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Corona-Pandemie

Hubertus Paetow: Es wird sie geben, die neue Normalität nach der Krise!

Ein Virus beherrscht das Tagesgeschehen auf der ganzen Welt. Und auch für uns deutsche Landwirte ist eine ganze Menge zu bedenken, wenn wir unter diesen Bedingungen die Betriebe auf Spur halten wollen. Vor allem, weil gar nicht abzusehen ist, wie lange wir mit den erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Leben und auch in den landwirtschaftlichen Betriebsabläufen umgehen müssen. Aber auch bei Corona gilt: Jede Krise ist auch Chance. Es wird eine Zeit nach den Einschränkungen und der sich abzeichnenden Rezession geben. Dann ist es Zeit, die Erkenntnisse aus dieser besonderen Situation in unsere Betriebsorganisation einfließen zu lassen, um zukünftigen Krisen besser begegnen zu können.

Viele Betriebe denken inzwischen anders über Notfallpläne, Vertretungsregelungen und Arbeitssicherheit nach als vor der Krise. Und auch wenn es viele, vor allem im Gemüse- und Ökolandbau, hart trifft, dass die Erntehelfer dieses Jahr vorerst nicht einreisen dürfen, so wird dies sicher auch dazu führen, dass der eine oder andere Handarbeitsgang früher automatisiert wird, als man dies eigentlich geplant hatte.

Die globale Arbeitsteilung funktioniert eben nur, wenn Menschen und Waren sich global bewegen können. Wie wertvoll für uns alle diese globale Arbeitsteilung ist, wird uns in diesen Tagen besonders deutlich vor Augen geführt.

Zunächst geht es aber nicht um die Weltmärkte, sondern um die ganz praktischen Dinge auf den Betrieben. Die Bundesregierung ist sich der Problematik der fehlenden Erntehelfer bewusst, und stellt immerhin ein Vermittlungsportal für Erntehelfer online, über das sich hoffentlich viele von denen, die in anderen Branchen im Moment nicht tätig sein können, zum Einsatz auf den Feldern melden können.

Wir sollten dieses Angebot sehr positiv sehen, auch wenn unsere deutschen Mitbürger nicht ganz so geschickt sind wie beispielsweise ihre rumänischen Kollegen. Denn dies ist eine einmalige Chance, viele Menschen wieder näher an die Landwirtschaft heranzuführen, ganz praktisch und mitten in der Natur. Das wäre doch eine tolle Sache, wenn unsere Nachbarn bei den nächsten Horrormeldungen über die Sünden der Landwirtschaft zunächst einmal an ihren Corona-Ernteeinsatz zurückdenken und sagen: “Das kann nicht sein, bei meinem Gemüsebauern wird ordentlich gewirtschaftet, das habe ich selbst gesehen.”

Es tut gut, wenn in einer Notlage deutlich wird, wie wichtig die Erzeugung von Lebensmitteln auch in heutiger Zeit ist – Landwirtschaft ist systemrelevant. Leere Regale im Supermarkt sind für viele in Deutschland eine neue Erfahrung.

Trotzdem sollten wir uns davor hüten, nun diese Systemrelevanz für Forderungen an die Gesellschaft auszunutzen. Das ist schon bei den Banken in der Finanzkrise nicht gut angekommen. An den Stickstoffüberschüssen ändert auch die Pandemie nichts, dieser Herausforderung müssen wir uns stellen. Das heißt nicht, dass die nun anstehenden Beschlüsse der Bundesregierung und der Parlamente der Weisheit letzter Schluss sind – da gibt es noch viel zu diskutieren, auch nach den Entscheidungen. Aber das tun wir mit guten Argumenten und fachlich fundierten Vorschlägen und nicht mit Boykottdrohungen.

Wenngleich wir - die DLG - derzeit einige gut geplante Ausstellungen, Fachveranstaltungen und Prüfungen verschieben mussten, um einen Beitrag zum Stopp des Virusvormarsches zu leisten: Gute Konzepte, die von der DLG erwartet werden, sind in Zukunft noch wichtiger als sie es immer schon waren. Sobald die Situation es wieder erlaubt sind wir am Start. Zwischenzeitlich halten wir Sie über unseren Newsletter wöchentlich auf dem Laufenden.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Durchhaltevermögen für die harte Zeit, bleiben Sie gesund. Wir halten Kontakt und werden uns wiedersehen in der neuen Normalität nach der Krise.