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Problem Blattläuse in Zuckerrüben

Helmut Bleckwenn fordert einheitliche Bedingungen im Pflanzenschutz

Wenn wir Läuse haben, gehen wir in der Regel zum Arzt und lassen uns ein Mittel gegen die kleinen Plagegeister verschreiben. Bei Zuckerrüben ist das nicht ganz so einfach. Zunehmend werden chemische Pflanzenschutzmittel verboten oder deren Anwendung eingeschränkt.

Dabei spielt die Zuckerrübe im Rahmen ausgewogener Fruchtfolgen für den Ackerbau eine wichtige Rolle. Der Erhalt eines ausreichend gefüllten „Werkzeugkastens“ auch mit chemischen Pflanzenschutzmitteln ist daher unverzichtbar. Seit zwei Jahren hat die EU-Kommission den Einsatz von Neonikotinoden im Freiland generell verboten. Der Wegfall der insektiziden Zuckerrübenbeize bedeutet ein engeres Monitoring der eigenen Rübenflächen. Digitale Dienste, die das Erreichung von Schadschwellen melden, sind hilfreich, ersetzen aber nicht die eigene Beobachtung. Da sich Blattläuse gerne auf der Blattunterseite „verstecken“ oder sich dicht in den Blattachseln ansiedeln, sind sie nicht so leicht zu bonitieren. Ein objektives Monitoring nimmt also Zeit und damit Geld in Anspruch.

Im Fokus der Pflanzenschutzstrategie steht zudem ein wirksames Resistenzmanagement. Dazu gehören mindestens drei verschiedene Wirkmechanismen, damit wir Landwirte den Produkteinsatz ausreichend variieren können. Aber diese Mindestanforderung wird künftig im Zuckerrübenanbau kaum noch zu erfüllen sein. Zum Beispiel haben bei der Spritzanwendung derzeit vier von insgesamt fünf verfügbaren Insektiziden denselben Wirkmechanismus. Für die Saatgutbeizung ist sogar nur noch ein einziger Wirkstoff amtlich zugelassen.

Für uns Landwirte stellt sich die Frage, wie wir künftig im europäischen und internationalen Wettbewerb bestehen können. Das politisch verursachte Verbot der neonikotinoiden Rübenbeizen und die Notfallzulassungen in elf EU-Mitgliedsstaaten führen derzeit zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen.

Weitere neue Vorschriften und Zulassungen im Pflanzenschutzmittelbereich müssen daher auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgen. Für geforderte Anpassungen brauchen wir ausreichend Zeit. In einem gemeinsamen Binnenmarkt  sind einheitliche Vorgaben aus Brüssel unerlässlich.