DLG e.V. - „Animal welfare“ auf asiatisch

„Animal welfare“ auf asiatisch

Gerhard Wagner zur boomenden Geflügelwirtschaft in Thailand

Gerhard Wagner, Präsident des European Poultry Clubs (EPC)

Prognosen gehen von einer deutlichen Zunahme der Geflügelfleischproduktion in den kommenden Jahren aus. Mit steigendem Einkommen in Entwicklungs- und Schwellenländern nimmt der Fleischkonsum zu – und dabei zunächst jener von Geflügelfleisch.

Hähnchenfleisch kann als Ausdruck steigenden Wohlstands gesehen werden. Besonderer Pluspunkt des Geflügels ist, dass es, anders als bei den anderen Fleischarten, keine religiösen Restriktionen gibt.

In der Produktion von Hähnchenfleisch haben die Entwicklungs- und Schwellenländer in der Gesamtmenge die Industrieländer bereits überholt. Die USA stehen 2015 weiterhin an der Spitze,  gefolgt von Brasilien und China. Die EU rangiert erst an vierter Stelle. Besonders interessant war es deshalb für uns als Mitglieder des European Poultry Clubs (EPC), die Produktionsbedingungen in Thailand anzuschauen. Das Land ist weltweit viertgrößter Hähnchenexporteur.
 
Einmal mehr wurde uns vor Augen geführt, wie stark sich die Produktionsweisen international unterscheiden. So besichtigten wir einen neu gebauten Legehennenstall mit erweiterten Käfigen, der dort dem neuesten Stand der Technik entspricht . Während der Besichtigung eines Schlacht- und Verarbeitungsbetriebes sind uns vor allem die intensive Handarbeit sowie die starke Veredelung zu Convenience-Produkten für die Hauptexportziele Japan und EU aufgefallen.

Der hohe Veredelungsgrad bietet den Vorteil einer höheren nationalen Wertschöpfung und kompensiert damit zum Teil die Wettbewerbsnachteile, mit denen Thailand aufgrund der geringen Ressourcenausstattung konfrontiert ist. Der Einfluss der Weltmarktpreise für Futtermittel auf das Endprodukt wird somit abgeschwächt.

Da die thailändische Geflügelwirtschaft sehr stark auf den Export ausgerichtet ist, wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, die Gesundheits- und Hygienestandards in den Abnehmerländern zu erfüllen. Aus Deutschland und anderen wohlhabenden Ländern Europas sind wir gewohnt, dass Gesundheits- und Hygieneaspekte in der Nahrungsmittelproduktion selbstverständlich sind und die Bevölkerung den Aspekten des Tierwohls einen hohen Stellenwert einräumt. In Thailand wird ebenfalls von „Animal Welfare“ gesprochen, aber von einem anderen Verständnis ausgegangen. Umgesetzt wird nur, was notwendig ist, um den Ansprüchen der Importländer zu genügen.

Mit Blick auf die weltweite Geflügelproduktion sind die Ausbrüche der Aviären Influenza ein hochbrisantes Thema. Besonders betroffen sind die Haupterzeugerregionen für Geflügel – mit Ausnahme von Lateinamerika, das bisher verschont geblieben ist. Thailand konnte den Ausbruch der Aviären Influenza 2004/05 relativ gut überstehen, und die dortige Geflügelwirtschaft hat sich seither gut erholt. Besonderen Anteil daran hat nach Aussagen der Verbandsvertreter vor Ort die sehr erfolgreiche und enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Regierung, wenn es darum geht, Krisen zu meistern und Lösungen zu finden.

Lesen Sie hierzu auch "Das Thai-Hähnchen ist ein Juiwel"

 

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