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Produktionstechnik in der Saatgutvermehrung

Zum 63. Mal fand die DLG-Gräsertagung im November in Bonn statt. Mehr als 70 Interessierte waren der Einladung zum Austausch über Agrarpolitische Herausforderungen, zum Umgang mit herbizidresistentem Weidelgras, der Bestimmung der Pollenvitalität in Rotklee und der Züchtung im Ökolandbau gefolgt. 

Die Herausforderungen für die Zukunft der Landwirtschaft sind von der geplanten Agrarpolitik geprägt. Der europäische Green Deal und die Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission formulieren für die Pflanzenproduktion Ziele, die bis 2030 erreicht werden sollen. Der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen soll auf 25 Prozent steigen, Nährstoffverluste sollen halbiert und die Anwendung sowie das Risiko durch Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent gesenkt werden. Zwar sind Detailfragen noch offen, doch steht die Richtung fest. Zu diesen Vorgaben kommen aktuell pflanzenbauliche und marktbedingte Herausforderungen, die die Futterpflanzenbranche bewegen.

Herbizidresistenz nimmt zu

An erster Stelle ist der richtige Umgang mit Weidelgräsern innerhalb der Fruchtfolge zu nennen. Dabei gilt es, die Vermehrung und auch den Absatz bei zunehmender Herbizidresistenz für die Zukunft zu sichern. Hierbei sind umfangreiche ackerbaulichen Maßnahmen von Fruchtfolge, Saattermin und mechanischer Bearbeitung von großer Bedeutung.

Rechtliche Vorgaben für das Inverkehrbringen von Saatgut von Arten außerhalb des Artenverzeichnisses und auch das neue Saatgutrecht beschäftigen ebenfalls die Branche. Aktuell findet keine lückenlose Kontrolle von Saatgutmischungen hinsichtlich unerwünschter Arten statt, sofern nicht geregelte Arten eingemischt werden. Es obliegt der Eigenverantwortung des Inverkehrbringers, vor dem Einmischen Untersuchungen auf Besatz durchzuführen, um einer Ausbreitung entgegenzuwirken.

Vielfältiger Anbau von 16 Kulturen

Wie die vielen Herausforderungen in der Praxis umgesetzt werden können, zeigte Lutz Wercham aus Letschin, Brandenburg. Der Landwirt baut auf 700 ha 16 Kulturen an wie Weizen, Ringelblumen, Malven, Dill und kleinem Wiesenknopf, Lein, Kartoffeln und vermehrt Gräser auf seinen Flächen.

Den Part ökologischer Landbau übernahm Dr. Markus Herz von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Er stellte ein Projekt des bayerischen Agrarministeriums vor, in dem es gelungen ist, die Züchtung von Nutzpflanzen für den ökologischen Landbau unter Beteiligung der gesamten Wertschöpfungskette auf eine breite Basis zu stellen. Insgesamt zehn namhafte Referenten schärften mit ihren Beiträgen den Blick und stellten Innovationen wie beispielsweise die Bestimmung der Pollenvitalität bei Rotklee vor. An die Vorträge schlossen sich teils kontroverse Diskussionen an. Insgeamt stärkte und baute die Tagung das Netzwerk aus. Wenn Sie Interesse an diesen Themen haben, merken Sie sich den 5. November 2024 für die nächste Gräsertagung vor.

Joachim Hütter, Vorsitzender des Ausschusses Gräser, Klee und Zwischenfrüchte.


Siv Biada, Geschäftsführerin,
DLG-Ausschusses für Gräser, Klee und Zwischenfrüchte
s.biada@dlg.org