DLG-Lebensmittel – 1/2026 Sensorik | 11 SensoPLUS demonstrierte zudem, wie digitale Tools den Entwicklungsprozess unterstützen und schnellere Auswer tungen ermöglichen. Pilzmyzel: Nachhaltiges Multitalent für Geschmack und mehr Benjamin SchrammVölkening, KYNDA Biotech, gab ei nen Überblick über die Fermentation und zeigte, wie die industrielle Biomassefermentation von Pilzmyzel einen effizienten, proteinreichen Rohstoff liefert. Myzelien besit zen zudem von Natur aus ein hochwertiges Nährstoffpro fil, eine faserartige Textur und ausgeprägten UmamiGe schmack. Sie eignen sich für vielfältige homogene sowie hybride Rezepturen. Zusätzlich erzeugen bestimmte Pilze während der Fermentation Moleküle mit KokumiEffek ten, die andere Aromen verstärken und CleanerLabeling unterstützen. Die Technologie erfüllt heutige Nachhaltig keitsanforderungen, da sie häufig Nebenströme wie Okara oder Molke nutzt. Herausforderungen bestehen u. a. in der Auswahl geeigneter Myzelstämme, der Skalierbarkeit und der teils relevanten NovelFoodRegulierung, die laut SchrammVölkening jedoch gut beherrschbar sind. Sensorische Sprache: Fundament für Entwicklung und Qualitätssicherung Linh Tran, ZHAW, Schweiz, zeigte im Block „Qualität ganz heitlich managen“, wie ihr Team eine sensorische Spra che für neue pflanzliche Proteine entwickelt hat. Durch die Analyse flüchtiger Hauptaromakomponenten entstanden spezifische AromaKits, die sowohl die SensorikPanels in der Produktentwicklung als auch in der Qualitätssicherung unterstützen. Sie helfen, Rezepturen zu gestalten und die Einhaltung definierter sensorischer Produktstandards zu überprüfen. Dies ist besonders wichtig, da Plantbased Proteine während der Verarbeitung und Lagerung oft an dere FlavourProfile entwickeln als tierische Pendants. Mikrobielle Interaktionen und Food Safety Tobias Hennes, FFoQSI/Universität Wien, machte deut lich, dass die mikrobielle Sicherheit von Fleischalterna tiven und anderen plantbased Produkten häufig un terschätzt wird. Er betonte, dass es kaum spezifische Grenzwerte, sondern nur allgemeine Orientierungswerte (EUVO 2895/2024 und 2073/2005) gebe. Studien zei gen teils relevante Keimbelastungen bis zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD). Die mikrobiologische Grundbelastung hängt von Rohstoffherkunft und qualität, Verarbeitung und Betriebsstruktur ab. Besonders kritisch sind seinen Worten zufolge Betriebe, die sowohl tierische als auch pflanzliche Produkte verarbeiten. Hennes plädier te für ein konsequentes EndtoendRisikomanagement mit hoher Rohstoffqualität, angepasstem Hygiene und HACCPSystem sowie regelmäßigen Schulungen, um Rekontaminationen zu vermeiden. Pflanzlich, aber hochverarbeitet? Viele PlantbasedProdukte sind stark verarbeitete Con venienceLebensmittel, die häufig bewusst als Genuss produkte gestaltet werden und damit Teil der Kategorie Ultra processed Food (UPF) sind. Ihr sensorisches Profil ist meist überladen: Fett, Salz, Zucker oder funktionelle Zusätze, Aromen fördern den Konsum, während sie ernäh rungsphysiologisch oft schlechter abschneiden. Epidemiologische Studien belegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen hohem UPFVerzehr und Adi positas, Krebs sowie HerzKreislaufErkrankungen. Prof. Dr. Jakob Linseisen, Universität Augsburg, erläuterte den aktuellen Forschungsstand und das umstrittene NOVA Klassifizierungssystem. Er verwies zudem auf die wis senschaftlich fundierten Ernährungsempfehlungen der DGE, die sich an der PlanetaryHealthDiet orientieren. Politik und Ernährungswirtschaft müssen gemeinsam eine gesunde, nachhaltige Ernährungsumgebung schaf fen, Informationskampagnen allein reichen nicht. Geschmack, Qualität, Tempo – und KI als Gamechanger Prof. Dr. Christian Klein, UMYNO Solutions, zeigte, wel ches Potenzial KI in der Qualitätssicherung und Pro duktentwicklung bietet. Während KI bisher vor allem im Marketing eingesetzt wird, könnten digitalisierte Prozes se und intelligente Systeme den hohen Zeit und Leis tungsdruck in der Entwicklung deutlich reduzieren. Indem man unnötige Brüche zwischen verschiedenen Medien vermeidet, Rezepturen digital abbildet und getrennte Softwarelösungen vernetzt, lassen sich Abläufe effizien ter gestalten, Kosten senken und die Datenqualität deut lich verbessern. Digitale Produktmodelle könnten künftig Funktionalitäten und Aromaprofile matchen und so Entwicklungszeiten verkürzen. Ein Vorteil angesichts immer kürzerer TimetoMarketZyklen. Fazit: Vielfalt als Schlüssel ProteinReformulierung bietet große Chancen, wenn Si cherheit, Nährwert, Genuss und Nachhaltigkeit gemein sam gedacht werden. Menschen wünschen sich Vielfalt statt Verbote. Hafer und Kuhmilch im selben Kühlschrank zeigen das längst. Damit Innovation und Lebensmittel sicherheit ankommen, braucht es ein EndtoendQua litätsverständnis, interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein greifbares OneHealthPrinzip. Nur so kann weiteres Vertrauen in Lebensmittel und eine vielfältige Ernährung entstehen, die Mensch, Tier und Planet zugutekommt. Kontakt: Bianca Schneider-Häder DLGProjektleiterin Lebensmittelqualität und Sensorik b.schneider@dlg.org