Zum Hauptinhalt springen

Viele Stellschrauben gleichzeitig im Blick

Staub-, Geruchs- und Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung hängen von vielen Parametern ab. Eine große Rolle spielen beispielsweise Fütterung, Einstreu und Feuchtigkeit des Untergrunds. Für entsprechende Prüfungen müssen die DLG-Experten viele Stellschrauben gleichzeitig im Blick behalten.

Bei der DLG-Prüfung von „Indoor-Verfahren zur Emissionsminderung“ wird die Wirksamkeit von verfahrensintegrierten Maßnahmen, die das Entstehen oder das Freisetzen von schädlichen Stoffen bereits innerhalb des Stallbereichs verhindern oder vermindern, überprüft. Solche emissionsmindernden Maßnahmen können zum Beispiel spezielle Fütterungsstrategien oder die Verwendung von speziellen Futterzusatzstoffen, Einstreumaterialien, Fütterungs-, Tränke- und Klimatechniken sein. Neben den emissionsmindernden Wirkungen können die verfahrensintegrierten Maßnahmen zudem auch positive Effekte auf die Tiergesundheit und das Tierwohl, den Energie- und Wasserverbrauch sowie auf die Arbeitsbedingungen des Tierhalters haben.

Für die Untersuchung und Bewertung von Systemen zur Reduzierung von Staub-, Geruchs- und Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung werden Messungen in mindestens zwei praktischen Einsatzbetrieben durchgeführt. Dabei wird auf dem jeweils gleichen Betrieb bei ansonsten gleichen Bedingungen zwischen Versuchs- und Referenzstall, d. h. Fall und Kontrolle unterschieden.

Bei den Untersuchungen müssen die DLG-Experten viele Stellschrauben im Blick behalten:

Natürlich werden die eigentlichen Emissionsparameter Staub, Geruch und Ammoniak direkt gemessen. Da diese jedoch von sekundären Parametern abhängen, wie z. B. den Luftaustauschraten der Zwangsbelüftung der Ställe, CO2-Konzentration in der Stallluft sowie alle wesentlichen Klimadaten innerhalb und außerhalb der Ställe, werden auch diese über den gesamten Messzyklus aufgezeichnet. Hinzu kommen wesentlichen Parameter des Produktionsverfahrens bzw. der Produktionsintensität (z. B. Anzahl Tiere, Lebendmassen, Futtermengen und Futterzusammensetzung, Einstreu- und Gülle- bzw. Dungmengen sowie -zusammensetzung, tierische Leistungen). Aus den erhobenen Produktionsdaten wird eine N-Bilanz erstellt.

Neben dem besonderen Know-How in Bezug auf die zum Teil sehr speziellen Messverfahren des zugrundeliegenden VERA-Prüfprotokolls und der Koordination der neben eigenem Messequipment eingesetzten externen, akkreditierten Mess-Institute, war die Zusammenstellung der zu prüfenden Maßnahmenpakete einer der Knackpunkte für den Erfolg des Projekts. Gerade bei multifaktoriell beeinflussbaren Prozessen benötigt es neben Fachwissen auch den Weitblick und das Fingerspitzengefühl, um die richtigen Maßnahmen zu bündeln, die zusammengenommen einen größeren Effekt haben, als es die Summe der Einzeleffekte vermuten ließe.

Der „runde Tisch“ stellt eines der Kernelemente der Arbeit in der DLG dar und die Moderation konkurrierender Ansichten mit dem Ziel, gemeinsam Fortschritte zu erreichen und festzuschreiben zählt zu den Kernkompetenzen der DLG-Experten. Sie haben es so in der Anfangsphase des Projekts geschafft, in Kundenworkshops mit allen beteiligten Stakeholdern Maßnahmenpakete im Konsens zu schnüren, die einen maximalen Emissionsminderungseffekt auszulösen in der Lage sind. An diesen Workshops waren der Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger e. V. (BVH) als Auftraggeber und alle Unternehmen beteiligt, die den Mut für ein solches Verbundprojekt aufgebracht und nach einem Aufruf des Verbands ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet hatten.

Das Ergebnis der Prüfungen ist in den Prüfberichten unter diesem Link zu finden.