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Agrarmärkte in der Corona-Krise

Christof Buchholz zu den Aussichten für Weizen und Raps

Noch vor wenigen Monaten hätte niemand damit gerechnet, dass Deutschland einmal mehr als vier Millionen Tonnen Weichweizen in Drittländer exportieren würde. Lange Zeit waren die Preise für deutschen Weizen auf dem Weltmarkt zu hoch und der Euro zu stark. Doch dann wendete sich das Blatt, und die Exporte zogen kräftig an. So konnte Deutschland von den Streiks in französischen Häfen und Herausforderungen in der Logistik profitieren. Der fallende Euro brachte zusätzliche Unterstützung für Weizen aus Europa und Deutschland und machte das Getreide auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie gab dann der weltweiten Nachfrage nach Brotgetreide einen gewaltigen Schub. Reserven und Silos werden nun aufgefüllt, strategische Notfallreserven angelegt. Bis dato ist die Nachfrage nach Weizen auf einem hohen Niveau. Aber es ist nicht nur die globale Nachfrage, die für Preisschübe sorgt. Wie so oft, wenn die Politik eingreift, verändern sich die Märkte. So hat die Ankündigung Russlands oder auch der Ukraine, die Exporte zu begrenzen, zu steigenden Preisen geführt. Gleiches gilt für die Einführung von Zöllen auf Agrarrohstoffe.

Die Feldbestände des Winterweizens sowie auch der Wintergerste sehen überwiegend gut aus. Der milde Winter hat bisher keinen verstärkten Schädlingsdruck hervorgerufen. Und die warme Wetterperiode, die Deutschland derzeit begünstigt, wird für sehr gutes Pflanzenwachstum sorgen. Trotz der im Vergleich zu 2019 kleineren Aussaatfläche dürften wir – ohne außergewöhnliche Wetterkapriolen – voraussichtlich eine Weizenernte etwa in Höhe des Vorjahres von rund 23 Millionen Tonnen erreichen. Aber für seriöse Ernteschätzungen ist es zu früh, es kann noch viel passieren.

Wenn man einen Blick auf die Rapsmärkte wirft, so ist eine Tatsache wohl unumstößlich: Deutschland wird auch in 2020/21 große Mengen an Rapssaaten importieren müssen. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Bundesrepublik fünf Millionen Tonnen produziert hat. Aktuelle Schätzungen sprechen von einer Aussaatfläche von nur 880.000 Hektar. Die Bestände sehen bislang gut aus, so dass wir eine durchschnittliche Ernte erwarten dürfen.

Die Nachfrage im Inland ist zwar hoch, dennoch gestaltet sich der Rapsanbau mit kontinuierlich sinkenden Erträgen und Anbauflächen immer weniger attraktiv. Da die Rapsimporte die heimischen Ölmühlen gut versorgen, ist mittelfristig auch nicht mit einem deutlich stabileren Preisniveau zu rechnen. Sorgen bereitet der Branche darüber hinaus der Einbruch des Biodieselverbrauchs.

Die Corona-Krise offenbart, wie essentiell eine funktionierende, effektive und verlässliche Logistik für die Versorgung der Bevölkerung ist. Es wird auch deutlich, wie wichtig die heimische Produktion von sogenannten systemrelevanten Produkten ist. Wir werden noch sehr viel aus dieser Pandemie lernen – und diese beiden Einsichten gehören gewiss dazu.