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Neues Merkblatt: Ferkelnarkose per Injektion

Ab dem 1. Januar 2021 dürfen in Deutschland gemäß § 21 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) männliche Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Von da an stehen den Ferkeler¬zeugern die folgenden zugelassenen Verfahren zur Auswahl:

  • Jungebermast,
  • Jungebermast mit Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) und die
  • chirurgische Kastration unter Narkose.

Eine in Deutschland für die chirurgische Ferkelkastration zugelassene Methode der Allgemeinanästhesie ist die Injektionsnarkose mit der Wirkstoffkombination Ketamin und Azaperon. Dabei wird das Ferkel in einen Zustand fehlenden Bewusstseins versetzt. Dieser ist durch eine Bewusstlosigkeit sowie Dämp¬fung von vegetativen Reflexen und Schmerzen gekennzeichnet. Das Betäubungsmittel (Anästhetikum) wirkt reversibel auf das zentrale Nervensystem. Dadurch werden mehrere Ebenen des Gehirns und des Rückenmarks gehemmt. Die Operationsstelle ist durch die Muskelerschlaffung und die somit fehlende Abwehrreaktionen gut zugänglich. Neben dem Betäubungsmittel wird das Schmerzmittel Melo¬xicam verabreicht, welches Schmerzen während der Kastration beziehungsweise Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen nach der Operation lindert.

Die Narkosemittel darf gemäß § 5 TierSchG nur ein Tierarzt verabreichen. Nicht nur aus arbeitswirtschaftlicher Sicht, sondern auch im Sinne des Tierschutzes ist es erforderlich, die Abläufe der Injektionsnarkose an die betriebsspezifi¬schen Gegebenheiten anzupassen und dabei bestehende Praxiserfahrungen einzubeziehen. Hier spielt die optimale Dosierung der Narkosemittel und die Überwachung der Ferkel während der Nachschlafphase eine entscheidende Rolle.

Das neue DLG-Merkblatt 453 „Ferkelkastration unter Injektionsnarkose“ soll als Hilfestellung für Anwender der Injektionsnarkose bei der Optimierung von Arbeitsabläufen dienen, und Tipps aus Praxiserhebungen anschaulich darstellen. Die im Merkblatt beschriebenen Erfahrungen und Abbildungen stammen aus zwei BLE-geförderten Projekten, bei denen die Praxistauglichkeit der Injektionsnarkose sowie der Inhalationsnarkose im Vordergrund standen. Die Untersuchungen wurden sowohl auf konventionellen wie auch auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben in Hessen und Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Partner in den beiden Verbundprojekten waren das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), die Universität Gießen, die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sowie die DLG.

Ein weiteres DLG-Merkblatt zur Ferkelkastration unter Inhalationsnarkose wird ebenfalls in Kürze erscheinen. Beide Merkblätter sind im Rahmen der Projekte „Praxiserprobungen der chirurgischen Kastration von Ferkeln unter Betäubung mittels Procain, Isofluran und Ketamin/Azaperon und postoperativer Schmerzausschaltung (PraxiKaPIK/A)/Förderkennzeichen 2817MDT104“ und „Praxisgerechte Ferkelkastration unter Betäubung und postoperativer Schmerzbehandlung in der ökologischen Ferkelerzeugung/Förderkennzeichen 2817MDT101“, gefördert und im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens Tierschutz im Bereich Wissen – Dialog – Praxis mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) entstanden.

Wie alle DLG-Merkblätter stehen auch die Hinweise zur Ferkelkastration interessierten Praktikern unter zum kostenlosen Download zur Verfügung.