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Corona-Umfrage: Sorgen um die Gesamtwirtschaft

Die Corona-Pandemie trifft auch die Landwirtschaft. So hat der weltweite Shutdown zu Störungen im internationalen Warenverkehr geführt, mit Wirkungen auf die Erzeugerpreise. Der starke Einbruch der Außer-Haus-Verpflegung führt zu deutlichen Nachfragerückgängen bei verschiedenen Molkereien. Hinzu kommt der eingeschränkte Zugang zu Saisonarbeitskräften, der Sonderkulturbetrieben zu schaffen macht.

Wir haben gefragt, wie DLG-Mitglieder die Folgen der Pandemie für ihren Betrieb einschätzen, mit welchen Instrumenten gegengesteuert werden kann, und welche mittelfristigen Wirkungen die Mitglieder auf die globalen Lieferketten erwarten.

An der Befragung haben 85 Personen teilgenommen, davon 36 aus dem Bereich Ackerbau, zwölf Milchviehhaltung, neun Schweinehaltung und 21 Personen aus den Bereichen Sonderkulturen und Sonstige. Die „sonstigen“ Teilnehmer sind Berater, Geflügelhalter oder Weinbauern.

Folgen der Pandemie für den eigenen Betrieb: Zwischen geringen Wirkungen und anhaltender Unsicherheit


Für 52 Teilnehmer hat die Pandemie bisher geringe Wirkungen auf den eigenen Betrieb, die zudem beherrschbar sind und nicht zu größeren Problemlagen geführt haben.

21 Teilnehmer können die Wirkungen derzeit noch nicht einschätzen. Denn unklar ist beispielsweise, wie umfangreich die Verwerfungen am Milchmarkt sein werden. Auch im Schweinemarkt macht sich Unsicherheit breit: So ist nicht sicher, ob der gestiegene Absatz im Lebensmitteleinzelhandel den Absatzrückgang bei der Außer-Haus-Verpflegung tatsächlich kompensiert. Auch die Nachrichten aus dem Exportgeschäft in Richtung Südostasien sind nicht eindeutig.

Im Ackerbau führt die Pandemie aktuell für Anbauer von Verarbeitungskartoffeln zu tiefen Verwerfungen, denn der Absatz von Verarbeitungskartoffeln ist aufgrund der Schließung der Gastronomie zum Erliegen gekommen. Der Getreidemarkt profitiert vom regen Exportgeschäft, teils wird jedoch mit sinkendem Absatz in der EU gerechnet.

Größtes Risiko bei der Entwicklung der Gesamtwirtschaft

Der Großteil der Befragungsteilnehmer sieht die größten Risiken in den Folgen der Pandemie für die Gesamtwirtschaft. Wirtschaftsforscher erwarten eine stark einbrechende Wirtschaftsleistung. Auch wenn die Produkte der Land- und Ernährungswirtschaft grundsätzlich auch in Wirtschaftskrisen gefragt sind, sind Nachfragerückgänge insbesondere in der Gastronomie und bei Großverbrauchern zu erwarten.

Von den teilnehmenden 36 Marktfruchterzeugern sehen 31 Risiken in der Preisentwicklung für Getreide, auch wenn der Pandemie-bedingte, globale Nachfragezuwachs derzeit die Notierungen stützt. Denn wenn die Bevorratungskäufe in privaten Haushalten und bei Staaten zurückgehen, ist bei der erwarteten globalen Rekordernte Preisdruck denkbar.

Risiken durch Personalausfall sehen insbesondere die Marktfruchterzeuger als auch die Sonderkulturanbauer.

Pandemie-Folgen überwinden: Zahlungsfähigkeit sichern

Als wichtigstes Instrument, um die Folgen der Pandemie zu überwinden, nennt eine Mehrheit der Befragungsteilnehmer die Sicherung der Zahlungsfähigkeit. Denn je nach Markt- und Preisentwicklung sind sinkende Einnahmen zu erwarten. Eine vorausschauende Liquiditätsplanung und -kontrolle in Form einer Offenen-Posten-Buchhaltung (OP-Buchhaltung) ist das Mittel der Wahl: So buchen Landwirte Forderungen und Verbindlichkeiten unmittelbar nach ihrer Entstehung und nicht erst, wenn auf dem Bankkonto ein Zahlungsvorgang durchgeführt worden ist. Die OP-Buchhaltung erfasst somit alle offenen Posten und ist ein wirksames Instrument, um die Zahlungsfähigkeit zu überblicken und zu sichern.

Für 33 Teilnehmer ist ein betrieblicher Pandemieplan ein wirksames Instrument, um im Fall der Betroffenheit das Weiterlaufen des Betriebs sicherzustellen.

Auch das Thema Logistik ist im Blickfeld der Landwirte: für 16 Teilnehmer ist die Organisation einer alternativen Logistik – zum Beispiel über Nutzung des Fuhrparks von Rüben-Rodegemeinschaften – ein Instrument, um den Warenfluss und damit die Vermarktung reibungslos abzuwickeln.

Wirkungen auf die Lieferketten: Regionalisierung und vielfältigere Vertriebswege erwartet

Neben den direkten betrieblichen Auswirkungen der Pandemie wird die Zukunft der global verflochtenen Lieferketten diskutiert. Denn zwischenzeitliche Logistikschwierigkeiten im Export haben die Anfälligkeit der internationalen Lieferketten aufgezeigt. 25 der 87 Teilnehmer erwarten, dass sich die Warenströme wieder einpendeln werden.

Stärkere Effekte erwarten die Befragungsteilnehmer auf die Situation in Deutschland: So sind 35 der 87 Teilnehmer der Meinung, dass der Agrarstandort Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgeht. Ebenfalls 35 Teilnehmer sind der Meinung, dass der Trend „Regional“ – also die Erzeugung und der Verbrauch regionaler Produkte – gestärkt wird.

Auch Wirkungen auf die Vermarktung werden erwartet: 26 Befragungsteilnehmer sind der Meinung, dass die Vertriebswege vielfältiger werden. Online-Tools beziehungsweise -Plattformen bieten neue Möglichkeiten, um die Vermarktung breiter aufzustellen. Dies hilft den Landwirten, Risiken in der Vermarktung, zum Beispiel durch Störungen in den Lieferketten, zu streuen.