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"Die Kulturen sind früher erntereif"

Daniel Lampart aus der Schweiz setzt auf Biogas

DLG-Mitglied Daniel Lampart aus der Schweiz nutzt die Biogas-Wärme auf seinem Hof. Im DLG-Interview spricht der Landwirt über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Alpenland und die Folgen des Klimawandels.

DLG: Wie managen Sie als Landwirt und Geschäftsführer Ihren Alltag?

Daniel Lampart: Mit 17 ha landwirtschaftlicher Fläche ist die Organisation überschaubar. Wichtig ist für mich, gute Mitarbeiter zu haben, denen ich vertrauen kann und dass der Betrieb im Auge gehalten wird. Es ist gut zu wissen, dass die täglichen Arbeiten erledigt werden, wenn ich für die Firma Agrigas unterwegs bin.

Welche Vorteile haben Sie mit der Nutzung von Biogas zur Strom- und Wärmeerzeugung?

Unsere Biogasanlage funktioniert mit 85 Prozent Hofdünger und 15 Prozent Co-Substraten. Das sind regionale Produkte aus dem Getreideabgang, aus der Obstsortierung, aus Fettabscheidern und anderem. Hofdünger sind in unserer Region genügend vorhanden. Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen als Hauptkulturen für die Biogasanlage ist ja verboten. Mit den Gärresten habe ich einen qualitativ guten Dünger. Die Nachfrage ist groß. Mit der Biogasanlage erwirtschafte ich eine größere Wertschöpfung als mit einer Photovoltaikanlage.

Es ist für uns das Einfachste, Strom zu produzieren, da die Leitungen schon vorhanden sind. Die Wärme wird auf dem Hof und von einem Nachbarn genutzt. Im Sommer trocknen wir damit Heu.

Unsere Biogasanlagen werden immer nach dem gleichen Muster gebaut. Angepasst wird nur die Größe. Sie müssen effizient und einfach gebaut sein. Wichtig ist, dass hochwertige Komponenten verwendet werden, um die Wirtschaftlichkeit zu sichern, damit nicht an den Reparaturen und Störungen die Freude vergeht.

Spüren Sie die Folgen des Klimawandels wie Hitzewellen, Trockenheit oder Überflutungen auf Ihren Feldern?

Klar spüren wir den Klimawandel, der zeichnet sich auch durch weniger Schnee, weniger Regen und heißere Sommer aus. Die Kulturen sind teilweise früher erntereif. Die Vegetationszeit ist länger.

Auch haben wir teilweise höhere Erträge vor allem im Grünland. Die Ernte war 2023 sehr erfreulich. Bei der Gerste konnten wir sehr hohe Erträge erwirtschaften. Wir bauen nunmehr Triticale statt Weizen an, da Triticale für unsere Region geeigneter ist und ein höheres Ertragspotenzial liefert.

Die EU Kommission plant, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu beschränken. Wie sieht es in der Schweiz aus?

Da die Schweiz kein EU-Land ist, müssen wir keine EU-Maßnahmen umsetzen. Aber auch in der Schweiz haben wir strengere Vorschriften,was den Pflanzenschutz angeht. Wir müssen Abstände zu Gewässern einhalten und den Abdrift reduzieren. Einige Pflanzenschutzmittel sind verboten. Probleme gibt es vor allem im Raps und Zuckerrübenanbau.

Ohne Pflanzenschutzmittel erreichen wir mindere Erträge. Wir haben die Aufgabe, heimische Lebensmittel und Futtermittel selbst zu produzieren und nicht noch abhängiger vom Ausland zu werden. Ich habe Freude daran, wenn ich Kulturen ernten kann, die ich über das Jahr hinweg gepflegt habe.

Das Ernährungsverhalten ändert sich. Wird konventionell produziertes Fleisch zum Nischenprodukt?

Das Ernährungsverhalten unserer Konsumenten richtet sich vorwiegend nach dem Geldbeutel.  Es gibt aber auch Konsumenten, die regionale Produkte vorziehen und bei denen der Preis weniger eine Rolle spielt. Das konventionelle Fleisch wird weiterhin das meistverkaufte Fleisch sein. In der Schweiz ist das QM-Fleisch aus konventioneller Haltung am meisten verbreitet. Dann folgen Fleisch aus Biohaltung und Erzeugnisse, die mit bestimmten Haltungs-Labels versehen sind.

Wie halten Sie sich als DLG-Mitglied auf dem Laufenden?

Ich lese die Nachrichten, die ich  per E-Mail erhalte und freue mich jedes Mal, wenn die Fachzeitschrift „DLG-Mitteilungen“ im Briefkasten liegt. Es Interessiert mich sehr, was die Landwirtschaft in der EU aktuell beschäftigt.


Interview: Erminia Ciarleglio,
DLG-Mitgliederservice,
e.ciarleglio@dlg.org

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Zur Person:

Daniel Lampart aus Mauensee in der Schweiz ist seit mehr als zwölf Jahren DLG-Mitglied. Er bewirtschaftet einen landwirtschaftlichen Betrieb von 17 ha und baut Körnermais, Raps, Gerste und Weizen an. Die Geflügelhaltung umfasst 4.800 Legehennen. Lampart ist Geschäftsführer von Agrigas, ein Unternehmen, das die Planung und den Bau von Biogasanlagen durchführt. Er selbst betreibt eine eigene Biogasanlage. (DLG)