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Nachbericht Praxis-Talk 2/2024

Zeit für Dialog! Praxis-Talk zur Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft

Mehr Wertschätzung für ihren Beruf und ihre Produkte - das wünschen sich viele Landwirtinnen und Landwirte von der Öffentlichkeit. Beim zweiten Praxis-Talk des Netzwerks Leitbetriebe Pflanzenbau 2024 berichteten drei Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, wie sie ihre Öffentlichkeitsarbeit gestalten, um genau das zu erreichen.

Landwirtschaft und Öffentlichkeit haben heute nur wenige Berührungspunkte. Jens Lönneker, Geschäftsführer und Gründer von rheingold salon, stellte zu Beginn der Veranstaltung die Ergebnisse der Studie "Zukunfts-Bauer" vor. „Die Landwirtschaft ist im Alltag der Bevölkerung kaum noch präsent. Das führt zu Vorurteilen und Erwartungen, die an der Realität vorbeigehen. Warum das so ist? Weil die Landwirtschaft nicht kommuniziert!“ Lönneker plädierte dafür, dass Landwirtinnen und Landwirte ihre Öffentlichkeitsarbeit deutlich ausbauen sollten, etwa über Verbände oder Organisationen. Er betonte, wie wichtig dabei ein positives Narrativ sei. Dieses Positivbild biete der „Zukunfts-Bauer“: Landwirtschaft als innovativ und zukunftsorientiert zu kommunizieren, als Branche, die neue Technologien mit altem Wissen verbindet.

Vorzeigebetriebe mit erfolgreichen Ansätzen

Nadja und Hermann Poppen vom Biolandhof Sonnenschein in Ostfriesland stellten vor, wie sie ihre Öffentlichkeitsarbeit gestalten. Durch Pressearbeit und den Einsatz von Social Media konnten sie ein sehr positives Image ihres Schweinezuchtbetriebes aufbauen. Graf Bobby von Sonnenschein, eines ihrer Schweine, hat einen eigenen Instagram-Kanal und ist regelmäßig in der Presse zu sehen. „Ich finde es wichtig, offen auf die Verbraucherinnen und Verbraucher zuzugehen. Landwirte und Landwirtinnen müssen hier aktiv sein, denn von allein ändert sich nichts“, so Nadja Poppen. Sie betonte außerdem, dass eine authentische Kommunikation entscheidend sei, die auch Herausforderungen aufzeige und die Landwirtschaft nicht zu sehr romantisiere.

Elise Köhler vom Ackerbaubetrieb Köhler Landwirtschaft bei Hannover berichtete von ihren Ansätzen. Die Hofnachfolgerin hat eine Direktvermarktung von Zwiebeln aufgebaut und kooperiert mit dem regionalen Lebensmittelhandel. Mit einem professionellen Internetauftritt und Social Media Aktivitäten sowie Hofführungen und anderen Veranstaltungen macht sie auf ihren Betrieb und ihre Produkte aufmerksam. Sie betont, wie wichtig es ist, das Image der gesamten Landwirtschaft in Deutschland zu verbessern: „Die deutsche Zwiebel als Massenprodukt zum Beispiel braucht einen Mehrwert im Handel. Diese Kom-munikation kann ein Betrieb aber nicht alleine leisten“.

Während der Veranstaltung und in der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Betriebe, die aktiv in den Dialog mit der Bevölkerung gehen, viel positive Resonanz erhalten.

Dieser Dialog ist auch ein grundsätzliches Ziel des Netzwerkes Leitbetriebe Pflanzenbau. Alle Leitbetriebe laden zu Veranstaltungen auf ihre Höfe ein und kommunizieren ihre Arbeit in der Öffentlichkeit. Mit der bundesweiten Gemeinschaftsaktion „Boden erleben!“ verfolgt das Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau das Ziel, durch gemeinsame „Schlagkraft“ mehr Verständnis und mediale Aufmerksamkeit für den Boden, die wichtigste Ressource der Landwirtschaft zu erreichen, um so die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte und die Wertschätzung für landwirtschaftlich erzeugte Produkte zu steigern.

Der nächste Praxis-Talk findet nach einer Sommerpause im Herbst 2024 als Zoom-Konferenz statt. Informationen folgen rechtzeitig.

Das Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau
Der Austausch mit anderen Betrieben über nachhaltigen Pflanzenbau, die eigene Arbeit der Öffentlichkeit näher-zubringen und die Zukunft des Ackerbaus aktiv mitzugestalten – das sind die Ziele des bundesweiten Netzwerks Leitbetriebe Pflanzenbau. Es wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) initiiert und ist ein Leuchtturmprojekt im Rahmen der BMEL-Ackerbaustrategie 2035. Das Netzwerk zählt derzeit knapp 100 Mitglieder. Die Leitbetriebe sind Anlaufstelle für die interessierte Öffentlichkeit und für Fachpublikum. Sie zei-gen, wie zukunftsfähiger Pflanzenbau in Deutschland funktioniert.