DLG-Feldtage 2026: Nachhaltig, produktiv und zukunftsgewand in der gesamten Wertschöpfungskette

Vom 16. bis 18. Juni 2026 – Internationales DLG-Pflanzenbauzentrum Bernburg – Leitthema „Pflanzenbau out of the Box“ – Wirtschaftlicher Erfolg entlang der Wertschöpfungskette – Planting Green für mehr Resilienz im Ackerbau – Female Futures Tour – dlg-feldtage.de

Die DLG-Feldtage 2026 setzten an Tag Zwei, Mittwoch, dem 17. Juni, in Bernburg starke inhaltliche Akzente: Wie Nachhaltigkeitsziele und wirtschaftlicher Erfolg entlang der Wertschöpfungskette Getreide zusammenwachsen können, wie Klimawirkungen im Ackerbau einheitlich und praxistauglich bilanziert werden, welchen Beitrag Zwischenfrüchte zur Bodenfruchtbarkeit und Ressourcenschonung leisten und wie die Pflanzenschutzmittelpolitik effizienter, praxistauglicher und zugleich nachhaltiger werden kann – diese Fragen standen im Mittelpunkt des zweiten Veranstaltungstages. Darüber hinaus zeigte die Female Futures Tour eindrucksvoll, wie Frauen die Zukunft der Agrarbranche aktiv gestalten.

Oben auf der To-Do-Liste der gesamten Wertschöpfungskette Ackerbau und Getreide steht die Fragestellung, wie sich Nachhaltigkeitsziele mit lukrativen Geschäftsmodellen vom Landwirt bis zum Lebensmitteleinzelhandel verknüpfen lassen. Das gelingt am besten, wenn Anforderungen der Verbraucherinnen und Verbraucher an Lebensmittel gleichzeitig auf beispielsweise einen geringeren CO2-Fußabdruck einzahlen. Den Wunsch nach regional erzeugten Lebensmitteln bezeichneten Aussteller aus dem Lebensmitteleinzelhandel als intakt. Verbraucher würden es honorieren, wenn auf den Produkten im Lebensmitteleinzelhandel die Lieferkette vom Feld bis zum Teller transparent nachvollziehbar sei, etwa über den Scan eines QR-Codes auf der Verpackung. Das wurde in einer Diskussionsrunde im DLG-Spotlight Wertschöpfungskette Weizen deutlich. Weitere Teilnehmende des Gesprächs wiesen darauf hin, dass mehrere Faktoren Nachfragetrends bei Verbrauchern bestimmten. So etwa ein steigendes Gesundheitsbewusstsein die Nachfrage nach alkoholhaltigen Getränken wie Bier. Hier sind Brauereien gefordert – und vorgelagert die Rohwarenlieferanten betroffen. Die Einbecker Brauhaus AG habe bereits seit Jahren alkoholfreie Biere in ihre Produktpalette mit aufgenommen und weitere alkoholfreie Softdrinks, weiß der Technische Leiter und Erste Braumeister Christoph Benseler. Die Erweiterung der Produktpalette sei wichtig – denn die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier kompensiere nicht eins zu eins den Nachfragerückgang bei alkoholhaltigem Bier.

Zwischen Mehl und Markt: Klimawirkung messen, aber wie? 

Wie können Klimawirkungen entlang der Wertschöpfungskette Ackerbau wirksam und effizient für alle Branchenteilnehmer bilanziert werden? Das war Thema im Pop-up Talk der "Initiative Plattform Ackerbau – Zwischen Mehl und Markt: Klimawirkung messen, aber wie?“. Konstanze Fritzsch, Anbauberatung/Nachhaltigkeit bei der Bindewald & Gutting Mühlengruppe, wies vor allem auf die Erfordernis hin, die Standards zur Klimabilanzierung von Getreide europaweit zu harmonisieren. Momentan würden in der Wertschöpfungskette mehrere Tools und Systeme zur Bilanzierung der Klimawirkung von Getreide auf den unterschiedlichen Stufen von Erzeugung, Verarbeitung und Handel parallel genutzt. Dadurch fehle nicht nur ein verlässlicher Benchmark, um CO2-Reduktionen transparent zu messen; auch sei der Aufwand für alle Beteiligten in der Branche enorm. Andreas Hohlt, Nachhaltigkeitsmanager bei Lieken Brot und Backwaren, bekräftigte: „Wir wollen den Workload der Datenermittlung beim Landwirt so gering wie möglich halten.“

Zwischenfrüchte helfen bei Nährstoffversorgung

Am Spotlight Planting Green wurde im Pop-up Talk „Zwischenfrüchte und Planting Green - die richtige Strategie für den Betrieb“ herausgearbeitet, wie Zwischenfrüchte und Direktsaat die Landwirtschaft nachhaltiger und resilienter machen können. Dazu unterhielten sich Fiene Kaufmann von der Saaten-Union, Anton Fuchs, Betriebsleiter bei Doerr-Agrar und Jan-Hendrik Schulz, Deutsche Saatveredelung AG. Seit rund viereinhalb Jahren setzt die Doerr-Agrar auf eine konsequente Begrünung, um Bodenleben zu aktivieren, Erosion zu vermeiden und Wasser sowie Nährstoffe effizienter zu nutzen. Entscheidend ist dabei nicht die Masse der Zwischenfrucht, sondern deren Qualität – insbesondere ein angepasstes C/N-Verhältnis, das die Nährstofffreisetzung steuert.

Gezielt eingesetzte Mischungen, inklusive Leguminosen, verbessern zudem das Unkrautmanagement und reduzieren den Einsatz von Betriebsmitteln. Frühzeitige Aussaat, passende Sortenwahl und die richtige Technik sind zentrale Erfolgsfaktoren. Herausforderungen wie Schneckenbefall oder Mäuse erfordern ein angepasstes Management.

Das Fazit der Praxis: Zwischenfrüchte sind ein zukunftsweisendes Instrument für klimaangepasste Landwirtschaft – sie stärken die Bodenfruchtbarkeit, erhöhen die Befahrbarkeit und leisten einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung sowie Betriebsmitteleinsparung.

Neuausrichtung der Pflanzenschutzmittelpolitik – Politik als Treiber oder Hemmschuh für neue Wirkstoffe? 

Die Zulassung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen hat ein kritisch niedriges Niveau erreicht – mit spürbaren Folgen für den Anbau von Zuckerrüben, Kartoffeln, Raps und weiteren Feldfrüchten. In einer Podiumsdiskussion auf der DLG-Plaza Stage diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung und Praxis über Wege aus der Krise. Einigkeit bestand darin, dass Zulassungsverfahren beschleunigt und vereinfacht werden müssen – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Während EU-Omnibus-Verfahren Bürokratie abbauen sollen, forderten Praktikerinnen und Praktiker einen konsequent risikobasierten Bewertungsansatz ohne Absenkung des Schutzniveaus. Klar wurde auch: Politische Ziele und praktische Umsetzung klaffen noch zu weit auseinander. Veränderungen müssen für die landwirtschaftliche Praxis spürbar werden, brachte Anna Aeikens (CDU/CSU-Bundestagsfraktion) in die Diskussion ein.

„Female Futures Tour – Frauen gestalten Landwirtschaft“ 

Starke Stimmen für die Landwirtschaft von morgen präsentierte die Female Futures Tour des DLG-Netzwerks Female Agri Fellows. Moderiert von Nathalie Joest, Bereichsleiterin Communities bei der DLG, hatten mehr als 20 Frauen die Möglichkeit, den Werdegang und die Projekte verschiedener Expertinnen kennenzulernen. Maria Valtin beispielsweise, Agraringenieurin bei der BASF SE, ermutigte die Teilnehmerinnen, sich auch in großen Unternehmen mutig hervorzutun und machte mit ihrer eigenen Geschichte sichtbar, wie sich Familie und Karriere vereinbaren lassen. Als Geschäftsführerin der SKW Piesteritz zeichnete Antje Bittner ihren Weg von der Vertriebsangestellten bis in den Vorstand des Unternehmens nach und zeigte so in inspirierender Weise, dass Frauen die Agrarbranche und ihre Zukunft aktiv mitgestalten.


Mitveranstalter der DLG-Feldtage 2026 sind das Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt (MWL), gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) und die AGRAVIS Raiffeisen AG.

Als Fachpartner der DLG-Feldtage 2026 werden die Vereinigte Hagelversicherung VVaG, die Union zur Förderung der Öl- und Proteinpflanzen e. V., die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sowie weitere Organisationen und Institutionen die Freilandausstellung im Rahmen des fachlichen Programmes unterstützen.

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