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Umgang mit krankem und verletztem Wirtschaftsgeflügel

DLG-Merkblatt 477

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Autoren:

  • Dr. Birgit Spindler, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • Dr. Erwin Sieverding, Praxis am Bergweg
  • Dr. Martina Wolf-Reuter, Praxis am Bergweg
  • Dr. Michael Grashorn

mit Unterstützung von Dr. Christiane Keppler und Inga Garrelfs, LLH/Beratungsteam Tier
unter Mitarbeit des DLG-Ausschuss für Geflügelproduktion

1. Einführung

Ein gesunder, wenig krankheitsanfälliger, robuster Tierbestand ist das Ziel eines jeden Geflügelhaltenden. Prophylaktische Maßnahmen, wie betriebsindividuelle Impfprogramme und Fütterungskonzepte spielen neben der Einhaltung strikter Biosicherheitsmaßnahmen bei der Gesunderhaltung der Tierbestände eine herausragende Rolle. Dennoch lassen sich Erkrankungen von Einzeltieren oder der gesamten Herde nicht gänzlich vermeiden, die eine angemessene Versorgung und Einleitung fachgerechter Maßnahmen erfordern. Tierschutzrechtlich ist die angemessene Versorgung kranker oder verletzter Tiere im § 1 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) geregelt, nachdem niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Die Tierschutznutztierhaltungs-Verordnung (TierSchNutztV) konkretisiert diese Verpflichtung, indem gefordert wird, dass jeder, der Nutztiere hält, sicherstellen muss, dass – soweit erforderlich – unverzüglich Maßnahmen für die Behandlung, Absonderung oder die Tötung kranker oder verletzter Tiere ergriffen werden müssen (§ 4 Abs. 1 Nr. 3 TierSchNutztV).

Die Erkennung kranker und verletzter Tiere, ebenso wie die Entscheidung, welche Maßnahmen für jedes Tier im Einzelfall erforderlich sind, erfordert ein hohes Maß an Entscheidungskompetenz. Hierfür muss der Tierhaltende bzw. der Tierbetreuende über ausreichende Fachkenntnisse und Fähigkeiten
verfügen.

Neben der Einleitung erforderlicher Maßnahmen beim erkrankten oder verletzten Einzeltier muss der Tierhaltende bzw. der Tierbetreuende immer auch nach der Ursache und möglichen Auslösern suchen.Sind diese gefunden, sind direkt Gegenmaßnahmen und Abhilfe einzuleiten, um damit nach
Möglichkeit auch eine Ausweitung zu einem Bestandsproblem zu verhindern.

Das vorliegende Merkblatt soll dem Tierhaltenden bzw. dem Tierbetreuenden Hilfestellung geben, wie kranke und verletzte Tiere in einem Geflügelbestand schnellstmöglich erkannt werden können und wie dann weiter mit den Tieren zu verfahren ist. Anhand von Entscheidungskriterien wird beschrieben, wann ein Tier in der Gruppe verbleiben kann, wann es separiert und behandelt werden muss/sollte und wann und wie eine tierschutzkonforme Tötung von Tieren vorzunehmen ist, um ihnen hiermit länger anhaltende Schmerzen und Leiden zu ersparen. Neben rechtlichen Vorgaben zum Umgang mit kranken Tieren und zur Betäubung und Tötung mit möglichen, zulässigen Verfahren für die jeweilige Geflügelart werden Hinweise zur Gestaltung eines Separationsabteils gegeben.

Abbildung 12 und 13: Im Vorraum eingerichtete, mobile Separationsabteile (© Keppler)

Kontakt

DLG e.V. • Michael Biallowons • Tel.: +49(0)69/24 788-209 • m.biallowons@DLG.org