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Öko-Landbau

Gunther Lötzke meint: Weiterentwickeln und als Innovationsmotor nutzen

Eine der besonderen Leistung des Öko-Landbaus besteht darin, sich selbst ein allgemein akzeptiertes und praktiziertes Regelwerk gegeben zu haben, das den Kreislauf- und Systemgedanken auf allen Ebenen der Produktion in den Vordergrund stellt. Das macht den Öko-Landbau nachweislich umweltverträglich, ressourcenschonend und tierwohlorientiert. Alleine dieser Ansatz rechtfertigt die Forderung nach mehr Öko-Landbau.

Bereits 2002 sollte mit der sogenannten „Agrarwende“ der Flächenanteil des Öko-Landbaus innerhalb von zehn Jahren auf 20 Prozent gesteigert werden. Um diesem Ziel nahe zu kommen, wurde damals mit Fördergeldern eine Umstellungswelle losgetreten. Sehr zum Leidwesen der etablierten Bio-Betriebe folgten Preisverwerfungen. Der Markt der frühen 2000er Jahre war nicht auf das plötzliche Überangebot an Rohware eingestellt. Es fehlte an Verarbeitungskapazitäten und Handelsstrukturen.

Seither ist der Markt für ökologisch erzeugte Lebensmittel stetig gewachsen. Insbesondere in den letzten zwei Jahren hat der Absatz von Bioprodukten deutlich an Fahrt aufgenommen: Private Haushalte geben aktuell fast 15 Mrd. Euro/Jahr für Biolebensmittel aus und es werden rund 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet.

Das zeigt: Die Öko-Branche ist keine Nische mehr! Aber sie ist noch nicht dort angekommen, wo man sie vor 20 Jahren sehen wollte, und sie ist weit von den aktuellen Zielvorgaben der Politik entfernt. Mehr als eine Verdoppelung der Anbaufläche binnen zehn Jahren, wie sie die EU fordert, erscheint wie ein Quantensprung. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, ist es notwendig, die positive Dynamik am Markt für die weitere Entwicklung der Ökobranche zu nutzen. Denn neben der Umstellung von Betrieben ist für das Wachstum des Öko-Landbaus die Weiterentwicklung der Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen und eine verstärkte Verbraucheransprache entscheidend. Ziel sollte es sein, neue, kurze Wertschöpfungsketten aufzubauen, die alle Absatzkanäle für Bioprodukte bedienen.

Um in einem schnell wachsenden Markt für Bio-Produkte langfristig wirtschaftlich bestehen zu können, ist mehr praxisorientierte Forschung notwendig. Ertragssteigerung und Ertragssicherung sind zwei bedeutende Komplexe, die es richtliniengetreu weiterzuentwickeln gilt.

Stabile, verlässliche Rahmenbedingungen und finanzielle Sicherheit sind die stärksten Umstellungsargumente!

Der DLG-Ausschuss Öko-Landbau hat in zehn Positionen formuliert, wo der Ökolandbau aktuell steht, warum er Lösungsansätze auch für die konventionelle Landwirtschaft liefert, und wie er weiterentwickelt werden kann (siehe Meldung DLG-Ausschuss legt Positionspapier vor in dieser Ausgabe des DLG-Mitgliedernewsletters)