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Alles nur noch digital?

Thomas Preuße über Kommunikation und Information „nach Corona“

Wenn man muss, funktioniert erstaunlich viel erstaunlich gut. Und deshalb stellt sich aktuell in vielen Unternehmen und auch bei Informationsanbietern die Frage: Wie können wir die neu gewonnene „Digitalkompetenz“ nutzen, um Kommunikation und Information zu erleichtern und zu verbessern?

Sicherlich stehen wir noch mitten im „Erkenntnisprozess“. Wir können ziemlich sicher sagen, uns nicht zu jeder Routinekonferenz physisch treffen zu müssen. Umso schöner und auch kreativer ist es aber, sich dann doch wieder mal zu sehen. Es gab und gibt interessante, gut gemachte Beiträge zu den DLG-Feldtagen mit einer Fülle von Informationen – aber niemand käme auf die Idee, das seien nun „die“ DLG-Feldtage. Da fehlten einfach Bratwurst und Bier.   

Bei der Entscheidung „analog“ oder „digital“ dürfte die Gewichtung von purer Information und sozialem Miteinander eine entscheidende Rolle spielen. Wir wissen nicht erst seit „Corona“, wie schwer sich das manchmal auseinanderhalten lässt. Wie oft sind Sie von einer Tagung, einem Feldtag, einem Termin zurückgekommen mit der Frage: Was hab ich überhaupt mitgenommen? Habe ich dafür wirklich einen halben oder ganzen Tag opfern müssen? Wie oft aber sind bei solchen Gelegenheiten unerwartete oder überraschende Informationen oder Begegnungen die eigentliche „Essenz“, die man vorher nicht erwartet hätte und die einen ebenso weiterbringen wie die Fachzeitschrift, die intelligente Leute ja auch „auf Treu und Glauben“ abonnieren?

Informations-„Formate“ wie online-Diskussionsrunden oder Webinare werden sicherlich künftig stärker präsent sein. Aber die Erfahrung der letzten drei Monate zeigt, dass es keine gute Idee ist, ein Angebot mitzunehmen, nur weil man sowieso am Schreibtisch sitzt und es nichts kostet. Auch Zeit ist Geld. Die Aufmerksamkeitsspanne beträgt ohnehin kaum mehr als 20 bis 30 Minuten, und die Gefahr der Ablenkung ist groß. Da sind wir schnell bei der Beliebigkeit der „sozialen Medien“, die schon deshalb nicht sozial sind, weil sie eben nicht auf persönlichem Austausch beruhen.

Wo Sie aber in festen Gruppen diskutieren, in Unternehmen oder Beratungsringen ganz konkrete Dinge zu besprechen haben und nicht in engem Umkreis beieinander wohnen, da eröffnen die digitalen Möglichkeiten eine neue Dimension. Das Thema „Heimarbeit“ ist nicht mehr nur für Landwirte relevant. Vor jeder Besprechung wird man sich künftig überlegen, ob man sie wirklich „live“ abhalten muss. Auch hier wird eine Rolle spielen, wie stark man die soziale Komponente gewichten muss. Bei Leuten, die sich gut und lange kennen, sieht das anders auf als bei neuen Teams. Aber ganz ehrlich: Treffe ich nicht die Leute, die ich gut kenne, besonders gern persönlich?

Der eingangs erwähnte Beitrag zum digitalen Durchbruch stand übrigens in einer ganz analogen, weil gedruckten Zeitschrift. Zu viel Bildschirm macht die Augen müde und irgendwann auch den Geist. Auch diese Erfahrung nehmen wir aus der Krise mit.