Zum Hauptinhalt springen

„Zusammen arbeiten, zusammen wohnen"

René Döbelt bewirtschaftet 850 ha, die zur Hälfte in einer Trinkwasserschutzzone liegen, nach den Kriterien des ökologischen Landbaus. Der Bereich Gemüseanbau umfasst Feldgemüse unter Beregnung auf 200 ha. Angebaut werden Zwiebeln, Möhren, Gemüse-Erbsen, Gemüse  Bohnen und Rote Beete. Hinzu kommen Kartoffeln. Döbelt ist Vizepräsident der DLG.

Herr Döbelt, ist die Ernte des Gemüses gesichert?

René Döbelt: Bei und geht es nicht um die Ernte, sondern um die Pflege des biologischen Gemüses. Die Ernte erfolgt im Herbst meist maschinell. Die Hauptsaison läuft seit der Monatsmitte. Zu Beginn der Hauptsaison herrschte bei unseren polnischen Stammkräften große Verunsicherung und es kamen zunächst deutlich weniger Leute, als erhofft. Mittlerweile sind es 30.

Wie haben Sie es geschafft Ihr Personal zu bekommen?

Döbelt: Wir haben zum Beispiel Stellenangebote auf der Plattform „www.daslandhilft.de“ vom Landwirtschaftsministerium und den Maschinenringen geschaltet und auch auf regionalen Wirtschaftsseiten inseriert. Selbstverständlich galt es auch, die Corona-Vorschriften umzusetzen. 

Diese umfassen unter anderem einen Gesundheitscheck nach deren Ankunft, die Übermittlung der Ergebnisse an das zuständige Gesundheitsamt, eine 14-tägige faktische Quarantäne nach Ankunft, strikte Abstands- und Hygienevorschriften im Betrieb, eine geringere Belegung der Unterkünfte und das Arbeiten in möglichst kleinen, gleichbleibenden Gruppen. Dazu waren intensive Vorarbeiten im Team notwendig und wir haben zusätzliche Unterkünfte angemietet.

Was geschieht, wenn ein Saisonarbeiter positiv auf Corona getestet wird?

Döbelt: Er muss in Quarantäne in eine von uns eigens für diesen Zweck angemietete Wohnung. Sein Arbeitsteam darf keinen Kontakt zu den anderen haben und nur als Team weiterarbeiten. Ganz nach dem Motto „Zusammen arbeiten, zusammen wohnen“.

Von den bundesweit für die Monate Mai und April genehmigten jeweils 40.000 ausländischen Hilfskräften sind insgesamt nur 33.000 hier. Werden doch weniger gebraucht, als gedacht?

Döbelt: Ich denke eher, dass sich viele Menschen aus Sorge um ihre Gesundheit nicht auf den Weg nach Deutschland gemacht haben. Von Gemüsebetrieben höre ich, dass sie nicht die gesamte Arbeit schaffen. Ein großer Spargelbetrieb in Thüringen hat sich in ein Schutzschirmverfahren begeben müssen, weil ihn der Ausfall seiner Erntehelfer so trifft. Gleichzeitig haben wir viele motivierte deutsche Helfer, die uns helfen, die Arbeiten termingerecht zu erledigen.

Am vergangenen Mittwoch wurde die Saisonkräfte-Regelungen verlängert. Arbeitskräfte, die schon da sind, dürfen 115 Tage bleiben. Also alles ganz entspannt?

Döbelt: Entspannt ist es nicht, es gibt viel zusätzliche Arbeit um alle Vorschriften einzuhalten. Die neuen deutschen Kollegen müssen eingearbeitet werden. Man muss sich immer wieder neu an geänderte Regeln anpassen. Insgesamt bleibt das Jahr außergewöhnlich und spannend.