erzeugung und Produktqualität. Schriftenreihe des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.
  • Jeroch, H., Simon, A., Zentek, J. (2019): Geflügelernährung. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. 
    ISBN 978-3-8186-0555-1.
  • Scholtyssek, S., Grashorn, M., Vogt, H., Wegner, R.-M. (1987): Geflügel. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.
    ISBN 3-8001-4521-9.

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