Zum Hauptinhalt springen

Optimale Vorbereitung auf die Abkalbung

Am 23. August 2020 startet im sächsischen Köllitsch das diesjährige Weiterbildungsprogramm DLG-Herdenmanager Milchvieh. In drei einwöchigen Fortbildungsmodulen vermitteln ausgewiesene Profis aus Beratung, Wissenschaft und Praxis aktuelles Spezialwissen im Bereich des Herdenmanagements.

Jetzt anmelden!

Die Themen praktisches Fütterungsmanagement und -controlling, praktische Rationskontrolle, Gesundheits- und Fruchtbarkeitsmanagement, Eutergesundheit stehen genauso auf der Agenda, wie das Thema Kälberhaltung und Grundlagen der Betriebswirtschaft.

Eines der vielen Themen mit denen sich die Herdenmanager intensiv beschäftigen, ist die Vorbereitung auf die Abkalbung. Ilka Steinhöfel vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie vermittelt den Herdenmanagern Ergebnisse aus der Forschung sowie eigene Praxiserfahrungen aus der Lehr- und Versuchsanstalt in Köllitsch.

Die Abkalbung ist ein kritisches Ereignis in der Milchviehhaltung, denn sie entscheidet nicht zuletzt über das Überleben und die Gesundheit des Kalbes sowie die Fitness und Leistung der Milchkuh in der folgenden Laktation. Schon bei Besamung, Fütterung und Haltung in der vorangegangenen Laktation sowie der Trockenstehphase werden die Weichen für die Abkalbung gestellt. Bei Erstkalbinnen ist es erforderlich, sich für eine Aufzuchtsstrategie zu entscheiden, bei der die Intensität der Aufzucht und das Erstkalbealter aufeinander abgestimmt sind. Schon hier können Risikofaktoren für die Geburt reduziert werden.

Um der Kuh eine optimale Umwelt für die Geburt bereitzustellen, lohnt ein Blick auf das Verhalten in der Natur. Dort würde sich die Kuh von der Herde absondern und erst einige Tage nach der Geburt mit dem Kalb wieder der Herde mit ihrem festen Sozialverband beitreten. Die Geburt findet also in einer ruhigen und stressarmen Umgebung statt.

Die Abkalbebox sollte daher in einem ruhigen Bereich im Kuhstall platziert werden und das Personal sollte sich entsprechend ruhig verhalten. In Gruppenboxen ist auf eine Dimensionierung von mindestens 10 m² pro Kuh und eine Boxentiefe von mindestens 4m zu achten. Sie sollten maximalen Kuhkomfort bieten und für nicht mehr als sechs Kühe ausgelegt sein. Dazu gehören hygienisches Futter und Wasser ad libitum, die Möglichkeit für sicheres Aufstehen und Abliegen sowie eine gute Belüftung. Die Einstreu sollte sauber, griffig und trocken sein. Eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Abkalbebuchten ist Voraussetzung, um den Keimdruck zu reduzieren. Aus hygienischen Gründen sind Mehrzweckboxen für kranke und abkalbende Tiere zu vermeiden.

Nicht nur die Haltung der Kuh, sondern auch die Arbeitswirtschaft rund um die Abkalbebox ist entscheidend. Flexible Seitenbegrenzungen, ein bequemer Ein- und Ausstieg, Möglichkeiten zur Fixierung der Kuh und wenig Handarbeit beim Füttern, Reinigen sowie Desinfizieren erleichtern das Management. Eine gute Beleuchtung und Einsehbarkeit der Bucht ist für die Beobachtungsroutine unerlässlich. Diese sollte in den letzten drei Wochen vor Geburt alle zwei Stunden und nach Entdecken der ersten Geburtsanzeichen alle 15 Minuten erfolgen.

Für die Geburtsüberwachung stehen neben der bereits in vielen Betrieben etablierten Kamera diverse technische Hilfsmittel wie zum Beispiel Geburtsmelder zur Verfügung, die jedoch nicht die Tierbeobachtung ersetzen. Zur Vorbereitung gehört die Bereitstellung der sauberen und wo erforderlich desinfizierten Hilfsmittel:

  • Mittel zur Reinigung- und Desinfektion des betreuenden Personals
  • Lange Untersuchungshandschuhe, Gummischürze
  • Geburtsstricke oder Ketten, Geburtshelfer
  • Gleitgel, Fruchtwasserersatz, Pumpe, Schlauch
  • Dokumentationsmaterial inkl. Stallkarte
  • Jodlösung, Klemme und Schere zur Nabelversorgung

Vor der Geburt ist es wichtig, die Historie der Kuh zu kennen. Kühe ab der 4. Laktation, höchstleistende Tiere, Kühe mit Vorerkrankungen, eine anstehende Mehrlingsgeburt, Tiere mit zu starker Kondition sowie weitere Faktoren können ein erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen mit sich bringen.

Die Absonderung der Geburtsschnur, sinkende Körpertemperatur, einsinkende Beckenbänder und eine Füllung von Euter und Zitzen kündigt schließlich die Geburt an, auf die Landwirt beziehungsweise Personal mit diesen Maßnahmen gut vorbereitet sind.

Im Seminar DLG-Herdenmanager Milchvieh wird zusätzlich auf den Geburtsverlauf eingegangen und Entscheidungshilfen gegeben, wann und wie eine Geburtshilfe erfolgen beziehungsweise der Tierarzt mit eingebunden werden sollte. Im Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden widmen sich unterschiedliche Referenten einen gesamten Tag lang dem Thema Kälberfütterung, -Haltung und Gesundheit.

Informationen zum Intensivseminar „DLG-Herdenmanager Milchvieh“ erhalten Interessenten beim DLG-Fachzentrum Landwirtschaft. Ansprechpartnerin ist Nicola Bock; Telefon: 069/24788-443, Fax: 069/24788-114 oder E-Mail: N.Bock@DLG.org.