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DLG-Spitzenbetrieb Remmert hat kühne Ideen

Den fachlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen an den Tier- und Umweltschutz zu entsprechen und zugleich wettbewerbsfähig sein zu können, das ist eine der großen Herausforderungen, denen sich die Schweinehaltung stellen muss.  Sozusagen „ringelschwanzkonform“ müssen die Haltungssysteme der Zukunft sein.

„Ringelschwanzkonform“ steht in der Schweinehaltung für mehr Platz und eine Strukturierung der Buchten, sodass den Tieren verschiedene Funktionsbereiche zum Ruhen und Fressen, aber auch zum Koten und Harnen etc. zur Verfügung stehen. Besonders unterstützt werden sollten natürliche Verhaltensweisen bei der Nahrungssuche und -aufnahme, und durch die Schaffung von verschiedenen Klimazonen kann wesentlich zum Wohlbefinden und der Gesundheit der Schweine beigetragen werden.

Der „Stall der Zukunft“1 und  das „Gesamtbetriebliche Haltungskonzept für Mastschweine“2 geben vielfältige Hinweise und sind als Ideenschmiede zu verstehen.

Die Praxis ist zum Teil schon ein Stück weiter: Ralf Remmert von der Prignitzer Landschweine GmbH verfolgt sehr eloquent mit seiner Betriebsphilosophie „Vom Saatkorn zur Salami“ einen Weg, der den Verzicht auf nicht kurative Eingriffe (Zähne, Schwänze, Hoden) ebenso beinhaltet wie den Verzicht auf die Fixierung von Tieren.

Man mag ungläubig den Kopf schütteln, aber die Vorstellung seiner Ideen im Arbeitskreis II des diesjährigen DLG-Forums Spitzenbetriebe Schwein „Anders machen. Alternativen schaffen“ zum Thema „Eigene Ideen im Stall und in der Vermarktung erfolgreich umsetzen“ zog die Vertreter der anwesenden Betriebe in den Bann. Macht er doch überzeugend klar, dass es darum geht, sich den Herausforderungen des Tier- und Umweltschutzes gleichermaßen zu stellen und den Verbraucher dabei „mitzunehmen“.

„Ich muss das ganze System im Auge haben, sonst löse ich ein Problem und schaffe zwei neue“, so Ralf Remmert, der auch im MuD-Netzwerk des Bundeslandwirschaftsministeriums eine gute Heimat gefunden hat, weil er mit Gleichgesinnten fachsimpeln und seine Ideen austauschen kann. „Ich will, dass die Schweine ihr arteigenes Verhalten ausleben können und dass Belastungssituationen möglichst vermieden werden.“ 

Wie das gelingen kann, experimentiert er in seiner „Ideenschmiede“ und entwickelte die „Schweinetoilette“, ein bewegliches, flüssigkeitsdurchlässiges Kotband, dass dafür sorgt, das Kot und Harn getrennt werden. Das Resultat: Es entstehen deutlich weniger Emissionen und die planbefestigten Flächen in der Bucht werden deutlich weniger verschmutzt. Es ist beeindruckend zu sehen, wie bewusst die Schweine diese Buchteneinrichtung aufsuchen.

Die gleichzeitige Implementierung von Minimaleinstreu, ergänzt durch tägliche Rau-/Strukturfuttergaben, erfüllen das, was wir oft negieren: Schweine wollen mit dem Rüssel wühlen, erkunden und diese Materialien auch aufnehmen. Zum Wohle der Darmgesundheit! Angesichts der zunehmenden Klimaerwärmung in den Sommermonaten wurden auch aktive Kühlungsmöglichkeiten vorgesehen.

Remmerts Ziel ist es, die Schweine möglichst von der Geburt bis zur Schlachtung im Familienverband zu belassen, denn die Störung der natürlich entstandenen Sozialkontakte ist ein erheblicher Stressfaktor. Sind die Bucht, die Futterautomaten und die Tränken so konzipiert, dass sie auch den Ansprüchen wachsender Tiere genügen, funktioniert das Ganze.

Und es rechnet sich, wenn es gelingt, die Vermarktung in das Gesamtsystem einzubinden. Auf die nachgelagerte Kette zugehen und verstehen, wie sie tickt, das hat Herr Remmert inzwischen gelernt. In seinen Ställen stehen 1.400 Sauen für die Ferkelproduktion. Die Tiere werden selbst gemästet und daraus werden Produkte erzeugt, die unter dem Siegel „markStück“ nicht nur von seinen 15 Fleischereifilialen in der Prignitz vermarktet werden.

Ihm ist es gelungen, über die Strategie der kleinen Schritte die Handelskette Rewe als Partner zu gewinnen. Über das „Regionalfenster“ werden die Produkte in 20 Filialen rund um Berlin verkauft, ohne Sonderangebot, seit über 1,4 Jahren. Allein das erforderte auch bei ihm, neu „in der Kette“ denken zu lernen, bevor Partnerschaften entstehen konnten.

Remmerts Zukunftsvisionen sind noch nicht ausgeträumt: Er bereitet sich schon darauf vor, auch das letzte Glied in der Wertschöpfungskette noch tiergerechter zu gestalten: die Schlachtung. „Eine hof-/haltungsnahe Schlachtung ohne Lebendtiertransport reduziert den Stress und wird der Produktqualität guttun.“ 

Autorin: Simone Müller, TLLLR Jena, Referat Nutztierhaltung

[1] https://www.uni-goettingen.de/de/575789.html 
[2] https://www.ble-medienservice.de/1007/gesamtbetriebliches-haltungskonzept-schwein-mastschweine