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Grasernte 1. Schnitt - Keine Entspannung in Sicht

Üblicherweise setzt sich der DLG-Ausschuss Futter- & Substratkonservierung mit Fachthemen zur Futterkonservierung auseinander. In Zeiten der Klimawandelfolgen und anlässlich der jüngsten als Webkonferenz ausgetragenen Ausschusssitzung wurde die aktuelle Situation um die Erntebedingungen zum ersten Schnitt sowie die Ertragslage und die Aussichten für den zweiten Schnitt erörtert.

Dazu ein Kommentar von Ing. Reinhard Resch (Wissenschaftlicher Leiter des Referats Futterkonservierung am Institut für Pflanzenbau und Kulturlandschaft der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein und Vorsitzender des DLG-Ausschusses Futter- & Substratkonservierung)

Der erste Schnitt liefert für Milchviehbetriebe einen Großteil des Futtervorrates. In 2020 hat dieser einen noch höheren und teils überlebenswichtigen Stellenwert für viele Betriebe, da die Grundfutterreserven nach nunmehr zwei Dürrejahren insgesamt nur noch als sehr mäßig zu bezeichnen sind.

Im Bundesdurchschnitt begann die diesjährige Vegetation bereits mit sehr unterschiedlichen Winterfeuchtigkeiten, dazu blieben in vielen Regionen die notwendigen und ausreichenden Niederschläge im Frühjahr größtenteils aus. In Mecklenburg-Vorpommern wurden so im März nur unterdurchschnittliche Niederschläge (25 Prozent vom langjährigen Mittel) verzeichnet, April und Mai zeigten sich extrem trocken mit kaum nennenswerten Niederschlagsmengen.

Andere Regionen beklagten darüber hinaus gravierende Narbenschäden durch Mäuse oder Tipula (Larve der Wiesenschnake), die sogar wie zum Beispiel im nördlichen Niedersachsen bis zum Totalausfall bei der Grasernte führten. Auf guten Standorten und mit nachhaltigeren Niederschlägen wurden Erträge um 40 bis 50 dt TM/ha verzeichnet, auf teilgeschädigten Flächen betrugen die Ertragsausfälle 20 bis 50 Prozent, teils aber auch bis zu 80 Prozent. Generell liegen die Erträge auf dem Grünland damit deutlich unter dem Durchschnitt der Vorjahre.

Spannend bleibt nun der Blick auf die Qualitäten, die als laborbestätigte Analysen bislang nur begrenzt vorliegen. Erste Einschätzungen von Testflächen (Frischgras) lassen aber vermuten, dass durchaus günstiges Ausgangsmaterial für die Silierung zu ernten war, hier wird derzeit zum Beispiel von hohen Zucker- bei guten bis mäßigen Rohprotein- und mittleren Rohfasergehalten und hohen Verdaulichkeiten ausgegangen.

Da sich in den letzten Jahren die Niederschläge zum begrenzenden Faktor für das Wachstum der Folgeschnitte herauskristallisiert haben, ist gegenwärtig noch nicht abzusehen, wie sich die kommenden Aufwüchse und damit die Menge und Qualität der Grassilagen zur Fütterung präsentieren werden. In einigen Regionen werden deshalb bereits Überlegungen angestellt, Ganzpflanzensilagen zu ernten.

In Österreich kam nach einem extrem trockenen April der ersehnte Regen und sorgte im Mai für eine Erholung der Natur. Nach dem sehr frühen Vegetationsbeginn Mitte März verzögerte sich die Futterernte aber aufgrund der Trockenheit bis Mitte Mai. Und wegen des ungewohnt kühlen Maiwetters waren Ende Mai annähernd 50 Prozent der Grünlandflächen noch nicht siliert beziehungsweise eingeheut. Es wird davon ausgegangen, dass die Mengen des ersten Schnittes, abgesehen von spürbaren regionalen Einbußen durch Trockenheit, insgesamt stimmen werden. Die Qualität hinsichtlich Proteingehalt und Verdaulichkeit wird im Zuge der Ernteverzögerungen aber wahrscheinlich etwas schlechter ausfallen.