DLG e.V. - Mobbing ist kein Kavaliersdelikt!

Mobbing ist kein Kavaliersdelikt

Juliane Vees zu einer Belastung vieler landwirtschaftlicher Familien

In Zeiten von „Fridays for Future“ und „Farmers for Future“ ist unser Berufsstand in den Medien sehr präsent. Oft wird über Landwirtschaft und Landwirtinnen und Landwirte berichtet und das nicht immer positiv. Auch im privaten Umfeld gibt es dadurch vermehrt kritische Nachfragen, die wir Bäuerinnen und Bauern auch gerne beantworten, denn nur mit Transparenz, Offenheit und Dialog können wir den Verbrauchern gemeinsam die heutige Landwirtschaft wieder näher bringen.

Doch was nicht nur im Zuge dieser Debatte, sondern bereits seit Langem landwirtschaftliche Familien im Alltag belastet, ist das Mobbing von Bauernkindern aufgrund ihrer Herkunft. Unser LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern hat vor rund 1,5 Jahren eine Online-Umfrage zu genau diesem Thema, zu Mobbing an Bauernkindern gestartet. Diese Umfrage war nicht repräsentativ, aber die Äußerungen der Befragten und die Ergebnisse bewegten uns im Verband und auch mich persönlich sehr.  

Etwas mehr als die Hälfte der TeilnehmerInnen, 50,3 Prozent, gaben an, dass sie selbst vom Bauernhof stammen und von Mobbing betroffen sind oder waren. 75 Prozent der TeilnehmerInnen gaben an, dass sie Kinder kennen, die aufgrund ihres landwirtschaftlichen Hintergrundes gemobbt wurden. Dabei wurden nicht nur Mitschüler als „Mobber“ identifiziert, sondern in etwa einem Drittel der in der Befragung angegebenen Fälle wurden auch ErzieherInnen/LehrerInnen angegeben. Leider konnten die Probleme bei den betroffenen Familien nur durch einen Schulwechsel wirklich gelöst werden, etwas mehr als die Hälfte der Befragungsteilnehmer gaben an, keine Hilfe erhalten zu haben.

Wir als Verband empfehlen daher allen Betroffenen, sich möglichst schnell professionelle Hilfe zu holen. Oft wollen die Kinder nicht, dass man etwas tut, aus Angst vor weiteren Zuspitzungen. Dies verlängert jedoch nur das Martyrium des Kindes, man verliert wertvolle Zeit! Der Leidensdruck für Kinder und Eltern, die betroffen sind, ist riesig.

Wir setzen uns daher auf allen Ebenen stark für Mobbing-Prävention und für die Betroffenen ein und haben in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium Baden-Württemberg einen Leitfaden für Eltern betroffener Kinder entwickelt. Dieser Leitfaden soll „Erste Hilfe“ leisten und Einrichtungen nennen, an die sich betroffene Familien mit ihren Sorgen wenden können. Der Leitfaden steht unter https://www.landfrauenverband-wh.de/mobbing/ zum Download bereit.

Um Mobbing vorzubeugen, ist es wichtig, gerade auch Lehrkräfte in diesem Bereich fortzubilden und dafür zu sensibilisieren, keine tendenziöse Darstellung im Unterricht zu fördern. Unterrichtsmaterialien und Schulbücher müssen überprüft werden, da diese, je nach Darstellung und Verlag, eine negative Stimmung gegenüber Landwirten und deren Kindern erzeugen und fördern können. Genauso, wie radikale Tierrechts- und Umweltgruppierungen nichts in Schulen zu suchen haben! Leider trägt auch die spürbare Entfremdung der Verbraucher von der Landwirtschaft zu dieser Stimmung bei.

Daher rufen wir unsere Berufskolleginnen und -kollegen auf: Öffnet eure Hoftore für Interessierte, seid offen für Fragen und einen konstruktiven Dialog und zeigt allen, dass wir mit viel Verantwortung tagtäglich unsere Arbeit auf unseren Höfen machen. Erklären wir den Verbraucherinnen und Verbrauchern, wie Landwirtschaft heute funktioniert, denn viele wissen dies nicht (mehr) und können uns daher auch nicht verstehen. Seien wir so auch Vorbild für unseren Nachwuchs und stärken wir unseren Kindern den Rücken, indem wir selbst zu Recht stolz auf unsere Arbeit sind - damit Mobbing keine Chance hat!