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"Ich hoffe, dass die Landwirtschaft wieder mehr an Beachtung gewinnt“

Ein Schwabe in Sachsen. Doch Philipp Käppeler ist nicht allein. Mit sieben Sachsen und sechs Schwaben starteten die Sachsenschwaben 1991 das Agrarunternehmen Starbach-Sachsen eG, kurz ASS genannt, in der Region Nossen. Heute ist die ASS-Familie auf fünf Betriebe in Ostsachsen angewachsen. Im Interview beschreibt Käppeler seinen Werdegang, wie er zur DLG kam und was ihn derzeit in Sachen Landwirtschaft umtreibt.

Herr Käppeler, Sie stammen aus Schwaben, wie man noch ein bisschen hört.

Philipp Käppeler: Ich bin in Baden-Württemberg im wunderschönen Donautal in Beuron aufgewachsen. Die Familie Käppeler gibt es schon sehr lange. Wir haben sogar ein eigenes Familienwappen. Wir hatten einen klassischen Familienbetrieb, den Gutshof Käppeler, mit Landwirtschaft mit Milchkühen und Ackerbau, Ferienwohnungen und einer Gaststätte. Meine Eltern haben die Landwirtschaft betrieben, meine Mutter vermietete zusätzlich noch Ferienwohnungen und die Gaststätte war verpachtet. Später wurde ein Verwalter eingestellt. Inzwischen ist dort alles verpachtet, meine Eltern wohnen aber noch auf unserem Hof.

Sie haben dann auch im Ländle studiert?

Käppeler: Ja. Nach meinem Abitur im Jahr 2009 habe ich ein Jahr Zivildienst bei der Caritas in einer Behindertenpflegeeinrichtung in Stuttgart absolviert. Das war sehr prägend für mich. Danach habe ich an der Universität Hohenheim studiert. 2013 habe ich meinen Bachelor in Agrarwissenschaften dort gemacht und 2015 meinen Master im Agribusiness. In meiner Masterarbeit ging es um die Milchquote.

Und wie sind Sie dann nach Sachsen gekommen?

Käppeler: 1991 wurde das Agrarunternehmen Starbach-Sachsen eG (ASS) damals noch als Agrarunternehmen SachsenSchwaben eG gegründet. Mein Vater war nach der Wende zu Besuch in Sachsen. Eine ehemalige LPG in der Region Nossen wollte mit der Milchviehhaltung weitermachen, die damals viele nicht weiterführen wollten. Mit 13 Leuten als Gesellschafter, sieben Sachsen und sechs Schwaben, und insgesamt 130 Mitarbeitern startete dann das Agrarunternehmen. Seither betreibt die ASS-Familie nun in Sachsen Landwirtschaft mit Leidenschaft. Mein Vater war bis 2017 Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. Im Zuge der Nachfolge bin ich 2015 nach Sachsen gezogen.

Die ASS ist ein Paradebeispiel für eine schwäbisch-sächsische Erfolgsgeschichte. Was machen Sie heute?

Käppeler: Heute ist die ASS-Familie auf fünf Betriebe in Nossen, Wiesa, Niederbobritzsch, Luchau und Kriepitz in Ostsachsen angewachsen. Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit ist Milchvieh, weitere Unternehmensfelder sind Ackerbau mit Getreide, Ölfrüchten, Zuckerrüben, Biogas, Rindermast und Hopfen. An den beiden Standorten in Nossen und Luchau haben wir Milchvieh, betreiben Ackerbau und eine Biogasanlage, in Kriepitz bauen wir zusätzlich noch Hopfen an. In Wiesa findet die Jungviehaufzucht statt und in Niederbobritzsch die Mutterkuhhaltung und Rindermast.

Was ist Ihre derzeitige Tätigkeit bei ASS?

Käppeler: Ich bin im Vorstand und dort vor allem für die Finanzen sowie den Ein- und Verkauf zuständig. Auch die Mitarbeiterführung nimmt ein zentrales Element ein. Dazu gehören Personalentwicklung, Personalförderung und Personalauswahl. Daneben bin ich auch für die Konzept-Entwicklung und Strategie zuständig, nicht zu vergessen die Betriebsleitung im Tagesgeschäft.

Wann sind Sie denn in die DLG eingetreten?

Käppeler: Das war 2013 zur Agritechnica. Die DLG bietet uns ein gutes Netzwerk und ich kenne die Organisation schon sehr lange, weil mein Vater auch schon DLG-Mitglied war. Unser Betrieb in Baden-Württemberg war im Lauf der Jahre dreimal DLG-Ferienhof des Jahres. Ich engagiere mich in der Jungen DLG und bin im Arbeitskreis der Jungen DLG. Ein Muss ist natürlich der Besuch der Agritechnica und EuroTier in Hannover.

Was beschäftigt Sie gerade?

Käppeler: Das Corona-Virus und die Düngeverordnung. Die beiden beschäftigen uns aktuell sehr. Natürlich ist die aktuelle Krise für alle in Deutschland schwierig und auch eine Herausforderung für uns. Meine Hoffnung ist dennoch, dass unsere deutsche Landwirtschaft durch die Corona-Krise wieder an Bedeutung beziehungsweise Beachtung gewinnt.

Langfristig beschäftigen mich vor allem die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft und die damit einhergehende Akzeptanz von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, wie wir sie herstellen. Ich denke die Landwirtschaft kann vieles in Sachen Tierwohl und Umweltanforderungen umsetzen, wenn wir dafür einen entsprechenden Ausgleich bekommen. Das bedeutet aber konkret, dass die Menschen für ebendiese Produkte auch mehr bezahlen müssen.

Es ist mein Wunsch und meine Vision, dass sich die Landwirte zukünftig wieder auf Augenhöhe mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern unterhalten. Die Landwirtschaft lernt vom Verbraucher und der Verbraucher vom Landwirt. Die Landwirtschaft muss versuchen, sich mehr den Verbraucherwünschen zu stellen, der Verbraucher muss aber auch mehr Interesse an der Landwirtschaft zeigen. Kurzum: Wir sollten wieder mehr aufeinander zugehen!

Die Fragen stellte Angelika Sontheimer.