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Technik zur mechanischen Unkrautregulierung

Technik zur mechanischen Unkrautregulierung gewinnt angesichts der aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der chemischen Pflanzenschutzmittel für eine wachsende Zahl landwirtschaftlicher Betriebe zunehmend an Interesse. Die diesjährige Tagung „Land.Technik für Profis“ widmete sich deshalb nach 2016 bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre dem Themenkomplex „Pflanzenschutz“.

Erneut gelang es der Programmkommission unter Leitung ihres Vorsitzenden Dr. Hartmut Matthes vom Bundesverband Lohnunternehmen, das Interesse vieler praktischer Landwirte an der Tagungsteilnahme zu wecken. Bis zum letzten Platz waren die Reihen gefüllt, nachdem die Tagung bereits im Dezember 2019 ausverkauft war.

Erfahrene Praktiker und Berater machten in ihren Vorträgen die vielen Facetten mechanischer Unkrautregulierung deutlich. René Döbelt, Landwirt aus Nemt in Sachsen und Vizepräsident der DLG, bewirtschaftet seit 1991/92 eine Fläche von 840 ha ökologisch, weitere 135 ha befinden sich in Umstellung. Er baut aktuell 14 Kulturen an, bei rund 50 Prozent Getreide in der Fruchtfolge und einem hohen Blattfruchtanteil.

Die ausgeklügelte Fruchtfolge legt Döbelt vor allem hinsichtlich der Zeitpunkte und Art der Bodenbearbeitung und der zu erwartenden Unkrautentwicklung an. Beispielsweise bekämpft er Wurzelunkräuter, wie zum Beispiel Disteln, durch mehrfachen Grubberstrich mit jeweils zunehmender Arbeitstiefe.

„Mechanischer Pflanzenschutz ist die mechanische Regulierung der Beikräuter.“ Er gelingt nur nach optimaler Aussaat – ein gleichmäßiger Aufgang ist ebenso entscheidend wie der Aussaattermin, um den Pflanzen ausreichend Vorsprung vor auflaufenden Beikräutern zu ermöglichen. Die Kosten des mechanischen Pflanzenschutzes steigen exponentiell an, wenn nicht alle ackerbaulichen Voraussetzungen erfüllt sind. Hinzu kommt, dass jährlich wechselnde Bedingungen die Anpassung des Verfahrens hinsichtlich Werkzeugauswahl und Einsatzterminen erfordern.   

Detlev Dölger von der Hanse Agro Beratung und Entwicklung GmbH in Gettorf (Schleswig-Holstein) und Mitglied der DLG-Prüfungskommission „Bodenbearbeitungstechnik und Sätechnik“ rät in seinem Beitrag zu einem schnellen Start von notwendigen Veränderungen bei Fruchtfolge und Bodenbearbeitung, da jede Veränderung eine Bewegung zu Neuem und damit Unbekanntem darstellt. Dies braucht Zeit und kann mit anfänglichen Fehlern verbunden sein. Glyphosatverzicht erfordert mehr hygienisches Augenmerk auf die Bodenbearbeitung.

„Diese kann teilweise durch Striegeln und Hacken ergänzt werden. Ein denkbarer mechanischer Eingriff nach der Saat wird allerdings schon durch die Möglichkeiten und die Auswahl an Bodenbearbeitung eingeschränkt. So ist Hacken bei starkem Strohverbleib an der Bodenoberfläche nicht möglich oder schränkt zumindest die Werkzeugwahl und damit die Effekte stark ein. Die Aufgabe stellt der Acker beziehungsweise die anzubauende Pflanze. Folglich sollten wir nicht von der Seite der Maschinen aus denken, sondern die ackerbauliche Aufgabe durchdenken und verstehen. Gerade das Hacken von Reihenkulturen (zum Beispiel Mais, Sonnenblumen, Soja, Raps und Ackerbohnen) bietet die Möglichkeit, mechanische und chemische, eventuell aber auch andere physikalische Verfahren (Stempeln, elektrisch, etc.) zu kombinieren.“

Ein mittlerweile namhafter Hersteller von Schlüsselmaschinen für die mechanische Unkrautregulierung ist die Firma Treffler aus dem bayerischen Pöttmes. Geschäftsführer Paul Treffler sen. übernahm 1981 die Firma von seinem Vater. Seit 2003 bietet Treffler neben der Auftragsfertigung selbst entwickelte Agrartechnik an.

Von Beginn an bildete die konsequente Ausrichtung an die Anforderungen von ökologischen und konventionellen Landwirten die Grundlage für diese Entwicklungen. In den letzten Jahrzehnten entstand eine breite Produktpalette, die heute neben dem Präzisions-Zinkenstriegel auch Zinkengrubber, Federzahneggen, Hackgeräte, Schneidwalzen und das Komponenten-Sägerät umfasst.

Ein Grund für diese Erfolgsgeschichte ist die technische Umsetzung der Praxisanforderung nach konstantem Druck der Striegelzinken über die gesamte Arbeitsbreite auch bei Unebenheiten und die stufenlose Verstellbarkeit des Striegeldrucks – bei Arbeitsbreiten von 0,8 bis 27 m! Diese Technik ermöglicht dem Landwirt ein sehr genaues und teilflächenspezifisches Arbeiten, das jedoch viel Erfahrung, Sachkenntnis und hohe Konzentration beim Fahrer erfordert.

René Döbelt setzt Treffler-Striegel auf seinen Flächen ein. Er und seine Mitarbeiter verbinden ihre jahrelange Erfahrung und Sachkenntnis mit den Möglichkeiten der Technik, um optimale Arbeitsergebnisse beim Striegeln zu erzielen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, wie Praktiker und Ingenieure gemeinsam altbekannte Technologien sinnvoll weiterentwickeln und nutzen. Paul Treffler und sein Team arbeiten aktuell an sensorgestützter automatischer Maschineneinstellung – und denken dabei nicht von der Maschine aus, sondern durchdenken und verstehen die ackerbauliche Aufgabe.   

Autor: Prof. Dr. Till Meinel, Vorsitzender des DLG-Testzentrums Technik & Betriebsmittel und DLG-Vizepräsident, Institut für Bau- und Landmaschinentechnik, Köln (IBL)