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Landtechnikindustrie

Christian Dreyer über das Produzieren in Zeiten der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie hat nicht nur große Teile der Wirtschaft in Deutschland massiv gebremst und teilweise komplett zum Erliegen gebracht, sie stellt auch die Landwirtschaft und die Landtechnikindustrie als gesamte Branche vor besondere Herausforderungen. Die Entwicklungen sind weiterhin dynamisch und erfordern von uns allen eine stetig neue Bewertung der aktuellen Lage mit Anpassungen der getroffenen Vorgehensweisen, insbesondere in unseren Produktionsprozessen. 

Als Vorsitzender des VDMA Landtechnik habe ich viele Gespräche geführt, die gezeigt haben, wie unterschiedlich sowohl national als auch international die Landtechnikindustrie betroffen ist. Konkrete Krankheits-Schwerpunkte, politische Vorgaben oder größere Einschränkungen bei den Zuliefererketten haben in vielen Unternehmen Störungen und Schließungen in Produktionsbereichen oder ganzen Standorten zur Folge gehabt. Beeindruckend waren für mich aber der einhellige Wille und die Kraft, mit der sich Unternehmen und Mitarbeitende gegen einen kompletten Stopp in der Landtechnikindustrie sowie im Handel gestemmt haben. Mittlerweile konnten durch ein frühzeitiges und kontinuierliches Krisenmanagement in den Unternehmen viele Produktionsstandorte wieder in Betrieb genommen und Rückstände aufgeholt werden. 

Als Amazone-Geschäftsführer bin ich persönlich natürlich sehr erleichtert, dass wir die Produktion, Auslieferung und den Service für unsere Amazone-Landmaschinen durchgängig aufrechterhalten konnten. Unser Zulieferernetzwerk funktioniert aktuell ebenfalls gut. Zudem haben wir seit Jahren als Maßgabe, kritische Kaufteile stärker zu bevorraten. Es hat sich wiederholt gezeigt, dass unsere hohe Fertigungstiefe sowohl in Krisenzeiten als auch in Phasen einer Hochkonjunktur ein riesiger Vorteil für eine qualitativ hochwertige und zuverlässige Fertigung ist. Unser Anspruch ist auch in diesen schwierigen Zeiten, alle Maschinen termingerecht auszuliefern und die Maschinen gemeinsam mit den Vertriebspartnern zu betreuen. Das gelingt uns nur durch das starke Engagement und die hohe Disziplin jedes einzelnen Mitarbeitenden. Genau in diesem Punkt haben wir in den letzten Wochen einen besonders großen Teamgeist erfahren. Veränderte und herausfordernde Arbeitsbedingungen, wie versetzte Schichten oder Arbeiten im Homeoffice, wurden sehr gut umgesetzt. Mit dem umsichtigen Verhalten untereinander, insbesondere beim Einhalten von Mindestabständen und Hygienevorschriften, leistet jeder einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz. 

Wir müssen alle feststellen, dass die Corona-Pandemie uns besonders in der Digitalisierung fordert und weiter vorantreibt, aber auch Stärken und Schwächen in diesem Bereich aufdeckt. Dies gilt nicht nur für unsere gemeinsamen Anstrengungen in Richtung einer Präzisionslandwirtschaft sondern für die gesamten Produktionsprozesse und unsere Serviceleistungen, die wir als Landtechnikunternehmen auch während der Pandemie grenzüberschreitend auf der ganzen Welt gewährleisten müssen. Bei Amazone verfügen wir mittlerweile über verschiedene digitale Servicetools, die jetzt verstärkt in Anspruch genommen werden. Sie reichen von Lern- und Trainingsmodulen bis hin zur erweiterten Kommunikations-Software zur Durchführung von komplexen Wartungs- und Reparaturarbeiten.  

Die weitere Auslastung unserer Produktion für die kommenden Monate ist heute schwer einzuschätzen. Neben der Pandemie beeinflussen zusätzliche Unsicherheiten wie niedrige Ölpreise, Handelskonflikte und Währungsschwankungen die Konjunktur negativ. Darüber hinaus müssen wir uns international weiterhin auf klimabedingte Wetterextreme wie ausgedehnte Trockenperioden einstellen, die die Landwirtschaft und Landtechnikindustrie ebenso schwer wie die Corona-Pandemie betreffen können. Auf der anderen Seite bleibt die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln weiter steigend. 

Positiv können wir meines Erachtens zusätzlich feststellen, dass die Landwirtschaft in dieser Krise an öffentlicher Wertschätzung gewonnen hat. Die große Bedeutung der Landwirte für die Ernährungssicherung ist den Bürgern deutlich in Erinnerung gerufen worden. Hiervon profitieren auch wir als Landtechnikhersteller.

Die Landwirtschaft und Landtechnikindustrie sind krisenerprobt und zeigen in schwierigen Zeiten einen noch größeren Zusammenhalt. Auf dem Höhepunkt der Pandemie hat sich die Landtechnik mit aller Macht erfolgreich gegen Produktionsstopps durchgesetzt und war im Gegensatz zu anderen Industriezweigen eng an der Seite ihrer Kunden. Vor diesem Hintergrund bin ich der Überzeugung, dass wir gestärkt aus dieser Krisenzeit herausgehen werden. Ich wünsche Ihnen das nötige Durchhaltevermögen und gutes Gelingen bei allen Herausforderungen, die uns noch begegnen werden.

Bleiben Sie gesund!