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Virtuell: Der Welt- Geflügelgipfel

Im zweiten virtuellen Event zum internationalen Austausch professioneller Tierhalter und Vertreter des Agribusiness stand diesmal das Geflügel im Fokus. Dieser Tage zog das von der DLG veranstaltete "Global Poultry Summit Webinar“ 130 Praktiker und Experten aus 25 Ländern an.

In dem dreieinhalbstündigen Webinar ging es um die rasante internationale Entwicklung des Geflügelsektors und um zwei der zentralen Herausforderungen dabei: um Biosicherheit und Antibiotikareduzierung. In fünf Kurzvorträgen präsentierten Spitzenvertreter der Geflügelbranche aus Deutschland, Russland, Thailand und China ihre Konzepte und stellten sie in den Kontext der Branchenentwicklung. Auch die aktuellen Auswirkungen der Covid-19 Pandemie wurden dabei diskutiert.

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Hähnchenmäster und Präsident des Deutschen Verbands bäuerl icher Hähnchenerzeuger (BVH), Stefan Teepker, stellte die in seinem Betrieb umgesetzten Biosicherheitsmaßnahmen vor. Sein Erfolgskonzept fasste er kurz mit der Äußerung „Vorbeugen ist besser als Heilen“ zusammen. Zentrales Element für die Akzeptanz und konsequente Durchsetzung der Biosicherheitsmaßnahmen sei die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit den Arbeitsbedingungen im Betrieb.

Dr. Ronald Günther, Veterinärspezialist für Geflügel und Berater bei der Firma Heidemark, erläuterte Stand und Entwicklung der in Deutschland und Europa geltenden Antibiotika-Vorschriften. Antibiotika dürfen nur sehr restriktiv und unter Beachtung eines sehr komplexen Entscheidungsdiagramms durch Tierärzte verordnet werden. Neben der eigentlichen Antibiotikawirkung müssen unter anderem auch Aspekte der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sowie verfügbare Alternativen berücksichtigt werden.

Prophylaktische Maßnahmen wie eine strikte Futter- und Wasserhygiene, optimale Haltungsbedingungen und strategische Entscheidungen auch bei züchterischen Aspekten sollten mit einem individuellen Veterinärkonzept verknüpft werden. Nur durch die Kombination verschiedener Strategien sei eine verantwortliche und nachhaltige Geflügelproduktion sicherzustellen, die dem Ziel, Tiere „gesund zu halten statt zu machen“, gerecht wird. 

Sergey Lakhtyukhov, Generaldirektor der Russischen Geflügelunion, stellte die rasante Entwicklung des Geflügelsektors insbesondere in den letzten Jahren dar: Russland ist heute der fünftgrößte Geflügelproduzent der Welt und belegt Platz 11 unter den Geflügelfleisch exportierenden Ländern mit China als Hauptabnehmer. Mit Blick auf den Fleischhandel mit China kamen auch die im Lauf der Covid-19 Pandemie aufgetretenen Transportschwierigkeiten durch geschlossene Seehäfen zur Sprache.

Russland baut bei der Expansion der Geflügelproduktion auf eine Qualitätsstrategie, die zum Beispiel den Einsatz GVO-freien Futters, eine strikte Kontrolle des Antibiotikaeinsatzes einschließlich Resistenzpräventionsstrategie, eine lückenlose Rückverfolgbarkeit sowie hohe Hygiene- und Biosicherheitsstandards beinhaltet. Erklärtes Ziel Russlands ist es, mit Hilfe der Qualitätsstrategie unter die Top 10 der Geflügelfleischexporteure zu gelangen.

Kanyarat Chamraswimonrat, Veterinärprofessorin am thailändischen Landwirtschaftsministerium, gab im Anschluss einen Überblick über die stark wachsende thailändische Geflügelindustrie, deren Fokus auf der Geflügelfleischproduktion liegt. Auch wenn China das Hauptexportland darstellt, stärkt Thailand aufgrund der wachsenden Qualitätsstandards seine Position im internationalen Geflügelhandel stetig.

Jianming Huang, Generalsekretär der China Broiler Allicance, zeigte schließlich auf, dass sich die Geflügelproduktion in China angesichts des Wachstums auch mit Problemen konfrontiert sieht. Ackerflächen und Wasser sind knapp, sodass die Futtermittelversorgung nur durch Importe sichergestellt werden kann. Weiterhin sorgen Einschränkungen bei der Verwertung von Tierdung aufgrund großer Umweltproblematik, fehlende Biosicherheitskonzepte sowie steigende Anforderungen im Hinblick auf Tiergesundheit und Tierwohl für eine verlangsamte Entwicklung. Trotz der notwendigen Transformation und Modernisierung gelte die Produktion von Geflügelfleisch als „Wachstumsindustrie“ mit einem erwarteten jährlichen Zuwachs von 10 Prozent.

Die gute und aktive Beteiligung an dem Webinar bestätigt, dass das Bedürfnis nach fachlichem Austausch auf internationaler Ebene ungebrochen ist – eher noch verstärkt durch die aktuelle Pandemielage. Daher werden in den nächsten Wochen weitere internationale Webinare für die Milchviehhaltung und die Aquakultur stattfinden:

Das am kommenden Montag stattfindende „Global Dairy Summit Webinar“ schließt sich thematisch an die vorangegangen Webinare an und fokussiert sich auf aktuellen Problemstellungen mit denen sich Milchviehhalter vor allem in Deutschland und der EU konfrontiert sehen und wie eine verbesserte Stallhygiene und Tiergesundheit erzielt werden können.

Darüber hinaus werden den Teilnehmern Einblicke in die aktuelle wirtschaftliche Situation und der Entwicklung in Chinas Milchproduktionsbranche gegeben. Abschließend besteht für alle Teilnehmer die Chance in einen aktiven Dialog mit den Fachexperten zu treten, um somit auch individuelle Fragen beantwortet zu bekommen.

Global Dairy Summit Webinar

Zur Anmeldung

In China laufen derzeit die Vorbereitungen für die zweite „EuroTier China“,
die vom 7. bis 9. September 2020 in Chengdu ihre Tore öffnet und sich auf zahlreiche internationale Aussteller und Besucher freut