mentendaten oder zur Unterstützung von Kampagnen- planung. Danach folgen Bereiche wie Supply Chain Ma- nagement, Logistik und Automatisierung. Hier geht es weniger um sichtbare KI, sondern um Systeme, die im Hintergrund Prognosen erstellen, Prozesse stabilisieren oder helfen, Ressourcen effizienter einzusetzen, etwa bei der Produktionsplanung oder der vorausschauen- den Wartung von Anlagen. Viele Unternehmen nehmen KI vor allem noch über bekannte, generische Anwen- dungen wahr, etwa Text- oder Bildgeneratoren. „Diese haben ihre Berechtigung, sind aber nur ein kleiner Aus- schnitt dessen, was KI entlang der Kette leisten kann“, sagt Haase. „In den eigentlichen Kernbereichen der Lebensmittelwirtschaft, etwa Forschung & Entwicklung, Qualitätsmanagement, bleibt KI bislang die Ausnahme.“ Gefragt ist Übersetzungswissen Neben fehlendem Know-how sowie Unsicherheit bei Kosten und Nutzen ist es der Fachkräftemangel, der derzeit vielerorts die Umsetzung ausbremst. „Unter- nehmen brauchen kein Heer von Data Scientists, sie brauchen aber wohl Mitarbeiter, die verstehen, wie KI funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und wie Ergebnisse einzuordnen sind“, betont Haase. Gefragt sind aus sei- ner Sicht Menschen, die KI-Ergebnisse verstehen, hin- terfragen und verantworten können. Dieses „Überset- zungswissen“ zwischen Technologie, Fachbereich und Management werde zunehmend zum Erfolgsfaktor. Neue Aufgaben für Food-Ingenieure Hier liegt die Chance für Lebensmittelwissenschaftler, Lebensmitteltechnologen und verwandte Studiengänge. Wer heute zusätzlich Kompetenzen in Datenanalyse, Digitalisierung oder KI-Anwendungen aufbaut, erweitert sein Berufsprofil erheblich. Die Branche benötigt Fach- kräfte, die technologische Entwicklungen nicht nur ver- stehen, sondern in sichere, marktfähige und nachhaltige Produkte übersetzen können. Für die nächste Generati- on von Absolventen bedeutet das: Ihr Aufgabenfeld wird breiter, interdisziplinärer und digitaler. Sie entwickeln nicht nur Produkte, sondern gestalten die Schnittstelle zwischen Technolo- gie, Daten und Verbraucher- bedürfnissen. Wer diese Job-Barometer | 11 10 Kernaussagen des Digital-Food-Monitor 1. KI ist für die Branche kein Spielzeug mehr. 2. Der Mittelstand denkt mit. 3. Von der Vision zu Pilotprojekten. 4. Diskurs und Wirklichkeit klaffen auseinander. 5. Marketing als KI-Vorreiter. 6. 7. Förderung? Kaum genutzt, selten wirksam. 8. Fachkräftemangel bremst KI-Einsatz. 9. Netzwerke fehlen dort, wo’s drauf ankommt. 10. Ethik? Noch eine Leerstelle. Quelle: Digital-Food-Monitor 2025 Innovation? Noch Fehlanzeige. digitalfoodmonitor.com Rolle einnimmt, wird zu einem wichtigen Treiber der Transformation in der Lebensmittelindustrie. Wandel aktiv mitgestalten Die Zukunft der Lebensmittelwirtschaft wird nicht allein durch neue Technologien entschieden, sondern durch die Fähigkeit, Innovationen in gesellschaftlich akzep- tierte Lösungen zu übersetzen. Davon ist Hanni Rützler überzeugt. In ihrem Vortrag beim DIL Innovation Day 2026 unterschied die Zukunftsforscherin vier Archety- pen für eine aktive Zukunftsgestaltung: Die Forsche- rin, den Unternehmer, die Pionierin und den Visionär. Zukunftsfähige Teams benötigten alle vier Perspekti- ven. Analysen allein führten ebenso wenig zum Ziel wie Visionen ohne Umsetzung. Innovation entstehe dort, wo Erkenntnis, Experiment, unternehmerische Gestal- tung und ein überzeugendes Zukunftsbild zusammen- kommen. Für Berufseinsteiger bedeutet das: Gefragt sind nicht nur fachliche Expertise und technologisches Know-how, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Zu- sammenhänge zu verstehen, interdisziplinär zu arbei- ten und Wandel aktiv mitzugestalten. Denn, so Rützler, „Zukunft entsteht immer im Hier und Jetzt“ – durch die Entscheidungen, die Unternehmen und ihre Mitarbei- tenden heute treffen. (Mehr dazu im anschließenden Interview mit Hanni Rützler.) n n a merm © E n gel & Zim Frank Schroedter (links) ist Geschäftsführer von Engel & Zimmermann. Hendrik Haase ist Publizist und begleitet Unternehmen, Verbände und Institutionen an der Schnittstelle von Ernährung, digitalem, ökologischem und gesellschaftlichem Wandel. © Anika Mester